26.06.2016 – Downing Street? Drowning Street!

Fiel mir eben beim Betätigen der Klospülung ein. Hab die Überschrift gegoogelt, keine Fundstellen. Komisch. Liegt doch so was von auf der Hand nach dem Brexit und Cameron’s Rücktritt. Habe ich es nur mit Blinden zu tun?
Public Viewing
Public Viewing zur EM. Städtische Blinden Anstalt, Berlin, Oranienstr. (Das Bild als flachen Fussballer-Scherz wollte ich mir nicht entgehen lassen, möchte aber darauf hinweisen, dass die DIM – Die imaginäre Manufaktur ein tolles Projekt mit behinderten Menschen ist. Wer in Berlin in die Oranienstr. kommt – und wer käme da nicht nicht hin, das ist ein must have: Besuchen, Wein trinken, was kaufen).
Ich bin mir bei dieser ganzen Brexit Diskussion nicht sicher, ob die von den Medien befragten Fachleute einfach nur dämlich sind oder dreist. Die Kernfrage, die jeder einigermaßen plietsche Journalist am Ende eines Brexit-Interviews stellt:
„Und wie kann eine weitere Spaltung (ersatzweise: Schwächung) der EU verhindert werden?“
Da kommt dann ein „Schwer zu sagen“, „Wenn man das wüsste“ oder ellenlanges Geschwalle, an dessen Schluss der Worthülsen-Absonderer selbst nicht mehr weiß, was er eigentlich gesagt hat. Gemeint hat er sowieso nichts. Die Tatsache, dass die EU ihren Akteuren um die Ohren fliegt, ist eine Konsequenz der wachsenden Spaltung zwischen Arm und Reich, in den Nationen und innerhalb der EU. Die Ausdehnung und Ökonomisierung der EU als eine Form der Globalisierung produziert jede Menge Verlierer und die stehen nun mal mehr auf die rechten Vereinfacher-Parolen, Rassismus und Nationalismus als auf internationale Solidarität und Klassenkampf. Eine weitere Spaltung der EU kann nur verhindert werden durch nachhaltige Armutsbekämpfung. Aber die Kapitalisten wären beim derzeitigen tendenziellen Fall der Profitrate ja bescheuert, wenn sie sich darauf einließen, hier was abzugeben. Ihr Kapital ist schließlich grenzenlos mobil und kann jederzeit verlagert werden, nach Schanghai, Singapur oder Timbuktu. Die Angst vor dem sozialen Absturz ist in ganz Europa in der Mitte der Gesellschaft angekommen und diese Angst produziert die hässliche Fratze des Bürgertums, den Populismus.
Wieso antworten die Fachleute sowas nicht einfach? Wissen sie es nicht und sind ergo dämlich? Oder wissen sie es und verarschen den Mob nur, in dem sie so unfassbar blöde Sätze von sich geben wie: „Wir haben Europa einfach nicht genug erklärt und keine emotionale Wärme dafür erzeugt.“ Dieser Spiegel-Kommentar zur hier beschriebenen Situation bringt es fertig, nicht ein einziges Mal die Begriffe „Arm“ und „Reich“ zu verwenden. Solche „Antworten“ erzeugen bei mir Wärme, aber ganz anderer Art.
37 grad celsius
Kühlen Kopf bewahren. Berlin, letzten Freitag, 36 Grad. Ideales Wetter, um in Kreuzkölln auf Kieztour zu gehen. Da dehydriert man schon beim Denken.

23.06.2016 – Was ist eigentlich der Sinn des Lebens?

