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26.08.2021 – Korrumpiert oder opportunistisch, das ist hier die Frage ….


Aus der Wunsch-Kurve getragen und am Baum der Realität gelandet. Daran musste ich bei meiner Morgenlektüre der Bürgerpresse denken, die langsam Muffensausen kriegt, vorsorglich ihre Geschütze in Stellung bringt und dekretiert, nach dem Moto „Weil nicht sein kann was nicht sein darf“: „Was es (nach der Wahl) auf keinen Fall geben wird, ist eine Rotgrünrote Koalition“. Wenn es nach den Führungschargen, bis auf Ausnahmen, von SPD und Grünen geht, ist das wohl so. Die sind mittlerweile derartig vom System korrumpiert und von ihrer vermeintlichen Wichtigkeit so besoffen, bloß weil ihnen ein Präsident vom Arbeitgeberverband bei einem Empfang mal ein freundliches (Wolfs-)Lächeln geschenkt hat, dass sie grundsätzlich eher zu Noske-Lösungen linker Fragen neigen.
Andererseits sind sie opportunistisch genug bis auf die Knochen, dass sie bei passendem Ergebnis sowas wie R2G riskieren würden, wenn ihnen die Basis nur genug Feuer unterm Arsch machen würde.
Inhaltlich ist dieser Eiertanz eh grotesk. Wer sich mal die Mühe einer Gegenüberstellung der Inhalte macht, sieht, welche Welten CDU und FDP von SPD und Grünen trennen und wieviel mehr Übereinstimmungen von letzteren mit der Linken es gibt. Das kann nur negieren, wer im Hinterkopf das Mantra hat: „Was interessiert mich mein Programmgeschwätz von gestern, ich will übermorgen nach meiner Politiklaufbahn fette Kohle verdienen als …. (Hier als winziges Beispiel Rezzo Schlauch von den Grünen )“
Das Mantra der Linken „Raus aus der Nato“ als Hinderungsgrund für eine Koalition zu nehmen, ist lächerlich vorgeschoben. Dieses Mantra ist genauso realitätsbezogen wie der Sozialismus im Grundsatzprogramm der SPD. Steht auf dem Papier, kräht keine Henne mehr nach. Und finanzpolitisch macht man halt Kompromisse. Sowas nennt frau: Politik.
Es ginge also was, es wäre nur zu wollen.
Viel, viel schlimmer als das ist aber, dass der Gastronomie Seuchenbedingt die Kräfte ausgehen. Dialoge mit dem Service wie aus ner Sitcom:
„Was für Weißwein haben Sie? – „Rotwein.“
Oder: „Kann ich Crème brûlée und Mousse haben?“ – „Wie soll das denn gehen?“
Schön auch das vorsorgliche: „Möchten Sie die Vorspeise vorher?“

25.08.2021 – Was also wählen?


