22.03.2015 – Grundlage von ästhetischer Bildung ist die Wahrnehmung von Differenz.

Wenn ich kein Gefühl für das Andere habe, wird mir ein aufgeklärter Blick in die Welt versperrt bleiben. Das schließt die Wahrnehmung von Kunstwerken ebenso ein wie die von der Gestaltung der Städte und von der Hässlichkeit von Pegida-Demonstrantinnen. Pegida und AfD sind hässlich, rein ästhetisch gesehen, ohne ethische Wertung. Ich habe noch nie jemanden aus diesem Umfeld gesehen, die ich erotisch fand oder auch nur attraktiv. Ihre Plakate sind unlustig und hässlich. Ich verschließe die Augen und stelle mir Herrn Gauland, der Name steht für sein Programm, mit Donald-Maske vor und Frau von Storch mit Strapsen.
Nichts hilft gegen den faden Geschmack von Hässlichkeit, auch kein Lachen.
Warum ist die Welt so, wie sie ist? Das ist die Grundfrage jeder Kunstproduktion, die in sich den Kern trägt der Nachfrage: Warum ist die Welt nicht besser? Und: Wo gibt es eine bessere Welt? Insofern ist ästhetische Bildung immer auch politische Bildung.
entartete musik
Schöne Präsentation: Ernst Jünger und Entartete Musik.
Ernst Jünger war kriegsverherrlichender Kryptofaschist und Entartete Musik bezieht sich auf eine kritische Rekonstruktion der gleichnamigen Nazi-Ausstellung.
Wahrnehmung von Differenz, ursprünglich ging mir der Gedanke im Kölner Hauptbahnhof durch den Kopf, als mir beißender Wurstgeruch in die Nase stieg. Überall blubberte Wurstwasser, in dem Bockwürste et. al. gesotten wurden. Der Kölner scheint ein regelrechter Wurstfetischist zu sein. Ich schätze gelungene Bratwürste, aber Köln war echt übel. Ich hatte vorher in Brüssel den Duft von frischen Waffeln auf offener Strasse eingesogen, und der Unterschied war eklatant.
Jede Stadt riecht anders, schmeckt anders, sieht anders aus, fühlt sich anders an. Differenz eben.

21.03.2016 – Die Bilder seh’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

Das sage ich mir jeden Tag aufs Neue, wen eine unfassbare Bilderflut, getränkt voll Irrsinn, Niedertracht und Zynismus, auf meine arme Netzhaut niederregnet. Das kann doch gar nicht sein, dass die Welt …., aber sehen Sie selbst:
institut für angewandten humbug
Coaching, Psychotherapie HPG (= Hokuspokus Heilpraktiker) und Outplacement – Astrologiegestützt.
Nacht muss es sein, wo Friedlands Sterne strahlen? Von wegen, hier geht der Fisch ab mit CIP Coaching in Process. Was ist CIP Coaching in Process? Zitat und das reicht schon, mehr muss man nicht lesen:
„Unsere Vision ist, am evolutiven Bewusstseinsprozess mitzuwirken, sich begeistert auf das Leben einzulassen und sich immer weiter zu entfalten – mit Wurzeln und Flügeln!“
Wer Visionen hat, soll aufhören zu kiffen, evolutives Bewusstsein und sich mit Wurzeln und Flügeln entfalten… Also ich möchte meine Wurzel nicht entfalten und mein Flügel ist ein Klavier und sehr verstimmt, wenn er solche gruselig-windschiefen Metaphern liest, die nichts tun außer lauthals zu rufen:
„Hilfe, wir, die wir solche Sätze in die Landschaft zimmern, sind eigentlich arme Würstchen und Tröpfe, bei denen es zu einer richtigen Psychoklempner-Praxis nicht gereicht hat und aus lauter Verzweiflung versuchen wir, mit allerlei Esoterik-Humbug noch dümmeren und verzweifelteren Würstchen und Tröpfen als wir es sind das Geld aus der Tasche zu ziehen mit dem Erwerb von Zertifikaten, die beim Autor dieses Blogs noch nicht mal zwecks Beseitigung evolutiver Verdauungsreste auf dem WC hängen dürften.“
Mitzuhelfen Leute rauszuschmeißen via Qutplacement, sie dann in Transfergesellschaften ein paar Monate lang ruhig zustellen und zu verarschen, und wenn sie hinterher verzweifelt sind, ihnen mittels Astrologie-Scharlatanerie den Rest Kohle aus dem Kreuz zu leiern, die sie beim Eintreten von Hartz IV noch haben, das nenne ich Zynismus pur entlang der Wertschöpfungskette.
Wie recht hatte doch der wackere Terzky, der dem astrologiegläubigen Wallenstein angesichts des Verrats von Piccolomini (obwohl die Sterne ja angeblich günstig standen) entgegen hielt, trocken wie ein guter Martini:
„Hätt‘ man mir geglaubt!
Da siehst du’s, wie die Sterne dir gelogen!“

