Das Ergebnis der Regionalwahlen in Frankreich regt meine ohnehin überbordende Phantasie zu ungeahnten Höhenflügen an, die in diesem Fall eher gruselige Tiefflüge sind. Marie Le Pen als nächste Präsidentin der Gallier? Immerhin hätte die Frau die Hand am Drücker von Atombomben. Was macht die damit, wenn beispielsweise durchgeknallte Muselmanen (oder Musel-Frauen. Das Töten ist bei denen der einzige gesellschaftliche Bereich, wo die Gleichberechtigung Fortschritte macht) den Eiffelturm in die Luft sprengen? Soll man wegen Le Pen in Sachen Verhängnis-Verhütung Frauen das passive Wahlrecht aberkennen? Liebe Leserinnen, klicken Sie jetzt nicht empört weg. Für eine gute Pointe vergesse ich schon mal meine gute Erziehung und Sie wissen doch: Männer und Verhütung, das ist wie Russisch Roulette, höchst unsicher, was da alles passieren kann, und entscheidend ist, was nicht aus dem Lauf kommt.
Rassismus, Klimakatastrophe, Spaltung der Gesellschaft – je älter ich werde, desto froher bin ich darüber, dass ich schon so alt bin. Wenn das so weiter geht, kann ich dankbar sein, wenn ich in 40, 50 Jahren (vorher geht nicht, ich hab echt noch soo viel zu ackern im Moment) unter der Grasnarbe liege, da wäre ich aus dem Gröbsten raus. Nach mir die Sintflut. Oder Jesus?
Als Hegels Widergänger, der Weltgeist mit Dornenkrone? Die Aufklärung ist eine Schnecke und im Moment hat sie auch noch den Rückwartsgang eingelegt.
Damit Sie, liebe Leserinnen, sich nicht zum Wochenbeginn von meinen eschatologischen Ausflügen anstecken lassen, zurück zu materialistischen Dingen.

Der SCHUPPEN 68 hat auf der Suche nach Einnahmequellen eine Dependance im Nachbarviertel eröffnet.
Und ich möchte dereinst nicht unter die Grasnarbe, sondern verbrannt werden.

Meine Asche soll in meinem Teich verstreut werden. Ich bin immer sooo gerne im Wasser, egal ob am Kiesteich oder im Mittelmeer. Das wäre für meine Fische und mich eine Win-Win Situation. Und zwar für beide Seiten!
So, jetzt geht’s mir besser.
06.12.2015 – Bin ich verklemmt oder sind Kritiker alle blöd?
Gestern eine Performance auf dem Lüneburger Weihnachtsmarkt, es ging irgendwie um Affen und Kapitalismus.

Machen Sie mal große Kunst, wenn Sie es im Kreuz haben. Abends nur noch ein Wunsch: Füße hoch und Fernseh! Die Beschreibung von und vernichtende Kritik an „Movie 43“ machten mich neugierig. Grundsätzlich gilt: Wenn die im katholischen Filmdienst vernichtend sind, handelt es sich meist um überragendes Werk. Ernst nehmen dagegen kann man das Lexikon des internationalen Films. Die schrieben: „Der Witz soll daraus entstehen, dass Privates öffentlich und auf diese Weise Scham lächerlich gemacht wird. Doch der gezielte Bruch von Bildertabus allein ist noch nicht komisch und zeugt nur von der Verklemmtheit des Konzepts. Auch die bemerkenswerte Anzahl namhafter Hollywood-Stars macht den derben Humor nicht goutierbarer.“
Da liegt das Lexikon ausnahmsweise komplett daneben. Der Film ist das, was Monty Python heute machen würden: absurd, grotesk, persiflierend, pointensicher, lebendig, subkutan kritisch, lässt einem den Ekel im Halse stecken, weil das Lachen zuerst raus will und ästhetisch auf der Höhe der Filmarbeit.
Warum wohl haben da derartig viele Stars mitgemacht? Die haben als Fachleute das erkannt, was offensichtlich sämtliche Kritiker übersehen haben: Dass es sich um dem Film um eine Perle handelt. Die ist leider vor den Säuen gelandet. Aber ich bin mir sicher, dass es dem Film ähnlich gehen wird wie z. B. „Peeping Tom“.
Völlig verrissen beim Erscheinen, heute ein Klassiker. Da bin ich lieber verklemmt als dass ich mich da irre.
04.12.2015 – Lieber Zauberberg als Zuckerberg.
SAT 1 Anruf: ob ich nicht für die Landesarmutskonferenz ein Statement zur Spende von Zuckerberg abgeben könnte. SAT 1 ist nicht arte, aber ich bin auch nicht Thomas Mann und es ist unter anderem mein Job, einer breiten Öffentlichkeit klarzumachen, dass es so was wie Armut in unserem Land gibt. Massenhaft, jeder sechste Niedersachse ist arm und das Bewusstsein darüber fängt, wie jede Bewusstseinsbildung, beim Begriff an: Armut. Also sage ich zu. Bei so was gilt es immer zu bedenken, dass ein fertiger Beitrag im Schneideraum entsteht. Außerdem kann ich da nicht frei nach meiner Schnauze formulieren, sondern pro domo, für den Arbeitgeber. Meine eigenen Worte wären ungefähr gewesen: Zuckerberg ist ein Strolch, wie er im Buche steht und zwar im Strafgesetzbuch. Er hat seine Geschäftsidee facebook geklaut und betrügt praktisch alle Länder der Erde durch üble Steuertricks um Milliardeneinnahmen etc. pp.
Ich habe nur milde gerügt, dass dann der nächste Superreiche auf die Schnaps-Idee kommen könnte, sein Vermögen für den Ananasanbau in Grönland einzusetzen, um die Massenarbeitslosigkeit bei Eskimos zu bekämpfen und dass man strukturelle Bekämpfung von Armut lieber einem Staat mit ausreichenden Steuermitteln überlassen sollte.