In der gehobenen Gastronomie geht der Trend weg vom Alkohol und hin zu edlen Säften. Nicht mehr meine Welt. Aber was ist schon meine Welt? Zuerst eine der Irrungen und Wirrungen, ergo der Korrekturen. Gestern schrieb ich: „Wie kann es z. B. sein, dass Gottes- also Götzendienste von den drei G-Regeln ausgenommen sind, im Gegensatz zu allen anderen gesellschaftlichen Bereichen?“ Das ist falsch. Das Versammlungsrecht ergo Demonstrationen ist davon auch ausgenommen. Und das ist im Gegensatz zu Götzendiensten ein extrem wertvolles Gut.
Irrungen und Wirrungen II: Nie wieder Partei-Prognosen. Was hab ich der SPD nicht schon alles an den Hals prognostiziert. Heuer noch knapp zweistellig und das nächste Mal Kampf mit der Fünfprozent-Hürde …. Und dann kommt Olaf Scholz als Mr. Roboto wie Phönix aus der Sozi-Asche und straft mich und alle Auguren Lügen. Die SPD, die ich demnächst auf Platz 5 der Parteien-Hitliste verortet hatte, ist erstmals on Top of the Pops. Diese Volatilität. Nicht mehr meine Welt.
Fakt ist: Eine fortschrittlichere Koalition Rotgrünrot wird möglicher. Wobei am Ende niemand weiß, was jenseits der Prozentanteile bei den Überhangmandaten rauskommt. Haben wir dann bald so viele Abgeordnete wie der chinesische Volkskongress und wie kommt das zustande? Können Sie, liebe Leserinnen, ad hoc das Prinzip der Überhangmandate erklären oder kennen Sie wenigstens jemanden, die das kann? Ich kann es nicht. Damit soll irgendwas korrigiert werden? Die Dummheit des Wahlvolks? Das wäre für mich die einzig akzeptable Variante.
Was also wählen? Die Linken sind eine Bande von Spinnern, Antisemiten und Dogmatikerinnen, ihre aktuelle Afghanistan Entscheidung ist inakzeptabel und ich kann jede verstehen die sagt: Sowas wähl ich nicht. Aber wer mit SPD oder Grünen ins Bett geht, kann am Morgen mit FDP und CDU aufwachen. Ungeschminkt.
Meint z. B.: Im Moment zücken die reichsten Deutschen wieder ihr „Scheckbuch“, pampern letztgenannte ungeniert und das tun sie nicht umsonst. Die wollen einen return on investment. Heißt: Da, wo CDU und FDP sind, egal in welcher Konstellation, wird es keine andere Wohnungspolitik geben. Never ever. Einen Mietendeckel, die Abschaffung der Modernisierungsumlage, die dauerhafte Sozialbindung bei Sozialwohnungen, überhaupt nennenswerten Sozialwohnungsbau und eine ansatzweise Regulierung der börsennotierten Wohnungskonzerne wird es nur mit einer fortschrittlicheren Koalition geben. Das lässt sich auf alle kapitalgetränkten Bereiche der Gesellschaft runterbrechen: Gesundheit, Arbeitsmarkt, Infrastruktur, Bildung …
Und erzählen Sie mir nicht, liebe Leserinnen, dass Sie nicht von zunehmend unbezahlbarer Miete betroffen sind (es sei denn, Sie wohnen im Eichsfeld), von teurem und schlechtem ÖPNV, von Zuzahlungen oder teuren Zusatzversicherungen in Krankheitsfällen etc. pp.
Millionär*innen werden ja diesen Blog eher nicht lesen. Es sei denn, sie neigen zum Klassenverrat, sowas soll’s ja geben. Siehe Friedrich Engels.

24.08.2021 – Wahlkampf


MLPD Wahlkampf mit Kindern, den Roten Füchsen. Die MLPD ist eine schwer verpeilte stalinistisch-maoistische Politsekte, im linken Spektrum sowas wie das Opus Dei in der katholischen Kirche. Opus Dei, Werk Gottes (was vom Namen her schon eine blasphemische Anmaßung ist, legt man deren interne Maßstäbe zu Grunde), ist eine ebenfalls schwer verpeilte Sektenorganisation, deren Mitglieder sich schon mal gerne selbstgeißeln, neoliberal, antimodern und ultrareaktionär bis kryptofaschistisch aufgestellt sind, und im Gegensatz zur MLPD von nicht zu unterschätzendem Einfluss auf die Gesellschaft. Der engste Berater von Armin Laschet, Nathanael Liminski, ist qua Elternhaus von fundamentalistischen Ideologemen des Opus Dei geprägt. Sein Vater war dort Mitglied, publizierte in Organen mit faschistoider Ausrichtung, bezog antisemitisch konnotierte Positionen und konnte durchaus als rechter Hetzer durchgehen.
Zu wissen, von wes Geistes Kindern ein potentieller Kanzler beeinflusst wird, halte ich nicht nur für legitim, sondern für geboten. Wie kann es z. B. sein, dass Gottes- also Götzendienste von den drei G-Regeln ausgenommen sind, im Gegensatz zu allen anderen gesellschaftlichen Bereichen? Wessen Einfluss steckt dahinter? Wie weit geht dieser Einfluss z. B. bei der hochpolitischen Frage der Abtreibungen? Oder Minderheiten-Gleichstellung? Der Rolle der Frau in Staat und Gesellschaft? Wär doch interessant zu wissen, wer die Köpfe hinter den Wahlplakatportraits sind, die das Denken übernehmen für Laschet. Dass es mit dessen eigenem Denken nicht weit her ist, stellt der Kampagnen-Bruchpilot ja täglich unter Beweis.
Insofern fand ich es gut, dass die SPD das thematisiert hat. Und wiederum typisch SPD, als sie beim ersten Gegenwind im Vorwurf des Negative Campaigning wieder den Schwanz eingezogen hat und die Infokampagne einstampfte.
Bisher war Laschet für mich ein ungefährlicher Doofkopp, der was Surreales an sich hat, etwas Comicfiguren-mäßiges, in Richtung SpongeBob, Klempner Mario oder Pat von Pat und Patachon, nur ohne deren positive Eigenschaften. Aber spätestens nachdem er das Holocaust Denkmal für seine Inszenierungen instrumentalisierte, hat er bei mir verschissen bis in die Steinzeit. Man kann nur dankbar sein, dass diesem unterkomplex Begabten die meisten Inszenierungen zum Rohrkrepierer werden. Leider ist nicht auszuschließen, dass er trotzdem Bundeskanzler wird.
Wahlen sind ja an sich nicht schlecht, sie sorgen für Unterhaltung, geben Journalistinnen Lohn und Brot und halten die allergrößten Knallköppe davon ab, sich politisch zu artikulieren, also via Enthaltung von den Urnen fern. Nur die Wähler*innen, die müssten verboten werden.

