04.02.2023 – Handtrainer mit Schütteleffekt

Mein erster Corona-Selbsttest.

Die kamen im Februar vor zwei Jahren auf den Markt. Manche Dinge von Bedeutung klebe ich mittels Magneten an meine Kühlschranktür, als Fortführung der WG-Pinnwände, und mir war klar, dieser Test ist eines davon. Eingerahmt übrigens von Niki de Saint Phalle und dem Magneten eines Fotos von einem Polaroid (da muss man erstmal draufkommen) von Wim Wenders namens „Heinz“ aus einer Polaroid-Ausstellung im ehemaligen Berliner Amerika-Haus, heute C/O.

Im Februar vor einem Jahr überfiel Russland die Ukraine. Zwei Tage vor dem Überfall gab ich den überaus zynischen Rat,  an der Börse zu kaufen, wenn Russland den Krieg beginnt: „Warten Sie, liebe Freundinnen des Börsenwesens, mit dem Einstieg noch, bis russische Panzer und Flugzeuge die Ukraine direkt angreifen. Dann geht’s weiter bergab mit dem Dax und dann: Kaufen, meine Damen! Sie wissen doch: Kaufen, wenn die Kanonen donnern, verkaufen, wenn die Veilchen blühen.“

Der Dax sackte dann auch noch ab, aber weniger als ich gedacht hätte, etwas über 10 Prozent, mittlerweile ist er wieder auf dem alten Stand, wie vor dem Einmarsch.

Ganz anders vor zwei Jahren, innerhalb kürzester Zeit brachen als Folge von Corona alle Aktienindizes weltweit fast 35 Prozent ein, der steilste Absturz der Nachkriegszeit in so kurzer Zeit.

Es geht hier natürlich nicht ernsthaft um Börsenempfehlungen, wenn Sie sowas suchen, lesen Sie Capital, die Wirtschaftsgazette. Die ich nicht empfehle, weil man sich mit Hochglanzpapier schlecht den Arsch abwischen kann. Es ging und geht mir eher um Fingerübungen in Zynismus, aber auch um ein gewisses Grundverständnis kapitalistischer Nationalökonomie. Wer davon kein Verständnis hat, versteht grundsätzlich nicht, was bei diesem System im Zweifel hinten rauskommt. Und es geht darum, was bei aller Negativität daraus gelernt werden kann. Lernen kann man unter anderem die Zweckrationalität, mit der die Schwarmintelligenz der Märkte, der Börsenkurse reagiert, ganz anders als die individuelle Emotionalität der Einzelnen es je könnte. Ich habe beim Einmarsch der Russen ein drohendes atomares Menetekel für nicht unrealistisch gehalten, für mich ist das auch noch nicht aus der Welt. Die Märkte haben das nüchtern und sachlich anders beurteilt. Das ist und bleibt aus ihrer Sicht ein regional begrenzter Konflikt.

Anders als Corona, weltweiter Zusammenbruch der Lieferketten, Produktionsstopp, Konsumeinbruch, macht in summa 35 Prozent Einbruch. Die Märkte sind ethisch blind aber logisch. Das wusste auch schon der Verfasser vom „Kapital“. Empfehlenswerter als Capital.

Märkte, Corona, Krieg … gibt es in diesen düsteren Jahren nicht auch Schönes, Erfreuliches, Herz oder andere Organe Erwärmendes? Wie wäre es mit einem Angebot der Firma Teamsport, mit dem Handtrainer mit Schütteleffekt

In dem Sinne: Entspanntes Wochenende.

01.02.2023 – Das Langzeitgedächtnis funktioniert gut, aber das Kurzzeitgedächtnis …

Tsarskaya Austern. Krisengewinnler lieben sowas, gerne mit Chablis oder Champagner. Mir wurde das Phänomen der Krisengewinnler aus dem ehemaligen Ostblock zum ersten Mal vor vielen Jahren im Urlaub Bildhaft vor Augen geführt, irgendwo im Süden, als auf einmal Restaurants vermehrt Speisekarten auch auf Russisch anboten und der beliebte Cocktail Caipirinha vermehrt in der Variante Caipiroschka auftauchte.

Wie eskaliert der Krieg nun eigentlich weiter? Neulich habe ich im Bundestag ein Gespräch dazu zwischen Vizekanzler Habeck und Jürgen Trittin, dem APO-Opa bei den Grünen, belauscht.

