20.06.2019 – Fridays For Future ergänzen durch Thursdays For Past und Saturdays for Presence


Frau Dr. Angela Merkel wird mir immer sympathischer. Es fehlt nicht mehr viel und sie nimmt in meinem Positiv-Ranking aller Kanzler*innen der BRD den ersten Platz ein, den zurzeit noch trotz erheblicher Mängel Whisky-Willy-Brandt hat, und das auch nur, weil er ein Frauenheld war.
Wenn ich demnächst noch eine Überschrift lese: Merkel übergibt sich bei Nationalhymne, hat sie es geschafft. Daher an dieser Stelle die unironisch besten Gesundheitswünsche von mir für Frau Dr. Merkel. Auch wenn ich ihre Partei und Politik eher gruselig finde, ist sie unter den derzeit agierenden Politzwerginnen die Einzige, deren Erscheinen auf dem Bildschirm mir keine Allergiepickel im Hirn hervorruft.
Da höre ich jetzt die Anhängerinnen der reinen Leere, sorry, Lehre insistieren, das sei doch ein völlig unpolitischer Ansatz.
Stimmt. Aber die böse, böse Politik vertreibt mir zunehmend die gute Laune. Mit der Politik ist es wie mit dem Teppich, unter den der ganze Dreck der bürgerlichen Gesellschaft gekehrt wird: Egal an welcher Ecke man den Teppich anhebt, es stinkt zum Himmel.
Die ganze Welt ist eine Bühne, wenn nur die Inszenierung nicht so grauenhaft wäre. Sinngemäß nach dem letzten großen Dandy Oscar Wilde.
Beispiel gefällig? Wir haben Fridays vor Future, alle Welt liebt diese jungen, rebellischen Leute, die kurz vor Familiengründung, Häusle-bauen und SUV-Kauf nochmal auf die Straße gehen und dem CO2 inbrünstig ein „No pasaran!“ entgegenschmettern. Aber ach, die böse, böse Statistik, die ich mehr als jedes Feuilletongeschwafel schätze, vermeldet: Nur zwölf Prozent der Deutschen verzichten fürs Klima auf Flugreise. Motto: Ich wähle Grün, das reicht als Klimabeitrag.
Beispiel Palmöl. Jede weiß, dass für das Zeug Regenwälder platt gemacht werden. Es gibt nachhaltige Standards, mit denen der Anbau nicht so schädlich für Mensch und Natur ist. Das kostet. Konsequenz: Das Öl, das auf dieser Basis produziert wird, liegt wie Blei in den Regalen. Den Preis zahlt die Konsumentin nicht.
Das sind nur zwei kleine Meldungen der letzten Stunden, die mir spontan einfallen. Frei nach dem Motto: Wir wählen grün, da brauchen wir keine Politik

Es wird also alles böse enden. Neukölln kurz nach der atomaren Apokalypse.
Was tun? Fridays For Future ergänzen durch Thursdays For Past und Saturdays for Presence.

17.06.2019 – Exkurs über binäre Kampfstoffe


Wirr ist das Volk. Graffito, irgendwo in Neukölln.
Seinen angemessenen Ausdruck fand der Rassismus der Eingeborenen von Ostelbien im Wende-Evergreen „Wir sind das Volk“, den erst anders Aussehende und später anders Denkende als das verstehen durften, als das es von Anbeginn gemeint war: Als tödliche Drohung. Wenn mir jemand mit der vereinnahmenden Drohung „Wir sind das Volk“ entgegentritt, halte ich ihm militant und radikal entgegen: „Du bist Volker als ich.“
Ich wünschte mir eine neue Wende, aber eher als Wende-Ansage an das Volk im Sinne eines
„Wennde mit Deinem völkischen Dreck nicht aufhörst, Volk, fliegste raus“.
Aber wohin? Wem könnte man so ein Volk wünschen? Von deutschem Boden ist schon genug „Heil“ ausgegangen.
Und so fasst man, na ja, ich jedenfalls, sich angesichts des allenthalben grassierenden völkischen Wahns an den Kopf ob der erleichterten Kommentare wegen des Sieges eines CDU Kandidaten gegen einen AfD-Mann bei der Oberbürgermeisterwahl in Görlitz, einer Stadt, aus der ich schon lange einen Baggersee gemacht hätte. Die Botschaft ist doch nicht, dass der CDUler über 50 Prozent gekriegt hat, die Botschaft ist doch, dass fast 50 Prozent den Kandidaten einer Naziverseuchten Partie gewählt haben. Und über die Gesinnung der knappen Hälfte, die gar nicht erst zur Wahl gegangen ist, sollte man, na ja, ich jedenfalls, sich keine Illusionen machen.
Ich bin mal gespannt, wie sich die staatlichen Organe bei einer weiteren völkischen Entwicklung der Dinge nicht nur in der Ostzone verhalten, wenn dadurch zunehmend verfassungswidrige Umstände eintreten. Als ein paar Teilzeit-Kommunisten in den Siebzigern die hiesigen Bolschewisten-Paranoiker in Panik versetzten, holten die mit dem Radikalen-Erlass umgehend eine Berufsverbots-Keule aus dem Schrank und drohten mit der allen kritischen Geistern, dass sie nicht in den Staatsdienst kämen, wenn sie weiterhin an wirren Idealen wie den Paragrafen 14 und 15 des Grundgesetzes (Enteignungen!)) festhielten. Das hatte nachhaltigste Wirkungen bis heute, mit der Reduzierung kritischen Potentials gegen Null, wie man am Beispiel des heutigen Baden-Württemberg- MP (bei der Abkürzung denk ich immer an was anderes als an Ministerpräsident) Kretschmann sieht, der damals Mitglied des KBW (Kommunistischer Bund Westdeutschland) war, und heute als Doppel-Null durchgeht.
Der KBW war eine Sekte, deren Mitglieder waffenscheinpflichtigen Blödsinn sondergleichen absonderten, was sich bei Kretschmann bis heute nicht geändert hat, nur ganz anders als früher. So deliriert dieser Auto- und auch sonst Narr, wie ich Hintergrund gerade auf DLF höre, Dankbarkeit über das Wahlergebnis in Görlitz in alle Mikrofone.
Das Ganze wird noch von diesem unsäglichen Wanderprediger Gauck getoppt, der gerne möchte, dass wir mit Nazis mehr kuscheln sollen.
Ex-Kommunisten und Pfaffen, das ist eine gefährliche Mischung, binäre Kampfstoffe sozusagen.
Wir sind ein rohstoffarmes Land, heißt es. Was den Rohstoff Vernunft angeht, stimmt das sicher.
Und so fragt man, na ja, ich jedenfalls, sich: Was kommt als nächstes?
Für mich der Baggersee. Sonnigen Tag, liebe Leserinnen.