23.08.2021 – Über die Liebe in Zeiten des Pop oder: The times they are a changing


Klassischer Fall von Text-Bild-Schere?
Nach dem Motto: „Denken Sie stets daran, das Gedachte zu vergessen“ sind mir nach dem gestrigen Blog-Eintrag leider noch jede Menge Bands inklusive Songtakte eingefallen, die für mich am magischen Ort des alten Tempodrom in Frage gekommen wären. Unter anderem Radyo, eine Soulfunkband aus dem vorigen Jahrtausend. Eigentlich die falsche Stilrichtung, Phillysound mit Streichern, Synthesizer, Zuckerbäcker-Arrangements, da bluten einem schon mal die Ohren. Bei sowas würden sich Otis Redding und Wilson Pickett im Grabe umdrehen. Aber gut tanzbar war der Stil von Radyo allemal und ihr „You can’t change that“ hatte Ohrwurmcharakter, von dem mir sogar ein paar Textzeilen in Erinnerung waren. Normalerweise achte ich bei Pop nicht auf Texte, da ist die Erkenntnisfallhöhe meist unter Null, à la „The times they are a changing“. Potzdonner, wer hätte das gedacht.
Aber im Radyo Fall bürstete meine Erinnerung irgendwie gegen den Strich. Ich schaute mir die Lyrics näher an und, ei der Daus, da hat sich ein gewaltiger Bedeutungswandel abgespielt seit dem Entstehen des Songs. Damals las sich das wie eine anrührende Liebeserklärung für romantische Gemüter. Es beginnt mit Schwüren, von denen 13 auf ein Dutzend gehen, was aber mitunter volle Wirkungstreffer landen kann:
Honey, I’ll always love you
I promise I’ll always love you

Danach wird es aus heutiger Sicht allerdings schon leicht bedrohlich, kriegt was Obsessives nach dem Motto „Widerstand ist zwecklos“:
There’s nothing you can do or say
I thought about this for many a day

Um spätestens dann aus heutiger Sicht in den Horror des Stalkens abzugleiten, das ist kein Liebesschwur, das ist eine nackte Drohung:
You can change your telephone number
And you can change your address too
But you can’t stop me from loving you
No, you can’t change that, no, no
You can change the color of your hair
And you can change the clothes you wear
But you’ll never change the way I care
No, you can’t change that.

