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16.11.2023 – Dauerbestrapst

Ich habe die beiden Filmplakate aus dem Blog vom 13.11 nebeneinander montiert, dadurch wird die Inkompatibilität der sie abbildenden Lebenswelten noch deutlicher. Links im Bild der Faschist aus dem ersten NS-Propagandafilm  überhaupt von 1933 und rechts das Plakat von „Rocky Horror Picture Show“ 40 Jahre später, vermutlich mit dem Mund vom Hauptdarsteller Tim Curry, der im Film, dauerbestrapst, als Dr. Frank. N. Furter das biedere Ehepaar Janet (Susan Sarandon!) und Brad verführt.

Den Film kann man als Hymne (er basierte auf einem Musical) auf das Leben, auf Diversität, auf Lust sehen. Die Ästhetik des Faschismus dagegen zielt grundsätzlich auf eine Glorifizierung des Todes. Die gesamte Rocky-Horror-Picture-Show-Crew wäre im Faschismus im KZ gelandet und eine Aufführung von Film oder Musical im Herrschaftsgebiet der Hamas, von Islamisten wie Taliban, Iran, Saudi-Arabien etc., ist ungefähr so realistisch wie die Einführung des Sozialismus hierzulande, also eine völlig groteske und absurde Vorstellung. Die Ikonographie des SA Mannes Brand ist ein einziger lebensverneinender Grusel: Der ganze Körper ein starrer Panzer, in Abwehr von allen weichen, fließenden, gar weiblichen Elementen, fern jeden Verlierens im Rausch, in der Auflösung der Körpergrenzen; als reines unlebendiges Ornament bereit, aufzugehen in den endlosen Marschkolonnen der Nazis, die nur ein Ziel und eine Sehnsucht kannten: Terror und Tod. Wie die Hamas.

Deren Überfall auf Israel ja kein Interesse verfolgte. Nur Terror und Tod, auch den eigenen. Ein wahnhaftes, irrationales Agieren, denn der Vernichtung des Staates Israel und seiner Bevölkerung, dem erklärten Ziel der Hamas und der Islamisten, sind sie natürlich keinen Schritt näher gekommen. Das unterscheidet diesen Krieg auch vom verbrecherischen Überfalls Russlands auf die Ukraine: so imperialistisch dieser auch daherkommt, verfolgt er doch ein logisch nachvollziehbares, wenn auch moralisch zu verurteilendes, Interesse, mit konkreten Zielen wie der Erweiterung des eigenen Herrschaftsbereiches, allerdings nicht um jeden Preis. Hier liegt also eine Kosten-Nutzen-Kalkulation vor, die in sich die Möglichkeit von Verhandlungen birgt. Mit Faschisten wie der Hamas kann es keine Verhandlungen geben. Sie kennen kein Recht, keine Verträge, keinen Kompromiss. Die Forderung nach einem Waffenstillstand ist daher naiv, den würde die Hamas sofort zur Aufrüstung und weiterem Terror benutzen. Israel begeht in diesem von der Hamas begonnenen Krieg weder Völkermord noch bricht es das Völkerrecht, selbst der Angriff auf das Krankenhaus, so schrecklich jedes Opfer dort ist, ist durch das Völkerrecht gedeckt. Das kann man verurteilen und bedauern, es ist aber derzeitige Rechtsgrundlage.

Diese Zusammenhänge sollten sich alle Pro-Palästina Pseudlinken, Kultur-Bolschewisten und Intelligenzdarsteller hierzulande mal vor Augen führen bei ihren „Cease Fire“ Appellen, offenen Briefen und sonstigen Faschismus-Sympathie-Verrenkungen, notdürftig verborgen unter dem rotfleckigen Mäntelchen von Dekolonisation und Antiimperialismus.

Und sich auch gerne mal die Frage stellen, wo sie ihrem im Zweifel hedonistischen Lebenswandel lieber nachgehen würden: in Tel Aviv oder in Hamashausen.

Die Dimension dieser Spaltung auch unserer Gesellschaft gerade im Kultur- und Intelligenzbereich – das Gerede von einer Linken hat sich ja erstmal final erledigt – zwischen Antisemiten und jenen, die unbeirrt für das Existenzrecht Israels einstehen, ist noch gar nicht abzusehen. Diese Spaltung ist fundamental und von anderer Natur als die zu Corona.