Habeck: „Jürgen, Du alter Komposti, Du warst doch im Zweiten Weltkrieg dabei und bei dieser Vietnam-Sache. Wie lief das eigentlich damals mit der Eskalation des Vietnam-Kriegs?“

Trittin: „Angefangen hatte das Ganze in den Fünfzigern , als die USA Ausbildung und Ausrüstung der südvietnamesischen Armee in der Auseinandersetzung mit der Befreiungsarmee NLF – die von Nordvietnam unterstützt wurde – übernommen hatte. Damit traten die USA erstmals als eigenständiger Konfliktpartner in Vietnam auf und leiteten so ihren späteren Kriegseintritt ein.

Im Wahlkampf 1964 stellte der spätere Präsident Johnson seinen Gegenkandidaten Barry Goldwater als gefährlichen Kriegstreiber dar, der den Vietnamkrieg ausweiten und die USA in einen Atomkrieg mit der Sowjetunion stürzen würde, und versprach, keine Bodentruppen nach Vietnam zu senden.

Nach gewonnener Wahl steigerte Johnson die Anzahl der Bodentruppen dort massiv. Nach einem militärischen Zwischenfall im Golf von Tonking legte die NSA (noch Bösere als die CIA) dem Präsidenten Johnson nur jene 10 % des für den Zwischenfall relevanten Funkverkehrs vor, die einen Angriff des Gegners Nordvietnam nahelegten, den Rest, der dagegensprach, unterschlug die NSA.  Johnson ordnete noch am selben Abend erste Luftschläge auf Hanoi an, die Hauptstadt Nordvietnams.

Danach eskalierte der Krieg permanent und endete zehn Jahre später, nach Millionen Toten, Vertriebenen, Verwundeten und einer radikalen Zerstörung weiter Flächen Südostasiens mit einer demütigenden Niederlage der USA.

Habeck: „Ach Du Scheiße, da zeichnen sich ja Muster ab. Aber Danke einstweilen, toll, dass Du Dich noch erinnern kannst. Das nächste Mal musst Du mir mal was über Stalingrad erzählen.“

Trittin: „Das Langzeitgedächtnis funktioniert gut, aber das Kurzzeitgedächtnis … Hilf mir da mal weiter, bei welcher Partei bin ich eigentlich. Die Grünen können es ja nicht sein, so wie die im Moment Kriegstreiber sind…“

Habeck: „Ich muss weiter, heute Abend Talkshow im ZDF, wegen Krieg und so. Man sieht sich, Tschüssikowsky.“

Am Abend sprach sich Habeck dann vehement gegen eine Lieferung von Kampfflugzeugen aus, nicht nur aktuell, sondern grundsätzlich. Begründung: „Moderne westliche Kampfjets müssen von den Lieferländern gewartet werden. Damit könnten wir den Schritt zu weit gehen, um Kriegspartei zu werden“.“

Nach Ausrüstung kommt Ausbildung, im Verbund mit Wartungspersonal. Das sind kriegerische Handlungen.

 Eine Zäsur, ein massiver Eskalationsschritt wird sein, wenn die ersten Ausbilder aus der Nato an der Front gefangengenommen und in den russischen Medien vorgeführt werden.

Es geht hier nicht darum, Russland von seiner Schuld zu entlasten. Russland ist der imperialistische Aggressor in diesem Krieg und die Verantwortlichen gehören vor ein Kriegsgericht. Es geht hier darum, Eskalations-Mikroprozesse festzuhalten, an deren Ende …..

31.01.2023 – Börsentipp der Woche: Aktien von LVHM, weltweiter Branchenführer der Luxusgüterindustrie.

Die Ukraine ist nach Russland das korrupteste Land in Europa und nach Belarus, Bosnien-Herzegowina und Russland das am wenigsten demokratische. Wenn Sie sich in der Liste anschauen, wo die ehemaligen Staaten des Ostblocks, zum großen Teil Mitglieder der EU und der Nato, in diesen Indizes geführt werden, kann es einen nur gruseln. Der demokratische Transformationsprozess ist dort fast komplett gescheitert, Tendenz: verschlimmernd, und einer Seuche gleich sickern diese Delegitimierungs-Prozesse in Mittel- und Westeuropa ein.