Übersetzt: Du bist mein Besitz, mit Haut und Haaren.
Wer das damals so interpretiert hätte, wäre vermutlich für paranoid, schlimmer noch: uncool erklärt worden. Die in den letzten Jahren zunehmend öffentlich diskutierte Geschichte von obsessiven männlichen Besitzansprüchen und Gewalt an Frauen in Beziehungen gibt dem Text heute eine vollkommen andere Konnotation.
Wie schon auf dem Plattitüden-Markt verkauft: The times they are a changing.
Als Dokumente zeitgeschichtlichen Wandels sind Pop-Texte jedoch mitunter interessant. Und wer wollte sich der Magie einer Zeile von Johnny Nash wie „Fels mich, Säugling, fels‘ mich hier draußen auf dem Boden“ entziehen („Rock me, Baby, rock me out here on the floor“)

22.08.2021 – Ganz schön schräg


Sonnenblume Goldener Neger, dem Gang der Sonne nachwachsend.
Jeder Mensch hat, zumindest vermute und hoffe ich das, Erinnerungen an magische Orte, Erinnerungen, die, je verschwommener oder weiter in die Vergangenheit greifend, die Orte und die damit verknüpften Geschehnisse mitunter zum individuellen Mythos überhöhen. Bei mir sind es z. B. allererste Kindheits-Erinnerungen, wie ich, vielleicht dreijährig, auf Omas Kartoffelacker in den Furchen verschwand, das Laub der Erdäpfel schlug über meinem Kopf zusammen, ich war in einem Dschungel, meiner eigenen Welt. Das ist kein zusammenhängender Film, mehr eine Folge von Standbildern, Einzelsequenzen. So wie später dann die bohnergewachsten Flure der Volksschule, wo ich verzweifelt heulend allein herumirrte, niemand da außer mir, weil meine Eltern verpeilt hatten, dass es auch sowas wie Ferien gibt. Erster Ferientag und Kevin allein in der Penne. Das erste Mal, wo ich reif für die Couch war.
Oder, als der Jüngling schon zum Manne gereift ward, das Berliner Tempodrom, 1980 gegründet und derart mit einem alternativ-linksradikalen Schein aufgeladen, dass Helmut Kohl nach der Annexion der Ostzone das Zelt und sein Publikum als viel zu großes Sicherheitsrisiko in der Nähe des geplanten Bundeskanzleramts keinesfalls dulden wollte.
Erinnerungsfragmente an magische Konzerte machen das alte Tempodrom für mich zu einem auratisch-sehnsuchtsvollen Ort, ohne dass ich einen Schimmer hätte, was es für Bands waren oder wie das alte Tempodrom genau aussah. Ein paar Standbilder, von Tanzmoves und Bewegung auf der Bühne, vielleicht Johny Clegg oder Latin Quarter, ein vages Gefühl von „Alles ist möglich“, mehr ist da nicht und ich versuche im Moment krampfhaft, die Standbilder zu einem Film mit Details zu montieren, das Vage greifbar zu machen. Und wer ist schuld daran?
Die CDU. Die hat ja gestern ihre heiße Wahlkampfphase mit ihrem Kanzlerkandidaten Armin SpongeBob FLaschet eröffnet und zwar, und bei der Meldung bin ich fast aus meinem Ohrensessel gepurzelt: im Tempodrom. Früher, als alles noch besser war, im alten Tempodrom, hätte die CDU so eine Veranstaltung eher in der Hölle abgehalten und das Tempodrom wäre im Falle der Ankündigung einer solchen Veranstaltung in selbiger Nacht von der Basis abgefackelt worden. So ändern sich die Zeiten.
Ich fand die Meldung im ersten Moment ganz schön schräg. Und dann ploppten wie gesagt, diese magischen Erinnerungsfetzen in mir auf. Aber ich sollte sie belassen wie sie sind. Ist nicht Wesen und Kern von Magie und Mythos das schwer Fassbare, das Fragmentarische, das Unsagbare. Was wäre gewonnen, ich hätte einen vollständigen Film, wüsste wann das genau war, mit wem ich da war und welche Band das war. Johnny Clegg? Toll. Der ist mittlerweile tot.
Also lassen wir der Vergangenheit ihre Gloriolen und freuen uns auf eine Zukunft mit Baerbock, Scholz oder SpongeBob. Und konkretere Konzert-Erinnerungen aus den 90ern hab ich ja doch noch, an die stampfenden Groves der Scatterlings of africa. Requiescat in pace, Bro.

19.08.2021 – Herr Ober, Wahlen bitte!