12.06.2019 – Ich fahre lieber mit dem Fahrrad zum Strand als mit dem Mercedes zur Arbeit. Ente der Durchsage.


Früher hab ich mich um die Johannisbeeren in meinem Garten immer mit den Vögeln regelrecht geprügelt, saß mit Mordphantasien auf der Veranda und legte imaginäre Luftgewehre auf die Diebe an. Bei Weintrauben habe ich sogar Netze gespannt, der Wein ist mir ein heiliges Kulturgut. Nicht dass die Ernte üppig wäre, ich hab nur je einen Strauch Beeren vom Stamme Johannis, Him und Brom. Aber es sind MEINE Beeren, unvergleichlich auf dem Planeten, nie gab es köstlichere. Das Prinzip Eigentum sitzt sehr tief in uns und ob uns jemals kollektive Utopien wie der Sozialismus vor der Barbarei retten, hängt entscheidend davon ab, was wir als Gewinn erkennen, anstelle des Prinzips Eigentums. Also ob am Horizont ein gesellschaftlicher Mehrwert aufscheint, der über das bloße Haben, Besitzen hinausgeht, so etwas wie eine realistische Option auf Gleichheit, Freiheit, Schwesterlichkeit (diesen Begriff kennt mein Thesaurus nicht, eine Tatsache, die nicht mehr kommentiert werden muss).
Ich bin skeptisch und wenn es im Wettbüro eine Platzierungsmöglichkeit gäbe, würde ich auf die Variante „Barbarei“ setzen (Zum Rosa-Luxemburg-Zitat „Sozialismus oder Barbarei?“ hier der Link zum lesenswerten Originaltext von 1916, in dem es u. a . heißt:“ … Mitten in diesem Hexensabbat vollzog sich eine weltgeschichtliche Katastrophe: die Kapitulation der internationalen Sozialdemokratie. …“
103 Jahre später merken es alle.)
Wir entfernen uns im Moment in Riesenschritten von einer konkreten Utopie. Ein wahlloser Blick auf die Überschriften bei spiegel-online.de vom 10.06.2019
Nach Rettungsaktion Tunesien verwehrt Boot mit Flüchtlingen Zugang zu Hafen
Film über US-Jugendproteste „Mein ganzes Leben besteht aus Waffengewalt“
Canterbury in England Mob prügelt 17-jährigen deutschen Austauschschüler ins Koma
…..
Berliner Architekturstreit Ist Albert Speer wieder da?

In der Reihenfolge zitiert, in der sie da standen.
Seufz jaul jammer zeter, so würde der von mir verehrte Donald (Motto: Ich fahre lieber mit dem Fahrrad zum Strand als mit dem Mercedes zur Arbeit. Ente der Durchsage.) die Weltgeschichte auf den Punkt bringen
Was bleibt, ist die individuelle Utopie. Sie gründet auf der Fähigkeit des Menschen, sich zu ändern. Und so sitze ich heuer auf der Veranda und warte wohlwollend auf Vögel, die sich an den Beeren laben.
Es kommen aber keine mehr.