13.11.2023 – Ein Lebensbild aus unseren Tagen

Aus der Ausstellung „Großes Kino „, Filmplakate von 1900 bis 2020, Kulturforum Berlin. Entlang der Originalplakate entfalten sich die Epochen der letzten 120 Jahre, ästhetischer Genuss, politische Bildungsreise und Wiederbegegnung mit persönlichen Filmikonen, wie „Rocky Horror Picture Show“.

Pralle Sinnlichkeit, ambivalent, mit bedrohlichen Elementen. Die Ausstellung ist ein Parcours an Emotionen und lachen kann man auch. Bei „SA-Mann Brand“ oben war es das Lachen, das im Halse stecken bleibt angesichts des prophetischen Untertitels: Ein Lebensbild aus unseren Tagen.

Übrigens einer der seltenen Momente, in denen im öffentlichen Diskurs das Symbol des Hakenkreuzes sanktionsfrei zu besichtigen ist.

12.11.2023 – Hähnchen im Hades

Samstag ist Hähnchen-Tag im Hades, dem türkischen Imbiss in unserem Haus in Kreuzberg. Tayfun, der Wirt, sammelt vorher Bestellungen und schmeißt dann Samstags seinen kleinen Hähnchengrill an. Rentnerinnen, Studierende,Intellektuelle, Arbeiter, Weiss und Schwarz, vom Hipsterkiez gegenüber holen sie Pizzen ab, im Hintergrund plärrt die Sportschau. Es geht unprätentiös zu. Jetzt ist die Jahreszeit, in der von innen die Scheiben beschlagen und die Raucher draussen an den restlichen Tischen die Kapuzen hochklappen.

Kurz vorher in der coolsten Galerie des Universums. Alles weiss, so blendend weiss, dass es vor den Augen flimmert und man den Raum kaum als dreidimensional wahrnehmen kann. Keine Tische, Deko, nichts, nur weiss. Und die Kunst. Die ist allerdings voll Scheisse. Saumässiges Handwerk und niemand weiß, was will uns der Pinselquäler sagen. Ort des Geschehens Karl-Marx-Allee, im coolen Friedrichshain. Hier, in diesem grandiosen, riesigen städtebaulichen Ensemble im Stil des Sozialistischen Realismus erinnert noch manches an die untergegangene DDR. In einem Imbiss, mit Stuck an der Decke, sitzen drei Rentnerinnen, jenseits der 80, und löffeln Soljanka. In der Karl-Marx-Allee haben die Funktionseliten der DDR gewohnt. Teile der Straße wurden nach dem Mauerfall von der Börsennotierten „Deutsche Wohnen“ übernommen.

In die Aufgänge der dortigen U-Bahn Stationen pfeift ein eiskalter Wind. Dabei ist es noch garnicht nahe Null. Das kommt ja erst noch.

11.11.2023 – 11.11 Uhr Karnevalsbeginn

Eckkneipe Mariannenplatz, Kreuzberg. Rauchschwaden, Trinker, Altlinke, über allem thronend eine resolute Wirtin.

Neukölln in den 60ern, Foto Robert Lebeck. Ausstellung Galerie Freiraum für Fotografie, Waldemarstr. 17, Kreuzberg.

Die Bilder, die Gegenwart und Vergangenheit verbinden, haben einen inneren Zusammenhang. Frühere proletarische Lebenswelten, verbunden durch Hoffnung, Aufbruch und Niedergang. Eine deutsche Geschichte eines halben Jahrhunderts, erzählt in zwei Bildern, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben.

Was bleibt, ist ein Gefühl von närrischer Welt, die mit einem Bein über dem Abgrund tanzt und mit dem anderen Helau und Alaaf grölt und Luftschlangen wirft.

Und der morgendliche Zigaretten-Qualmgestank in meinen Klamotten …

09.11.2023 – Früher wäre ich noch mit einer Kettensäge in der Redaktion aufgelaufen

HAZ-Artikel auf der Titelseite vom 09.11.2023, der mich gegen Migration instrumentalisiert. Allein die Montage der aus dem Zusammenhang gerissenen Zitate aus der letzten LAK-PM mit der Aussage vom niedersächsischen MP Weil im Zitatkasten direkt daneben sagt mehr als jeder Kommentar und Leitartikel. Tenor: Das Boot ist (fast) voll.

Das ist auf so vielen Ebenen dummes Zeug und dient unter anderem mit dazu, das Asylrecht sturmreif zu schießen, wenn ich auch Weil selber diese Absicht nicht unterstelle.