wahn sinn
Oder doch so:
zu sinn
Wo ist eigentlich der Sinn? Ich vermisse den zauselbärtigen Griesgram Hans-Werner Sinn vom IFO Institut doch irgendwie, der im Gesicht so aussah wie ich noch nicht mal am Südpol aussehen möchte. Ein besseren Lakaien und Büttel des Kapitals hätte sich auch ein Satiriker nicht schnitzen können: antisemitisch grundiert, beinharter Destroyer jeden Sozialstandards, als Forscher eher ein Dünnbrettbohrer, aber als mediale Heulboje omnipräsent und für keinen Scherz zu haben, was sich jederzeit auf seiner Jammerphysiognomie abzeichnete und mir eine Strafanzeige von ihm eintrug, als ich mit seinem Namen Schindluder trieb. Die Anzeige war insofern berechtigt, als man NIEMALS NIEMALS Namenswitze machen darf, aber inhaltlich noch dünner als seine Forschungsergebnisse. Ich machte mir noch nicht mal die Mühe einen Anwalt zu nehmen und reichte auf seine mustergültig unprofessionelle 40 Seiten Klageschrift, von der nobelsten Kanzlei in München verfasst, eine anderthalbseitige Erwiderung ein. Das zuständige Amtsgericht watschte den Miesepeter vollstumfänglich ab. Ich bildete mir ein, dass er nach diesem Urteil medial nie wieder zu alter Tiefstform auflief.
Aber der Sinn fehlt mir! Keiner brachte meinen zu niedrigen Blutdruck so zuverlässig in Wallung wie er. Nie fegte meine Feder ideengetränkter übers Konzeptpapier, wenn Struppis Medusenhaupt mal wieder den Untergang des Abendlands bejammerte, nur weil die faulen Griechen sich weigerten, unter dem Diktat der Austerität einfach mal eben zu verhungern.
Hans-Werner, bitte komm zurück! I need you so urgently. Oder um es mit meiner früheren Lieblingsband, den Equals, zu singen: Come back, baby, come back. Das Video ist schwarz-weiss, was in dem Zusammenhang ein subsubtiler Witz ist. Hahaha. Wenn Sie auf Soul und Funk stehen und die Möglichkeit haben, die Equals zu hören, nichts wie hin. Mittlerweile sind das nur noch Schwarze, die eine derart gefährlichen Groove an den Tag resp. in die Nacht legen, dass frau schon tot sein muss, wen sie dazu nicht tanzt. Aber ob die Equals überhaupt noch leben?
Von Hans-Werner Sinn auf die Equals zu kommen, dass muss mir auch erst mal eine nachmachen.
Freies Fluten.

21.06.2016 – Magisches

helmstedt marienborn
Grenzübergang Helmstedt-Marienborn, dieser Begriff hat für Angehörige meiner Generation einen magischen Klang. Er stand wie wenige für teilweise Parzellierung Großdeutschlands.
Den magischen Klang hatte Helmstedt-Marienborn aber nicht nur wegen der Teilung Deutschlands, sondern vor allem, weil es von da nach Berlin ging. Berlin, Fluchtpunkt der Kriegsdienstverweigerer und Ort eines irgendwie alternativen Lebens. Wenn man im Auto sich Helmstedt-Marienborn näherte, ging der Puls in die Höhe. Vor allem erst mal wegen der Grenzkontrollen.
Mich zog es damals noch nicht so nach Berlin wie heute, hab eher Klimmzüge an der hiesigen Stadtmauer gemacht.
Natürlich war ich auch kategorisch dagegen, dass Berlin Hauptstadt werden sollte. Drohendes Fanal eines neuen Großdeutschlands, dass den zweiten Weltkrieg in der Verlängerung doch noch gewinnt, an der Grenze nach Osteuropa – das war die Argumentation von aufrechten Linken damals. Die Linke ist jetzt eher erodiert und krumm und bei den durchgeknallten Potentaten und kryptofaschistischen Strukturen östlich der Elbe muss man mittlerweile beinahe dankbar sein, dass die BRD zumindest ab und zu mal zaghaft an die Einhaltung von minimalen Menschenrechten erinnert. Hauptsächlich deshalb, um den Gang der Geschäfte aufrecht zu halten. Was aber im Ergebnis erst mal egal ist. Jedem Sinti oder Roma, der in der Slowakei oder in Ungarn bei Pogromen nicht vertrieben oder totgeschlagen wird, ist es gleich, dass die Ursache dafür nicht Empathie ist, sondern Druck einer Regierung, die sich Sorgen ums Geschäft macht. Was die EU braucht, ist Rechtssicherheit und ein gutes Image.
Ich schwanke noch zwischen zwei Forderungen: Her mit dem alten Eisernen Vorhang. Oder im Rahmen eines robusten Mandats Einmarsch der französischen Fremdenlegion in Pogromregionen.
frankfurter tor
Berlin, Frankfurter Tor mit Lavendel. Mit Blitz fotografiert. Unnatürlich Kontrastscharf.
Und das Berlin Hauptstadt ist, finde ich mittlerweile gar nicht mehr gruselig. Fast alle wichtigen Organisationen, mit denen ich zu tun habe, haben ihren Hauptsitz in Berlin und alle wichtigen Veranstaltungen finden da statt. Wenn ich z. B. nicht am Armutskongress teilnehmen würde, machte ich mich einer Dienstverfehlung schuldig. Ich muss dahin.
Gibt schlimmeres. Und die ästhetische Bildung soll heute auch nicht zu kurz kommen. Sie ist die Grundlage einer aufgeklärten politischen Haltung, den wachen Blick, auf das, was ist und wie es sich ständig wandelt. Lektion für heute „Magische Bildmomente erfassen“:.
licht
Kontrastschärfe – natürlich, siehe auch Bild Frankfurter Tor oben. Irgendein Sommertag. Mittagspause auf der Veranda. Für einen Moment zeichnete das Sonnenlicht eine gleißende Kontrastschärfe auf alle Gegenstände. Die Konturen stachen wie vom Rasiermesser gezogen hervor. Alles schien klar. Aber nur für einen Moment.
Muss jetzt aufhören, da ruft was.
Vermutlich Berlin.