11.06.2019 – Und Jimmy ging zum Rentnerbogen


Doppelter Regenbogen, doppeltes Glück? Gesehen auf der Rentenfeier eines Freundes, woraus sich auch der Header dieses Eintrags ergibt, in Bezug das Werk eines heute eher unbekannten Autor namens Simmel.
Sich in meinem Umfeld häufende Begriffe wie „Renteneintrittsalter“, „Seniorenkarte“ und „künstliches Hüftgelenk“ weisen unübersehbar daraufhin, dass ich das Bergfest meiner irdischen Existenz überschritten habe. Günstigenfalls bin ich ein Best-Ager, ehrlicherweise dient alles, was ich tue, dazu, den Verwesungsprozess hinauszuzögern. Wobei manche Zeitgenossen, und es sind fast ausschließlich Männer, oft zu Lebzeiten schon so riechen, als seien sie mitten im Kompostierungsprozess.
Zum Fahrtantritt zur obigen Feier trat ich unlängst aus der Haustür und wurde dabei fast von einem Briefträger überrollt wie seinerzeit der Franzmann im Westfeldzug von der Panzergruppe Kleist.
Eher südländischen Geblüts raunzte ich sofort und lautstark den Mann auf den Spuren des Götterboten Hermes an, ob er nicht alle Tassen im Schrank habe. Der Kontrahent war nicht auf den Mund gefallen und gab Contra, so dass sich ein lebhafter Disput entspann, auf dessen Höhepunkt ich, im Wesen tiefdeutsch, dem Postillon eine Beschwerde bei seinen Vorgesetzten ankündigte. Anstatt dass der Mann nun erbleichte und Kotau vollführte, rieb er mir seinen Dienstausweis unter die Nase
„Hier, mein Name, zum Mitschreiben!“
Ich replizierte, vermeintlich würdevoll „Die Diskussion ist beendet“ und verließ die Verbalwallstatt. Hatte aber meine Rechnung ohne den Post-Wirt gemacht, der zielsicher und wirkungshart wie ein Leberhaken hinter mir her wütete:
„Immer diese Senioren, die den ganzen Tag nichts zu tun haben.“
Der Mann war in dieser epischen Wortschlacht Sieger durch technischen K. O., ich ging zu Boden und wurde ausgezählt. Zwar nur von mir selber. Aber das ist schlimmer als alles andere.
Ich war schwerst getroffen.
Verdammt noch mal, ich bin kein Senior, ich bin ein Punk! Innerlich. Oder wenigstens Post-Hippie. Ich kann immer noch meine 40 Jahre alte Badehose (zwischendurch gewaschen!) tragen mit Original-Psychedelic-Design. Wenn ich meine Haare geschickt kämme, sieht das immer noch nach Flächendeckender Kopfhautbewaldung aus.
Und überhaupt „den ganzen Tag nichts zu tun“!
Ich habe es nach langen Mühen geschafft, meine Erwerbsarbeit auf ein Normalmaß zu reduzieren, nur um dafür tiefer in die Welt der Kulturproduktion einzutauchen. Als alter Bürgerradiohase befasse ich mich unter anderem, stets auf dem neuesten medialen Diskurs befindlich, zur Zeit mit der Produktion eines Podcast, mit dem Ziel Senior-Influencer zu werden. Ich habe also 24 Stunden am Tag zu tun, und weil ich damit nicht hinkomme, nehme ich die Nacht dazu.
Und dann sowas.
Die Geschichte war auf der Rentenfeier ein Brüller. Die Leute lagen am Boden vor Lachen, von wo sie wegen künstlicher Hüftgelenke dann nicht mehr hochkamen.
Ich aber entschloss mich, die Vorgesetzten des Mannes zu informieren. Natürlich nicht mit einer Beschwerde, sondern mit einem Lob über dessen Kommunikationskompetenz. Letztlich bin ich Sportsmann und kann einen guten Gegner würdigen. Schöne Geschichten sind das Salz in der Suppe des Lebens und zu Weihnachten kriegt er im notorischen Briefumschlag einen Extraschein als Leistungszulage.
Ich bin ein Verfechter der Leistungsgesellschaft, zumindest, was mich selbst angeht.