Negative Campaigning Plakat aus dem AfD-Umfeld, siehe auch Eintrag vom 10.08. Hat keine Woche gehalten, dann fiel es der Campagne „Unsere Stadt soll schöner werden“ zum Opfer. Wie alle anderen Plakate aus der Serie bei mir nebenan. Ich war es nicht, aus dem Alter bin ich raus und für die Grünen würd ich keinen Wahlkampf machen, aber eine klammheimliche Freude konnte ich mir beim Anblick der geschändeten Wahlplakate nicht verkneifen. Alle Jahre wieder Wahlen, die, wenn sie etwas veränderten, schon lange verboten wären, um einen altlinken Klauer aufzugreifen.
Natürlich würde es schon einen Unterschied machen, ob wir eine CDU/FDP geführte oder eine Rotgrünrote Regierung bekommen, sei es auf Bundes- oder auf Landesebene. Auf Landesebene würden seitens CDU/FDP zivilgesellschaftlichen Projekte wie Frauenhäusern, Erwerbslosenberatungen, soziokulturellen Zentren und Projekten, etc. pp (die Liste wäre sehr lang) die Fördermittel rasiert werden und in KMU-Förderung gesteckt. Rotgrünrot würde sicher z. B. den hiesigen Flüchtlingsrat besser ausrüsten. Und ich hätte mehr Verwaltungsarbeit, ein Grund, umgehend ins Retiro zu wechseln.
Auf Bundesebene ist Rotgrünrot keine Option, selbst wenn es rechnerisch reichen würde. Eine dergestalt fortschrittlichere (nicht: linke. Wer glaubt, das wäre eine „linke“ Regierung, hält Kühnert für einen Kommunisten und Baerbrock für eine Kommunardin) Regierung hielte sich keine 100 Tage, dann hätte sie eine unheilige Allianz aus SPD-Seeheimern, Realagrünen, linken Radikalspinnerinnen im Verein mit der hiesigen Bürgerpresse, den Unternehmerverbänden und bezahltem Mob auf der Straße aus dem Amt gekegelt. Soll nicht meine Sorge sein, die da oben machen ja doch, was sie nicht wollen. Was mir echt auf den Bahlsen-Keks geht, ist der Kommunalwahlkrampf in Hangover (Wahl am 12.09). In Afghanistan bricht die Barbarei wieder aus, Haiti wird von Naturkatastrophen biblischen Ausmaßes getroffen und das zentrale Thema hier ist: Der Müll. In der hiesigen Bürgerpresse hat man ob der Leser*innenbriefe, Artikel und Kommentare über zig Seiten seit x Wochen den Eindruck, dass hier Armageddon anbricht und der Untergang des Abendlandes vor der Tür steht, wenn mal ein gelber Sack über die Straße weht. Was für eine Kackstadt.
Im Westen also nichts Neues. Wie sagt man so schön, wenn man die Zeche zahlen soll und die Quittung präsentiert kriegt: Herr Ober, Wahlen bitte! Nach Wahltag kommt Zahltag. Zumindest für die Plebejer.
Heißt das Pendant zu „Herr Ober“ eigentlich „Frau Oberin“?

17.08.2021 – Biene mit Pollenhöschen.