Die osteuropäischen Staaten sind nahezu durchweg nationalistisch und regelrecht imperialistisch aufgestellt. Jeder durchgeknallte Großungar  stellt Gebietsansprüche an alle Nachbarländer. Von den balkanesischen Konflikten wollen wir gar nicht erst anfangen, die versteht doch kein Schwein mehr. Völkischer Wahn, imperialistische Großmannssucht, wohin man blickt, und vermutlich hält nur die Knute der Mitgliedschaft in EU und Nato die Bekloppten davon ab, kriegerisch übereinander herzufallen. Das Kapital, und hierfür sei es gelobt und gepriesen, hat ein Interesse daran, dass die Geschäfte da unten nicht durch Kriege gestört werden. Nimmt aber Kollateralgewinne wie im Ukrainekrieg gerne mit.

Nach klassischer Imperialismustheorie sollen nun die Unterdrückten aller Länder keinesfalls die Interessen ihrer Unterdrücker wahrnehmen und sich gegenseitig abschlachten im Krieg dieser Imperialisten. Vielmehr sollen sie sich über die Grenzen verbrüdern und verschwestern und die Waffen gegen die Unterdrücker und Imperialisten im eigenen Lande richten.

Das wäre bei der Verfasstheit der Unterdrückten in allen Ländern das Allerletzte, was sich ein undogmatischer Linker wünschen kann. Die Korruptheit der herrschenden Klassen, nicht nur im Osten, wird nur durch eins übertroffen: Durch die Korruptheit der Unterdrückten. Da reicht oft ein Facharbeiterlohn aus und schon geht jede internationale Solidarität den Jordan runter. Beim Prekariat handelt es sich oft mangels materieller Masse um eine rein moralische Korruption.  

Sie werden also verstehen, dass mir der ganze Osten inklusive Ukraine egal bis zuwider ist und ich nur einen Wunsch habe: Frieden, koste es, was es wolle. Der Frieden nämlich ist Voraussetzung und Grundlage für Freiheit, nicht notwendigerweise, aber hinreichend. Freiheit, jenes abstrakte Konstrukt in den Köpfen unserer freiheitsvergötternden Bellizisten, die am liebsten persönlich hunderte von Starfighter in die Ukraine überführen möchten, ist keinesfalls Grundlage für Frieden, wie allein ein kurzer Blick in die Liste der kriegerischen Nato Aggressionen zeigt.

Zum Ausmaß der Korruption in der Ukraine: Die Fußball-EM 2012 dort kostete das Sechzehnfache der EM 2008 . Die fand in Österreich und der Schweiz statt, wo Preise und Löhne ein Vielfaches der ukrainischen betragen. Eine derartige durch Korruption getragene Kostenexplosion ist einmalig in der Geschichte von Sportgroßereignissen.

„Wir“ werden Milliarden im Zuge des Wiederaufbaus in der Ukraine investieren und die landen großenteils sicherer als das Amen in der Kirche in den Taschen von Oligarchie und Mafia. Das ist nichts weiter ist als ein gigantisches Investitionsprogramm in die Luxusgüterindustrie, Schampus, Edelklamotten, Klunker etc, auf sowas stehen die Krisengewinnler aller Länder.

Also mein bombensicherer Börsentipp der Woche exclusiv für Sie, liebe Leserinnen: Aktien von LVHM, weltweiter Branchenführer der Luxusgüterindustrie. Dessen Aktie sind seit der Jahrtausendwende, dem Beginn des Zeitalters der Polykrisen, um über 2.000 Prozent gestiegen

29.01.2023 – Lieber Vier-Sterne-Restaurant als Vier-Sterne-General.

Winterlinge lugen vorwitzig ins Offene.

Wenn auch nur die Hälfte von dem eintritt, was ich hier im Blog seit Jahren munter vor mich hin menetekele, wird die Welt ein Ort, angesichts dessen ich froh sein werde, bereits die Hälfte meines Lebens hinter mir zu haben. Mindestens die Hälfte, vielleicht sogar schon ein Drittel.

Das Geunke und Geraune hier hat einen außerordentlich positiven kathartischen Effekt, jedenfalls für mich: Im normalen Leben bleibe ich, gereinigt durch Schreiben von der Gedanken Schwärze, ein überwiegend putziger Geselle und verbreite selten Düsternis um mich. Selbst Meldungen von heute wie: „General der US-Air-Force erwartet in zwei Jahren Krieg mit China“, verfinstern mein Gemüt nicht und bestärken mich in meiner Meinung: Lieber Vier-Sterne-Restaurant als Vier-Sterne-General.

