Kategorie-Archiv: Schuppen aktuell

15.08.2017 – Frisch verliebt im Wahlkampf

frisch verliebt
Eines Morgen stand sie da, in meiner Küche, und eroberte mein Herz im Sturm. Im Nachhinein betrachtet war sie schon ein Luder, die wusste, wie man Männer um den Finger wickelt. Eine Mischung aus Lulu und Carmen, nur ohne deren mörderische Konsequenzen (warum müssen Männer, wie Wedekind und Bizet, in ihren Werken die Frauenheldinnen eigentlich dauernd ermorden?). Sie schmiegte sich bei jedem Schritt von mir derartig an meine Beine, dass ich kaum gehen konnte, brummte und schnurrte, dass es eine Wonne war. Und dieser Blick und dieses klägliche Miauen. Wer könnte da widerstehen? Ich überhäufte sie in den ersten Tagen unserer jungen Liebe mit Leckerlis, die ein Vermögen kosteten Die Geschichte ging nicht gut aus. Sie hat einen Chip mit Besitzerangaben. Es brach mir das Herz. Nie werde ich sie vergessen. Meine Liebe wird ewig währen.
Aber vielleicht kommt ja mal wieder eine Neue. Der Garten ist groß und die Wege des Herrn resp. der Frau sind unergründlich.
Ich aber beschloss, mich der Politik zuzuwenden. Was nicht schwierig ist, schließlich ist Wahlkampf. Bundestagswahl am 24.09 und Landtagswahl Niedersachsen am 15.10, vorgezogen auf Grund des schnöden Verrats einer grünen Abgeordneten. Ich hörte am Tag nach ihrem Verrat ein Interview mit ihr im Deutschlandfunk, ich habe selten ein derartiges Gestammel, dauernd unterbrochen von nervösem Hüsteln, gehört. Mich erinnerte sie an Lady Macbeth, die mit ihrem Verrat nicht glücklich wurde. Um genau zu sein, sie wurde wahnsinnig. Vermutlich aber wird der Judaslohn hoch genug sein, um die Wunden bei Frau Twesten zu heilen.
Ich werde in beide Wahlkämpfe intervenieren, mit öffentlichen Aktionen, Videos, Kunst, Medienarbeit. Das gehört zu meinem Job, ich würde das aber auch so machen. Die Zeiten, in denen sich ein undogmatischer Linker genervt aus den Niederungen der Alltagspolitik, wie Wahlen, heraushalten konnte, sind vorbei. In den goldenen Zeiten des Kapitalismus, in den 60ern und 70ern mit Ausbau des Sozialstaats und Anwachsen der Lohnquote, spielten verwöhnte Bürgerkinder noch Revolution mit Ringelpietz und Anfassen, da konnte man noch ohne schlechtes Gewissen am Wahltag mit Kater-Kopf im Bett verbringen. Kaum wurde der Gegenwind damals etwas heftiger, war Schluss mit Kindergartenlustig. Der Gang der Geschichte ist bekannt.
Mittlerweile erodiert die Gesellschaft von der Mitte her. Das ständige Getröte „Uns geht es so gut wie nie, weiter so“ erinnert an das Pfeifen im Walde. Das ist keine Zustandsbeschreibung, das ist Angstsymptom. Die Bürgerkinder von früher, die heute Bürgereltern sind, wissen, dass ihre Bürger-Brut auf dem absteigenden Ast sitzt, einem absteigenden Ast, an dem alle kräftig sägen. Die von Psychopharmaka nur notdürftig gedämmte Wut kommt aus der Mitte und richtet sich gegen das Außen. Sach ich mal als Kassandro (für alle mit Abitur vom zweiten Bildungsweg: männliche Form von Kassandra).
Und was soll man da machen? Dazu demnächst mehr. Ich muss jetzt ackern. Der Wahlkampf ruft. Aber bleiben Sie drin, liebe Leserinnen!
Und was bleibt, wenn alle Stricke reißen? Entertainment:
potsdamer-platz
The bright lights of the cities.
Potsdamer Platz Berlin, bei Nacht.