(Schiller, Wallensteins Tod, Lektüre in der Untersekunda)
So gebe ich Euch Leserinnen und der ganzen Welt,
den Terzky heute, und das ohne Geld.
Wenn das kein guter Start für Sie, liebe Leserinnen, in die Woche ist….

19.03.2016 – Psychokontaminierte Orte.

Manche Orte sind für mich psychokontaminiert. Der Bahnhof Köln zum Beispiel. Bei meinen früheren, mal sehr, mal weniger erfolgreichen Touren durch Deutschlands TV-Casting- Und Quizszene bin ich hier mal gelandet, als es um „Wer wird Millionär?“ ging, was suboptimal lief. Seitdem befällt mich immer, wenn ich im Kölner Bahnhof bin, eine gewisse Muffigkeit. Kein Drama, die Nummer hat mich nicht umgehauen damals, aber es ist schon ein anderes Gefühl, als wenn ich im Berliner Hauptbahnhof oder in Lissabon im Bahnhof Oriente ankomme. Da sauge ich mit den ersten Atemzügen schieres Glück ein. Selbst wenn es, wie neulich in Berlin, mitten im feuchtnieseligen Winter nur für einen Tag war. Da atmet man normalerweise nur Grippeviren ein. Ich aber tanzte mit meinem Rolli über den Vorplatz und intonierte lauthals: „I’m singin in the rain.“
Fast jedenfalls.
Köln dagegen. Und dann musste ich auch noch auf den verspäteten Umsteigezug warten, für zwei, drei Kölsch war die Zeit aber zu kurz, also drückte ich mich am Dom rum. Beeindruckendes Gemäuer und innen richtig spirituell. Aber das zieht da immer wie Hechtsuppe. Selbst wenn es im Rest der Republik warm und total windstill ist, bläst einem bei einer Domumrundung immer ein eiskalter Orkan entgegen. Immer Gegenwind bei einer 360 ° Kehre zu haben, das muss eine Gegend auch erst mal hinkriegen. Ätzend.
So was kann man doch heutzutage mit Computersimulationen bei der Bauplanung in den Griff kriegen. Wie rückständig die damals waren.
Und überhaupt, Köln …
4711 haus
Köln geht aber auch schön: 4711-Haus, am Dom, ein zeitloser Klassiker. Der Duft auch, erinnert immer an Oma, seit Generationen…

18.03.2016 – Eine andere Welt ist machbar, Herr Nachbar.