Unsere PM thematisierte die dramatisch wachsende Wohnungslosigkeit und die daraus entstehenden Konsequenzen: „Landesarmutskonferenz sieht in wachsender Wohnungslosigkeit gesellschaftlichen Teufelskreislauf.“

Die Kernsätze weisen auf Armut als Ursache hin, mit allen politischen Konsequenzen des Konkurrenzdruckes verschiedener Personengruppen untereinander, wie es unter anderem der NDR unfallfrei und differenziert in die Öffentlichkeit brachte:

„… Die Wohnungssituation ist grundsätzlich geprägt von hohem Konkurrenzdruck verschiedener Personengruppen wie Geflüchtete, Alleinerziehende, Familien mit vielen Kindern, die alle eins eint: Armut. Armut ist das zentrale gesellschaftliche Problem, auch auf dem Wohnungsmarkt. Die wachsende Spaltung der Gesellschaft zwischen Arm und Reich produziert Ängste, Aggressionen der verschiedenen Gruppen untereinander und führt zu einem dramatischen Verlust von Akzeptanz unserer Demokratie.“

Vermutlich kann ich noch froh sein, dass die Bild mich da nicht verwurstet hat, Motto: Gleitze fordert: Ausländer raus. Wobei der HAZ Artikel handwerklich-presserechtlich sauber ist. Korrekt zitiert, da kann keine Gegendarstellung erwirkt werden.

Dass der Autor des HAZ-Artikels dann auch noch Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit verwechselt, kommentiere ich an dieser Stelle nicht, weil mir das unter Umständen eine Strafanzeige wegen Beleidigung einbringen könnte. Besonders angepisst bin ich ob der Tatsache, dass das Ding ausgerechnet am 9.11 erschienen ist, dem Jahrestag der Nazi-Pogrome. Kein anderes Datum weist so nachdrücklich auf die Notwendigkeit des Erhalts des Asylrechts hin wie dieses.

Früher wäre ich noch mit einer Kettensäge in der Redaktion der Postille aufgelaufen. Aber man wird ruhiger im Alter.

Tatsache ist allerdings auch, dass ich, wie hier im Blog mehrfach erwähnt, keinesfalls dem Wunschdenken eines „No borders, no limits“, also eines grenzenlosen Zuzugs, anhänge. Wer sich der Illusion hingibt, dass wir das mit einer unbegrenzten Zuwanderung von migrantischem Antisemitismus schon mit alternativer Kuschelpädagogik und Wattebällchenwerfen hinkriegen, der hat vom 9.11 und den Ängsten, die jüdische Mitbürger*innen hierzulande und weltweit haben, nichts kapiert.

06.11.2023 – Aus unserem Skulpturengarten oder: Habt Ihr noch alle Oliven am Baum?

Aus dem Archiv, Lindenspiegel 2016. Aktueller denn je.

Letzte Woche haben sich wieder Tausende Hamas-Sympathisant*innen und Befürworter*innen der Vernichtung Israels auf den Straßen der Republik versammelt. Und der alte Slogan der Arbeiterbewegung: „Wann wir schreiten Seit an Seit“ galt auch hier: Jede Menge sich links nennende Autonome Seit an Seit mit islamistischen Verbänden, die schon mal die Errichtung eines Kalifats hierzulande forderten. Die Verquickung von Religion und Faschismus wurde aufs Erfreulichste sichtbar: Ordner sorgten im Sinne des Propheten und im Namen Allahs für eine strikte Geschlechtertrennung, Frauen sowie Kinder mussten am Ende des Aufzuges laufen. Bei der Abschlusskundgebung mussten sie an einer anderen Stelle stehen als die Männer. Da war die Forderung nach Auslöschung des Staates Israel und seiner Einwohnerinnen mal nur schmückendes Beiwerk. Das müsste ja die Erfüllung aller feuchten Träume für Autonome sein: Das Kalifat Deutschland.

Reale Linke gibt es nach der Selbst-Zertrümmerung der Rest-Linken als Folge ihrer vielfach offenen Sympathie für die Hamas und ihres stolz zur Schau getragenen Antisemitismus kaum noch, denn wer Antisemit ist, kann kein Linker sein. Dieser Bruch ist auch nicht mehr zu kitten, mit jenen habe ich nichts gemein.

