Am 5. Februar 1916, vor genau 100 Jahren, fand im Cabaret Voltaire in Zürich ein Epochenwechsel statt: Dada wurde geboren. Nach Dada war in der Kunstwelt alles anders und alles möglich. Einer der größten und weltweit anerkannten Dadaisten war der Hannoveraner Kurt Schwitters.
Wer nun geglaubt hat, dass das 100jährige Dada Jubiläum gerade in Hannover wenn schon nicht mit Ausstellungen und Ausschweifungen gewürdigt wird, so doch wenigstens mit winzigkleinen Aktionen, Böllerschüssen oder wenigstens einer erbärmlichen Dichterlesung mit „Anna Blume“: Pustekuchen, respektive -Blume.
Auch hier muss der SCHUPPEN 68 wieder voranschreiten – Avantgarde at it’s best.

Ich werde deshalb mit meinem Bauchladen als Kunst-Hausierer am 5. Februar 2016 um 12 Uhr mittags gleichzeitig an drei Orten eine Performance durchführen.
Details in der PM hier PM SCHUPPEN 68 Aktion 5. Februar 100 Jahre Dada
Irgendwie kann’s das ja nicht sein. In Hannover liegt der Hund begraben, aber eben auch Schwitters, auf dem Engesohder Friedhof, es gibt ein nach ihm benanntes Gymnasium, eines der zeitgenössischen Museen der BRD schlechthin, das Sprengel Museum liegt, am Kurt-Schwitters-Platz.
Und niemand macht was. Banausen. Schnarchsäcke.
Ich muss zur Zeit 24 Stunden am Tag ackern und da das nicht reicht, muss ich die Nacht dazu nehmen. Aber dafür nehm ich mir die Zeit. Schließlich, und da zitiere ich mich gerne selbst:
“Offensichtlich sind wir vom SCHUPPEN 68 die einzigen Vollidioten in einem Meer von Vernunft.“
Über allen Museen ist Ruh’?
Warte nur! Balde dadast du auch.
02.02.2016 – Männerphantasien: Blow Job, Dreier, Polizistinnen-Uniform.
Eines meiner Projekte – mein ganzes Leben ist offenbar ein einziges Projekt – war eine Examensarbeit über Graffiti, allerdings zu einer Zeit, als die meisten das noch nicht mal richtig schreiben konnten. Es gab einen einzigen nennenswerten Text über Graffiti: „Cool-Killer oder der Aufstand der Zeichen“ von Baudrillard, der in den Achtzigern in der BRD rauskam, ansonsten war das Schmuddelkram für Unis. Ein Grund mehr, so was zu machen. Das Ganze sollte sich nicht nur aus zeichentheoretischer Sicht mit dem Thema befassen, mir waren Strukturalisten wie Baudrillard eh verdächtig, unpräzise Schwatzhanseln, die obendrein den Materialismus als Denkschule diffamierten. Ich wollte es in der Tradition von Theweleits „Männerphantasien“, dem linksalternativ-feministischen Standardwerk der 70er und 80er über die Ich-Prägung von Männern, als Generationenkonflikt behandeln: Der Sohn arbeitet sich mittels Stadtguerilla-Codierungen am gepanzerten „Ich“ seines Vaters ab.
Aber die zentrale Frage eines Kollegen auf alle meine lichtvollen Ergüsse und erhabenen Erkenntnisse lautete schon damals: „Und? Kann man damit Geld verdienen?“ Das war das vorzeitige Ende eines meiner – zahlreich früh verstorbenen – Geniestreiche.
Was schlecht weg ist, kommt mitunter putzig wieder. Offensichtlich habe ich Jahre später, da schon schwer mit Geldverdienen beschäftigt, ein Filmprojekt zu dem Thema angefangen, mit dem Cinéma brutal Kollektiv, das Michael Doege und ich in den Post-68er Jahren gründeten.