„Ein grundsätzlicher Wandel der Geschlechterrollen und Paarbeziehungen hat in den letzten 20 Jahren nicht stattgefunden“, so das Fazit der aktuellen Genderforschung in einem Spiegelartikel über eine wachsende Zahl von hochqualifizierten Frauen, die sich auf ihre Hausfrauenrolle zurückziehen, während Männe (ab hier O-Ton Autor) die Kohle ranschafft. Und sich nach 10 Jahren, wenn sich die Mutti Zuhause mit den zwei Gören unattraktiv geackert hat, eine Jüngere anschafft, was für Mutti im Zweifel die Falle „Altersarmut“ bedeutet.
Was der Spiegel komplett ausblendet, ist die Tatsache, dass dieses individuell-resignative Rückzugsverhalten wie Arsch auf Eimer in den allgemeinen gesellschaftlichen Roll back passt. Ein derartiges Verhalten von (Haus)Frauen als Selbstverwirklichung auch nur zur Diskussion zu stellen, ist fast genauso reaktionär wie das Verhalten der Frauen selber.
Unter anderem welcher solcher Hanswurstiaden lese ich den Spiegel nur auf Reisen und wenn mich mal die Titelgeschichte anspringt. Wie im vorliegenden Fall die über die wachsende Spaltung zwischen Arm und Reich. Ohne großen Erkenntnisgewinn, außer der Tatsache, dass es jetzt sogar Spiegel und DIW gemerkt haben.
krallen zeigen - fischmarkt brüssel
Krallen zeigen – Brüssel Fischmarkt
Dass Männer sich dieses Verhalten von Frauen zunutze machen, so what. Warum soll der Profiteur sein Geschäftsmodell zur Diskussion stellen?
Wenn ich mir allerdings für mich den umgekehrten, also aufgeklärten, weil als Teil eines anderen Rollenverständnisses in die Zukunft weisenden Fall vorstelle, dass ich Zuhause hocke, mehr oder weniger erfolglos die Brut aufziehe und versuche, den Haushalt nicht zur Mülldeponie werden zu lassen, während die Mutti die Kohle ranbringt, würde ich mich wahlweise wahrscheinlich als „Opfer“, als „schwul“ oder „behindert“ fühlen (Hab vorhin auf dem Bahnsteig gehört, wie ein Halbwüchsiger die drei Begriffe in einem Satz unterbrachte. Ich dachte sofort: Das versuch ich auch mal. Voila.) Gruselig wird die Vorstellung, ich würde nebenbei (!) versuchen, als Kulturproduzent nennenswert Geld zu verdienen. Da könnte ich mir gleich ein T-Shirt häkeln mit der Aufschrift: LOSER. Im Laufe der Jahre hat sich leider herausgestellt, dass ich ein erfolgreicherer Kulturmanager als Produzent bin. Das ist für mich alleine schon eine Kränkung, die jeden Drogenabusus rechtfertigt.
Eines muss frau dem Spiegel Artikel aber lassen. Die eigene Meinung eines Autoren (im vorliegenden Fall: Autorin!) schimmert im Journalismus ja grundsätzlich in den letzten Zeilen eines Beitrags durch. Die bleiben haften, gerne auch in einem O-Ton versteckt.
Und da besteht bei der Autorin Hoffnung. Also Zitat Spiegel Artikel:
„Tobias Scholz (einer jener wenigen Parademänner, die Gleichberechtigung praktizieren, d. A.) findet: „Männer können vom Feminismus profitieren.“
Nicht vom weiblichen Rückzug in die Spielecke.“

Das ist genauso richtig wie die Erkenntnis, dass eine andere, sprich aufgeklärtere, bessere, Welt machbar ist.
Nur wann und mit wem?
Aber dank dem Spiegel hab ich mir jetzt auch darüber mal einen Kopf gemacht. Präziser: Ich hab darüber was in diesem Blog geschrieben.
Das heißt nicht automatisch, dass ich mir einen Kopf gemacht hätte.

15.03.2016 – Die schärfsten Kritiker der Elche wären gerne selber welche.