Für Autonome als Bestandteil der ehemaligen linken Bewegung galt ja immer auch die Bejahung eines bunten, diversen, auch queeren Lebens, mit unbedingter Akzeptanz von Gleichberechtigung und abweichenden Orientierungen, einer vielfältigen Kultur (zumindest was Clubs angeht, in Museen sieht man die selten) und eines Rechtes auf Rausch in allen Schattierungen.

So schnell können unsere autonomen Meisterdenker bei Errichtung eines Kalifats hierzulande gar nicht auf den Bäumen sein auf der Flucht vor Verfolgung, Unterdrückung, Tod, als dass sie nicht von selbigen baumeln würden. Oder geköpft, gesteinigt, Hände abgehackt kriegen, totgeschlagen, vergewaltigt. Das alles wird bereits jetzt im „Kultur“kreis der Israelhasser und Kalifats-Verherrlicher praktiziert für Drogengebrauch, Ehebruch, Gotteslästerung, etc. pp.

An dem im klinischen Sinne irren Verhalten von Autonomen und anderen Pseudolinken hierzulande und weltweit, die mit ihren Solidaritätsbekundungen perspektivisch ihr eigenes Todesurteil für den Fall einer Kalifats-Realisierung unterzeichnen, wird klar, dass Antisemitismus nicht nur eine politische Bankroterklärung ist, sondern ein Wahn, eine tiefgreifende psychische Störung. Leider mit wenig Aussicht auf Heilung.

Man darf gespannt sein, was von denen als Nächstes kommt, Wahn nährt und steigert sich ja leider aus sich selbst: Solidarität mit dem IS? Al Kaida? Taliban? Hitler? Der hat ja immerhin den 1. Mai zum Feiertag gemacht, einem Feiertag, der allen Linken auf der Welt heilig ist. Und war Hitler in letzter Konsequenz mit seinem „Befreiungsfeldzug“ gegen die Juden nicht ein Vorläufer von Postkolonialismus und Dekolonisierung, im Sinne von Judith Butler, Fridays for future und vielen, vielen Un-Kulturschaffenden auf der ganzen Welt.

Nur eins, das hätte Hitler im Sinne unsere autonomen Meisterdenker lieber bleiben lassen sollen: Das mit dem Autobahnbau.

03.11.2023 – Wer wählt, ist doof!

Partei KPD/RZ, Kreuzberger Patriotische Demokraten/Realistisches Zentrum. Kampagne zum Erhalt der vierstelligen Postleitzahlen (SO 36!). Unterstützt u. a. vom Fachverband ostanatolischer Dienstleister im Zustellungswesen und der Redaktion des „Drohbrief“, dem Magazin für den professionellen Erpresser.

Wenn jetzt gewählt werden würde, laut aktuellem Deutschland-Trend: CDU 30 %, AfD 22 %, SPD 16, Grüne 14, Linke 5 %, FDP 4 %, Freie Wähler 3 %, Rest 6 %. Also für faschistische, reaktionäre (die letzten liberalen Stimmen in der CDU sind Heiner Geissler und Norbert Blüm. Von denen man in letzter Zeit wenig hört. Was daran liegen kann, dass sie tot sind), neoliberale Parteien eine Zweidrittel-Mehrheit, wenn man die durchgeknallten Spinner vom „Rest“ mit einberechnet. (Die Partei „Die Partei“ rechnen wir da mal raus.)

Substantielle System-Opposition gibt es nur noch von der Partei SCHUPPEN 68, Details hier . Dann gibt es noch die Bergpartei, ein „ökoanarchistisch-realdadaistisches sammelbecken“ und „utopisch solidarischer flügel, radikalfeministischer arm, sektion der postidentitären antinationalen, antisubstanzistische aktion“, deren Sympathisantensumpf sich im Kreuzberger Hades, dem türkischen Imbiss in unserem Haus befindet .

Die Wagenknechte sind in der Umfrage noch nicht eingepreist. Deren einzig sinnvolle Existenzberechtigung wäre, der AfD Stimmen abzunehmen. Wenn die Knechte sich vorher nicht selber zerlegen. Wenn ich mir vorstelle, was sich da für gestörte Gruselexistenzen engagieren werden und ganze Kreis- und Landesverbände (so die sowas überhaupt organisiert kriegen) dominieren, dann Gute Nacht, Sara.