19.06.2016 – Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Partei

Es gibt Reden, die Geschichte machten und die in jedem Rhetorikseminar als Anschauung dienen. Catos “Ceterum censeo …“ über die Zerstörung Karthagos, Churchill’s “Blood, Seat and Tears” über den Krieg gegen Nazi-Deutschland und Ernst Reuters “Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt …” zum Auftakt des Kalten Kriegs in Berlin. Dazu zähle ich auch noch mein „Tweddle Tee and Tweedle Dum“ anlässlich der vom SCHUPPEN 68 durchgeführten Umbenennung des hiesigen „Marktplatz“ in „Marxplatz“, aber das wird ja von der bürgerlichen Geschichtsschreibung nach wie vor totgeschwiegen.
All diese Reden kulminieren in dem einen Satz, der Geschichte für die Ewigkeit nachklingen lässt. Genau dieser Satz ist es, er macht den Mythos. Ernst Reuters Satz ging mir durch den Kopf, als ich beim letzten SPD Sommerfest auf den Stufen des Wilhelm-Busch-Museum auf das bunte Treiben schaute.
SPD Sommerfest
Alles was Rang und Namen hat, war da. Ich auch. Ich hab auch einen Namen und zwar meinen eigenen. Mir wurde auf den Stufen des Museums klar, dass ich Zeuge des Schwanengesangs einer ehemaligen Volkspartei war, die sich ohne Not durch eigenes Verschulden zerschrotet hatte. Ich empfand das in diesem Moment als tragisch, nicht aus Liebe zu dieser Partei, meine Liebe ist rar gesät, sondern beim Gedanken daran, was die Alternative zur SPD ist. Die für Deutschland und ähnliches Gesindel. Gruselig. Mich erinnerte dieser Moment an Reden zum 1. Mai, die ich früher auf Einladung des DGB in kleineren Orten unserer Region gehalten habe (Reden, Rhetorik, wir erinnern uns, Cato, Churchill und Ich, das sind die großen Drei). Es war immer die gleiche Geschichte: In einem Jahr Kundgebung auf dem Marktplatz, im nächsten drinnen, weil es sonst zu peinlich gewesen wäre und im übernächsten fiel die Mai-Feier mangels Masse aus. Schwanengesang der Arbeiterbewegung. Deprimierend. Der Fortschritt ist offensichtlich eine Schnecke im freien Fall.
Das alles ging mir auf dem Sommerfest – mit excellenten Weinen, Bio-Fleisch und Veganem vom feinsten – durch den Kopf. Was wie immer aufheiterte, war die Kunst. Ich machte ein weiteres Foto, um für ein Seminar Anschauungsmaterial zu haben dafür, wie man manipuliert, ohne zu fälschen.
SPD Sommerfest2
Auch SPD Sommerfest – anderer Blickwinkel, anderer Zeitpunkt.
Ich hätte ohne zu lügen nur dieses Bild veröffentlichen können. aber mit der Textzeile:
SPD Sommerfest – so trostlos wie die ganze Partei.
Manipulation.
Da haben Sie, liebe Leserinnen, aber wieder einiges hier im Blog gelernt. Ich würde zu gerne darüber ein Extemporale schreiben lassen. Stattdessen wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen, einen charmanten und sonnigen Wochenbeginn.
Bevor ich es vergesse, hier ist das nicht bearbeitete Original …:
SPD Sommerfest3