Im Gegenteil: Die Bestätigung durch tagesaktuelle Meldungen meiner apokalyptischen Sicht des Ganges der Dinge erfreut mein rechthaberisches Gemüt über alle Maßen, verdichtet jede Meldung doch die Wahrscheinlichkeit des Eintretens meiner Prognosen und versetzt mich im  schlimmsten aller Fälle, dem atomaren Feuer auf Erden, in die Lage, stolz zu verkünden, hier exclusiv im Blog für Sie, liebe Leserinnen:

Siehste, ich hab’s doch gleich gesagt.

Ich kann’s kaum erwarten, diesen süßen Kelch der Genugtuung zu schlürfen. Vorerst aber trete ich angesichts der Winterlinge beiseite und überlasse einem Größeren das Wort, Friedrich Hölderlin, um jene Zuversicht und Trost zu spenden, welche nur die Poesie vermag:

Komm! ins Offene, Freund! zwar glänzt ein Weniges heute

Nur herunter und eng schließet der Himmel uns ein.

Weder die Berge sind noch aufgegangen des Waldes

Gipfel nach Wunsch und leer ruht von Gesange die Luft.

Trüb ists heut, es schlummern die Gäng‘ und die Gassen und fast will

Mir es scheinen, es sei, als in der bleiernen Zeit.

Dennoch gelinget der Wunsch, Rechtglaubige zweifeln an Einer

Stunde nicht und der Lust bleibe geweihet der Tag.

27.01.2023 – Wie der Russe halt so ist. Der Ami aber auch.

Meine persönliche Weltuntergangsuhr steht seit Jahren auf 5 nach 12. Es ist eine Bundesbahnuhr. Welch feine Ironie (Für Bahnfreaks: Alte Miniatur Eisenbahn-Laterne mit Junghans Uhr). Im Sommer ist sie von Wein zugerankt, im Winter lacht mich das postapokalyptische Symbolgrauen in voller Pracht an.

Die reale Weltuntergangsuhr steht seit dem 24.01.23 auf einem neuen Rekordwert, auf 90 Sekunden vor 12. Begründung: „ ….  dass „die russische Invasion in der Ukraine das Risiko des Einsatzes von Atomwaffen erhöht, das Gespenst des Einsatzes biologischer und chemischer Waffen heraufbeschworen, die Reaktion der Welt auf den Klimawandel lahmgelegt und internationale Bemühungen behindert hat, andere globale Probleme anzugehen.“

Mal sehen, wo die Uhr nächstes Jahr steht.

Ab einem bestimmten Punkt wird der Russe, der Ami aber auch, so sind die Beiden nun mal, Atomwaffen einsetzen im Zuge der Eskalationsspirale. Wir wissen nur nicht, wann. Wir wissen nicht, ob der Ami die Zerstörung von New York und Washington für die Verteidigung von Riga, Reval oder Berlin riskiert, wie das laut Artikel 5 des Nato-Vertrages geboten wäre . Mein Tipp: Tut er nicht. Aber wissen weiß ich das auch nicht. Wir wissen sehr viel zurzeit nicht. Wir wissen Stand heute, dass der Ami (und der Franzmann) Kampfflugzeuge an die Ukraine liefern würde. Morgen sind wir schlauer.

Steht das, was wir zurzeit riskieren, in einer ethisch vertretbaren Relation zu unserem Nichtwissen?

Wenn Sie wissen wollen, warum meine Doomsday Clock auf 5 nach 12 steht, obwohl die Welt noch nicht in Scherben gefallen ist, zumindest bei uns in Mitteleuropa nicht, dem möchte ich mit einer kleinen Anekdote vom Lande weiterhelfen. Wer wie ich agrarisch sozialisiert ist und Hausschlachtungen miterlebt hat, weiß, dass geköpfte Hühner noch längere Zeit mit den Flügeln flattern, mitunter kopflos auf dem Hof rumrennen. Vitalfunktionen sind noch erhalten, obwohl die Rübe runter ist.

Oder um in der Scherben-Analogie zu bleiben: Mitunter hat die Schüssel schon einen Sprung, hält aber die Suppe noch. Noch.