Mit der oben skizzierten demokratischen (!) derzeitigen Mehrheit im Lande ist das Elend ja noch lange nicht hinreichend beschrieben. Hinzu kommen noch die über 20 Prozent Nichtwählenden im Lande, überwiegend aus sozialen Brennpunkten. Wo in manchen Kiezen kaum noch jemand wählen geht. Eine Mischung aus Resignation, Frustration, Demokratieverdruss, Wut und regelrechter Verachtung für „Die da oben“. Ein zusätzliches Potential für faschistische Parteien, vor allem, wenn die irgendwann mal charismatische Führungspersonen haben werden. Malermeister Chrupalla ist ja eher die Inkarnation der Wurst. Nachdem die Wahlbeteiligung im Bund, bald wieder genannt „Reich“, jahrelang abgenommen hatte, nimmt sie seit Auftreten der AfD 2013 wieder zu, diese Nichtwähler-Schwungmasse ist deren zusätzliches Potential. 2009 Wahlbeteiligungs-Tiefpunkt 70,8 %, Steigerung auf 76,6 % in 2021. Die Partei SCHUPPEN 68 wird also zum Erhalt der Demokratie vor der nächsten Bundestagswahl eine intensive Anti-Wahlbeteiligungskampagne in sozialen Brennpunkten führen, mit Plakaten wie „Wer wählt, ist doof!“ Und natürlich mit: Freibier und Erbsensuppe. Zu allem fähiges, also vor allem unfähiges Kampagnenpersonal können sich gerne melden. Aber bitte nicht bei mir.

02.11.2023 – Fellatio

Rhetorik-Grundkurs, Erste Lektion: Immer mit einem Witz beginnen. Aus dem Archiv: Hallo Sonntag, 14.08.2011. Einer geht noch: Was haben Studenten und Walfische gemeinsam? Immer im Tran und die meiste Kraft im Schwanz. Ok, der war ein bisschen Walfischfeindlich, aber ganz putzig.

Die Überleitung ist es jetzt etwas ruckelig, zum Bundesverfassungsgericht BVG, aus dem Eintrag vom 29.10.23 . Geht mir irgendwie nicht aus dem Kopf, was vermutlich auch an der Sogkraft des Bildes von Maina-Miriam Munski in dem Eintrag liegt.

Da ging es um die Tatsache, dass dieses famose Organ BVG noch 1966 dekretiert hatte, dass die Ehefrau im Akte der ehelichen (!) Beiwohnung weder Gleichgültigkeit noch Widerwillen zur Schau stellen dürfe. 1997, richtig gelesen, nicht 1897, beschloss der Bundestag, Vergewaltigung in der Ehe als Verbrechen ins StGB zu übernehmen. Im Umkehrschluss: Bis dahin konnte der Ehemann die Göttergattin halbtot zum Verkehr prügeln und blieb straffrei. Zu den 138 Abgeordneten, die auch noch 1997 dagegen stimmten, gehörte Friedrich Merz . Ich erwähne das deshalb, weil es mir beim Umgang mit Faschismus nicht nur um die politisch organisierte Herrschaftsform geht, sondern auch um psychische Strukturen und Mentalitäten. Der Faschismus als Herrschaftsform kann nur da an die Macht gelangen, wo er auf eine entsprechende psychische Disposition einer hohen Anzahl von Mitgliedern der Gesellschaft trifft. Als da unter anderem wären: Analer Zwangscharakter , Unfähigkeit zu Empathie, sadistische Tendenzen, autoritärer Charakter, ausgeprägtes Wut- und Hasspotential, Frauenverachtung, Starrheit, Mangel an Selbstreflexion etc. pp. Da kommt am Ende nicht zwangsläufig unser kleiner Faschist bei raus, so wie Merz eher ein hemmungsloser Opportunist im Sinne des Diederich Heßling   ist, aber die Disposition dazu ist bei einer Häufung von solchen Merkmalen wahrscheinlicher als bei einem eher libertären Charakter.

Merz und andere, schlimmere, Konsorten wie Höcke, stehen in Traditionslinien, verkörpern Kontinuitäten. Die deutsche Justiz wurde nach 1945 komplett nicht entnazifiziert, die gleichen Henker und Verbrecher urteilten, bis in höchste Instanzen, nach 1945 ungebrochen weiter, im Zweifel wieder gegen Opfer des Faschismus. Wie der furchtbare Nazirichter Willi Geiger, der am BVG-Beiwohnungsurteil von 1966 beteiligt war. Offensichtlich wirkte dieser klerikal-faschistische Geist des patriarchalen Durchgriffs auf den weiblichen Körper noch bis 1997, siehe Merz. Und darüber hinaus. Und wirkt, und wirkt …. .