Ich würd ja auch lieber so was wie den Zauberberg schreiben als den Zuckerberg anzupinkeln, aber ich komm seit Jahren zu nix vernünftigem mehr.
Und letztlich musste ich bei dem Beitrag doch grienen. Dass da substantielle Aussagen von mir (ab Minute 2.00) geschnitten wurden, who cares. So ist das nun mal. Aber dass die da Aussagen von meinem alten Kneipenkumpel Dirk Rossmann reingeschnitten haben, die Wochen zurück liegen und überhaupt nichts mit Zuckerberg zu tun haben, das fand ich drollig.
Da hab ich echt noch Glück gehabt.
30.11.2015 – Die Welt geht den Bach runter und ich hab’s seit Tagen im Kreuz.
Beim Klimagipfel in Paris machen alle auf dicke Ökohose. Bill Gates zahlt ein paar Taler für saubere Energie in Entwicklungsländern. Er will sein Geschäftsmodell nicht gestört sehen. Wenn alle Küstenbewohnerinnen dieser Erde, die wegen der Klimakatastrophe von Überschwemmung bedroht sind, in die Länder kommen, wo er richtig Asche macht, ist Schluss mit lustig.

Asche richtig?

Ich hatte auf Krematoriumsleiter getippt.
Noch drolliger ist das Verhalten der Allianz, die aus Kohle aussteigt. Über 80 Prozent der Kohlekraftwerke auf der Welt werden vom Staat betrieben. Der greift bestimmt nicht auf Allianzfinanzierungsmodelle zurück. Fakt ist: Zur Zeit sind über 1.000 Kohlekraftwerke weltweit in Planung. Wenn davon nur ein Drittel gebaut wird, ist bereits dann das ganze Zwei-Grad-Ziel der Temperaturreduzierungsmodelle Makulatur. Die Welt geht also jenen Bach runter, der irgendwo in das Meer mündet, das uns immer mehr auf den Pelz rückt. Mir egal. Ich wohne auf ca. 68 Meter über Normalnull am Fuß des Lindener Berges. Mein Keller bleibt trocken. Außerdem hab ich es seit Tagen im Kreuz, da geht mir die Welt am Arsch lang.

Ich sollte meinen Rucksack wieder vorne tragen, das ist echt gut für den Rücken. Hoffentlich wird die Restwoche besser als ihr Start ….
29.11.2015 – Ende einer Dienstfahrt
Mir fallen gerade Fotos einer länger zurückliegenden Dienstfahrt in die Hände. Eine Art Symposium. Solche Veranstaltungen sind eher nicht vergnügungssteuerpflichtig. Sie dienen sie auch gerne der Selbstdarstellung, was ich persönlich nur dann witzig finde, wenn ich der Selbstdarsteller bin. Zwischendurch dachte ich verbittert, ich sollte mich mal melden und die Anwesenden darum bitten, dass sie doch Kants kategorischen Imperativ auch bei solchen Veranstaltungen berücksichtigen sollten. Dann hätte garantiert jemand nachgefragt, was das denn heißen soll, und ich hätte gesagt:
„Labere auch auf Veranstaltungen stets nur soviel Müll, wie Du bereit bist, Dir klaglos von allen anderen Anwesenden anzuhören.“
Diesen Gedanken fand ich witzig und musste laut lachen, was mir von der Versammlungsleiterin ein fragendes: „Ja?“ eintrug. Ich hielt natürlich meine Klappe und war froh darüber, dass ich mir mittlerweile in allen Arbeitszusammenhängen mühsam eine Aura erarbeitet habe, die über meinem Haupt eine Leuchtschrift strahlen lässt: „Achtung! Künstler!“ Da lässt mal schon mal viere gerade sein. Die Dienstfahrt endete in einem Etablissement,

an das ich mich nur noch verschwommen erinnern kann.