16.06.2016 – Ich bin Badehosentauglich

Radausflug zum Gehrdener Berg, mit seinen 155 Metern für einen Flachlandtiroler der norddeutschen Tiefebene eine Tour de France-ähnliche Herausforderung. Aber der Sommer naht und eine Badehosentaugliche Figur will gepflegt werden. Ansätze eines Embonpoint werden gnadenlos durch Powerbike-Touren, Expander- und Hanteltraining, Diäten und eiserne Alkoholdisziplin bekämpft. Der war gut, hahaha. Was ich durch äußere Erscheinung und innere Wert nicht gewinnen kann, mache ich mittels prall gefüllter Geldbörse wett. Solche und ähnliche trägen Scherze schwebten sommerwölkchengleich durch mein mattes Hirn, als ich auf einer Parkbank auf der Spitze des Berges den Horizont betrachtete, an dem Gewitterwolken sich in die Luft schraubten.
gehrden
Zwei Tölen kläfften mich doof an. Es war ein arkadischer Moment. Eine Schrifttafel erweckte mein Interesse
erschlagen
Ooops.
Die Abfahrt vom Gehrdener Berg mit bis zu 60 km vermittelte mir das beruhigen Gefühl schneller als jedes Gewitter zu sausen. Nach dem einen oder anderen Schlenker kam ich in der untergehenden Sonne zum Gelände der Wasserstadt Limmer. Hinter mir im Osten Donner und Blitz.
Sonnenuntergang
Das Wahrzeichen der zukünftigen Wasserstadt, ein gigantischer, in Stein gemeißelter Blitzattraktor, schien mir drohend seinen Mittelfinger entgegenzustrecken: „Dich wird der Blitz noch beim Scheißen treffen, Du Badehosenuntauglicher Wicht!“ Auf den letzten Metern zu meiner Homebase entkleidete ich meine grauen Zellen des platten symbolistisch aufgeladenen Naturalismus und dachte wieder in politischen Kategorien. Dieser Turm ist ein faszinierendes Industriedenkmal und verleiht der später wahrscheinlich 08/15 aussehenden Wasserstadt, Häuschen hier, Gärtchen da, Spießer rechts, Spießer links, ihre Einzigartigkeit.
Der Turm muss renoviert werden, was über eine Million kosten dürfte. Das muss die Stadt übernehmen, weil der Investor Papenburg, der das Gelände von der Stadt gekauft hat, sich weigert, das zu investieren. Das alte Lied: Die Verluste werden sozialisiert, die Gewinne privatisiert.
Warum trifft solche Leute nicht mal der Blitz beim Scheißen?
Zuhause angekommen, war ich mit mir und der Welt im Reinen. Ein Wolkenbruch ergoss sich über meinem Garten. Giessen brauchte ich auch nicht mehr. Ich knabberte Schokoladentörtchen und schlürfte weißen Port von Niepoort, eine Offenbarung. Ab Morgen würde ich auf dem direkten Weg eine Badehosentaugliche Figur ansteuern und mir übermorgen eine Badehose kaufen.

13.06.2016 – Aktion „NETZ geht’s los“ ging gut los!