08.09.2019 – Erbauliches zu Pfingsten für alle Heiden


Ente als Mauerspecht. Wollte sie in die Notaufnahme des nahegelegenen Krankenhauses, die hier abgebildet ist? Vielleicht hatte sie Stopfleber? Wir wissen es nicht. Der Anblick erweckte in mir unterschiedliche Gefühle: eine gewisse Zuneigung der Ente gegenüber, weil ich nach wie vor im Innern überzeugter Donaldist bin und eine tiefe Zuneigung zu Mauern, weil ich nach wie vor, seit nunmehr 30 Jahren, im Innern eine tiefe Abneigung gegen den Fall der Berliner Mauer, der ganzen Zonengrenze und überhaupt des ganzen Eisernen Vorhangs hege und den darauf folgenden Gang der Geschichte, wie sie nun mal gelaufen ist.
Was zeichnet den gemeinen Homo Ostzoneniensis aus? Empathielosigkeit, Undankbarkeit, Niedertracht, ach, ich schenke mir die zweifellos seitenlange Aufzählung all der Abgefeimtheiten, derer das Menschengeschlecht fähig ist, und die sich komprimiert in der Seele, so sie überhaupt eine haben, dieser ostzonalen Lehmklumpen versammeln. Wenn ich an die Ergebnisse der Landtagswahlen im Herbst in der ehemals russisch besetzten Zone denke, läuft mir jetzt schon die Galle über: Die politische Landkarte wird da tiefbraun eingefärbt.
Welche Lösungen gibt es für dieses Problem? Mir fallen nur welche ein, die auch nur satirisch niederzuschreiben mir meine zutiefst humanistische Gesinnung verbietet. Außerdem würde ich mich dann in die ethische Nähe dieser braunen Horden begeben und diese Grenze überschreite ich nicht. Was bleibt? Ich präge ein neues Schimpfwort: „Du Sachse, Du!“, was auf der Verabscheuungsgradskala von 1 bis 10 den Grad 11 erhält und überlege, am 13. August, Betonung auf der ersten Silbe, eine Performance zum Wiederaufbau der Mauer zu machen, am Brandenburger Tor. Mauern hab ich genug.

Mauer-Beispiel, von der Einheitsfeier 2014, 2. Und 3. Oktober in Hannover, mit der Forderung „Die Mauer muss weg“. Auch wenn die zwischen Arm und Reich gemeint war, überkommt mich eine gewisse Scham, das zu gefordert zu haben. Richtig wäre gewesen: „Die Mauer muss wieder her, 3 Meter höher als vorher!“
Was kann ich zu meiner Entschuldigung sagen? Es war für meinen Job bei der LAK, ich brauchte das Geld und war Ruhmsüchtig. Der Ministerpräsident war an unserer Mauer und sehr erfreut. Meine Karriere schien grenzenlos. Pater peccavi in caelum et coram te jam non sum dignus vocari filius tuus …. ! (Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und gegen dich, ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen. Ich irrte umher, wie ein verlorenes Schaf. Befreie mich aus dem Elend. Rette meine Seele von der Not und Bedürftigkeit und mache mich zu einem deiner Tagelöhner. Nein, ich bin nicht würdig, dein Sohn zu heißen)
Für alle Heiden da draußen: Das ist Evangelium Lukas, Kapitel 15.
Sonnige Pfingsten, liebe Leserinnen!

06.06.2019 – Bei der SPD geht’s zu wie im Führerbunker


Thermometer-Vollausschlag 50 Grad, gestern auf Veranda.
Heute wieder besseres Wetter zum Nachdenken, was ich dankend, aber nicht überschwänglich zur Kenntnis nehme. Vom vielen Denken kriegt man eh nur Schwielen am Hirn. Zu einem Teil meines öffentlichen Denkens benutze ich diesen Blog hier, Schreiben ist das präzisere und auch radikalere Denken. Man ist gezwungen, Zustände auf den Begriff zu bringen. Es heißt ja nicht umsonst präzis-ephemer: Mir gehen Gedanken durch den Kopf. Was eben auch heißt, dass sie durch ihn hindurchgehen, keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Flüchtige Gesellen, die Gedanken dieser Art, anders als jene der Geschriebenen. Wer schreibt, der bleibt. Bei meinen Gedanken der letzten Zeit, beispielsweise zur SPD, zu Fußball, Gendersprache, Öko, ist mir aufgefallen, dass die Beurteilung und Wertung der genannten Gegenstände im Blog, im Schreiben, radikaler ausgefallen ist, als wenn ich drauf angesprochen worden wäre.
Da hätte ich wohl gesagt: SPD, Fußball, Gendersprache, na ja, was soll’s, pillepalle, alles nicht so wichtig, SPD und Fußball peinlich, ist was für Nulltypen und arme Würste, Gendersprache kann man (!!) machen, ist aber Nebenkriegsschauplatz dritter Ordnung.
Geschrieben las sich das hier anders, ausführlicher und im Urteil radikaler.
Schreiben macht ehrlicher; der flüchtige Schwindel, die mäandernde Ausflucht sind eher mündliche Dinger.
Ich war davon ausgegangen, dass die genannten Themen bei mir durch seien. Ich neige eh zur Redundanz und Weitschweifigkeit. Aber so einfach ist die Welt da draußen nicht gestrickt als dass sie dem eigenen Willen freien Lauf lässt.