So, jetzt geh ich auf die Veranda und stelle meine DB-Uhr auf 6 nach 12. Und dann ab in die Küche. Hühnerbrühe kochen.

 Entspanntes Wochenende, liebe Leserinnen

26.01.2023 – Düstere Aussichten

Schon wieder Schnee, Dunkelheit, Kälte. Wo bleibt der Klimawandel, wenn man ihn mal braucht. Auch sonst sind die Aussichten düster. Kaum sind ein paar Panzer zugesagt, kommt die Forderung nach Kampffliegern, Langstreckenraketen und Atomwaffen. Letzteres nicht explizit, das hab ich mal als logische Extrapolation der Eskalationsspirale dazu gedichtet. Kriegsmännerphantasien delirieren von den paar Leopold-Panzern als Durchbruch. Feuchte Träume. Blick in den Rückspiegel: Bei der größten Panzerschlacht der Geschichte 1943 bei Kursk waren auf Seiten Nazi-Deutschlands und der Sowjetunion insgesamt mehrere tausend Panzer beteiligt. Auch wenn dadurch die Offensive der Nazis gestoppt wurde, ein Durchbruch war das noch lange nicht, der Krieg ging noch über anderthalb Jahre mit zig Millionen Opfern weiter. Soviel zu den paar Leopold, wie sie unser neuer Schutzmann Schneidig Pistorius wohl mal genannt hat, und wir im Rahmen unserer Kreuzberg WG sie weiter bezeichnen. Das hat was österreichisch-gemütliches.

Des Weiteren diskutieren wir intern gerade das Verhalten im Ernstfall. Ich: „Mein Notfallrucksack für die griechische Insel ist gepackt, eine Flasche Crémant, eine Handvoll Silberdollar, Papiergeld ist dann eh nur noch für den Arsch, ein Beutel Gras zwecks Naturaltausch und eine Handvoll Samen, für eine nachhaltige landwirtschaftliche Zukunftssicherung.“

Aber will man das im Ernstfall, auf ner griechischen Insel, wenn hier alles in Schutt und Asche liegt. Dann lieber direkt ins Herz der Bestie zum final-schnellen Verdampfen. Zumal in Berlin gerade eine Ausstellung mit der phantastischen Nan Goldin läuft . Was Lou Reed im Rock‘n Roll war, ist Nan Goldin für die Fotografie. Jede Menge White light, white heat  …. Was wohl auch die Platte für meinen Notfallrucksack wäre: Rock n Roll Animal. Im Vergleich zu der Platte wird meine eigene Beerdigung eine Karnevalssitzung, was den Heiterkeitsfaktor angeht. Aber die Welt ist der Fall.

23.01.2023 – Zivilisation ist die Fortsetzung der Barbarei mit kultivierteren Mitteln.

Gestern Morgen Blick in den Garten. Freundinnen der Natur mögen ob des Anblicks in Verzücken geraten, ich setzte mir sofort die Hasskappe auf. Winter, kalt, dunkel, nass, Matsch, glatt, ausrutschen, Oberschenkelhalsbruch, Tod, das war und ist ungefähr die Assoziationskette, die mich winters begleitet. Den Winter empfinde ich als völlig überflüssige Erfindung. Es ist die Zeit von Husten, Schnupfen, Heiserkeit, man kann nicht grillen, kein Gras anbauen und muss stattdessen heizen. Kostet Geld, so wie Winterflucht in den Süden. Der Winter ist schrecklich.

Romantiker zieht es bei Anblicken wie dem Obigen hinaus in die Natur. Da haben wir dann eine Trias des Grauens beisammen: Winter, Romantik, Natur.

Winter …. siehe oben. Die deutsche Romantik mündete geradewegs im Nationalsozialismus. Und wenn ich das Wort Natur nur höre, möchte ich gleich meine Pistole entsichern, lauert hier doch der Kitsch hinter jedem Baum. Und da wo Kitsch lauert, ist Pathos nicht fern. Was wiederum todessehnsüchtiges Merkmal von Faschismus ist, wie wir gerade in Russland sehen, wo der klerikal-faschistische Todeskult mörderische Urständ feiert, Motto: Leben wird überbewertet.

