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31.07.2021 – Zenit überschritten


Wenn im Garten die Kürbisse reifen und auf den Feldern die Weizenernte eingebracht ist, hat das Jahr seinen Zenit überschritten.
Ich glotz Olympia. Die gleichförmigen Bildwelten erinnern mich an Busreisen von der Algarve nach Lissabon durch das Alentejo. Die gleichförmigen, flachen Landschaften mit Korkeichen, Orangenbäumen und dazwischen gewürfelten Rinderherden hatten beim stundenlangen Draufgucken etwas ungemein Beruhigendes, ja Sedierendes. Alle Unruhe wurde mählich ausgeschaltet, irgendwann auch der Strom der irrlichternden Gedanken und am Ende transzendierte ich in eine andere Bewusstseinsebene, irgendwo anders hin, nur nicht ins Hier und Jetzt, einer Zen-meditation gleich.
Sowas sollte es auf Krankenschein geben, man sollte nur drauf achten, dass die Gedanken irgendwann wieder eingeschaltet werden und die Herzfrequenz nicht dauerhaft auf Null sinkt. Aber Olympia erzählt auch schöne Geschichten, was ja die Essenz des Lebens ist. Ein gelebtes Leben ist die Summe unserer Geschichten. Die Ostgoten hatten wieder einen Ejaculatio praecox und flogen im Fußball raus, bevor es richtig los ging, unter erbärmlichen Umständen. Sie kriegten keine 11 Kicker zusammen, die eine Lederkugel geradeaus treten konnten, weil die Profis und Vereine zu Recht auf den komplett jeder Realität entkernten olympischen Gedanken des „Dabei sein ist alles“ und der „Grenzen überschreitenden Völkerverständigung“ schissen und lieber Zuhause blieben. Von den Schwimmer*innen ist Positives zu vermelden: Bisher ist noch niemand ertrunken.
Wie überhaupt die Mehrzahl der Athlet*innen den Eindruck einer nahezu kollektiven Leistungsverweigerung macht und das zu praktizieren scheint, was aktuell Personaler aller Branchen bei Neueinstellungen so hassen wie die Pest: Dass die Kandidat*innen samt und sonders den Eindruck machen, ihr Mantra und oberste Maxime sei „Work-Life-Balance“. Ich bin der Letzte, der was gegen Leistungsverweigerung hat. Wenn jemand das Mini-Max Prinzip zur Vollendung gebracht hat, dann ich, nämlich mit einem Minimum an Leistung ein Maximum an Effekt zu erzielen, jedenfalls in Jobs des profitorientierten Kapitalsektors.
Ich bin allerdings schon der Meinung, dass man seinen Geldgebern zumindest ein Minimum an Äquivalenz zu Gute kommen lassen sollte, und da habe ich bei „unseren“ Athlet*innen so meine Zweifel. Allein im Bundeshaushalt sind für den Spitzensport 300 Millionen Euro eingestellt, dazu kommen geldwerte Leistungen auf kommunaler und Landesebene sowie die Tatsache, dass eine beträchtliche Anzahl der Spitzensportler*innen beim Staat angestellt ist, Bundeswehr etc, und dort Fulltime-Sport praktiziert.
Stand heute wäre rein rechnerisch jede Medaille mit 18 Millionen Euro allein aus dem Bundeshaushalt gefördert. Mögen es am Ende unter 10 Millionen sein, stellt sich doch die Frage: Wie viele Kindertagesstätten könnte man und frau dafür bauen? Und hat unsere Gesellschaft ihren Zenit überschritten? Abgesehen davon, dass der ganze Firlefanz nur der eitlen Selbstbespiegelung nationalen Größenwahns dient. Wobei hier im Falle BRD von Größe dankenswerterweise nicht die Rede sein kann.
Und Morgen, liebe Kinder, erzähle ich Euch die Olympia-Geschichte von einem Untoten, der als Clown-August aus der Kiste springt.
Es wird ganz gruselig.