Szenenfoto aus: Der doppelte Hulk.
Interessant ist an dem Graffiti, das in Form eines Comic Splash-Panels gehalten ist, die Farbwahl der Umrandung: Schwarz Rot Gold. Die Nationalfarben der BRD.
Da kommt man, was den oben geschilderten Generationenkonflikt angeht, ins Grübeln. Respektive Grinsen. Putzig war auch meine Google Recherche zu „Männerphantasien“, um meiner Erinnerung auf die Sprünge zu helfen. An prominenter Stelle keineswegs Theweleit, sondern Einblicke darüber, was meine Geschlechtsgenossen vorrangig so im Kopf haben, was Schweinkram angeht, z. B. Blow Jobs, flotte Dreier, Polizistinnen-Uniform.
Polizistin, whow. Da muss man erst mal drauf kommen.
29.01.2016 – SCHUPPEN 68 Verhüllungsaktion anlässlich Staatsbesuch von Präsident Rohani.
Beim Besuch von Irans Präsident Hassan Rohani in Rom ließen italienische Behörden mehrere nackte Statuen in den Museen auf dem Kapitol verhüllen, aus Respekt für die iranische Kultur. Der SCHUPPEN 68 hat sich der Verhüllungsaktion der italienischen Behörden angeschlossen und eine nackte Statue im Skulpturenpark des SCHUPPEN 68 verhüllt.

Rollende Venus mit Vögeln – unverhüllt

Rollende Venus mit Vögeln – verhüllt
Klaus-Dieter Gleitze vom SCHUPPEN 68 begründet die Aktion:
„Es besteht die Möglichkeit, dass die Flugroute des iranischen Präsidenten eventuell in der Nähe unseres Skulpturenparks vorbeiführt. Daher haben wir uns entschlossen, die Skulptur „Rollende Venus mit Vögeln“ zu verhüllen. Wir geben allerdings zu, dass der Satiregehalt dieser Aktion der Lächerlichkeit des Verhaltens der italienischen Behörden nicht standhält. “
Die komplette PM gibt es hier: PM SCHUPPEN 68 – Verhüllungsaktion anlässlich Rohani Besuch
Bei manchen Meldungen kommt Wut auf, über Pegida, AfD oder gar rassistischen Mob, der mittlerweile mit Handgranaten gegen Flüchtlingsheime kriegsähnliche Zustände in unserem Land etabliert. Bei anderen Meldungen aus der Kriegszone gegen Aufklärung, Vernunft und Ethik kommt Gott(?)seidank nur Lachen auf, so wie bei der über die Verhüllung anlässlich des Rohani Besuchs. Kann es sein, dass dahinter ein Alt68er steckt, der auf dem langen Marsch durch die Behörden seinen Sinn für politische Dada Aktionen nicht verloren hat? Die Verhüllung auf dem Kapitol war also Dada pur?
Die Ikonografie der SCHUPPEN 68 Aktion spielt übrigens ganz bewusst verschiedenen Bildern und Erzählungen in unseren Köpfen. Es ist schon etwas mehr als reine Satire und eben mal ein schwarzes Tuch vor die Augen gebunden.
Aber es vollkommen in Ordnung, wenn frau es einfach nur witzig findet. Lachen ist laut Walter Benjamin der beste Weg zur Erkenntnis
28.01.2016 – Das kann ja eine gesundheitliche Beeinträchtigung bei mir sein