Eine freie, unverfälschte, reine Natur gibt es nicht mehr. Wollen wir hierzulande so etwas fördern wie Urwald, Brachflächen etc. ist dafür ein unglaublicher bürokratischer Planungs-, Organisation und Kontrollaufwand nötig; Und tritt uns der vermeintliche Urzustand Natur in wölfischer Form des canis lupus gegenüber und zu nahe, verfällt die Gesellschaft umgehend in einen fast mörderischen Kultur(!)kampf Pro und Contra.  

Die Moderne, die Zivilisation tritt der Natur in zwei Gewändern gegenüber: Vernichtung und Überhöhung. Jeden Tag werden in Deutschland aus Profitgründen über 100 Fußballfelder planiert, betoniert und ein Vielfaches wird unwiederbringlich einem halbwegs ausgeglichenen, sich selbst regulierenden Zustand entrissen und in eine scheinbar grüne, aber fast tote und Artenbefreite Industrielandwirtschaftszone umgewandelt.

Auf der anderen Seite gibt es einen alles übertönenden Schlachtruf der Moderne: Zurück zur Natur. Bloß raus aus der Stadt. Selbstversorgend jeder auf der eigenen Scholle werkeln, natürlich alles Öko, koste es, was es wolle. Das ist wie aller Kitsch unreflektiert und reaktionär. Früher hätte ich gesagt, es ist deshalb reaktionär, weil es in der Tradition des Antimodernismus steht. Also Gegenzivilisatorisch wirkt, in der Polarität Zivilisation vs. Barbarei.

Bei nüchterner Betrachtung bleibt allerdings angesichts aktueller Entwicklungen festzustellen:

Zivilisation ist lediglich die Fortsetzung der Barbarei mit kultivierteren Mitteln.

21.01.2023 – Talkshows sind Fieberthermometer im Arsch der Gesellschaft.

Was ist das für ein Land, wo die Mülltonnen aussehen wie Panzer … Und wo man Dinge verbietet, die gar nicht möglich sind. Wer zum Teufel soll auf der Fläche Fußball spielen?!

Panzer Körper Phantasien. Dazu später mehr.

Der Ukrainer will von „uns“ solche Stahlbüchsen, in denen die Überlebensdauer nach Ausbruch eines Panzergefechtes ca. 20 Minuten beträgt. „Wir“ wollen und können die Dinger aber noch nicht liefern. Teils aus Sorge, weil der Russe uns dann am Ende aller Eskalation atomar aufs Haupt schlägt, eingedenk des nicht unplausiblen Satzes vom irren Medwedew: Atommächte verlieren keine Kriege. Teils weil die Dinger einfach nicht einsatzbereit sind oder wir hinterher selber nix mehr zum Verteidigen haben. Laut Aussage von so einem Lamettaträger: „Wir sind nackt“. Was nicht auf einen paradiesischen Zustand hindeutet, sondern auf die Tatsache, dass die Bundeswehr nicht funktioniert.

Blick in den Rückspiegel: Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Sieg des Kapitalismus war das Ende aller Konflikte eingetreten. No more war, Friede, Freude, Eierkuchen, für die ganze Menschheit, weil der böse Sowjet-Russe in die Tonne, siehe oben, der Geschichte gekloppt war. Das Ende der Geschichte. Mit dieser strunzdumm-hanebüchenen Erzählung hielt die bürgerliche Politikwissenschaft den Mob zumindest eine Weile bei guter Erwartung und Laune, bis mittlerweile auch der dümmste Feuilletonschreiber gemerkt hat, wo da die Häsin im Pfeffer liegt.

Die herbeigelogene Friedendividende, die aus dem Ende des Kalten Krieges resultieren sollte, sah unter anderem so aus: Seitdem wurde über eine Billionen Euro (1.000.000.000.000) allein für den Kriegshaushalt in Deutschland ausgegeben, sie finden Details unter dem Suchbegriff „Verteidigungshaushalt“. Das sind 1.000 Milliarden Euro. Mit dem Geld hätte man 1,3 Millionen Teutonen zu Millionären machen können, noch einmal so viel wie es heute gibt. Sinnvoller und eine wirkliche Friedensdividende wäre gewesen von dem Geld 1.000 Kitas zu bauen (ca. je 5 Mio Euro), 1.000 Pflegeheime (je 20 Mio.) und 1.000 Gesamtschulen (je 50 Mio.), das wären 75 Milliarden Euro. Das Gleiche nochmal als Overhead drauf, sind 150 Mrd., blieben immer noch 850 Mrd. für sozialgerechtes Ökogedöns und Entwicklungshilfe.