Wie krank die BVG-Dekretierung von 1966 ist, wird klar, wenn man (!) sich das Geschehen in der ehelichen Kemenate konkret vor Augen führt: Es kommt also zur Scheidungsklage, weil die Gemahlin während des Aktes Gleichgültigkeit bis hin zum Widerwillen an den Tag legte. Wie wurde da eigentlich der eherne Rechtsgrundsatz gehandhabt: Bei Aussage gegen Aussage in dubio pro reo? Oder hatte der Gemahl den Nachbarn dazu gebeten, zwecks Protokoll? Video, Handys etc. gab es damals ja nicht.

Widerwillen wäre ja für unseren sensiblen Ehegatten-Wahrnehmungs-Weltmeister noch zu realisieren, wenn sich die Gattin z. B. während des Aktes übergibt. Klare Willensäußerung. Aber Gleichgültigkeit? Ist da schon das einfache Fehlen von Begeisterungsbekundungen wie z. B.: „Oh ja, mach mir den Hengst, du geiler Fickfrosch?“ (Ich bitte, mir diese Verbalentgleisung nachzusehen, ich möchte halt nur anschaulich sein.) Oder muss es schon aktives Tun sein, wie die Lektüre eines Buches während des coitalen Geschehens? Was technisch in der a tergo-Position machbar ist, siehe auch TV-Konsum. Zigarette rauchen dabei wäre auch ein deutliches Indiz. Ich zitiere mal sinngemäß aus einem Urteil von 1965: „Der Klage auf Scheidung wegen übergroßer Gleichgültigkeit im ehelichen Gemach wurde stattgegeben, weil der Kläger glaubhaft machen konnte, dass er die Beklagte mit Gewalt dazu zwingen musste (durfte er bis 1997, d. A.), die Zigarette aus dem Mund zu nehmen, damit sie ihn im Akte der Beiwohnung felliert.“

„Sie felliert“ ist 3. Person Singular, weiblich, Präsens, Indikativ, von „fellieren“, dem Verb zu Fellatio. („Er felliert“ geht selbstverständlich auch, bei „Es felliert“ wird’s schon schwierig bis schwerkriminell.) Auch wenn jetzt einige ins Schlucken kommen, ob der grammatischen Verrenkungen: Cunnilingieren gibt es natürlich auch. Wer erinnert sich nicht an den Asterixband mit dem römischen Centurio Gaius Julius Cunnilingus und seine Abenteuer mit der gallischen Konkubine Fellatrix.

31.10.2023 – Requiem auf einen Trunkenbold und Hurenbock.

Herbstliche Lichtblicke in trüben Zeiten.

Wie trübe die sind, will ich Ihnen, liebe Leserinnen, mit einer kleinen Geschichte verdeutlichen:

Stellen Sie sich vor, in ihrer Hausgemeinschaft stirbt plötzlich Herr Müller. Sie gehen zur Beerdigung und finden für seine Witwe, die mit zwei kleinen Kindern am Boden zerstört ist, folgende Worte des Bedauerns, erst sehr geschäftsmäßig und ohne jede Empathie: „Mein Beileid zum Tod Ihres Mannes.“ Dann, mit wachsender Emotion bis hin zu wütendem Anklage-Furor: „Aber! das Eine muss ich Ihnen sagen, Frau Müller, Ihr Mann war ja selber schuld. Wie der das Essen in sich hineingeschaufelt hat, immer so fett und mit viel Fleisch. Und nie Sport! Und immer diese Zigaretten. Und was war das für ein Trunkenbold und Hurenbock! Ein Wunder, dass er es so lange getrieben hat.

Und überhaupt, was für eine Zumutung, dass Sie mir hier mit ihren Angelegenheiten die Zeit stehlen!“

Sie werden natürlich sofort erwidern, dass ein derartig herzloses Verhalten für Sie absolut nicht vorstellbar ist und dass es auch grundsätzlich wohl niemanden auf der Welt gibt, der sich so infam verhalten würde.