Nach F. W. Bernstein.
die schärfsten kritiker der elche
In Duderstadt im Eichsfeld, meiner alten Heimat. Das Projekt „Armut? Das ist doch keine Kunst!“ soll da hin und das bedarf gründlicher Planung. Ich krieg schon beim Gedanken an die Zusammenarbeit mit Künstlerinnen noch mehr graue (weiße. Die sind weiß! Nicht grau!) Haare. Tolle Arbeiten sind da entstanden, aber die Produzentinnen: Unpünktlich, undiszipliniert, unprofessionell. Nicht alle. Aber 100 Prozent. Diese meine Sicht und Disposition führt mich zu der Frage: Äußert sich im obigen Bild, was auf der äußeren Erscheinungsebene nur so vor selbstbewusster Abgrenzung strotzt („Spießer? Ich doch nicht!“) vielleicht eine heimliche Sehnsucht: Ich wäre so gerne auch Spießer? Siehe Überschrift. Oder gar subkutane Identifikation mit dem angegriffenen Subjekt: Ich bin es eigentlich hinter meinem Rücken schon? Seufz.
Jetzt auf nach Brüssel. Ein Auftritt in der niedersächsischen EU-Vertretung. Das schreibe ich, liebe Leserinnen, damit Sie von mir beeindruckt sind. Und später, wenn ich Alzheimer habe, Brüssel schon lange vergessen habe und diesen Eintrag lese, bin ich dann selber von mir beeindruckt. Ich fahre mit Wut im Bauch, darüber, dass sich der von mir am 12.03 vorsorglich beschimpfte Wähler noch viel strunzdummer verhalten hat, als gedacht. Was kommt als nächstes, bitte schön? Die SPD scheitert an der 5 Prozent Klausel? Ich seh’ mich schon Wahlkampf für die SPD machen. Das würde meine Ruf in bestimmten Kreisen auf „0“ reduzieren. Und wäre ein weiteres Argument dafür.
Jetzt sollen wir uns also argumentativ mit der AfD auseinandersetzen und sie in der alltäglichen Arbeit demaskieren. Das ist komplette Hilflosigkeit. Mit dem Ressentiment kann man nicht diskutieren. Die Wut, die diese Rassisten umtreibt (20 – 30 Prozent der Bevölkerung sind latent rassistisch und antisemitisch), ist der Ratio nicht zugänglich.
Das Programm der AfD ist die Entfesselung des Elite-Mob gegen den Proll-Mob: Umverteilung von unten nach oben, Sozialabbau, Privatisierung, Entlastung der Reichen. Und trotzdem erzielt die AfD die besten Ergebnisse in sozialen Brennpunkten wie Bitterfeld in der Ostzone. Da prallt jedes Argument schon an der Stadtmauer ab.
Und Gnade uns … tja, wer? …, wenn wir mal ne echte Krise kriegen, mit massiv wachsender Arbeitslosigkeit und diese Trümmertruppe statt solcher Gruselgusten und Xanthippen wie von Storch und Petry charismatische Führerinnen hat.
Nach wie vor gilt das Wort zum Sonntag: Rassismus ist keine politische Einstellung, sondern ein Verbrechen. Und Verbrecher gehören in den Knast.
Deshalb, Genossinnen, ist ab heute zu fordern: Staat, bau massenhaft Knäste!