14.08.2017 – 12 Stunden bei 79 Grad gegart

79-grad
Der Kundige weiß sofort, dass es sich hierbei um die Sous-Vide Gartechnik handelt.
Dandys und Connaisseurs nehmen das augenzwinkernd zur Kenntnis und garen ihren Braten auch schon mal bei 80 Grad, damit demonstrierend, dass sie sich lässig und radikal über alle Regeln hinwegsetzen. Interessant fand ich bei dem Foto, dass das so zubereitete Gericht öffentlich via Aufsteller dem breiten Publikum vulgo dem Plebs feilgeboten wurde. Gesehen beim 200 Jahre alten Traditionshaus Lutter & Wegner in Berlin am Gendarmenmarkt.
Ich finde das nicht degoutant oder dekadent. Die Erziehung – und Öffentlichkeit ist immer auch Schule, Erziehung, indem wir uns in die Öffentlichkeit begeben, lernen wir – zu Genuss und Ästhetik sollte immer auch ein Anliegen von Linken sein. Einer der bedauernswertesten Irrtümer vor allem männlicher Genossen früherer Zeiten, als es noch nennenswert Linke gab, war, dass Linke proletarisch, ungehobelt, kulturarm und schlecht riechend mit schwarzen Fingernägeln den Weg zur Revolution beschreiten sollten. Gottseidank hat das ja dann mit einer Revolution im Sinne dieser Hohlköpfe nicht geklappt. Nur ein allumfassend gebildetes Individuum ist annähernd davor gefeit, den Terror der Gerechtigkeit und Tugend zu verbreiten. Terror wie ihn in der französischen Revolution zum Beispiel die Unbestechlichen um Robespierre und St. Just verbreitet haben. Louis Antoine de Saint-Just muss ein fulminanter Redner gewesen sein, sowas fasziniert mich immer.
Unbestechlichkeit finde ich allerdings eher bedrohlich. Jeder Mensch hat seinen Preis. Keine Mauer ist so hoch, als dass sie nicht ein mit Gold beladener Esel übersteigen könnte, altes persisches Sprichwort. Da hat er mal recht, der alte Perser. Es geht nicht nur um materielle Dinge wie Geld. Es geht auch um Ruhm, Anerkennung, Liebe, Macht. Auch damit kann man vom Pfad der Tugend gelockt werden. Ich bin für Geld, Jobs, Aufträge etc. kaum zu haben, in dem Sinne bin ich eher nicht käuflich (mich will ja auch kaum jemand kaufen). Aber für den Jahrmarkt der Wichtig- und Eitelkeiten bin ich durchaus empfänglich:
einladung
Persönliche Einladung. Ich steh auf sowas. Ich bin auf das Büffet und den Wein gespannt.
Und nun zum Wochenstart, liebe Leserinnen, an Sie die Frage: Wie hoch ist Ihr Preis?
Und lassen Sie sich bei dieser Gewissenserforschung durch den derzeitig öffentlich wallenden Diskurs von Tugendhaftigkeit, der Notwendigkeit von korrekter Ernährung, gestählten Körpern, Alkohol- und Nikotinabstinenz und ökologischem Furor nicht verwirren: je intensiver öffentlich die Tugend gepredigt wird, desto verrotteter sind die Verhältnisse.
Prost! Ich zünd mir dann mal ‘ne Tüte an.