Dieser Titel des Zentralorgans für den doitschen Mob erinnerte mich an meinen Emailwechsel mit der hiesigen Behörde für Friedhöfe. Ich brauchte was für mein neues Satireprogramm. Die Antwort erfolgte nicht nur prompt, einen Tag später, und präzise, sondern auch mit einem Hauch verständnisvoll-augenzwinkerndem Humor versehen. Ich habe den Mailwechsel dann auch verwendet, immer versehen mit einem vollkommen unsatirischen Lob auf unsere Behörden. Es gibt ja sonst nichts wohlfeileres in Satirekreisen als auf Behörden einzuprügeln. Vielleicht bin ich irgendwie abartig veranlagt, aber ich kann da nicht klagen. Hab fast immer gute Erfahrungen gemacht. Den Namen des Bereichs „Städtische Friedhöfe vom Fachbereich Umwelt und Stadtgrün der Landeshauptstadt Hannover“ werde ich aber bis an mein Lebensende mit Wohlgefallen in meinem Herzen tragen. Hier der gesamte ungekürzte Mailwechsel:
„Von: Klaus-Dieter Gleitze
Gesendet: Donnerstag, 3. Juni 2010 08:08
An: 67.4 Städtische Friedhöfe
Betreff: Seelhorster Friedhof, Abteilung 9 Nr. 1236
Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,
das Grab meiner Eltern befindet sich auf dem Seelhorster Friedhof, Abteilung 9 Nr. 1236. Dazu folgende Anfrage:
ist es möglich, nachträglich eine Trennwand zwischen beide Särge einzuziehen und wenn ja, was kostet das? Der Hintergrund ist folgender: ich gehöre mittlerweile einer Gemeinschaft an, die an ein Leben nach dem Tod glaubt, so verwirrend sich das vielleicht für normal Denkende auch anhören mag. Innerhalb dieser Gemeinschaft gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, wie konkret das im Einzelfall aussehen kann, ob das ein mehr geistiger Vorgang ist oder aber tatsächlich stofflich-körperliche Dimensionen annimmt. Ich bin mir unsicher und habe folgendes Problem:
meine Mutter hat meinem Vater – und nicht nur dem – das Leben auf Erden schwer gemacht. Sie war eine sehr zänkische Person, die teilweise in einer Lautstärke und Ausdrucksweise agierte, die von allen Betroffenen als sehr unangenehm empfunden wurde — vorsichtig formuliert. Ich habe nun die Vorstellung, dass sich das im schlimmsten Fall in obig geschildertem Grab fortsetzen kann und das will ich unter allen Umständen vermeiden, da mein Vater ein außerordentlich liebenswerter Mensch war. Die Verwandtschaft ist sich dem Punkt einig und unterstützt das Anliegen, wenn es auch kritische Kommentare zu meiner Glaubensgemeinschaft gibt.
Das ist der Hintergrund. Über eine Auskunft in der Sache freue ich mich.
Mit besten Grüßen Klaus-Dieter Gleitze
Antwort: 04.06.2010
Guten Tag Herr Gleitze,
Wir können Ihnen nur leider nicht helfen, da Ihre Eltern ja nicht nebeneinander, sondern übereinander beerdigt wurden. Die einzige Möglichkeit wäre eine Umbettung Ihrer Mutter in die benachbarte Grabstätte, die „zufällig“ frei ist. Dafür bräuchten Sie vor dem Gesundheitsamt, das Umbettungen genehmigt, eine sehr triftige Begründung (das kann ja eine gesundheitliche Beeinträchtigung bei Ihnen sein), die eine Störung der Totenruhe rechtfertigen. Da müssten dann auch Ihre Geschwister alle zustimmen. Im „Diesseits“ sind solche Leistungen natürlich mit Geld verbunden, Sie müssten mit ca. 2.400€ an Gebühren rechnen. Was noch dazu kommt, wenn überhaupt nötig (Bestatter, Sarg o.ä.), müsste noch ermittelt werden.
Fraglich bleibt natürlich, ob sich die Trennung auf stofflicher Ebene auch auf seelischer Ebene vollzieht. Aber auch das ist eine Frage, die jede/r für sich beantworten muss.
Mit freundlichem Gruß
N. N.
Bereichsleiterin
Landeshauptstadt Hannover
Fachbereich Umwelt und Stadtgrün
Bereich Städtische Friedhöfe
Garkenburgstraße 43
30519 Hannover
25.01.2015 – Alles Essig. Teil 2 der Serie „Home-Office – Fluch ohne Segen“
Ein besonders groteskes Beispiel der Flucht aus dringend notwendiger Erwerbsarbeit in alberne Haussäuberungsaktionen, die so eben nur bei Home-Office passieren kann, ist bei mir das Fensterputzen. Das Arbeitszimmer meiner Wohnung geht nach vorne raus, zu einer Durchgangsstraße mit mehr als 20.000 Autos Belastung pro Tag.