Ich radelte unlängst an der Berliner SPD-Parteizentrale vorbei, dem Willy-Brandt-Haus, und dachte mir meinen Teil angesichts des Würfels aus Rost, dem Stoff, der wie kaum einer vom Zerfall spricht. Und der auf der Kippe steht, bereit, jederzeit zu fallen – Symbolik, Dein Vorname ist platt. Und kaum war dies gedacht, kam ich eine Minute später an der Wilhelmstr. vorbei, wo an der Gedenkstätte „Topographie des Terrors“ ein Hinweisschild auf den ehemaligen Führerbunker steht.
Diese beiden Orte verknüpften sich in meinem Schädel zu einem Gedanken: In der SPD-Parteizentrale geht’s zu wie im Führerbunker in den letzten Tagen des Krieges. Das dem Untergang geweihte Führungspersonal eines zusammenbrechenden Reiches verschanzt sich fernab jeder Realität in einem monströsen Bau und diskutiert irrsinnige (Er-)Lösungsmöglichkeiten.
Im Fall des Dritten Reiches war es der von den Bunkerinsassen herbeidelirierte Einsatz der Armee Wenck, die den Führerbunker vor der Roten Armee schützen sollte. Genauso gut hätte man auf den Einsatz der Avengers gegen die Bolschewisten wetten können.
Im Fall der SPD war es der von den Bunkerinsassen diskutierte Einsatz von Olaf Scholz als Parteivorsitzender, der die SPD vor dem Zerfall retten sollte. Genauso gut hätte man auf den Einsatz von Willy Brandt als SPD-Retter wetten können.
Man zieht ehrfürchtig vor dem Leben den Hut, schweigt und vermeldet abschließend folgende Fußnote der Geschichte:
Die Wilhelmstr. hieß früher Otto-Grotewohl-Str., benannt nach dem ersten Ministerpräsidenten der ehemaligen DDR. Grotewohl war SPD Politiker und hatte unter den Nazis mehrfach im Knast gesessen. Das schützte die Otto-Grotewohl-Str. nach der Annexion der Ostzone nicht vor der Umbenennung.
Wir wollten lieber unseren alten Kaiser Wilhelm wiederhaben.

04.06.2019 – Ein bisschen in die Scheiße geritten.


Matrizendrucker Gestetner 320, gesehen in der Ausstellung „DRUCK DRUCK DRUCK“ in der Galerie Körnerpark in Neukölln. Noch bis in die ersten Semester meines Studiums war die Erstellung von Kopien mittels eines Matrizendruckers ein gängiges Verfahren. Von einer Druckvorlage, der Matrize, konnten bis zu 100 Kopien hergestellt werden. Dazu musste die Vorlage über eine Walze genudelt werden, die den Druck produzierte. Typisch war der Spiritusgeruch bei dem Verfahren, weil das zu bedruckende Papier im Druckvorgang mit Alkohol befeuchtet wurde. Dieses Verfahren war also im Gegensatz zu dem nachfolgenden und heute üblichen Kopiervorgang ein sinnlicher Akt, der Körpereinsatz bedurfte und mit intensiven Gerüchen verbunden war, so wie mit typischen mechanischen Geräuschen
Wer das mal gemacht hat, vergisst es nicht. Das heutige Kopieren ist dagegen kein erinnerswerter Akt – es sei denn, man hatte auf der Arbeit zu viel getrunken, wollte mal seinen nackten Arsch kopieren und musste auf der Hut sein, dass nicht gerade irgendein missgünstiger Kollege vorbeikam, schlimmer noch: Kollegin. Ein Beweis dafür, wozu Einen entfremdete Arbeit treiben kann.
Die Ausstellung „DRUCK DRUCK DRUCK“ fand ich sehr gelungen, Zitat Ankündigung:
„Das Projekt DRUCK DRUCK DRUCK bringt die Druckwerkstatt in die Galerie und schafft Raum für unabhängige Print-Gemeinschaften aus Berlin und darüber hinaus. Die interdisziplinäre, multi-formatige Ausstellung erforscht, wie Printmethoden verwendet werden können, um radikale Ziele in der Kunst, der Bildung und der Gemeinschaft zu erreichen.“
Das wurde mit diversen Objekten belegt, unter anderem aus dem Archiv der Jugendkulturen.

Darunter viele Fanzines, also kleine Zeitungen von Fans für Fans, oft per Hand zusammenkopiert und geheftet, in Kleinstauflagen, vom Mainstream unbeachtet, die meist nach wenigen Nummern nicht mehr existierten. Es gibt kaum ein, meist jugendbewegtes, Thema, zu dem es kein Fanzine gibt.
Die Ausstellung hatte also viel mit Eingreifen, Aktion und radikaler Veränderung zu tun, eins meiner Themen. Und sie interessierte mich auch auf professioneller Ebene, da ich selber das eine oder andere Mal eine Zeitung herausgegeben habe, wie die HALZ, die Hannöversche Arbeitslosen Zeitung.