Mit der Kunst-Aktion „NETZ geht’s los!“ wurde die NETZ – Niedersächsische Teilhabe-Zeitung Nr. 4 in Hannover am Kröpcke am 10.06 um 16 Uhr der Öffentlichkeit vorgestellt. Details hier.
Paul Kremer - Nationalhymne dekonstruiert
Meine Lieblingsaktion war „Die deutsche Nationalhymne“, zergeigt von Paul Kremer von den Violin Guys, junge Straßenmusiker, mit denen ich seit Jahren zusammenarbeite
Gerade bei einer Fußball EM kochen Nationalismen wieder hoch. Nationalismus ist nicht der Nährboden für Rassismus, er ist sein konstituierendes Merkmal. Mir sind alle nationalen Symbole ein Gräuel, ob Hymnen oder Fahnen. Meine Fahne flattert mir voran und zwar nach einem Zechgelage und das reicht an Fahnen. Ich hatte bei der Aktion extra angekündigt, dass es sich bei Paul Kremers Beitrag um „Satire“ handelt, die an Jimi Hendrix und Stars Spangled Banner in Woodstock erinnern soll. Für die Intellektuellen und die Frauen im Publikum hatte ich noch nonchalant fallen gelassen, dass wir es hier mit einer klassischen Dekonstruktion nationaler Symbole zu tun haben. Trotzdem kam nach dem Ende der Hymne der besorgt-ernste Zwischenruf: „Das muss der Junge aber noch üben.“
Fünf Euro Quiz-1
Todsicheres Mittel, um das Publikum zum Mitmache zu animieren: Ein Quiz, bei dem es echtes Geld zu gewinnen gibt. Die Fünf-Euro-Scheine sind als Unikate mit Texten beschriftet, rund um das Thema „Armut und Ausgrenzung“. Für manche Antworten hätte ich lieber Kopfnüsse verteilt.
ICH IN AKTION und meine Lieblingsministerin freut sich
Mein Lieblingsbild. Dancing in the streets.
Ich hatte es aber nur eilig, weil wir in Zeitverzug waren. Gebt mir ein Mikro und ein Publikum und ich vergesse die Zeit.
Ob das für alle Beteiligten ein Zustand der Euphorie ist, sei mal da hin gestellt
Wo hin, weiß ich auch nicht, Hauptsache wech.

07.06.2016 – Programm für den 10.06: „NETZ geht’s los!“ Kunstaktion zum Start der NETZ Nr. 4, Hannover, Kröpcke, 16 – 17 Uhr

Mit dieser Kunst-Aktion wird die NETZ – Niedersächsische Teilhabe-Zeitung Nr. 4 der Öffentlichkeit vorgestellt. Inhalt der NETZ: Die wachsende Spaltung zwischen Arm und Reich. Schwerpunktthema der NETZ Nr. 4: Flüchtlinge. Download hier: NETZ Nr. 4
Der 10. Juni ist deshalb für das Erscheinen der NETZ 4 gewählt worden, weil dann die Fußball-Europameisterschaft beginnt. Wir wollen an den grenzüberwindenden und völkerverständigenden Gedanken von Fußball anknüpfen. Viele Spieler haben Migrationshintergrund. Fußball ist – neben Kultur – eine der letzten großen gesellschaftlichen Erzählungen, die schichtenübergreifend funktioniert: Hier treffen sich noch Arm und Reich, Flüchtlinge und Einheimische.
Ablauf
– Einführung: Klaus-Dieter Gleitze, für die LAK und die NETZ
– Musiksatire: Paul Kremer, Violine
– Rede: Niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt
– Kunstaktion „Fünf Euro“: Bei einem Quiz zum Thema „Armut & Ausgrenzung“ gibt es echte
Fünf-Euro-Scheine als Gewinn.
NETZ 4_Seite 8_Reichtum ist heilbar
Diese sind mit Texten zur Armutsproblematik beschriftet und können so als Kunstwerke in den Umlauf gebracht werden.
– Lesung: „Eine Seefahrt, die ist lustig“, Hermann Sievers (Text siehe NETZ, Seite 8)
– Aktion „Die Mauer muss weg!“: Wir reißen gemeinsam eine Mauer aus Pappkartons ein, die für die Ausgrenzung von Flüchtlingen steht.
Und zum Start der Fußball EM erhalten alle die Gelegenheit, ihr fußballerisches Können unter Beweis zu stellen.
Die NETZ ist wie der EM-Ball: Eine runde Sache!

04.06.2016 – Ich bin stolz und glücklich, die Geburt einer Tochter anzeigen zu können.

