
Auf meinem Spiegel klebt daher auch in Kopfhöhe ein Schild: Gewöhn Dich dran. Letztlich zählen ja auch nur die inneren Werte. Diese Hoffnung zumindest stirbt als vorletztes. Auch wenn derartige ChatGPT-Ergebnisse aus künstlerischer Sicht diskussionswürdig sein mögen, Spaß macht das Gefummel damit auf jeden Fall. Jedenfalls mehr als die abendlichen Nachrichten, wie gestern.
Halloween, und damit sind wir wieder bei meinem Lieblingsthema, den Irrungen und Wirrungen des Kapitals, existiert als Fest in Deutschland nicht wie in Irland und Schottland seit 2000 Jahren und es ist auch nicht kultischen Ursprungs. Es existiert seit 1994 und ist kapitalistischen Ursprungs. 1991 war der Karneval wegen des Golfkriegs ausgefallen, die Kostümindustrie hatte massive Verluste erlitten. Daher promotete die „Fachgruppe Karneval im Deutschen Verband der Spielwarenindustrie (DVSI)“ massiv den Halloweenbrauch hierzulande. Mit durchschlagendem Erfolg. Der Extra-Umsatz zu Halloween beträgt über 500 Millionen Euro. Die Brauindustrie arbeitet wegen massiver Umsatzeinbrüche aktuell an einer Werbekampagne für die Einführung hierzulande des finnischen Brauchs „Frauentragen“, bei dem die Männer ihre Frauen über einen 253 Meter langen Parcours tragen müssen. Das schnellste Paar erhält als Preis das Gewicht der Frau in Bier. Demnächst auch bei Ihnen.
Zu Halloween ziehen ja Heranwachsende verkleidet durch die Gemeinden und fordern „Süßes oder Saures“. Wenn sie das nicht kriegen, folgen meist harmlose Streiche.
So auch gestern, zehntausende Heranwachsende zogen unter anderem durch Berlin, Frankfurt und Köln und forderten von der Politik Süßes oder Saures und überbrückten die Zeit mit harmlosen Streichen wie dem Versuch, Waffengeschäfte zu plündern.
Das könnte man als Alt68-Romantiker unter anderen als den herrschenden Umständen als Fanal zur Revolution sehen. Unter unseren Umständen ist es eher durchgeknallt, kontraproduktiv und bedrohlich. Waffen in den Händen der in Berlin gegen eine Regierungsbeteiligung der Linken demonstrierenden Parteigenoss*innen sind das beispielsweise Letzte, was man sich wünschen möchte. Dann lieber auswandern. Das sind durch die Bank weg notorische Querulanten mit einem stalinistischen Gemüt. Denen ist das Schicksal prekär lebender Menschen in Berlin und anderswo egal. Der Einzelne zählt nichts, es geht nicht um den Menschen, es geht um die Menschheit. Es geht immer nur ums Ganze.
Wobei die an Halloween ausgeübte Gewalt auf den Straßen strukturell betrachtet aus Sicht der Bewegungssoziologie als Gegengewalt interpretiert werden kann. Im Denken von Jean-Paul Sartre ist Gegengewalt die unausweichliche und legitime Antwort der Unterdrückten auf die systemische, strukturelle Gewalt der Unterdrücker. Den Demonstrierenden wird aus ihrer Sicht die Zukunft gestohlen (was ich genauso sehe). Die Frage ist halt, in welcher historischen Situation wird welche Form von Gewalt gegen wen oder was ausgeübt. In der derzeitigen Situation werden durch Gewalt die Anliegen der Demonstrierenden delegitimiert. Ihre Anliegen würden aber auch sonst nicht erfüllt. Diesen Konflikt zieht das Kapital beinhart durch: Fresst oder verreckt. Antagonistischer Klassenkampf, von oben. Die Politik als Erfüllungsgehilfe formuliert das nur charmanter: Sachzwänge und leere Kassen.
In der Hoffnung, wie so oft mit allem unrecht zu haben, klicke ich mich jetzt wieder bei ChatGPT ein. Ich als Weihnachtsmann. Das wird bestimmt noch schöner als oben