HALZ Nr. 3, 2003, zur Agenda 2010. Mit meinen Prognosen lag ich nicht schlecht, u. a. was die SPD als Verliererin der von ihr losgetretenen Agenda 2010 anging. Dass die Grünen Opportunistinnen reinsten Wasser sind und jede Schweinerei mitmachen, war mir nicht erst 2003 klar. Das wusste ich im Moment ihrer Gründung.
Leider brachte die Ausstellung eine verborgene Saite in mir zum Klingen. Die HALZ und andere Projekt von mir waren (meist) politisch relevant, sinnvoll, hatten ein Kollektiv von Macherinnen, klare Zielgruppen, relativ hohe Auflagen und Verbreitungsanspruch.
Ich wollte aber einmal in meinem Leben ein Projekt machen, konkreter: eine Zeitung, die vollkommen irrelevant ist, sinnlos, kein Kollektiv, keine Zielgruppe, kein Anspruch, in höchster Qualität, handgesetzt, Auflage maximal 5 bis 10 Stück, eine Zeitung, die nur mir gefällt, ausschließlich mit Themen, die mich interessieren, begeistern, whatsoever. Wenn Sie so wollen: ein Klaus-Dieter-Gleitze-Fanzine, von Klaus-Dieter Gleitze für Klaus-Dieter Gleitze.
Das Leben hat es bisher anders gewollt. Und insofern hat mich mein Ansatz, mir auch draußen im Leben Anregungen und Impulse zu holen, dieses Mal ein bisschen in die Scheiße geritten, weil es die Erinnerung weckte: Da ist noch was nicht erledigt.
Und das, wo jetzt der Sommer kommt, mit Grill, Garten, Badeteich. Das wird doch nie was.
Auch egal.
Sonnige Tage, liebe Leserinnen.

30.05.2019 – Mein Gott, liegt hier irgendwo ein verwesender Iltis?!


Rosen auf dem Frühstückstisch.
Gut, dass es kein Geruchskino oder -Internet gibt. Es reicht, wenn unsere Sinne hauptsächlich über Hören und Sehen malträtiert werden. Mit dem Schmecken als Sinn ist es insofern einfacher, als wir uns die diesbezüglichen Belästigungen am ehesten aussuchen können. Wenn mir ein Wein nicht conveniert, schütte ich ihn ins Klo. Das Schmecken ähnelt da dem Tasten, dem vermutlich am wenigsten erforschten und geschätzten Sinn des Menschen. Wenn mir was eklig ist, fasse ich es nicht an.
Im obigen Rosen-Bildfall ist es allerdings außerordentlich bedauerlich, dass Sie, liebe Leserinnen, die Geruchsempfindungen mit mir nicht teilen können. Alle fünf Sorten riechen völlig unterschiedlich und über alle Maßen bezaubernd, vom blumigen, zarten Teeton bis hin zu betörend-üppigen Mangonoten.
Keine der Rosen war besonders teuer, das sind keine Edelrosen. Das Vergnügen ist ein kurzes, im Gegensatz zu Schnittrosen sind diese hier auf Duft und nicht auf Haltbarkeit gezüchtet. Dafür halten Schnittrosen eben lange in der Vase und obendrein haben sie den Vorteil, dass sie männlichen Einfaltspinseln, denen nichts anderes einfällt, Liebeserklärungen an die Dame ihres Herzens erleichtern. Rote Rosen, was n Brüller. Da halte ich eine Kiste Bier für erheblich origineller und nachhaltiger.
Ich für meinen Teil trainiere neben meinem Hang zum Luxus der Sinne an diesen Rosen auch ganz praktisch meinen Geruchssinn, der wird im Alter nicht besser, sowas kann man aber schulen. Das macht auch insofern Sinn (!), als es eine übertragbare Fähigkeit ist, zum Beispiel auf Weine, aber auch auf Vulkane. Wenn Sie irgendwo in der Natur herumstromern und riechen auf einmal H2S, wissen Sie: „Potzdonner, hier ist vielleicht ein Vulkan in der Nähe“.
Komischerweise wird mit dem Nachlassen der Sinne die Ekelschwelle ausgeprägter. Ich für meine Teil fühle mich immer öfter immer intensiver von Gerüchen, Tönen, Bildern belästigt. Eigentlich sogar von kompletten Individuen. Ohne als Misanthrop mich zu gerieren, geht mir die Mehrzahl der Zeitgenossen auf den Sack. Beweis? Der heutige Vatertag reicht dafür völlig.
Eine Schule der Sinne ist als ästhetische Bildung auch eine umfassende. Sie bildet eine Grundlage für das Verstehen des Lebens (kleiner hab ich’s gerade nicht, ich kann hier nicht stundenlang an Formulierungen feilen, mein Zug geht), weil sie die Fähigkeit zur Differenz ausprägt. Nur der differenziert denkende und fühlende Mensch kann sich dem Humboldtschen Bildungsideal nähern.
Das lassen wir mal so wirken. Das Nachwirken eines Weines im Mund misst man übrigens in Caudalie, die höchsten Caudaliewerte haben nach meiner Erfahrung Portweine. Die Maßeinheit für Geruch lautet Olf. Ein Olf ist die Geruchsbelastung, die von einem Normmenschen (erwachsene Person mit einem Hygienestandard von 0,7 Bädern pro Tag, 1,8 m² Hautoberfläche und bei sitzender Tätigkeit) ausgeht. In Zukunft werde ich bei Geruchsbelästigungen von Mitmenschen lauthals von mir geben: „Mein lieber Olf!“
Ich haben schon mal angesichts eines monströsen Stinkers neben mir am Kiesteich laut von mir gegeben: „Mein Gott, liegt hier irgendwo ein verwesender Iltis?!“ Hilft nix, der Stinker an und für sich riecht sich selbst zuletzt.