NETZ
Meine Tochter, die allerdings sehr viele Väter und Mütter hat: Die NETZ – Niedersächsische Teilhabe-Zeitung Nr. 4. Der Inhalt der NETZ: Die wachsende Spaltung zwischen Arm und Reich. Schwerpunktthema der NETZ Ausgabe 4: Flüchtlinge.
Die NETZ wird vom Trio Infernale Beinsen, Gleitze & Sievers – gemeinsam mit der Landesarmutskonferenz Niedersachsen – herausgegeben und ich habe die Ehre und das Vergnügen, der V. i. S. d. P. zu sein.
„Ehre und Vergnügen“ heißt in dem Fall: Einen Mega-Haufen Arbeit am Hacken. Für alle, die denken: „Zeitungsmachen ist doch geil, ich hab früher in der Schule auch immer gerne Aufsätze geschrieben.“ eine Zahl: Das reine Schreiben macht beim Zeitungsmachen keine fünf Prozent aus. Die Herausgeber sitzen da nächtelang bei der Konzeption zusammen, kriegen sich regelmäßig dabei in die Flicken und gut für die Leber sind solche Sitzungen auch nicht. Macht 10 Prozent. Vertrieb: 30 Prozent. NETZwerken: 20 Prozent. Recherche: 10 – 20 Prozent. Verwaltung, Finanzierung: 15 Prozent. Autor_innenbetreuung: 10 Prozent. Layout, Gestaltung, Bilder, Korrektur, Lektorat: 5 – 10 Prozent.. Rest: 10 Prozent. Macht in der Spitze 120 Prozent und so fühle ich mich im Moment auch.
ABER: Wenn es einfach wäre, eine solche Zeitung zu machen, würden es andere machen. Und es gibt nichts vergleichbares BRD-weit. Da kommt dann schon Stolz auf die Tochter hoch.
Unser Ansatz: Betroffene beteiligen und gleichberechtigt neben Verbänden zu Wort kommen zu lassen. Die ganze Bandbreite beim Thema „Spaltung der Gesellschaft“ abbilden und dabei immer Partei ergreifen. Kultur spielt eine tragende Rolle, der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Wir haben herausragenden Fotograf_innen:
1
Foto: Cynthia Rühmekorf
Geniale Cartoonisten:
NETZ 4_Seite 6_Thomas Stethin
Zeichnung: Thomas Stethin
NETZ 4_Seite 1_Quelle Achim Beinsen Kopie
Foto: Achim Beinsen
Und am 10.06 wird die Zeitung im Rahmen einer Kunstaktion der breiten Öffentlichkeit vorgestellt.
Mehr demnächst dazu!

02.06.2015 – Ich bin Mitglied im Club der polnischen Versager

club der polnischen versager
Amtssprache: Deutsch und alle anderen Fremdsprachen. Geöffnet, wenn nicht geschlossen.
Ich war neulich da, tagsüber, ein paar Leute hingen da ab. Niemand sprach Deutsch als Muttersprache. Angenehme Atmosphäre. Der Club ist das, was der SCHUPPEN 68 früher mal war. Der SCHUPPEN 68 war kleiner, aber die Geisteshaltung ähnlich.
Das zu machen, was in 10 Jahren Mainstream ist: das ist ein Gefühl, was einen Adlergleich auf den Schwingen der Kunst über den Alltag erhebt. Freiheit pur, niemandem Rechenschaft abzulegen – außer den Stadtwerken, dem Vermieter, der Versicherung …
Und mich beschleicht schon manchmal das Gefühl, wenn ich vor lauter Erwerbsarbeit noch nicht mal die 10 Minuten Zeit morgens habe, um diesen Blog hier zu pflegen, ob ich nicht ab und zu früher mal ernsthafter hätte daran arbeiten sollen, mit Avantgardekultur auch mal richtige Kohle abzugreifen. Anstatt so einen Schwachsinn zu gründen wie den einzigen Witze-Verleih der Welt. Ich war mal in „Sag die Wahrheit“ beim SWR im Fernsehen, da musste geraten werden, ob es meinen Witze-Verleih real gibt. Hat natürlich keiner geglaubt. Bis die den NDR Film eingespielt haben, in dem ich mit dem Rollcontainer in der Stadt unterwegs war. Hahaha. In meiner Kandidatenrunde saß einer, der hatte sich vor Jahren den Begriff „Ballermann“ patentieren lassen, ohne das Geringste mit Mallotze zu tun zu haben. Der Mann ist Millionär. Wahre Geschichte, auch witzig, nur anders. Und Kohle, Piepen, Mäuse ohne Ende.
Das Gute an meinem Gejammer ist: Ich kann niemandem die Verantwortung in die Schuhe schieben außer mir selbst. Ich hätte ja fleißiger sein können. Kafka hat ja auch seinen „Prozess“ nach Feierabend geschrieben. Da muss unsereiner ja unbedingt an den Kiesteichen abhängen oder im Garten grillen. Aber selbst dabei mache ich mir Gedanken, z. B. über die Zukunft der Arbeit in unserer Gesellschaft.
arbeit und gewerkschaft
Das kann man aber auch mit Melodie und Rhythmus verbinden.
Jemand hat mal gesagt: „… man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt …“
Da hab ich mal gerade wieder die Kurve gekriegt. Ich hasse Jammern.
Lieber Hammern und Sicheln
als Jammern und Picheln.
Den Spruch aus alten Sponti-Zeiten hab ich gegoogelt und worauf bin ich gestoßen? Guckst du hier.
Schönen Tag noch, liebe Leserinnen.