Biene mit Pollenhöschen. Einen Vorteil haben Sonnenblumen auf jeden Fall: bei kleineren Exemplaren kann man Bienen bei ihrer Arbeit beobachten, ohne sich bücken zu müssen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Arten es jenseits der Biene Maja-Variante gibt. Noch.
Arten sterben, Viren haben Hochkonjunktur. Der Zusammenhang liegt auch auf jener Hand, die zurzeit mit Virenabwehr beschäftigt ist: Maske auf, Maske ab, desinfizieren, gurgeln … was ich als Durchgeimpfter und Booster-Erwarter nur noch nach Besuchen exponierter Orte wie Arztpraxis, Krankenhaus etc. mache. Ermattet nehme ich Artikel wahr, die sich mit der Wahrscheinlichkeit von resistenten Varianten auseinandersetzen und schwöre mir, im nächsten Leben Mikrobiologie zu studieren oder wenigstens eine Virologin zu heiraten. Soviel Unwissen auf meinem Haupt, seufz.
Für einen Aktienanalysten reicht es allerdings. Hatte ich unlängst in diesem Blog Biontech als das neue Apple gepriesen, tut es mir der „Kollege“ von finanzen.net nach und preist den einzigen aktuell ernsthaften mRNA-Wettbewerber Moderna als Tesla.
Da mit dieser Technologie – und hier passt der oft geschundene Begriff ausnahmsweise – binnen revolutionär kurzer Zeit neue Impfstoffe designed werden können, bin ich zuversichtlich, was ganz andere Kaliber als SARS-CoV-2 angeht, wie Marburg und Ebola. Dass bei beiden Viren fast gleichzeitig Erkrankungen öffentlich wurden, kommt eher selten vor. Beim Marburg-Virus handelt sich um den bisher ersten bekannten Fall überhaupt in Westafrika, bei dem das Virus bei einem Menschen nachgewiesen wurde. Die Sonderheit beim Ebola-Virus: Die Erkrankung der Patientin Null (?) wurde nicht im Landesinneren diagnostiziert, wo die Mensch/Wildtier-Schranke naturgemäß niedriger ist, sondern in der Hauptstadt der Elfenbeinküste Abidjan, einer Millionenmetropole.
Alles Zufälle. Alles wird gut.
Na ja, fast und meistens jedenfalls. War ja auch in „Contagion“ von Steven Soderbergh zu sehen, der wesentlich bessere Seuchenfilm im Vergleich zu „Outbreak“ von Wolfgang Petersen. An diesen beiden Filmen lässt sich auch paradigmatisch ablesen, warum ich grundsätzlich nur Hollywoodfilme gucke und bei deutschen Filmen mich meist mit Grausen wende. Ihnen fehlt es an Eleganz, Esprit, Leichtigkeit, erzählerischer Raffinesse, bis in die Einstellungen und Schnitte hinein herrscht beim deutschen Film der Holzhammer vor. Ausnahmen wie Dominik Graf bestätigen die Regel. Ich bevorzuge das Florett.

16.08.2021 – Ernte 23 vs. Taliban.


Ernte 21. Man weiß ja nie, was kommt, nach Corona und all den in rasendem Tempo sich vermehrenden anderen Katastrophen, und so übe ich mich in meinem Garten in Subsistenzwirtschaft, was ja auch aus Öko-Sicht ein Brüller ist. Aber ach, auch heuer fällt die Zwischen-Bilanz der Ernte 21 wieder miserabel aus: Die Tomaten reifen nicht aus, die zwei Birnen sind wie immer vollkommen geschmacksbefreit, der Wein besteht nur aus Schale und die Kürbisse sehen nett aus, das war’s aber auch.
Lassen Sie, liebe Leserinnen, sich von den ganzen Hobbyfarmern der Republik nichts vorgärtnern, von wegen der Geschmack des Eigenanbaus sei einzigartig. Das trifft vielleicht auf Kräuter zu, inclusive Marihuana, aber bei Obst und Gemüse ist das ein Mythos. Die kosten einen Haufen Arbeit und Geld, der Ertrag ist mickrig und der Geschmack existiert nur in der Einbildung des ob der Eigenleistung berauschten, in Kriegsfällen vermeintlich semiautonomen Großstadtbauern. Es bleibt dabei: Ist der Hanfhandel auch noch so klein, bringt er doch mehr als Gemüseanbau ein.
Ernte 21 erinnerte mich an die guten alten Zeiten, als an jeder Ecke noch gequarzt wurde und der Rausch einem nicht von Gesundheits-Taliban vermiest wurde. HB. Peter Stuyvesant. Ernte 23! Tauchen Sie in dieser Werbung aus den 70ern in einen anderen Kosmos ein.
By the way: Dechiffrieren Sie mal die Botschaft der Werbung, was die Rolle der Frau in der Gesellschaft angeht (bis 1977 durften Frauen nur dann erwerbsarbeiten, wenn das mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar war. Kostenlose Care-Arbeit durften und dürfen sie natürlich weiter ohne Ende leisten, sonst läuft der Kapitalismus nicht.)
Ach, Ernte 23, Du Motor des Fortschritts, Du fehlst an allen Ecken. Vor allem in Afghanistan, wo die Real-Taliban ihrem barbarischen Handwerk wieder ungehemmt nachgehen werden. Als erstes werden diese fanatischen thanatoiden Verächter des Lebens und der Lust Frauen aus der Öffentlichkeit verschwinden lassen, komplett unsichtbar machen. Hierzulande erledigen das die Sprach-Talibane, jene weißen, alten Männer, die in ihrer kleinen Geisteswelt Frauen, zumindest auf der Ebene des Überbaus, in der Sprachsphäre unsichtbar machen wollen … „Liebe Freunde und liebe Kollegen“ (Doch, sowas gibt’s noch).
Was sich in ein paar Jahren erledigt haben wird, siehe Rauchverbot in Restaurants, da kräht nach militantem Kulturkampf auch keine Henne mehr nach. Schön, dass sich immer mehr nachwachsende Geistesrohstoffe, sprich Jungjournalistinnen (zumindest im DLF, was anderes höre ich nicht), eines phantasievollen Umgangs mit diesem Problem befleißigen, nämlich einem freien Fluten der Sprache, wo sie wechselnd, je nach Anlass, die Formen ändern, mal weiblich, mal männlich, mal beides, mal gendernd. Wie das Leben eben so ist und dieser Blog auch teilpraktiziert, je nach Lust und Laune.
Ob diese Art der Dialektik in den Niederungen der Ernte 23-Werbung ihren Ursprung hat, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.