20.000 pro Tag

Früher hab ich sogar ne Bürgerini gegründet und mit nem Transpi dagegen protestiert.
Vergebens. Das komplette umliegende Viertel wurde rotgrünalternativ verkehrsberuhigt, alles wurde in besagte Durchgangsstrasse umgeleitet. Mir jetzt egal, bin eh halbtaub. Der anfallende Feinstaub nervt mich nur soweit, als das Fenster meines Arbeitszimmers eine Stunde nach Säubern sofort wieder so dreckig ist, dass ich im Internet recherchieren muss, ob bei mir gerade Tag oder Nacht ist. Ich seh das gelassen, der Dreck isoliert und spart Heizkosten. Und Umwelt ist mir egal, ich hab nach hinten raus einen Garten.
Aber immer wenn eine Sonnenfinsternis sich anbahnt, putze ich meine Fenster.
Oder wenn mit Rosmarin-Öl verschmierte Originalunterlagen für einen überfälligen Förderantrag neu besorgt und/oder ausgefüllt werden müssen. Fensterputzen. Das ist grotesk.
Mit Essig übrigens. Essig ist der Wahnsinn. Billig, ein Liter kostet 30 Cent, Sidolin streifenfrei der Liter 4 Euro. Essig ist gesund und wirkt antibakteriell. Essig ist Essigsäure C2H4O2 in wässriger Lösung und die Alkohol( C2H5OH)-Freunde mit Chemiegrundkurs ahnen: auch da hat der böse Allehol seine Finger drin. Jede kennt das, am Geruch: lässt man Wein länger offen stehen, grätschen Bakterien den Alkohol zu Essig um.
Essig riecht auch wesentlich angenehmerer als die Chemiekacke. Ich sage nur: Klowürfel. Oder Raumspray. Kotz. (Gibt es eigentlich noch Intimsprays? Mit Himbeeraroma?) Einziger Nachteil: Immer wenn ich Salat anmachte, hatte ich wegen des Essiggeruchs das Bild meiner Toilette, die ich damit säubere, vor Augen. Der vice-versa Transfer „Toilettesäubern – Salatbild“ klappt natürlich nicht.

Die Lösung – Himbeeressig.
500 Milliliter allerdings guten und neutralen Essigs auf 500 Gramm Himbeeren, paar Wochen abgedeckt ziehen lassen, filtrieren, fertig. Hier der Ansatz vom April 2014, mit TiKo Himbeeren. Sonst immer Öko aus dem Garten. Hat mittlerweile rubinrote Farbe eines alten Bordeaux und ein Himbeeraroma, das an excellente Tavel Roséweine erinnert.
Was übrigens auch ein beliebtes Instrument zum prokrastinieren ist: Diesen Blog hier vollzukritzeln.
23.01.2016 – Home-Office, Essig und Öl.
Ich bin arbeitsmäßig oft unterwegs, aber viel läuft auch per Home-Office. Für Leute, die von neurotischen Vorgesetzten gemobbt werden, ätzende Kolleginnen haben oder renitente Mitarbeiterinnen, mag das ja eine paradiesische Vorstellung sein. Hat ja auch was, im Sommer, wenn die Sonne „Freiheit, Freiheit“ ruft, zwischendurch einfach mal zwei Stunden an den Kiesteich zum abhängen zu radln oder bei dem trüben Wetter mal eben Mittagsschläfchen einzulegen. Wo geht das schon im Erwerbsarbeitsleben?
Wer aber jemals von der Naturgewalt der Prokrastination überrollt wurde, weiß die Segnungen einer Stempeluhr und eines Vorgesetzten, der mit vorgehaltenem Abmahnungsschreiben auf Arbeits-Erledigung drängt, zu schätzen.
Neulich saß ich an einem wichtigen Antrag auf Fördermittel für ein Projekt. Der Antrag hatte schon Schimmel angesetzt, die Kostenkalkulation trieb mir, der noch nicht mal Gleichungen mit keiner Unbekannten lösen kann, Bluttränen in die Augen. Da fiel mir plötzlich ein, dass ich unbedingt und sofort mein Rosmarin-Körperöl neu ansetzen müsste. An meinen alabasterfarbenen Luxuskörper lasse ich nur erstklassige Ingredienzien. Der Rosmarin ist natürlich Öko aus dem eigenen Garten und das Oliven-Öl (entzündungshemmend) sündhaft teure kalte, native Pressung. Rosmarin wirkt noch entzündungshemmender als Olivenöl und lässt mich mitunter wie einen juvenilen Mittfünfziger durch die Strassen tänzeln, völlig Arthritis- und Rheumabefreit.