30.05.2016 – Petrus war der erste Antisemit.

Es gibt Veranstaltungen, zu denen geht man hin, weil es sie schon von Anbeginn der Zeiten gibt, weil es da was zu Essen und zum Saufen gibtund weil man da immer hingeht. Wie das Masala Fest in Hannover. Eine neohippieske Veranstaltung, mit Wolken von Patchuli und einem Meer von Henna.
Ob Blond, ob Braun, ob Henna,
Weihnachten gibt’s neue Männa.
Ina Deter. Was macht die eigentlich? Mittlerweile treffe ich da kaum noch Bekannte, die Hüfte, das Kreuz oder – c’est la vie – der Tod verhindern immer häufiger das Erscheinen.
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Masala Fest. Bild 68 der Serie „Orte, an denen ich den Altersdurchschnitt durch meine Anwesenheit nicht erhöhe“.
Dann gibt es Veranstaltungen, zu denen geht man, weil es eine Art kategorischer Imperativ ist, da hinzugehen. Wie das Israelfest der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Angesichts des grassierenden Antisemitismus auch eine Frage der reinen bürgerlichen Höflichkeit gegenüber den Gastgebern. Am Morgen eine Veranstalter-Absage per Mail wegen Gewittergefahr. Verständlich, gestern hat es weite Teile der Republik regelrecht geflutet. Aber um Hannover machte das Gewitter nicht nur einen Bogen zum Zeitpunkt des Festbeginns, sogar die Sonne fing an zu scheinen. Eine freche Provokation. Für mich war klar: Petrus, der Wetterverantwortliche, ist immer noch Antisemit. Zusammen mit seiner Gang, den sogenannten Aposteln, bildete er ja die erste Vereinigung von Antisemiten. Klarer Fall von Bandenkriminalität.
Und was mache ich, wenn am 10.06 bei der Präsentation der neuen NETZ Niedersächsische Teilhabe-Zeitung, in der City auch eine Unwetterwarnung läuft?
Ich sehe schon die Überschrift vor mir: „Sozialpolitik in Niedersachsen vor Neustart. Alle Sozialpolitiker_innen der rotgrünen Landtagsfraktionen wurden bei dem Blitzschlag gestern …“
Da kann ich nur hoffen, dass es mich dann mit zersemmelt.
Wäre die Spaltung zwischen Arm und Reich nicht so groß, und damit die Notwendigkeit einer NETZ nicht gegeben, wenn es die Mauer noch gäbe? Diese Spekulation schoss mir durch den Kopf, als mir dieses Foto beim PC Aufräumen in die Hände fiel.
Ohne Titel-1 Kopie1
Mauer. Berlin? 1989?
Nein. Hannover, Rosemeyerstr. 2016.
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Hinter der Mauer das Paradies.
So wie damals. Wenn man von Osten drüber guckte.
Zumindest glaubten das die Meisten ….