11.08.2021 – Eigentlich kann ich Sonnenblumen nicht leiden


Simulation des Paradieses. Eigentlich kann ich Sonnenblumen nicht leiden. Allein die Tatsache, dass sie Symbol der Grünen sind, macht sie mir unsympathisch. Sonne, Licht, Leben, blablabla, Friede, Freude, Eierkuchen. Dieses aufdringlich-platte Rumklappern mit Botschaften, die so selbstverständlich sind wie Ebbe und Flut, nervt mich. Wer ist denn schon gegen Sonne, Licht und Leben? Außerdem sind die Dinger im Garten genauso undezent wie ihr Symbolgehalt: Riesengroß, plump, tollpatschig stehen sie wie Goofy in der Gegend rum und stehlen zartgliedriger Monbretie oder exotischer Fuchsie Wirkung. Zusätzlich, und das gibt diesen Stengelprotzern für mich den Rest, sind sie das Hippiesymbol.
Wir leben ja laut Alice Weidel in einem Hippiestaat. Ob sie bei der Aussage selber zugeraucht war oder meinte, dass das Kabinett eine Bande von Kifferinnen, Nichtstuern und Esoterikkaspern sei, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich in einem Hippiestaat genauso wenig leben möchte wie in einem, in dem eine Alice Weidel ungestraft Nazimüll absondern darf.
Ich möchte lieber im Paradies leben und hier sind wir wieder bei des Pudels Kern, der Sonnenblume. Da ich seit der Entdeckung des Goldenen Negers jedes Jahr notgedrungen dutzende Exemplare im Garten stehen habe (eine derartige Inszenierung kann ich mir einfach nicht entgehen lassen. Wer sein Leben nicht inszeniert, ist im falschen Film), muss ich irgendwas mit ihnen machen. Also habe ich welche auf meiner Veranda so drapiert, dass sie eine Art enges Spalier bilden, durch das ich quasi durchmäandern muss. Die üppige, verschwenderische Natur als naive Phantasmagorie des Paradieses.
Das ja auf Erden stattfinden soll und in der postmodernen Variante des Pursuit of Happiness allerlei Stilblüten produziert. Gehen Sie mal in einen Buchladen und fragen nach „Irgendwas mit Glück“. Oder googlen Sie „Glück und Bücher“. Nach einer 10sekündigen Suche ward ich ob der Fundstellen sofort todunglücklich, soviel esoterischer Seelenmüll prallte mich via Bildschirm an. Hoffnung versprach mir nur Barbara Fredricksons „der macht die guten gefühle“ (in unsäglicher Kleinschreibung), was sich leider bei genauem Hingucken entpuppte als „die macht der guten gefühle“.
Die Sehnsucht nach dem Paradies vulgo die Jagd nach dem Glück wird angesichts des brennenden, versinkenden, vergifteten Planeten immer drastischere Züge annehmen und sie wird sich nach innen richten, da die äußeren Statussymbole eines vermeintlichen Glücks sich als nichttauglich und kontraproduktiv erwiesen haben. Wäre ich jünger und noch zynischer als eh schon, würde ich eine Sekte gründen.
Altersgereift und milde stelle ich einen ETF zusammen, in dem börsengehandelte Unternehmen sind, die sich irgendwie mit Glück beschäftigen: Cannabis, Bücher, Healthcare, Biotechs, Ökozeug etc. pp. Den Namen hab ich schon: Happiness Paradise ETF. Erinnert mich an meinen derzeitigen Liebling „ÖkoWorld Rock ‘n‘ Roll Fonds“. Eine Perfomance in den letzten fünf Jahren von 68 Prozent.
Wenn da keine Glücksgefühle aufkommen ….