Das ist leider tausendfach falsch. Genau so lesen sich zig Stellungnahmen von Künstlerinnen, Intellektuellen, Linken, muslimischen und anderen Verbänden zum Überfall der Hamas-Terroristen auf Israel. Dürre, gefühllose, verlogene Worte zu den israelischen Opfern, wenn überhaupt, im Zweifel viel zu spät geäußert wie bei muslimischen Verbänden, und dann wortreich und exkulpierend in grotesker Täter-Opfer-Umkehr ellenlanges Verständnis für den „Befreiungskampf“ des palästinensischen Volkes.

Free Gaza! Wovon? Gaza wurde von den Israelis freiwillig 2005 geräumt. Seitdem und dem Putsch der faschistischen Hamas gegen die „Brüder“ (Schwestern gibt’s da schon lange nicht mehr) von der PLO ist es da zu einem fast völligen Zusammenbruch der Zivilisation gekommen.

Was mit „Free Gaza“ gemeint ist: Free Israel, und zwar von allen Juden. Das ist das Ziel der Hamas und das nehmen die oben Beschriebenen, billigend und solidarisierend, in Kauf, in einer Mischung aus intellektueller Erbärmlichkeit und ethischer Verrohung.

Selbstverständlich gehört den zivilen Opfern auch im Gazastreifen Mitgefühl und Hilfe und es kommt eine Zeit der Analyse der Ursachen für den Konflikt, Benennung der Verantwortlichen und Abwägung der Lösungen für das Problem. Aber ein jedes hat seine Zeit. Jetzt ist die Zeit der Solidarität mit Israel. Und die Zeit der Benennung, wes Ungeistes Kind die faschistischen Täter sind, und dass es sich bei diesem Konflikt keinesfalls um einen auf Augenhöhe zweier

moralisch gleichberechtigt Handelnder dreht.

Auf welche Verhältnisse „wir“ zusteuern, zeigt der enthemmte muslimische Mob in Dagestan, der auf Grund irgendwelcher in sozialen Medien gestreuten Gerüchte den dortigen Flughafen stürmte und an den Passagieren einer aus Tel Aviv kommenden Maschine ein Pogrom verüben wollte . Kontrollverlust des Staates. Finsteres Mittelalter.

Bei uns ist sowas nicht möglich? Erste Ansätze können Sie begutachten bei einem Spaziergang mit mir durch die Neuköllner Sonnenallee, wenn der dortige Mob wieder massenhaft seine Hetzparolen verbreitet. Wenn Sie das Abenteuer lieben, setzen Sie sich dann eine Kippa auf. Gehen Sie davon aus, dass es Ihr letztes Abenteuer wird.

Ansätze von Kontrollverlust des Staates waren u. a. bei den Demos von zehntausenden Coronaspinnern in Berlin zu sehen, als Hunderte die Polizeiabsperrungen durchbrachen und auf den Treppen des Reichstags randalierten.

Ansätze von Kontrollverlust sind in regelmäßigen Abständen bei Naziaufmärschen in der Ostzone zu beobachten, wo die Polizei nicht selten das Feld räumt, sei es aus Personalmangel oder ideologischer Übereinstimmung.

Wir reden hier von Prozessen, die, in Gang gesetzt, ab einem bestimmten Punkt nicht mehr beherrschbar sind. Hätte vor drei, viert Jahren jemand vorhergesagt, dass die AfD bei den nächsten Landtags-Wahlen 2024 in der Ostzone stärkste Partei werden kann, mit der Möglichkeit einer Regierungsübernahme, er wäre für verrückt erklärt worden. Wir sprechen uns also in drei, vier Jahren wieder.

Dass der Krieg gegen Israel von hiesigen Rassisten wie Friedrich Merz und zahllosen anderen Gestalten niederträchtig instrumentalisiert wird zur Hetze gegen Migration und Minderheiten, gegen das Asylrecht, enthebt einen nicht der Pflicht der klaren Analyse und eindeutigen Stellungnahme.

Die AfD verhält sich in dieser Diskussion raffiniert. Sie hält weitgehend die Füße still, bis auf ein paar pflichtschuldige Routine-Hetzparolen. Das Drecksgeschäft besorgen Merz und andere. Die Früchte davon wird die AfD ernten.