Dann hätten wir zwar keine Bundeswehr, aber das Ergebnis wäre ja das Gleiche wie jetzt: Wir stünden nackt da. Nackt zu sein, in der Phantasie eines Panzermannes der Horror schlechthin. Weitere regelrecht kranke Zitate zum Thema aus einer Talkshow-Diskussion von offensichtlich Quartalsirren:

„„…Wenn es hart auf hart kommt, muss es ein Mann machen.“

 „Er (Pistorius) muss jetzt die Pflöcke einrammen“.

Wenn es ums Töten geht, wird es aber sowas von Schwanzficksiert. Wundervoll auch die Überschrift des Berichtes: „Wüstner wüst wie nie: Bundeswehr steht „nackt“ da.“ Wüst, wild, ungezügelt, sittenlos, ausschweifend. Rausch, Ekstase …

Sprache und Bewusstsein sind kommunizierende Röhren. Lasst sie einfach reden und wir sehen, was für Phantasien in ihnen stecken (sic!). Da können sich die soldatischen Körper nach außen panzern, wie sie wollen, um sich vor dem Fluiden, gar der Auflösung in Rausch und Ekstase zu schützen, irgendwo brechen ihre Phantasien immer durch, zuerst in Sprache. Solange das in Talkshows passiert, geht’s ja noch. Aber im Krieg, dem Vater aller Dinge, endet das zwangsläufig auch in Rausch und Ekstase. Im Blutrausch.

Insofern sind Talkshows sinnlos, aber nützlich. Eine Art Fieberthermometer im Arsch der Gesellschaft.

15.01.2023 – Meldungen aus dem Irrenhaus respektive Parkhaus.

Rettungsschuppen 68. Dass der Rettungsschuppen ein Restaurant geworden ist, finde ich sehr charmant, wohnt dieser Tatsache doch symbolisches inne. Es gibt keine Rettung mehr, letzte Zuflucht vor Untergang und Absaufen ist das Restaurant, sozialer Kulturort des Verweilens und von Genuss – wenn man Glück und entsprechend Kohle hat.

Wenn man (also ich) zum Schluss gekommen ist, dass Rettung aus Krisen nicht mehr möglich ist, zumindest nicht unter Bedingungen von Kapitalismus und Demokratie, ist es nur ein kleiner Schritt dahin, bei den allfälligen morgendlichen Katastrophenmeldungen in Gelächter auszubrechen. Diese Reaktion ist eine Mischung aus Hilflosigkeit, Katharsis und feinem Gespür für jenes komödiantische Moment, welches aller Tragik innewohnt. Es ist im wahren Sinne z. B. großes und eben auch komödiantisches Theater in der Tragödie, wenn Richard III nach verlorener Schlacht über die Wallstatt irrt und klagt: „A horse! A horse! My kingdom for a horse!“ Und danach von Richmond im Kampf getötet wird.

Eine dieser Meldungen mit Lachreizcharakter: Der Raum für innerstädtische Parkplätze soll vergrößert werden, um 15 cm pro Blechhaufen. Begründung: Die Autos werden immer größer.

Das ist angesichts der Tatsache, dass allein die Batterien der größten SUVs, jenen Autopanzern mit den größten Zuwachsraten, mittlerweile so viel wiegen wie ein Kleinwagen und das Todesrisiko bei Unfällen für Andere um 30 Prozent erhöhen, nur noch grotesk. Das Autowachstum ist selbst bei uns ungebrochen, weltweit explodieren die Zahlen in den wachsenden Mittelschichten gerade bei Ressourcenvergeudenden Monsterhubraumern. Anstatt also Autos sofort konsequent in einem ersten Schritt aus den Städten rauszuschmeißen, wird ihnen hier der Betonteppich ausgerollt.

Rausschmiss ist problemlos machbar. In Holland z. b. kommt kein Mensch auf die Idee, mit einem Auto in den Citybereich zu fahren. Verboten. Dafür gibt’s Parkhäuser, die allerdings nicht billig sind. Urlaub in Holland besteht, mit Auto, aus mindestens 4 großen Kostenblöcken: Unterkunft, Ernährung, Benzin und Parkhaus.