12.03.2016 – Vorsorgliche Wählerbeschimpfung

Egal, wie die Wahlen in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt morgen ausgehen: Das hat die SPD nicht verdient. Die Geschichte der SPD ist eine Geschichte von Irrtümern und am sympathischsten an ihr waren meist die linken Dissidenz-Fraktionen. Über die Agenda 2010 ist alles gesagt, eine sozialpolitische Katastrophe von Anfang an und ich kann mir keine SPD vorstellen, bei der ich Mitglied sein möchte. (Ich möchte bei überhaupt keiner Partei Mitglied sein, es sei denn, ich gründete sie selber.)
Aber irgendwann ging mir das SPD-Bashing von allen Seiten, ohne Ausnahme, auf den Keks, zuerst aus einem einzigen Grunde: es wurde komplett unoriginell und langweilig. Unoriginalität in der Politik heißt: Achtung, Ideologiealarm. Es ist das Pendant zur Unoriginalität in der Kunst, dort heißt es dann: Achtung, Kitschalarm.
Dass die SPD in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt auf ein Wählerquorum auf Augenhöhe der AfD reduziert wird, ist grotesk und die ausschließliche Verantwortung dafür trägt Deutschlands größte Vollidiotenansammlung: Wähler. Der Wähler ist ein Trottel ex tunc und par excellence, wie er im Buche steht, aber in keinem Buch, das ich jemals lesen möchte.
Lieber Wähler, mal eins zur Klarstellung: Die SPD ist keine Partei, die für die Einführung der Todesstrafe plädiert oder einen Angriffskrieg auf Luxemburg plant, da wollen wir doch mal die Kirche im Dorfe lassen!
Ich rege mich schon seit Jahrzehnten darüber auf, was Du, lieber Wähler, Dir für eine Scheiße zusammenwählst, aber irgendwann ist auch mal gut. Wenn es Dir hier nicht passt, geh doch nach drüben.
Also nach Mallorca. Auswandern. Oder ins Dschungelcamp. Als Kakerlake (Igitt, Tabubruch, Mensch mit Tier gleichsetzen. Macht man nicht. Geht gaaarnicht!
Sorry. Ich wollte die Kakerlaken nicht beleidigen. Eigentlich bin ich ja Anthroprozentriker, aber der Wähler treibt mich echt in Zweifel)
Mit dieser vorsorglichen Wählerbeschimpfung pinkele ich mir ja ins eigene Nest. Ich bin auch als Politikberater unterwegs, eine Art spin doctor, der Anfängern und Ratlosen auf die Sprünge hilft.
workshop spenden -richtig gemacht
Hier aus dem Workshop „Richtiges Verhalten in der Öffentlichkeit – wie spende ich professionell?“
Mein erster Tipp: Geldschein nach Foto nicht reinstecken, der Tag ist noch lang und der Etat ist klein!
Zweiter Tipp: Mit Sozialpolitik gewinnt man keine Wahlen und wer Kultur sagt, hat sie schon verloren.
Und das von mir. Was für ein Zynismus.
Ich bin so böse …

11.03.2016 – Ich bin kein Öko.

Von den drei sozialen Bewegungen der Moderne: Arbeiterbewegung, Frauenbewegung und Ökologiebewegung, hat mich die Arbeiterbewegung am meisten beeinflusst. Emotionen wie Zorn verspüre ich bei sozialer Ungerechtigkeit. Grotesk finde ich den Zustand der hiesigen Rest-Frauenbewegung, die sich angesichts massiver ökonomischer Schieflage für Frauen in der BRD und wachsender gewaltförmiger Unterdrückung von Frauen weltweit, nicht nur in islamisch geprägten Krisenregionen, in endlosen theoretischen Diskussionen darüber ergeht, wie viele gesellschaftlich konstruierte Geschlechter es eigentlich gibt. Kalt lässt mich Ökokram. Ich war auf zahllosen Demos in meinem Leben, aber auf keiner AKW Demo.
In meinem Alltagsleben bin ich allerdings fast vorbildlicher Öko, fahre kein Auto, krieg immer was von den Stadtwerken zurück und wären da nicht die bösen Flugreisen, würde ich einen tinzig-winzigen ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Ich mach auch Kosmetik und Heilkram selber, zum Bespiel Mundwasser mit Salbei und Öl zum Einreiben gegen Entzündungen mit Rosmarin. Alles unbehandelt aus dem Garten, volle Pulle Öko. Das Ansetzen, Dosieren Filtrieren, Umfüllen, Protokollieren macht aus mir einen kleinen Laboranten. Aber nur fast. Heute morgen habe ich zwei Pullen verwechselt, nach dem Abfüllen waren die noch nicht beschriftet. Hab zum Gurgeln statt der Salbeitinktur das Rosmarinöl genommen. Kein Drama, aber diese dekonstruierte Erwartung, auf einmal diese schleimige Ölkonsistenz im Mund zu haben und im Hinterkopf Bilder aus Filmen, wo Leute mit vertauschten Flaschen vergiftet wurden, igitt. Hab’s sofort ausgespuckt. Aber unterschiedliche Gefäßfarben nehme ich trotzdem nicht, ist ja wohl die gleiche Gefahrenklasse.
höher berg
Und was hat dieses Foto vom Höher Berg damit zu tun? Nichts. Ich wollte es nur nicht umkommen lassen und dafür ist dieser Blog hervorragend, hier kann ich all das Zeug parken, das woanders keine Verwendung hat.
Ich war neulich in meiner alten Heimat und habe mich im Vorbeifahren am Höher Berg daran erinnert, wie ich als fünfjähriger Pöks mal abgenervt von einer Wallfahrt dahin abgehauen bin, über die Felder nach Bilshausen, alleine, 5 Kilometer. Da redet das Eichsfeld heute noch von.
Ich war eben schon damals ein Rebell. Später wurde aus mir der working glass hero.
Hahaha.