04.08.2017 – Breitbeinige Männer mit verseuchten Eiern

breitbeinige männer
Hannoversche Allgemeine, 02.08.2017
Damit Zivilisation und Kapitalismus funktionieren, muss unsere ursprüngliche Natur gezähmt werden. In uns allen lagert daher eine dicke Schlacke von Pflichterfüllung, Ordnung, Disziplin, Triebverzicht, Ratio über einem Rest glimmender Glut von anarchischem Begehren nach wilder Freiheit und schierem Wahnsinn. Bei den meisten dürfte die Glut völlig erloschen sein, aber bei ganz Wenigen in seltenen Momenten bricht sie durch, züngelt wild und lustvoll für Zeit-Bruchteile durch den Alltag, oft hinter dem Rücken aller Beteiligter, unbewusst.
Ich merk sowas aber sofort. Als ich obige HAZ aufschlug, wusste ich: Diese Überschriften-Montage ist einer jener seltenen Momente, dieses Mal beim Allgemeine-Säzzer (so nannte man das früher, als noch in Bleilettern gesetzt wurde. Deswegen kriegten Drucker und Setzer, die intellektuellen Speerspitzen der früheren Arbeiterbewegung, auch immer kostenlos Milch am Arbeitsplatz zur Bleiabsorption). Jaaa, Genosse Säzzer, knall der kapitalistischen Fratze die Montage-Faust der verseuchten Eier in die breiten Männerbeine. Auf der Titelseite! Nur die Montage bringt die nackte Wahrheit ans Licht! Wie hieß es doch anno 68 bei den MC 5: Kick out the jams! (Hier in der gezähmten 69er Version)
Was die heutige Jugend, die, wie wir wissen, nichts taugt, übersetzen würde mit: „Tretet die Marmelade wech!“ Wobei ich meine Neffen und Patenkinder da ausnehme. Mit diesem überaus gelungenen Teil der Jugend werde ich das hiesige Fährmannsfest frequentieren, das nach Hochwasser-Überflutung aussieht wie eine Mischung aus Woodstock und Wacken, nämlich verschlammt ohne Ende.
wacken-II
Wacken II.
Bin mal gespannt, ob sich die heutige nichts taugende Jugend nachher da wie weiland die Hippies in Woodstock nackt im Schlamm wälzt. Ich hab meine Kamera dabei und halte Sie, liebe Leserinnen, auf dem Laufenden. Bleiben Sie drin, stay on tune!
Ungerecht finde ich diese dauernden Jahrhundert-Unwetter insofern, als ich zunehmend direkt davon betroffen werde. Dabei bin ich einerseits kein Öko, hab andererseits aber auch einen für BRD Verhältnisse minimalen Öko-Fußabdruck. Ich hab also mit diesem ganzen Klima Kram nichts zu schaffen, ich halte mich da raus. Und trotzdem fliegen in meinem Lieblingspark, dem Körnerpark in Neukölln, so wie gestern dauernd die Bäume um. In Berlin ist der Ausnahmezustand die Regel. Falls Sie, liebe Leserinnen, nichts mehr von mir hören, ich bin nächste Woche in Berlin…. Behalten Sie mich & diesen Blog dann so in Erinnerung, wie ich es gerne hätte.

31.07.2017 – DAS nehme ich persönlich

Mein Stammplatz seit 20 Jahren
Mein Stammplatz am Kiesteich. Seit 20 Jahren.
Und nun macht sich das Hochwasser da breit. DAS nehme ich persönlich. Jetzt muss ich zum Schwimmen woanders hin. Ich hasse Änderungen meiner Alltagsroutine. Ansonsten geht mir das Hochwasser-Gejammere am Arsch lang. Das kommt bei unserer Produktionsweise eben raus, deren Fetisch immer noch das BIP ist, eine Wachstumsorientierte und Klimazerstörende Größe. Ich bin kein Öko, aber dass solche Standards eher an ein Kleinkind erinnern, das vor einem herannahenden Auto die Augen verschließt und glaubt, die Gefahr sei nicht da, leuchtet sogar mir ein. Klassischer Fall von gesamtgesellschaftlicher Regression. Dazu passt, dass die Betroffenen, deren Keller nass geworden sind, ein Gezeter anstimmen, als ob Mutti ihnen die Rassel weggenommen hätte. Und schlimmstenfalls beschimpfen und beklauen sie noch die Rettungskräfte, die ihnen helfen. Wie sagte doch Friedrich Hölderlin über die Deutschen so treffend: Barbaren von Alters her.
Ich will hier ja nicht dauernd den Oswald Spengler für Notabiturienten und Postmarxisten geben, daher wieder die Frage: Und wo bleibt das Positive? Hier: BIP erinnert an RIP und das ist doch mal ‚ne lustige Volte der Geschichte. Lustig ist immer positiv. Wie das hier:
Bild (1)
Jugendsünden: DDR Fahne, Marihuana ähnliche Pflanze, SCHUPPEN 68 Kassenhaus und ein Sonnenschirm aus dem Gruselkabinett.
Alles verjährt. Die Jugend darf ruhig mal über die Stränge schlagen. Dass aber die heutige Jugend nichts taugt ist seit Sokratischen Zeiten bekannt. Glauben immer, sie hätten das Rad und das Feuer erfunden. Lieblingsbeschäftigung von Hiphoppern und ähnlichem Diebesgesindel ist ja das Sampeln und weil ihnen sonst nichts weiter einfällt, packen sie die Samples in Loops. Und weil ihnen eigentlich überhaupt nichts einfällt, beklauen sie die Musikgeschichte von vorne bis hinten (= samplen) und erzählen ihren Kumpels dann: „Ey, geil, Digga, hör Dir ma die krassen Beats an, die ich erfunden habe.“
Es war aber alles schon mal da. Der bekannteste Break im Hiphop basiert auf dem der Band „Mountain“, vom Schlagzeuger Corky Laing, von 1969, den man hier in einem sauber geschnittenen Loop hören kann .
So hört sich das im Ganzen an, die Version ist aber nicht aus Woodstock, anders als bei Youtube behauptet. Arbeitet denn außer mir niemand mehr exakt? Wobei: ich habe eben noch mal den Jugendsünden-Bildnachweis verifiziert. Also die 20 resp. 30 hatte ich da schon deutlich überschritten. Sehr deutlich…. ooops.