Was aber will der doitsche Michel respektive seine Michelin und hier wollen wir in Ehrfurcht vor dem demokratischen Willen der Mehrheit unser Haupt neigen, wenn Lachanfälle das überhaupt zulassen? Eine breite Mehrheit sagt ja zu schnellerem Autobahnneubau. Und wer riskiert schon Entscheidungen und Wahlen gegen diesen fanatischen Block?

Es ist billig und wohlfeil angesichts Lützerath die Gier von RWE anzuprangern, die auf Kosten der Um- und Nachwelt Extraprofite ohne Ende abzocken. Erstmal schön vor der eigenen Automatte kehren und dann vielleicht zur Erkenntnis gelangen (Lektürehinweis liegt im Rettungsschuppen oben), dass der Kapitalismus einem Ritt auf dem Tiger gleicht: Der Ritt endet ebenso im Untergang wie das vorzeitige Abspringen.

Und für alle Technikfreaks, die an Heilung durch technischen Fortschritt glauben: Es gibt seit Jahren keine bahnbrechenden Erfindungen mehr, der Fortschritt in Forschung und Technik ist an seine Grenzen gestoßen. Die großen Erfindungen der Moderne – Treiber von Innovation und Produzenten von Narrativen – PC, Internet, Smartphone und Zollstock für Linkshänder sind gemacht, und das nächste große Ding sehnlichst von Allen – außer mir – erwartet, ist nirgendwo in Sicht. Und Silicon Valley liegt in Agonie.

14.01.2023 – Meine Individualhölle

Was bleibt vom Ratzinger, ist die Tatsache, dass er es auf das Plakat geschafft hat, das zum ewigen Gedenken an unseren legendären Auftritt im raum 2 in Neutramm (im hintersten alternativen Wendland-Hüttendorf) im Hausflur hängt. Diese Lebensleistung kann nicht jeder Papst von sich behaupten.

Schöne Volte der Geschichte, dass pünktlich zu seinem Ableben die beste aller Hausverwalterinnen einen Hinweis am Hausmitteilungsbrett auf die Jahresabrechnung hinterlassen hat. Abgerechnet wird immer zum Schluss und nach den Maßstäben seines Aberglaubens müsste Ratzinger in der Hölle schmoren. Da diese nur eine Individualhölle sein kann, für jeden anders ausgestaltet und vermutlich eher ein innerer Wahrnehmungszustand als ein Schmoren im Kessel, müsste sie für Ratzinger wohl so aussehen: In Rom sitzt eine schwarze Lesbe auf dem Papstthron, zum Kardinal können nur Schwule gewählt werden und im Osservatore Romano, der Prawda des Vatikans, werden dauernd Bilder von ihm veröffentlicht von seinen Ausflügen in Darkrooms, aus dem Video, dessentwegen er zurückgetreten ist. So weit, so putzig.

Spannender, liebe Leserinnen, ist die Frage, wie sähe Ihre Individualhölle aus? Auch insofern nicht uninteressant, falls Sie sich folgendes fragen sollten: Was will ich überhaupt (noch) im und vom Leben?

Ist Ihre Hölle eine Welt ohne Smartphone? Ohne Alkohol? Mit Olaf Scholz im Bett? Aus der Antithese eine Utopie destillieren …

Wenden wir uns dem Diesseitigem zu, dem Leben. Aber was heißt schon Leben…

Die Ukraine soll also auch Kampfflugzeuge kriegen, so die aktuelle Forderung von Bellizisten , nach Marder und Leopard. What’s next? Cruise Missiles, Langstreckenraketen, die bis nach Sibirien reichen? Und am Ende dieser Spirale ….?

Der Russe auf der anderen Seite lässt sich auch nicht lumpen und soll angeblich zusätzlich 500.000 Truppen mobilisieren. What’s next, am Ende dieser Spirale ….?

Ich schaue keine Talkshows und weiß daher nicht, ob in diesem substanzlosen Krawallbudengeschwätz der ewig gleichen Charaktermasken auch mal eine Friedensforscherin, als Alibi, eingeladen war. Aber vermutlich muss es in der Ukraine erst aussehen wie in Verdun, bevor in der Öffentlichkeit mehr über nichtmilitärische Lösungen dieses Konflikts geredet wird als über Kampfpanzer. Sie sollten alle in der Hölle schmoren, die Krieger.

Ein frommer Wunsch. Ich male mir jetzt meine Individualhölle aus. Dazu demnächst ein paar Bilder. Bleiben Sie drin.