10.08.2021 – Dumm, dümmer, AfD.


#Grüner Mist 2021. Verbote, Bevormundung, Steuererhöhung.
Das ist ein Paradebeispiel von Negative Campaigning (und nicht, wie die HAZ im Kommentar schreibt: Negativ Campaigning). Das Plakat (Urheber: Conservare Communications GmbH, AfD Umfeld) ist Bestandteil einer bundesweiten Negativkampagne gegen die Grünen. Normalerweise wird in Deutschland positiv für etwas geworben (zumindest auf Plakaten), aber von Trump lernen, heißt teilsiegen lernen und so versuchen auch hierzulande Parteien, sich daran zu hängen. Aber gut gemeint bedeutet noch lange nicht gut gemacht.
Obiges Plakat hängt mit einigen anderen aus der Kampagne im Umfeld des – bundesweit bekannten – alternativen Platzprojektes mit hohem Partyaufkommen, ein paar Schritte von meiner Homebase entfernt gelegen. Dort dürfte, wie im gesamten Kiez hier, eine stabile absolute Mehrheit grün-linker Kernwähler*innenschaft unterwegs sein, auf dem Platzprojekt eher in Richtung 70 Prozent. Und es dürfte einfacher sein, einer Kuh das Tanzen beizubringen als eingefleischte Kernwählerinnen mit Plakaten vom Gegenteil ihrer politischen Einstellung zu überzeugen. Mir jedenfalls sind keine FDP-Campagnen in sozialen Brennpunkten bekannt. Das wäre verbranntes Geld. Die Autoinsassen, die an den Plakaten vorbeirauschen, dürften eh nur die Farbe Grün wahrnehmen, irgendwas mit gelber Sonnenblume und im Unterbewusstsein abspeichern: Ach ja, die Grünen, machen echt viel Action.
Ganz abgesehen davon ist die Wirkung von Wahl-Plakaten vorsichtig formuliert umstritten, das ist eher der Effekt: Die Anderen machen es ja auch. Da wäre auch aus Öko-Gründen mal ein Moratorium fällig.
Mir ist eh schleierhaft, wie man seine politische Überzeugung alle Jahre wieder wie ein Waschmittel wechseln kann, bloß weil irgendwo für oder gegen irgendwas Stimmung, Werbung gemacht wird. Entweder ich hab ne Überzeugung oder nicht. Aber da bin ich wohl Old School und ohnehin eher werberesistent. Spontankäufe? Nein Danke.
Persönlich hat mich das Plakat oben sehr angesprochen. Mist ist gut, weil Ökodünger. Grün ist meine Lieblingsfarbe (was nichts über meine politische Präferenz aussagt) und Sonnenblume ist sowieso Weltklasse

mein Garten ist voll mit Weltrekordverdächtigen Exemplaren der Sorte „Goldenen Neger“.
Und selbstverständlich bin ich für Verbote, wie die von Inlandsflügen und Naziparteien. Natürlich bin ich für Bevormundung, von Querspinnern und AfD Faschos. Steuererhöhungen? Aber hallo! Vermögenssteuer, höhere Einkommensteuern für Spitzenverdienste und nennenswerte Erbschaftssteuern – ja Bitte!
Also für mich ist obige Kampagne ein Rohrkrepierer nach dem Motto: Dumm, dümmer, AfD: Aber leider kann man sich darauf nicht dauerhaft verlassen. Rattenfänger zeichnen sich leider durch eine gewisse Schläue aus. Sonst wären sie ja nur Rattenjäger.