30.07.2017 – Koi oder koi Koi?

Ohne-Titel-1
Schwarm in meinem Teich, der unlängst anlässlich des Grillbesuchs eines Freundes fischtypisch in der Abenddämmerung an der Oberfläche rumlungerte. Der Freund war regelrecht enthusiasmiert: „Das sind doch Kois! Die sind doch teuer! Was kosten die denn?“
Ich ließ aus mehreren Gründen offen, ob das Kois oder wie der Schwabe sagen würde, koi Kois sind, sondern eher Shubunkin: „Über Geld redet man nicht, das hat man, werter Freund.“ Er kam aber immer wieder darauf zurück, so dass ich ihn final beschied: „Wenn bekannt würde, und ein Dementi liefe in diesem Fall auf sein ganzes Gegenteil hinaus, dass ich einen Schwarm Kois besitze, leidet meine Reputation, also lass uns das Thema beerdigen.“
Damit war das Thema endgültig in der Welt. Und meine Mail am nächsten Tag, in der ich darauf insistierte, dass ich weder einen Kohaku im Wert von 3.000 Euro besitze, noch dass meine Fische 70 cm lang sind, und dass Kois als Wert-Anlage auch sehr volatil sind, weil ständig der böse Reiher droht, schien ihn auch nicht zu beruhigen. Im Nachhinein wäre es besser gewesen, der Schwarm Gründlinge (Stückpreis 1,45 Euro) wäre an dem besagten Tag an der Oberfläche gewesen. Aber die hängen wie der Name schon sagt, am Grund ab, und sorgen da für Sauberkeit. Ich hab ehrlich gesagt gar keine Ahnung, ob es die überhaupt noch gibt.
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Geben tut es nach wie vor unsere palästinensischen Genossinnen, die mir mit einer Demo in der hiesigen City neulich das Shoppen vermiesten, wozu nicht viel gehört, weil Shoppen in der City zählt nicht zu meinen 15 Lieblingsbeschäftigungen. Es steht mir nicht zu, die Demonstrierenden zu kritisieren, die mitunter traumatische Erfahrungen hinter sich haben, von denen ein saturierter Mitteleuropäer noch nicht mal träumen muss. Aber ihre Positionen spiegelten den palästinensischen Katalog wider, der letzten Endes das Existenzrecht Israels in Frage stellt, und natürlich waren auch wieder einige Genossinnen von der hiesigen antisemitischen linken Fraktion dabei. Es hat keinen Sinn, mit wahnhaften Antisemiten zu diskutieren. Denen gibt selbst folgende einfache und fundamentale Logik nicht zu denken: Niemand hindert die Palästinenser hier an der Ausübung ihres Demonstrationsrechtes. Auch in Israel wird niemand daran gehindert, gegen die israelische Palästina-Politik zu demonstrieren oder zum Beispiel eine Christopher Street Parade zu veranstalten.
Wer im Herrschaftsgebiet der palästinensischen Terrororganisation Hamas, im Gaza Streifen, eine Demo veranstaltet, in der er den Terror der Hamas fundamental kritisiert oder für die Rechte von Schwulen eintritt, wäre ein toter Mann oder eine tote Frau. Im buchstäblichen Sinne.
Die Sonne kommt raus, ich hör auf zu schreiben, um mir die Laune nicht weiter zu vermiesen. Sonnigen Wochenstart, liebe Leserinnen.