Ich aber, obwohl in diesem Leben nichts mehr werden wollend, habe mich kurzfristig entschlossen, doch noch den nächsten Schritt meiner Karriereleiter zu besteigen, siehe Bild. Es wäre doch eine Schande, wenn derartig stupendes Wissen nur der geschätzten Leserinnenschaft meines Blogs vorenthalten bliebe.

28.05.2019 – Ich bin kein Mann des Glaubens, aber ….


Gesehen auf der Demonstration gegen Antisemitismus am 27.05.2019 in Hannover, aus Anlass eines Brandanschlags auf ein jüdisches Ehepaar in Hannover . Im Hintergrund zwei Plakate der faschistischen Partei „Die Rechte“, eins mit der Aufschrift „Israel boykottieren“, die zeitgemäße Übersetzung des nationalsozialistischen „Kauft nicht bei Juden“. Die hiesige Staatsanwaltschaft hat es nach Wochen immer noch nicht geschafft, die Abhängung dieser volksverhetzenden Machwerke anzuordnen. Dummheit, Faulheit, Niedertracht oder Komplizenschaft?
Ich musste mich zu dieser Demo regelrecht aufraffen, das war aus der Neigung geborene Pflicht zur Solidarität. Ich hab’s aber natürlich nicht bereut.
Das Wetter war angenehm, freundliche Menschen und der Lerneffekt ist bei solchen öffentlichen Veranstaltungen immer größer als.. jeder Blick in ein Buch oder eine Zeitung. Mit dem Blick ins Buch, in die Zeitung oder gar ins TV verstellt man sich im Zweifel sowohl den in das Leben als auch sich selbst vor dem Leben. Interessant fand ich bei den Ansprachen, wie sich in kurzer Zeit flächendeckend zumindest bei Offiziellen die Gendersprache auch in der gesprochenen Form durchgesetzt hat, also die kurze, wahrnehmbare Pause bei beispielsweise „Politiker*innen“ zwischen „Politiker“ und „innen“. Was eben auch im Bedeutungsgehalt etwas anderes ist als die von mir in diesem Blog oft gepflegte rein weibliche Form, das wäre, im Beispiel bleibend, das durchgesprochene: „Politikerinnen“.
Es geht also und bedeutet nicht den Untergang des Abendlandes, wie weiße, alte Dudenmänner in ihrem hysterisierenden Gebell gegen den Genderismus behaupten. Besagte weiße, alte Dudenmänner können Sie, liebe Leserinnen, übrigens mit einer einzigen Frage aushebeln: „Warum benutzen Sie nicht konsequent die rein weibliche Form zur Abwechslung für die nächsten 10 Jahre, als Ausgleich für die rein Männliche der letzten 200 Jahre? Das lässt Ihr so heißgeliebter Duden doch zu…“
Sie werden auf die Frage nur Gebrabbel erhalten, bei denen sind Argumente sinnlos, da sie sich Angstgesteuert, überfordert und Ressentimentgeladen verhalten. Insofern ähneln sie strukturell den Fahnenschwenkern auf der Demo.

Iranische Fahnenschwenker auf der Antisemitismus-Demo.
Diese aus Niedertracht, Empathielosigkeit und Steindummheit geborene Provokation, der Iran steht wie kein anderer Staat für Israelhass, wurde von den Demonstrierenden mit Gelassenheit ignoriert. Auch bei solchen fahnenschwenkenden Idioten reichte, ginge es nach Verstand und Sinn, eine einzige Frage, um die hasserfüllte Verbohrtheit ihrer Position zu verdeutlichen: „Was würde passieren, wenn auf der nächsten Al Quds Demo in Berlin jemand eine Israel-Flagge schwenken würde?“
Der al-Quds-Tag oder ‚Internationaler Jerusalemtag‘ ist im Iran ein gesetzlicher Feiertag. Er wird alljährlich zu staatlich organisierten Massendemonstrationen gegen Israel genutzt, bei denen die „Befreiung Jerusalems von den zionistischen Besatzern“ und immer wieder die Vernichtung Israels gefordert wird. Auch in Berlin versammeln sich dazu regelmäßig rechte und linke Antisemiten, wie am 1. Juni wieder zu beobachten sein wird. Wer dort eine Israel-Flagge zeigt, begibt sich in Lebensgefahr.
In Hannover zeigten auch Vertreter der liberalen muslimischen Gemeinde Hannovers Solidarität gegen Antisemitismus und hoben sich dadurch wohltuend von abwesenden Vertreterinnen der Partei „Die Linke“ ab, die laut Aussage eines anwesenden, durchaus frustrierten Parteimitgliedes und Freundes in der Israelfrage „ambivalent“ ist. Dafür werden sicher wieder Parteigenossinnen auf dem Al-Quds-Tag dabei sein.
Ich bin kein Mann des Glaubens, aber an diesem Tag waren mir die Gottes- und Allah-Anbeterinnen, siehe auch Bild 1, dann doch die Angenehmeren.
So stromerte ich am Ende des Tages völlig platt, aber durchaus mit neuen Ein- und Ansichten in Richtung Homebase.