Rosmarinsuchbild.
Ich schnitt also sofort Rosmarin, der ist winterhart, bereitete Gefäße zum Ansetzen vor, nahm das Öl zum Aufgießen, das Telefon klingelte, ich erschrak mich zu Tode, war das etwa das zuständige Fördermittel-Ministerium, dass den Antrag anmahnen wollte, das Öl entglitt mir und ergoss sich auf den Tisch. An und für sich kein Drama – sieht man davon ab, das auf dem Tisch sämtliche Unterlagen für den Antrag lagen.
Nachdem mich der Notarzt wiederbelebt hatte, war mein erster Gedanke:
„Lieber Gott, mach, dass ich wieder mit lauter Arschlöchern in einem normalen Büro sitze, gepeinigt von sadistischen Vorgesetzten und erdrückt von Monsterbergen von Terminarbeit. Und vorne am Eingang lacht mich höhnisch ein Zeiterfassungsgerät an.“
Ich war in meinem Angestelltenleben die Krone der Dreistigkeit, aber Rosmarin-Körperöl am Arbeitsplatz ansetzen, das hätte selbst ich nicht gewagt.
Zum Essig aus der Überschrift kommen wir in Teil 2 der Serie „Home-Office – Fluch ohne Segen“. Ich muss am Wochenende den Antrag fertig kriegen, kann’s mir zeitlich überhaupt nicht leisten, hier rumzufaseln.
Das Telefon klingelt auch gerade …..
20.01.2016 – Hitler – Der Film!
Adolf Hitlers „Mein Kampf“ ist erschienen, kritische Edition, logisch. Und das Fazit der Wissenschaftlerinnen: Hitler nix gut. Potzdonner. Wer hätte das gedacht.
Viel wichtiger: Der Film zum Buch ist da! „Hitler – Der Film“.
Drauf klicken und los geht’s.
Ein weiteres Meisterwerk der jungen Wilden aus dem SCHUPPEN 68, Michael Doege & Klaus-Dieter Gleitze. Beide gelten als Erfinder des cinéma brutal. Cinéma brutal heißt: Kein Etat, kein Drehbuch, keine Einstellung wird wiederholt und am Drehort wird aus drei Themenkarten eine gezogen, das Thema wird dann verfilmt. Dieses Mal standen zur Wahl „Erbsensuppe“, „Sackkarren“ und „Hitler“. Der Film ist 2.46 Minuten lang, es ist als exclusives Bonusmaterial für Sie, liebe Leserinnen, der Director’s Cut mit Überlänge. Er kommt 2068 zum 100jährigen Jubiläum des SCHUPPEN 68 in die Kinos. Wenn es dann noch Kinos gibt.

Brillante Nebenrolle: Hitlers Schäferhündin Blondie.
Sichern Sie sich bereits jetzt günstige Karten im Vorverkauf. Die beiden Protagonisten werden bei der Premiere anwesend (ersatzweise: verwesend) sein.
„Hitler – Der Film“ ist Teil 2 unser vierteiligen Deutschland-Trilogie, in der wir Deutschland bis zur Kenntlichkeit entstellen. Nach dieser Trilogie weiß jede: Der Abgrund ist in Dir, Du musst ihn nur herauslassen!
Teil 1 der Trilogie kann hier gesehen werden. Einen „making of“ Bericht vom Tatort gibt es hier. Das Duo Infernale Doege & Gleitze arbeitet zur Zeit an der Komödie „Hitler – mein Klampf“. Hitler war ja verhinderter Gitarrist und die Komödie zeigt, wie sich die Geschichte entwickelt hätte, wenn Hitler Reggaemusiker geworden wäre, was er ja eigentlich wollte. Die Dreharbeiten sind in vollem Gange, das Einzige was nervt, ist die dauernde Kifferei. Mir brennt ewig der Bart an.
17.01.2016 – Als erstes lese ich immer die Todesanzeigen in der Tageszeitung.
Wieder eine dabei, die man kennt? Erzählen die Anzeigen vielleicht Geschichten jenseits von Tod und Trauer?

Welch Beziehungsvielfalt. Da kommt man schon ins Grübeln. Nach welchen Kriterien wird die Anzeigenseite layoutet, außer nach Größe? Manchmal ist der Tod zum Wiehern.
Die Tendenz geht auch bei Familienanzeigen immer mehr zum Bild. Warum nicht, der Mensch lebt nicht vom Wort allein.

Aus der gleichen HAZ-Ausgabe. Was will uns dieses Bild sagen? Bei der Sippe ist gerne mal Prahlhans Küchenmeister? Man spricht Latein, man kann Wein, an Geschmack muss man aber noch arbeiten? Sind so viele Fragen, musst Du tüchtig trinken (Bettina Wegner zugeeignet). Aber kein Astra.
Gestern gezappt, es gab nur Scheiße im TV. Bei DSDS hängen geblieben, als eine Kandidatin mit einer grausigen Phrasierung aber tollen Soulstimme „Killing me softly“ intonierte, ein umwerfender Song von Roberta Flack aus den Siebzigern. Als Quelle war aber in der Einblendung angegeben „The Fugees“. Grassiert denn nur noch Abgefeimtheit und Niedertracht im TV? Wenn der für so was Verantwortliche in einem meiner Projekte mitarbeiten würde, dürfte er zur Belohnung eine Woche lang jeden Morgen vor Dienstbeginn mit 12 Bänden Brockhaus auf dem Rücken Strafexerzieren.
12.01.2016 – Kriege ich jetzt endlich den Pulitzer Preis?