29.07.2017 – Hoch die internationale Solidarität der Einheitsfront!

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Bei mir um die Ecke. Genossinnen, ich bin ja bei Euch, aber spätestens wenn der Miethai mit 20.000 Euro für einen Auszug lockt, fängt die Einheitsfront an zu bröckeln. Von der Gentrifizierung zum allgemeinen Verfall der Gesellschaft ist es nur ein kleiner Schritt:
Audi wechselt den halben Verstand aus.
Hab ich gestern als Schlagzeile gelesen. Es war aber nur der halbe Vorstand. Absurdes Theater, diese ganze Auto-Posse. Es ist aber nicht die böse Politik, die schuld ist, oder die bösen Unternehmen, dass die böse Luft so dreckig ist, hust hust röchel röchel. Schuld ist die aktuell übelste Ansammlung von Halunk_innen dieses Planeten, eine Bande von Schwerkriminellen, für die ohne jeden Zweifel der Paragraf 129 StGB zutrifft, der die Bildung krimineller Vereinigungen unter Strafe stellt. Die Rede ist von: Eltern. Man gucke sich nur morgens vor den Schulen an, wie diese Bande ihre Brut da ablädt, rücksichtloses Auto-Gedränge und jede Menge SUVs und Zuhause noch den Drittwagen in der Garage. Damit dokumentieren Eltern, dass sie um keinen Preis gewillt sind, ihrer Brut einen Planeten zu hinterlassen, der wohn- und lebenswert ist. Eltern sind schuldig der Zerstörung des Planeten, das ist Weltfriedensbruch und somit viel schlimmer als Landfriedensbruch nach § 125 StGB. Ich plädiere für lebenslänglich mit anschließender Sicherheitsverwahrung und Einweisung nach Bad Klappsmühlen.
Der Zustand unserer Gesellschaft als Summe ihrer Individuen ist ein pathologischer. Jede Einzelne trägt Verantwortung und damit Schuld. Die Vorstände von Audi, VW etc. für ihre Gier zu geißeln ist genauso dumm wie dem Wolf den Schafsriss vorzuwerfen. Das regt mich ehrlich gesagt am meisten auf: die ständige intellektuelle Unterforderung, der ich angesichts der Verstrohdummung dieser Gesellschaft ausgesetzt werde.
Ich bin natürlich Teil der Lösung und nicht Teil des Problems: ich boykottiere Diesel seit Jahren. Meine Dieseljacke ziehe ich seit 2015 nicht mehr an. (Die sieht auch nicht mehr so toll aus, aber erzählen Sie, liebe Leserinnen, das nicht weiter). Und wo bleibt das Positive? Hier:
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Ich und die aktuelle Überschwemmung am hannöverschen Ihme-Zentrum, der größten innerstädtischen Bauruine der BRD (da wohnen aber noch über 2.000 Leute drin). Das ist das Gebäude, vor dem gestern in der Tagesschau der niedersächsische MP Stephan Weil ein Statement abgegeben hat. (Stephan Weil ist übrigens wesentlich witziger als er im TV rüberkommt, siehe hier) . Mein Alter lässt sich kaum noch kaschieren und so hat die Fotografin bei dem Foto einen Unschärfe-Weichzeichner eingeschaltet. Das finde ich – siehe oben – uneingeschränkt positiv und danke Dir, liebe Fotografin. Dafür gibt’s demnächst Freibier und Erbsensuppe.