Veganer im klassischen Sinne bin ich nicht.
„Ende einer Dienstfahrt“ ist übrigens eine ziemlich geniale Geschichte von Böll.Die hier skizzierte Kommunikationsguerillahafte Instrumentalisierung von Kunst ist ein Verfahren, was viel zu selten angewendet wird. „Ist die beste Subversion nicht die, Codes zu entstellen, statt sie zu zerstören?“ Yo, mon!
In dieser Traditionslinie – unter anderem der Situationistischen Internationalen – sieht sich auch der SCHUPPEN 68.
Jetzt können Sie sich zu diesem Blogeintrag Ihren Teil denken, liebe Leserinnen. Das ist sowieso immer das Beste.
25.11.2015 – Da mach ich ’ne Kampagne von.

Das Ding muss weg.
Wenn die Medien da erstmal drauf anspringen, ist der Schrott schon so gut wie weg. Der Rest ist Müdigkeit. Kennen Sie das: Morgens nach dem Aufwachen todmüde. Hamlet fällt mir ein …
… schlafen –
Nichts weiter! Und zu wissen, dass ein Schlaf
Das Herzweh und die tausend Stöße endet,
Die unsers Fleisches Erbteil, ’s ist ein Ziel,
Aufs innigste zu wünschen….
Was aber auch keine Lösung ist. Schließlich geht das Gejammer des depressiven Schnarchsack Prinzen ja noch weiter:
Sterben – schlafen –
Schlafen! Vielleicht auch träumen!
So kann echt nur einer rumlabern, der in seinem Leben nie der schnöden Erwerbsarbeit gefrönt hat. Aufs innigste zu wünschen wäre jetzt vielleicht white light, white heat oder Sonne, Licht, Meer. Ich muntere mich mit der Erinnerung an einen gelungenen Auftritt in Osnabrück gestern auf. Ein Zuschauer sagte hinterher zu mir: „Danke.“ Anrührende Momente. Das zählt so wie das Lachen und der Beifall. Tolle Veranstaltung, über 100 engagierte Leute. Von Osnabrück lernen, heißt siegen lernen. Der Rest sind Farben im November im Süden.

Farben im November im Süden
23.11.2015 – SCHUPPEN 68 sprengt Göttinger Sieben am niedersächsischen Landtag
Am 19.11.2015 wurde in Göttingen offiziell das Denkmal ausgepackt, das an die sieben Professoren erinnert, die 1837 gegen die Aufhebung der Verfassung durch König Ernst August protestierten und deswegen entlassen wurden. Der Entwurf für dieses Denkmal war dem des Ensembles, das jetzt am Landtag in Hannover steht, in der Vorauswahl unterlegen. In Würdigung dieses Ereignisses hat die Künstlergruppe SCHUPPEN 68 am 22.11.2015 das Ensemble am Landtag gesprengt. Details in unserer PM hier PM SCHUPPEN 68 sprengt Denkmal Göttinger Sieben am Landtag in Hannover

Die Nummer mit dem Sprengen hab nicht ich erfunden, aber manchmal schreien bestimmte Zumutungen einfach nach einer spontanen Notwehraktion. Beim Anblick dieser Bundmetalldeponie krieg ich jedes Mal eine ästhetische Allergiereaktion. Dieser Anblick ist so grauenhaft, dass ich überlege, die Jury, die das ausgewählt hat, auf Schmerzensgeld zu verklagen. Dieses Ensemble repräsentiert – am Landtag gelegen – letztlich auch mich als Niedersachsen und bei aller Kritik an Staat und Gesellschaft: Das hat die norddeutsche Tiefebene nicht verdient!

Außerdem hatte ich Sonntagmittag keine Lust mehr zum ackern, irgendwann reicht es auch mal und ich muss raus, schlimmstenfalls Kunstmachen.

Und mein Smoking muss ja auch mal wieder gelüftet werden. Diese Woche noch muito trabajo, danach ist erstmal Ruhe im Karton.
Hoffentlich!
21.11.2015 – I had a dream
Wer sagte übrigens das Original „I have a dream“ wann zu wem bei welcher Gelegenheit? Das Frageprinzip fällt mir deshalb gerade ein, weil mich gestern wieder ein Castingfirma anrief und mich für ein Quiz testen wollte. Ich bin seit einigen mehr und auch weniger erfolgreichen TV-Auftritten bei allen Castingfirmen dieser Republik in den Datenbanken. Für alle Formate, von „Bauer sucht Frau“ bis „Das perfekte Dinner“. Wenn sich die Menschheit von meinen Fähigkeiten als Bauer oder Koch ernähren müsste, wäre sie ausgestorben. Na ja, laber laber, also I had dream und zwar last night. Ich träumte, ich wäre wichtig und Vorsitzender von irgendwas.