07.03.2016 – Deutschlands Bauklempner erklären mir den Krieg

Ich hab eigentlich keine Zeit, muss extra für einen einzigen Kabarettauftritt ein Extra-Programm produzieren und das neben der Alltagsarbeit, die momentan mitunter so was von nervt.
Das Angebot für den Auftritt war eins, zu dem ich nicht „Nein“ sagen konnte. Quid pro quo und so. Auf platt Deutsch: Ich hab echt Stress und wünsche mir gerade, ich stehe mit wehenden Haaren und dem Daumen im Wind an irgendeiner gottverlassen Strasse im Alentejo, free like bird, und das Einzige, was ich als Ziel vor Augen habe, ist die nächste Kneipe, mit einem vinho verde. (Purer Kitsch, diese Vorstellung. Normalerweise sitze ich da im Zug in der ersten Klasse, ist billig da, und man kriegt vinho verde am Platz serviert.)
Aber ein Blick in meinen Spam Ordner heute morgen, den ich immer flöhe, weil da regelmäßig auch dienstlich-privat-wichtiges landet, hat mich ein bisschen aufgemuntert.
bauklempnerei lorenz
Die Drohung von Chiara, mich 48 Stunden lang zu fi**en, nehme ich mal so hin, . Aber das nach der Bauklempnerei Fischer gestern die Bauklempnerei Lorenz heute an meine „Heizung“ will, lässt mich eine Verschwörung der doitschen Bauklempner gegen mich befürchten. Bauklempner, Ihr wollt Krieg? Den könnt Ihr haben! Und Chiara, das mit uns wird nichts. Ich muss ackern.

06.03.2016 – Als 80jähriger Liebe machen wie ein 18jähriger.