28.07.2017 – Neues vom Neger

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Jetzt ist sie voll erblüht, die Sonnenblume „Goldener Neger“. Die 252 Zentimeter werde ich ins Guinness Buch der Rekorde eintragen lassen. Die gelben Rosen daneben sind Edelrosen in der zweiten Blüte, aus deren Blütenblättern ich Rosenwasser für kosmetische Zwecke destilliere. In einer aufwändigen Versuchsreihe habe ich festgestellt: Den betörendsten Duft gibt eine normale Heckenrose ab, die ich mal für paar Taler achtlos in eine Ecke als Lückenfüller gepflanzt habe. Da kann sich der englische Rosen-Edel-Adel aber hinter einer deutschen Landpomeranze verstecken. Moral von der Geschichte und damit kommen wir von edlen Gerüchen zu stinkendem, nämlich Eigenlob: Geld allein reicht nicht. Es braucht auch Kennerschaft und guten Geschmack. Gut, dass das Haus (früher hätte man zu den dort herrschenden Umständen nicht „Haus“ sondern „Projekt“ gesagt. Noch früher „Kollektiv“. Heute heißt das „WEG“, und das ist etwas diametral anderes als „WG“), in dem ich wohne, im Anstieg zum hiesigen Mount Everest, dem Lindener Berg, 89 Meter über N. N., liegt. So bleiben Haus, Rosen, Goldene Neger und mein Gemüt von den Wasserfluten der letzten Unwetter verschont. Jede Woche ein Jahrhundert Unwetter. Wie hier:
Hochwasser
Strandbar, überflutet. Mir egal, aber da liegt der Einstieg in den Fluss, die Leine, für eine Aktion von mir, und den sieht man jetzt nicht. Mit anderen will ich von dort bis zur nächsten Brücke schwimmen, auch das eine Kunstaktion, zur Bundestagswahl. Details demnächst an dieser Stelle. Wird nichts am desaströsen Wahlausgang ändern, aber mir macht sowas Spaß und an mir wird es dann nicht gelegen haben. Außerdem gehören solche Aktionen zu meinem Job.
Jetzt muss ich nur noch meinen Body shapen, für das Fernsehen, und den Videoclip, den wir davon produzieren, damit die Damenwelt ob meines Sixpacks aus dem Häuschen gerät. Und hoffentlich ist das Hochwasser bis dahin weg. Dieser Fluss hat eine der stärksten Fließgeschwindigkeiten in Deutschland und ein paar hundert Meter nach unserem Ausstieg kommt ein Wehr. Mir macht das nix, ich hab eine Kampfschwimmer-Ausbildung, aber wenn vom Rest der Truppe welche den Ausstieg verpassen und im Wehr geschreddert werden, komme ich in die Tagesschau. Nur anders, als ich mir das immer vorgestellt habe.
Verantwortung ist eine schwere Last, das merk ich immer mehr.
Ich brauche dringend einen Stellvertreter, dem ich solche Schweinereien dann in die Schuhe schieben kann.