26.05.2019- Wie ich mich einmal für das Grundgesetz, die Demokratie und Europa aufopferte


SCHUPPEN-68-Aktion „Auf dem Boden des Grundgesetzes“ mit Klaus-Dieter Gleitze & Hermann. 23.05.2019, Hannover-City. (Alle Fotos: Kupas, design.in-fluenz.de)
Am 23. Mai 2019 jährte sich zum 70. Mal der Tag, an dem das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verkündet wurde. Aus diesem Anlass veranstaltete das Künstlernetzwerk SCHUPPEN 68 in Hannover am Platz der Weltausstellung um 12 Uhr eine Intervention mit dem Titel: „Auf dem Boden des Grundgesetzes.“
Dazu breiteten Klaus-Dieter Gleitze und Hermann Sievers vom Künstlernetzwerk SCHUPPEN 68 eine 170 x 240 cm große Plane auf dem Boden aus, auf die jene 19 Paragraphen des Grundgesetzes gedruckt sind, die die unveräußerlichen Grundrechte darstellen.

Passant*innen und Zuschauende waren eingeladen, die Plane zu begehen: sich auf den „Boden des Grundgesetzes“ zu begeben.


Bei einem Quiz zu 70 Jahren deutsche Geschichte gab es dann u. a. gedruckte Exemplare des Grundgesetzes und handsignierte Polaroid-Fotos von der Aktion zu gewinnen. Hintergründe und Details in unserer PM hier PM SCHUPPEN-68-Intervention 70 Jahre Grundgesetz-Auf dem Boden des Grundgesetzes

Das Wetter war milde, die Aktion wohl durchdacht, gut geplant und durchgeführt, machte den Beteiligten Spaß, es gab wie immer bei Straßenaktionen Überraschendes, Lehrreiches, Spannendes, für alle Seiten.
Es fehlte nur ein entscheidendes Moment, das, was die Aktion zum Erfolg und letztlich zur Kunst gemacht hätte: Medienberichte.
Die Frage, was ist eigentlich ein Künstler, habe ich für mich dahingehend entschieden: Da wir in einer Mediengesellschaft leben, derjenige, dem die Medien das zuschreiben. Das tun sie bei mir, seit vielen Jahren. Es gibt andere Kriterien, wie: entsprechender Abschluss an einer Kunsthochschule (der deutsche Ansatz), wer sich selbst als Künstler bezeichnet (Der Beuyssche Ansatz), der Erfolg am Kunstmarkt (siehe der Kunsthandwerker Jeff Koons ) oder gar die Qualität der Arbeit (der idealistische Ansatz).
Nach meinem Ansatz, wonach in der Kunst nur das stattgefunden hat, was in den Medien stattgefunden (siehe Marshall McLuhan), wäre unsere Intervention zum Grundgesetz nur dann ein Kunstwerk, wenn auch die Medien darüber berichtet hätten. Das haben sie nicht, was bei meinen Aktionen, ob künstlerisch-privat oder beruflich, die absolute Ausnahme ist. Entsprechend war ich angepisst, schließlich kostet so eine Aktion einen ziemlichen Aufwand, allein der Alkohol bei den Planungssitzungen schlägt erheblich zu Buche. Der Zeitaufwand ist nicht zu unterschätzen, alle Kunst sollte immer auch ein Prozess der Selbstaufklärung sein, und insofern können wir jetzt aus dem Stand Seminare zur Genese und Exegese des Grundgesetzes halten.
Ich hatte allerdings vorher schon ein unsicheres Gefühl, was ich sonst bei öffentlichen Interventionen fast nie habe. Da bin ich immer sicher: Passt. Hier fehlte wohl irgendwie der neodadaistische Kick, da schimmerte zu sehr der Überzeugungstäter durch, und die Transzendenz, der ästhetische Mehrwert waren nicht expressiv genug. Sowas wäre eher eine sozialpolitische Aktion für die Landesarmutskonferenz gewesen.
So hatte ich mich offensichtlich für das Grundgesetz, die Demokratie und Europa aufgeopfert.
Spaß hat’s trotzdem gemacht, ich bin nun mal ne Rampensau, die sich am wohlsten im Gewühl der Großstadt mit all ihren liebenswerten, schrägen, durchgeknallten Existenzen fühlt.
Sonnigen Sonntag, liebe Leserinnen, und gehen Sie bloß zur Wahl!