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18.10.2026 – Demnächst in diesem Blog: Pornos!

Dieser bearbeitete Groschenroman war ein Gewinn bei meiner letzten Veranstaltung im Job. Um die meist unangenehmen Themen wie Armut, Spaltung, Sozialabbau etwas aufzuheitern und das Publikum von Anfang an zu integrieren, zu beteiligen, habe ich bei sowas immer gerne zu Beginn ein themenzentriertes Quiz gemacht, mit einzigartigen Gewinnen. Siehe oben.

Als mir das Heft neulich in die Hände fiel, spürte ich einen Moment in mich. War da sowas wie Wehmut, Sehnsucht nach früher? Beruhigender Weise nein. Im Gegenteil, mir fiel angesichts des Heftes ein, dass einer meiner früheren Versuche zu Geld zu kommen, darin bestand, Autor für derartige Literatur zu werden. Da gibt es verschiedene Genres, von Western über Arztroman zu Krimi, Liebe & Erotik etc. Dämlicherweise fing ich mit letzterem als Versuch an, was nach drei Seiten in einen Porno ausartete und sich so peinlich las, dass ich es umgehend in eine Satire münden ließ. Ein echter Brüller. Aber wer will sowas lesen. Nach sechs Seiten war auch dieser Versuch, zu Ruhm und Reichtum zu gelangen, Vergangenheit.

Die gesamtgesellschaftliche düstere Kehrseite dieser klebrig-lustigen Privaterinnerungen ist die Tatsache, dass heutzutage vermutlich keine Autorin mehr einen Cent mit Groschenheften verdient, obwohl diese Branche nach wie vor ein stabiles Nischensegment bildet. In den 80ern wurden jährlich über 300 Millionen Hefte verkauft, auch heute noch zig Millionen jedes Jahr. Der Autorinnenjob dürfte gerade in diesem Segment, das ausschließlich aus standardisierten, normierten Wiederholungen besteht bis hinunter auf die Ebene der Namensgebung der Akteur*innen, nur noch von KI erledigt werden. Ohne Honorarkosten, Sozialabgaben, lästige Kommunikation, Buchhaltung, Verwaltung etc. Und in wenigen Sekunden erstellt. Der Portier am Eingang des Verlagshauses, meist Bastei-Lübbe, wirft noch einen Korrekturblick drauf. Er war früher Autor des Verlages. Ehemaliger Germanistikstudent.

So sieht es in der gesamten Kulturbranche aus. Sie befindet sich in einem dramatischen Umbruch durch KI. Präziser: In einem dramatischen Niedergang. 2024 waren in der Kultur- und Kreativwirtschaft ca. 2 Mio. Menschen beschäftigt, ungefähr 5 % aller Erwerbstätigen in Deutschland. Der Umsatz betrug 205 Milliarden Euro. Die Branche ist grösser als die Chemieindustrie. Der Umbruch ist so gewaltig, dass ich hier nicht in die Details gehen kann. Aber welches Unternehmen kauft z. B. noch Illustrationen für Broschüren bei einem Grafikdesigner ein für teures Geld? Das macht die KI. Selbst Kunst ist ersetzbar. Gekauft wird, was gefällt. Nicht was den hehren Ansprüchen der Kunst genügt.

Diese Branche stirbt natürlich leise im Gegensatz zur Automobilindustrie, die mit Getöse über den Jordan fährt. Dort sind die Erwerbstätigen in Gewerkschaften organisiert und die verstehen ihr Geschäft der Aufmerksamkeitsökonomie. Noch, das hat sich auch absehbar erledigt. In der Kulturbranche sind überwiegend Soloselbstständige unterwegs, Kleinunternehmen, prekär Beschäftigte. Wenn die sich zukünftig bei den Tafeln drängeln, um zu überleben, kräht da kein Hahn nach.

Da ich also auf der Höhe der Zeit mit meinen Erkenntnissen bin – bilde ich mir zumindest ein, was auch eine Form von Bildung ist – liegt die Idee nahe, hier im Blog Werbung zu schalten. Natürlich nicht für Pornos. Und Waffen. Und Bildzeitung und und und. Aber bei über 100.000 Visits im Monat und 300.000 Page Impressions im Monat ließen sich zwischen 300 und 6000 Euro monatlich generieren. Laut KI. Da frag ich natürlich keinen Fachmann, keine Werbeagentur, sondern KI. (Werbeagenturen, gibt‘ s die überhaupt noch?) Mit Werbung sähe der Blog auch irgendwie professioneller aus.

Die Sache hat nur mehrere Häkchen. So sind zum Beispiel nach meiner vehementen Attacke, eher die derbe Verbalkeule als das feine Rhetorikflorett, auf linken Antisemitismus im Zusammenhang mit den Sondierungsgesprächen in Berlin die Klickzahlen hier deutlich eingebrochen. Das hat einigen, vielen (?) Leute aus dem Milieu offensichtlich so gestunken, dass sie sich hier ausklinken.  

Da wär ich mal gespannt, wie ich dann hier schreiben würde, wenn sich bestimmte Themen, ein bestimmter Schreibduktus in Verlusten von Heller und Pfennig bemerkbar machen würden.

Ich kann ja sicherheitshalber schon mal mein Pornomanuskript wieder hervorkramen.