24.07.2017 – Ich hab den Größten

goldener neger 252 cm
Goldener Neger, Sonnenblume, 252 Zentimeter reine Pflanzenhöhe.
Für eine Kunstaktion habe ich mehrere Sonnenblumen vom Typ „Goldener Neger“ angepflanzt, sie erreichen im Freigelände des SCHUPPEN 68 Rekordhöhen, wie frau auf dem Foto sehen kann. Diverse Samentüten habe ich bundesweit versandt und was man so hört, wächst der Goldene Neger prächtig und gedeiht. Aber ich hab den Größten.
Wie man 2017 eine Sonnenblume noch Goldener Neger nennen kann, ist mir rätselhaft. Vor 5, 6 Jahren hätte man noch diskutieren können, ob da Sprachtugendwächter nicht eine zu hohe Messlatte in Sachen political correctness anlegen, wenn sie gegen eine derartige Namensgebung intervenieren. Die Zeiten haben sich geändert. Political correctness ist ein mittlerweile ein Kampfbegriff der Rechten und wendet sich gegen alles, was mit Werten der Aufklärung zu tun hat. Sprache prägt das Bewusstsein und wer schlampig mit der Sprache umgeht, der sollte sein Bewusstsein ab und zu mal durchlüften. Die Diskriminierung des Anderen fängt im Kopf an und spiegelt sich in der Sprache wider.
Man wird den Neger doch wohl noch mal Neger nennen dürfen? Und Kanaken Kanaken?
Natürlich sind meine Freundinnen von der Öko Front wieder ganz vorne mit dabei, wenn es nach rückwärts geht.
demeter goldener neger
Der Goldene Neger, garantiert Öko von Demeter. Ich habe diesen Ökos nie getraut, deren Horizont an der eigenen Getreidemühle endet. Wenn man Glück hat. Wenn man Pech hat, liegt die esoterisch grundierte Blut-und-Boden Ideologie gleich auf dem Nachbarfeld. Und wie die immer aussahen, mit ihren Latzhosen, ungeschminkt und jederzeit da Krawallgebürstet, wo man sich gewünscht hätte, sie würden sich mal die Haare bürsten.
Diese Demeter Samentüte allein bringt mich schon auf die Palme, in einem Deutsch, dass man weinen möchte, und so unprofessionell layoutet, …. Ach, was mache ich mir an denen die Hände braun.
Helianthus annus, so der Gattungsname der Sonnenblume, ist im Demeterfall auch falsch geschrieben. Im annus ist ein „n“ zu viel, und es ist der Ort, an dem ich die Sonnenblume bei den Demetern gerne platzieren möchte, um einen Denkprozess in Gang zu setzen.
Nachtrag zur Messlatte, bei der nicht ganz sicher ist, ob sie liegt oder steht: In der Mitgliederzeitung der IG Metall „direkt“ Nr. 9/2009 hieß es mal zu einer Tarifforderung: Die Messlatte steht. Dazu fand ich eben im Internet diesen Text von mir, aus einem uralten Satireprogramm.
Find ich heute noch lustig. Aber ich frage mich, was da in den Untiefen des Internets noch alles von mir schlummert, von dem ich keine Ahnung mehr habe…

19.07.2017 – Rechtsradikal ab durch die Mitte

Anstatt bei meinem Maßschneider in der Savile Row Anprobe zu machen, tat ich mich gestern mit dem Pöbel gemein und kaufte eine Hose in einem allgemein zugänglichen Geschäft. Degoutant. Und mein Spiegelbild in der Ankleidekabine verhöhnte mich obendrein:
du siehst so scheisse aus
Du siehst so Scheiße aus! Und Hoodies sollte ich auch keine mehr tragen. In der City waren nur Idioten unterwegs, was meine ohnehin auf dem Tiefpunkt befindliche Laune weiter absenkte. Der Wahlkampf warf seine Schatten voraus, er kehrte das Untere nach Oben respektive in die Öffentlichkeit und mir vor die Füße. Zum Beispiel die Partei „DM – Deutsche Mitte“, ein Haufen voller Niedertracht und Lumperei. Wer politische Codes dechiffrieren kann, weiß sofort, dass sich dahinter eine Bande von rechtsradikalen Antisemiten und esoterischen Verschwörungstheoretikern verbirgt.
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Forderungen der Partei „Deutsche Mitte“:
– „Finanzkartell entmachten“ hieß bei Goebbels „Brechung der Zinsknechtschaft“, solche Formulierungen haben immer eine antisemitische Konnotation („internationales Judentum, die Rothschilds und das Bankenkapital“) . Der Gründer der Partei „Deutsche Mitte“ tritt folgerichtig auch als Redner bei Al Quds Demonstrationen auf, bei denen die Vernichtung Israels gefordert wird.
– „Unbeschränkte Souveränität“ ist eine klassische Figur unter anderem der Reichsbürger. Seit dem Vier-plus-Zwei Vertrag 1991 hat die BRD volle Souveränität. Wer das anders sieht, fordert unter anderem auch die Wiederherstellung des Doitschen Reiches in den Grenzen von 1254 oder ähnliches.
– „Förderung alternativer Heilmethoden“ ist eine Chiffre für esoterischen Irrsinn von Impfgegnern, der immer wieder Kleinkindern das Leben kostet.
– Vollends wahnsinnig ist die Forderung nach mehr „direkter Demokratie und Volksentscheiden“. Die Demokratie ist im Moment die Herrschaftsform, die den Staat vor der Gesellschaft schützt. Der Staat ist die letzte Bastion der Zivilisation. Wer das anders sieht, kann sich ja mal Somalia und andere failed states ansehen. Herrschaft des Volkes qua Volksentscheid? Dann wandere ich sofort aus. Nach Somalia.
Der Mob übernimmt das Sagen? Ohne Michel.
Wer es Staatstheoretisch will: Der Faschismus als Herrschaftsform ist der permanente Krieg des Staates gegen die Gesellschaft. Der Kommunismus als Herrschaftsform steht für das Aufgehen des Staates in der Gesellschaft. Theoretisch.
die merkel mafia
Redner der DM mit Merkel Mafia T-Shirt. Rechtsradikal ab durch die Mitte.
Und dann fragte mich einer dieser Troglodyten, ob ich die Deutsche Mitte mit meiner Unterschrift unterstützen würde. Es wurde dann doch noch eine für mich vergnügliche verbale Schlittenfahrt im Hochsommer.
Aber mein nächster Smoking wird wieder in der Savile Row gefertigt.