bauklempnerei fischer
Mein Spam-Ordner heute morgen.
Soll das mit der späten Liebe Verheißung oder Drohung sein? Wenn man Glück hat, angelt man sich als 80jähriger vielleicht noch mal ’ne flotte 69jährige und ich möchte keine Vermutungen darüber anstellen, wie „erfreut“ die darüber wäre, wenn ihr 80jähriger Galan jeden Tag hormonenthemmt immer nur das Eine will. Meine Baustelle ist diese Thematik grundsätzlich nicht, meine Baustelle ist eher das freudige Sinnieren über den Absender der Mail: Bauklempnerei Fischer.
Soll das die Seriosität des Angebots erhöhen? Bauklempner sind gemeinhin keiner sexuellen Abgründe oder Phishing-Attacken verdächtig, zumindest keiner der mir bekannten Bauklempner. Ein Bauklempner macht ein Angebot wie „Ich montiere Ihnen einen neuen Spülkasten zu folgenden Konditionen …“ und Ende im Gelände. Das ist seriös und ohne Hintergedanken, ganz anders als Angelina23. Da denkt doch jeder gleich: Luder, Lug, Betrug.
Oder geht es beim Bauklempner Fischer nur um jenen schenkelklopfenden Männerhumor nach dem vierten Doppelkorn:
„Willst Du auch spät noch Rohre gut verlegen,
begleitet Bauklempnerei Fischer Dich auf Deinen Wegen.“
What’s left an diesem trüben Sonntagmorgen? Ein Dreier im Lotto und Nachbarins Katze kommt auf Besuch. Ich habe eben gezögert, ob ich schrieben soll „Nachbarins Muschi“, aber die Abteilung „Schenkelklopfen“ ist für heute abgearbeitet.
komische maus
Es ist die Summe der kleinen Dinge, die einen nicht am Zustand der Welt verzweifeln lässt.
Allen Leserinnen einen charmanten und möglichst entspannten Wochenbeginn und sollte Ihnen dereinst im Altersheim ein 80jähriger Avancen machen, fragen Sie ihn unbedingt vorher:
„Kommen Sie von der Bauklempnerei Fischer?“

04.03.3016 – Wenn die Sonne der Kultur tief steht, werfen selbst die Zwerge lange Schatten.

wenn die sonne der
Karl Kraus. Mich aus den öden Niederungen der Erwerbsarbeit lösend, habe ich nach längerer Pause wieder die Schwingen der Kulturarbeit entfaltet (wobei ich das verdiente Glück habe, Erwerbsarbeit und Kulturproduktion verbinden zu können), steige zu den kühnsten Höhen empor und siehe, ich finde Wohlgefallen an mir. „Echt geil, Deine Ideen, voll krass, Alder“, so sprach ich also zu mir. Wenn man mit Selbstbewusstsein handeln könnte, würde ich einen Vertrieb damit aufmachen. Ich halte mich schon für ein Geschenk an die Menschheit. Die das weder würdigt noch verdient hat. Und in den Momenten, wo ich drogentechnisch sauber eingestellt bin, ist mir schon klar, dass ich weder ein Karl Kraus noch Marcel Duchamp bin. Aber die zeitgenössische Konkurrenz zumindest im Dreieck zwischen Intervention, Performance und sozialer Plastik ist eher inferior. Da ist viel Kraft- und Saftlosigkeit und Ideenanämie. Nacktheit zum Beispiel ist weder auf Theaterbühnen noch auf Vernissagen ein Ausweis von grandioser Kreativität und das Hinterlassen von Körpersäften in der Öffentlichkeit ist, um es mit einem Kalauer aus der Wassersportszene zu formulieren, Geschmackssache.
Der Satz mit dem „drogentechnisch sauber“ eingestellt ist übrigens eine Solibotschaft an Volker Beck. Chemisches Zeug find ich eher ätzend und Chrystal Meth, oder wie das heißt, war ja auch die Hitlerdroge, wie die Bild im Wahlkampfmodus gestern feinsinnig formulierte, Grün = Braun ist die Botschaft.
Ich steh mehr auf Natur, Hopfen und Malz und so Zeug.
Es werden immer weniger politische Typen in der Öffentlichkeit, die wie Beck eine durchgängige Haltung haben und deren Anblick, Habitus und Charisma einen nicht sofort an ein Glas Wasser denken lassen. Haben Sie mal auf den Sprachduktus der Politikerinnen geachtet, unabhängig von den Inhalten? Alle die gleiche rhetorische Schule, gleiche Phrasierung, Satzbau, Melodie. Komplett austauschbar, wie ihre Frisuren.
Schrecklich.
Hören Sie sich mal Herbert Wehner auf Youtube an dagegen.