30.10.2023 – Am Ende wartet der Hades

Imbiss in unserem Haus in Kreuzberg, WG-intern Hades genannt. Der Hades ist in der griechischen Mythologie der Ort der Unterwelt, das Reich der Schatten. Wer seine Schwelle – in der Mythologie den Fluss Acheron – überschreitet, für die gibt es kein Zurück. Dort sind alle gleich, arm oder reich. Unser Hades ist eine Insel der Mühseligen und Beladenen, für Menschen mit wenig Geld, in einem Meer von Gentrifizierung ringsum. Die 1,50 für Flasch Bier kann sich auch ein Bürgergeldempfänger mal leisten. Und wenn er nur so da sitzt, davor, in der Sonne, und der gesellschaftlichen Teilhabe und Kommunikation frönt, kräht auch kein Hahn oder Wirt nach. Im Gegenteil, ein Teller Linsensuppe liegt auch mal für lau drin. Der Hades ist seit vielen Jahren funktionierendes Nachbarschaftsnetzwerk. Beispiel: Unser Kellerschloss zickte, unwiderruflich. Ein unlösbares Problem für Menschen, deren Sphäre eher der Diskurs über Hegels Phänomenologie des Geistes ist. Mit der man aber ein Kellerschloss nicht aufkriegt. Für Fred, den Handwerker, mit seiner Flex, eine Frage von Minuten. Wechselkurs: Zwei Bier.

Wenn ich vor dem Hades sitze und mit dem Rest kommentierend den Gang der Geschichte um uns herum betrachte, oder seine Schwelle überschreite, bin ich in einer anderen Welt. Keine heile, weiß Gott nicht. Nur eine andere, geerdete. Und dem Zustand der Rest-Welt zufolge ist es eine bessere; fast ein utopischer Ort.

Wie lange noch?

Ein Investor hat das Haus gekauft. Die Mieter*innen haben teils langjährige Kündigungsfristen, Gewerberäume wie der Hades aber sind durch reine Nichtverlängerung der jährlichen Mietverträge ruckzuck entmietet. Bei der Hipsterstruktur des gegenüberliegenden Möckernkiezes  kommt da gerne auch ein Edelitaliener als Nachfolger in Frage. Möckernkiez ist genossenschaftliches Wohnen. Kostet als Einstand pro qm 1.000 Euro und ein monatliches Nutzungsgeld von 13 Euro pro qm.

Wie lange die Mieter*innen bei uns im Haus möglichen Entmietungsterror durchhalten, ist eine weitere Frage. Davon ist im Moment allerdings nichts zu spüren.

Noch nicht.

Dünnes Eis. Ich müsste dem Hades, den Menschen dort, irgendwie eine Stimme geben, damit das alles nicht unerinnert, ungehört im Orkus verschwindet.  Naheliegend wäre ein kleiner Film. Das ist heutzutage sogar mit guten Handys technisch machbar, und hätte auch nicht den bitteren Beigeschmack des klassischen Dokumentarfilms, wo oft ein Filmteam einschwebt, den Film produziert und spurenlos, unbeteiligt an möglichen Kämpfen, Konflikten, wieder verschwindet. Ausbeutung. Ich bin seit Jahren Teil des Hades und des Hauses. Dieses Projekt stünde somit auch in der medientheoretischen Tradition von Tretjakov, Benjamin, Brecht, zu Teilen auch dem frühen Enzensberger, die von Kulturschaffenden bei der Produktion ihrer Arbeit immer auch eine mitfühlende Teilhabe an den gesellschaftlichen Konflikten gefordert haben. Also das krasse Gegenteil des konventionellen bürgerlichen Künstlers, der im Elfenbeinturm seines Ateliers oder seiner Schreibstube individualisiert, entpolitisiert vor sich hin pfuscht.

Das Problem eines solchen Filmes läge eher darin, dass jede Anwesenheit von Technik, Medien das Geschehen, das Verhalten der Menschen, verändert, so wie Messinstrumente ein Experiment selber verändern können. Und selbst wenn der Film durch verschiedene Montagetechniken unlangweilig rüber käme: Das ist eine unglaublich aufwändige Arbeit, über viele Monate, zig Stunden Material, das gesichtet, gewichtet, geschnitten werden muss. Und Zeit ist eine knappe Ressource, sie rinnt mitunter wie Wasser durch die Finger.

Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass ich hier in loser Reihenfolge dem Hades eine wie auch immer geartete Stimme gebe. Und mal ehrlich: Welcher Dokumentarfilm hat schon jene 50.000 Besucherinnen, die sich hier im Blog monatlich tummeln.

Auf geht’s. Denn eins ist sicher: Am Ende wartet der Hades.

Auf uns alle.