15.07.2017 – Der Tanz ums goldene Kalb

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Kunstobjekt auf der EXPO 2000 in Hannover. Es scheint sich – siehe Hörner – um eine Darstellung des Bullen zu handeln, der für eine Hausse beim Aktienhandel steht. Für Baisse, also Flaute, Abschwung, steht der Bär. Vor den Börsen der meisten wichtigen Handelsplätze stehen Bulle & Bär Skulpturen, eine vollkommen verschnarchte auch in Frankfurt. Ob diejenigen, die diese Symbolik gesetzt haben, sich über deren hinterlistigen metaphorischen Gehalt im Klaren waren? Schließlich gehören ausgewachsene Bullen zum Beuteschema von Pretadoren wie dem Grizzly. Die Krise frisst uns also letztlich alle. Ins Bild gesetzter Marxismus vor den Börsen dieser Welt – find ich gut.
An das goldene Kalb muss ich im Zusammenhang mit dem vermutlich aufgeklärten Diebstahl der 100 kg Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum denken. Eine 100 kg Goldmünze ohne jeden ironisch gebrochenen Hintergedanken zu prägen, empfinde ich als perversen Kotau vor dem Fetisch „Geld“. Dass tausende Besucher solche Münzen (davon wurden mehrere geprägt) bei Ausstellungen bewundern, ist an platter „Tanz ums Goldenen Kalb“ Symbolik nicht zu überbieten. Die biblische Geschichte ging übrigens nicht gut aus. Unter anderem stiftete Moses im Zusammenhang mit der Zerstörung des Kalbes die Leviten an, 3.000 Israeliten zu erschlagen.
Also hat es mich klammheimlich gefreut, dass die Münze geklaut wurde. Robin Hood und so, künstlerischer Akt mit befreiender antikapitalistischer Wirkung. Gefreut hat mich auch, dass die Täter aus meinem Berliner Kiez, Neukölln, kamen. Die kommen direkt vom Körnerpark, einer zauberhaften Location, an der ich gerne mal für ein Jahr abhängen würde. Das färbt doch auf einen ab: „Du, da wo ich wohne, da klauen sie 100 kg Goldmünzen.“ Da kommt man sich ja fast vor wie ein Gangsta-Rapper. Yo digga, cool mon.
Gedämpft wurde meine Freude durch die Tatsache, dass die Täter vermutlich aus arabischen Clan-Zusammenhängen stammen. Ich verfalle nicht angesichts des Diebstahls in einen „Ausweisen“ Reflex“, dazu sitzt mein Vorbehalt gegenüber dem Prinzip „Kapitalismus“ zu tief. Allerdings bin ich beinharter Anhänger der Werte der Aufklärung, deren Kern ziemlich präzise im Artikel 3 des GG beschrieben ist:
„… (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“
Antisemitismus, Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Homophobie haben also in unserer Gesellschaft keinen Platz. Was das in letzter Konsequenz heißen sollte, nämlich bei massiven und nachhaltigem Verstoß gegen diesbezügliche Straftatbestände, darüber sollten sich auch Linke intensiver einen Kopf machen als bisher. Parallelgesellschaften sind nicht akzeptabel. Nein, das ist kein rechter Kampfbegriff. Natürlich gibt es Parallel-Gesellschaften in unserem Staat. Die zwei Größten heißen: Arm und Reich.
Bild (16)
EXPO 2000 – auch parallel.