Zum Beispiel Landtagspräsident. Also, ich gut gelaunt, jede liebt mich, ich kann sanktionsfrei alle stundenlang volllabern, da ereilt mich ein Anruf, ich soll sofort irgendwo hinkommen, egal wohin, ich werd überall gebraucht, ich bin ja wichtig. Mein Dienstwagen ist aber kaputt. Ach Du Scheiße. Egal, ich bin ja ein Meister der Improvisation,

also sattle ich das Landtagszebra, das ist unser Wappentier, und galoppiere ventre à terre durch die nahegelegene Shopping Mall. Mitten im Traum fällt mir ein, dass ich dieses Bild mit dem Zebra in diesem Blog hier schon mal verwendet habe. Schweißgebadet wache ich auf. Und denke zu mir selbst: „Meine Güte, Alter, Du leidest aber mal wieder an Schreibdiarrhö“. Eine Diarrhö beginnt bei mehr als 3 Entleerungen eines zu flüssigen Stuhls pro Tag. Das Stuhlgewicht muss hierbei über 250 Gramm liegen.
Also wenn Sie, liebe Leserinnen, jetzt immer noch lesen, müssen Sie diesen Blog wirklich sehr mögen. Spricht für Sie. Schönes Wochenende.
19.11.2015 – Einen Königsweg kann man nicht auf die Schnelle aus dem Hut zaubern.
So las ich heute in einem Leserbrief des hiesigen Zentralorgans für gepflegte Langeweile und Bürgerblabla. Das hat mich erheitert. Wie lang darf ein Königsweg maximal sein, wenn er aus einem Hut gezaubert werden soll? Oder kommt es beim Königsweg, analog dem Königstiger, nicht auf die Länge an? Sind so viele Fragen. Müsste ich nicht soviel ackern im Moment, käme ich aus dem Grübeln gar nicht raus. Aber so arbeite ich zur Zeit lieber als das ich denke. Ein Haufen liegt hinter mir, andere drohen. Haufen Arbeit. Wie dieser hier.
Toller Erfolg. Ich kann nicht verhehlen, dass mich so was stolz macht. Andererseits: Wenn nächstes Jahr die aktuellen Armutszahlen veröffentlicht werden, wird es definitiv eine signifikante Zunahme geben. Insofern ist doch das, was die an diesem Fachtag Beteiligten machen, eine Syphilisarbeit. Das, liebe Leserinnen, ist ein sogenannter Malapropismus. Hätten Sie’s gewusst?
Was Zivilisatorisches: Die Grundlage aller Zivilisation ist die Ausschilderung. Ohne Ausschilderung wüsste die Menschheit nie, wo es lang geht. Sie hätte auch nie gewusst, wo der ehemalige SCHUPPEN 68 gestanden hat, weshalb wir auf allen unseren Paraphernalia immer wieder darauf hingeweisen haben.

SCHUPPEN 68 – Paraphernalia Mouse-Pad. Verwechseln Sie bitte nicht Paraphernalia mit Paralipomena! (Blödes Gelaber, zahlt mir doch eh keiner was für.) Aber was die Ausschilderung angeht, blüht mir immer der Königstiger im Hut auf, wenn ich am Scheideweg einer Wanderung stehe und es richtig gut ausgeschildert ist – zumal wenn es ein regelrechtes Holzschnitt-Kunstwerk ist wie hier im Bild.

Tramuntana.
12.11.2015 – Beim Humor hört der Spaß auf!
Die PARTEI hat immer so lustige Ideen. Die PARTEI verkauft gerade 100-Euro-Scheine für 80 Euro. Das hatte sie 2014 schon mal gemacht. Wo lässt die PARTEI eigentlich ihre Ideen fertigen? Nicht in China, der verlängerten Werkbank für alles, sondern natürlich im SCHUPPEN 68.

Wir haben 2013 Fünf-Euro-Scheine für vier Euro verkauft. Liebe Genossen, das lernt man doch sogar in der IGS schon: Quellen sind zu zitieren. Beim nächsten Mal hetzen wir Euch die Spaßpolizei auf den Hals. Ich sach ja immer, die Jugend von heute taugt nix. …
Hier noch was aus unserem Kunst-Archiv „Tabubrüche“:

Scheiß auf Kunst. Toilettenpapierrolle, limited edition, 68 Stück, signiert – aber nicht mit der Hand ….