Die NETZ (Download hier NETZ Nr. 3-Januar 2016) ist ein bundesweit einmaliges Projekt an der Schnittstelle zwischen Betroffenen und deren Initiativen sowie Verbänden und Politik (Links im Bild Martin Fischer (Diakonie in Niedersachsen, Sprecher Landesarmutskonferenz und der größte Zweitliga-Fußballer aller Zeiten – er überragt mich um mehr als Haupteslänge 😉 ).
Die NETZ mit brillanten Fotografien, Cartoons, Gedichte und herausragenden Beiträgen, kein Wunder, dass ich heute Nacht einen feuchten Traum hatte: Mir wird der Pulitzer Preis verliehen. Nach Recherche – wie es sich für einen gewissenhaften Journalisten und Herausgeber gehört – bittere Enttäuschung: Der wird nur an Amis verliehen. Bittere Tränen. Trinken würde helfen. Aber die NETZ muss unter die Leute, nicht nur virtuell per .pdf , sondern noch richtig altmodisch über Realvertrieb und ein paar Leute suche ich gerne dazu auch persönlich auf – NETZwerken. Heutzutage macht das keinen guten Eindruck, wenn man dabei vormittags schon brettelbreit aufläuft. Früher wurde ja noch flächendeckend Alkohol bei der Arbeit verklappt.
Früher war sowieso alles besser.
11.01.2016 – Die neue NETZ ist da!
Die dritte Ausgabe der NETZ – Niedersächsische Teilhabe-Zeitung ist da! Thema der NETZ: Die wachsende Spaltung zwischen Arm und Reich. Mittlerweile ist fast jeder sechste Niedersachse von Armut bedroht, die Armutsquote betrug 2014 laut Landesamt für Statistik Niedersachsen 15,3 Prozent.
Die NETZ wird herausgegeben von der Landesarmutskonferenz LAK Niedersachsen sowie von Klaus-Dieter Gleitze (V. i. S. d. P.), Achim Beinsen und Hermann Sievers. Sie erscheint kostenfrei in einer Auflage von 10.000 Stück. Die NETZ wird verteilt in sozialen Brennpunkten, an Verbände, Parteien, in Stadtteilzentren, Jobcentern und an Betroffene und deren Initiativen. Die online Ausgabe gibt es demnächst hier an dieser Stelle, bleiben Sie drin!

Für Sie liebe Leserinnen, ein exclusiver Blick in die Redaktionsstube der NETZ. So sieht Zeitungsmachen aus – wie im Klischeebilderbuch.
Alle drei NETZ-Macher (ja, leider lauter Männer, aber wir haben jetzt wenigstens zwei feste Korrespondentinnen) verdienen ihr Geld mit anderen Jobs, Redaktionsarbeit läuft nach Feierabend und da kommen locker schon mal 14-Stunden Arbeitstage zusammen. Kein Wunder, dass ich nach jeder Ausgabe urlaubsreif bin. Vor jeder allerdings auch.
Die NETZ versucht, mit anspruchsvollen Fotos, Collagen, Gedichten – auch von Betroffenen – den Anspruch auf kulturelle Teilhabe zu verwirklichen:
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.
Die nächste NETZ erscheint im Sommer zur Fußball-Europameisterschaft, dann mit einem Schwerpunktthema „Flüchtlinge“. Fußball ist eine der letzten großen gesellschaftlichen Erzählungen, die schichten- und grenzübergreifend funktionieren. Diese verbindende Funktion wollen NETZ und Landesarmutskonferenz auch mit Aktionen zur EM aufgreifen. Nicht zuletzt die öffentlichen Diskussionen anlässlich der Sylvestervorfälle in Köln und anderen Städten zeigen: Angesichts der wachsenden politischen Spaltung im Lande wird es immer wichtiger, die Schere zwischen Arm und Reich nicht noch weiter auseinandergehen zu lassen.