22.07.2021 – Dach- und andere Organschäden


Nach der Zivilisation.
Etwa jeder zehnte Coronainfizierte leidet noch Monate später unter Beschwerden. Jede*r fünfte von denen hat laut einem Forschungsprojekt der Universitätsklinik Ulm Organschäden. Seit Beginn der Pandemie haben sich in Deutschland Stand heute 3.748.613 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Von denen haben also ca. 370.000 Long-Covid-Symptome. Organschäden haben, wenn man die Ergebnisse der Uniklinik Ulm hochrechnet, ca. 75.000 Menschen.
Das sind natürlich nur Tendenzen, das alles muss noch evaluiert und in trockene Wissenschaftstücher gebracht werden. Aber um sich eine Vorstellung von dem zu machen, was epidemiologisch und gesellschaftlich auf uns zukommen kann – nicht muss -, sind Risiko-Abschätzungen nicht nur legitim, sondern geboten. Die Seuche wird nach Expertinnen-Meinung uns noch Jahre begleiten, die Frage ist also nicht, ob sich Nichtgeimpfte anstecken, sondern wann. Alle, die sich nicht impfen lassen, werden früher oder später angesteckt. Gehen wir davon aus, dass das 10 – 20 Prozent der hiesigen Staatsinsassen sind, sind das bis zu ca. 16 Millionen Infizierte im Laufe der Jahre. Von denen würden laut Modell 1,6 Millionen Long-COVID-Symptome haben, wie auch immer die enden werden.
Davon wiederum mit Organschäden: über 300.000.
Die Infizierten können sich, analog Grippe, im Laufe der Zeit mehrfach anstecken, wenn sie Impfrenitent bleiben, denn wir vermutlich werden nach Delta noch mit Sigma-, Tau- und Omega-Varianten konfrontiert werden. Wie sich Mehrfach-Infektionen auf die Resilienz auswirken, bleibt abzuwarten.
Ich als Laie stelle mir das wie beim Alkohol vor: Steter Tropfen höhlt die Leber, und irgendwann geben dann Schnitt für Schnitt alle Organe den Geist auf. Ein elendes Siechtum, was ich im eigenen Umfeld nicht nur einmal hautnah miterlebt habe.
Die Frage ist: Wie viele Tote und Kranke akzeptieren wir im Rahmen von Seuchen als ethisch vertretbar, bevor wir anfangen, die individuelle Freiheit einzuschränken, also z. B. Impfpflicht einführen.
Die Messlatte steht hoch, siehe Auto-Seuche. Seit Erfindung der BRD dürften hierzulande geschätzt durch Auto-Luftverschmutzung (ca. 10.000 p. a.) und Verkehrs-Unfälle über eine Millionen Tote ins Grass gebissen haben.
Wir reden also über das Recht der freien Entfaltung der Persönlichkeit. Wovor vor uns übrigens Stand gesellschaftlicher Entwicklung 2021 alle guten Geister der Aufklärung schützen mögen.
Ich möchte nicht nur nicht, dass sich bei den Millionen Quartalsirren und Bekloppten, die da draußen frei rumlaufen, deren Persönlichkeit frei entfaltet. Ich möchte vielmehr, dass deren Persönlichkeit nach besten Kräften unterdrückt und umerzogen wird.

20.07.2021 – Ich hab den Längsten.


Prachtexemplar der Sonnenblume „Goldener Neger“, das bereits jetzt über 2 Meter hoch ist und am Ende sicherlich zu den Längsten gehören wird.
Citius, altius, fortius, dieses olympische Motto des „schneller, höher, stärker“ (und: Wer hat den Längsten?) beschreibt präzise die hinreichende Bedingung für die Katastrophen, die immer schneller, höher, stärker von allen Enden unserer Zivilisation über uns hereinbrechen: Seuchen, Fluten, Dürren, Hitze, Hunger, Armut etc. pp… Schlagen Sie Ihre Tageszeitung auf, dann sind Sie auf dem Laufenden.
Mein Katastrophen-Favorit für unsere Breitengrade waren drei Hitze- und Dürresommer hintereinander, in Verbindung mit Finanzkrise und Massenarbeitslosigkeit sowie einer Folge von neuartigen Viren, die in kurzer Zeit unsere Nutztiere in der Massentierhaltung dramatisch reduzieren. Mir persönlich egal, ich ess kein Fleisch, ich grill im Sommer nur Würstchen.
Aber können Sie, liebe Leserinnen, sich doitsche weiße, alte Männer als Vegetarier vorstellen und wo soll in so kurzer Zeit dann das ganze Grünzeug herkommen, da brauchen wir Grönland als Anbaufläche. Nun sind es also biblische Fluten in einem Ausmaß geworden, dass selbst ich in meinem Keller schon die besseren Jahrgänge nach oben gestapelt habe.
Ein Tornado deckt das Haus ab und während eines drei Tage ortsfesten Regentiefs steigt das Grundwasser über die Keller, da kommen selbst Leute ins kurze Grass, die jetzt selbstgerecht vor den TV-Flutbildern sitzen: „Das kann mir nicht passieren.“ Wenn mir nur ein Bruchteil dessen widerfahren würde, was die Bilder aus den hiesigen Katastrophengebieten zeigen, wäre ich reif für die Klappsmühle. Bei aller Abneigung gegen „unsere“ Volksgenossen: Die Leute tun mir einfach leid.
Die Anlässe für menschengemachte Katastrophen wie Klima sind vielfältig, die Ursache ist immer eine: Komparatives Denken und Handeln. Das Denken und Handeln im Vergleich, im Wettbewerb, in Konkurrenz. Bin ich auch schneller, stärker als der Andere? Was früher ein evolutionärer Vorteil im individuellen Überleben war, ist heute der Schwanengesang für unsere Welt. Ohne Wettbewerb und Konkurrenz kein Profit und ich sehe für die dahinter ablaufenden Prozesse keine Umkehr, was überlebensnotwendig wäre. Noch immer sind Wachstumszahlen das Mantra unserer Gesellschaft, allen Sonntagspredigten zum Trotz. Erzählen Sie als Vorstandsvorsitzender auf einer Aktionärsversammlung mal, dass Sie im nächsten Geschäftsjahr freiwillig Umsatz, Gewinn und Dividende reduzieren, damit der Planet eine bessere Überlebenschance hat. Das Ende der Versammlung erleben Sie in einer weißen Jacke, die Ärmel nach hinten, von zwei kräftigen Pflegern in eine Klappsmühle begleitet, wo Sie nie wieder rauskommen.
Und so sitzen wir auf einer Lawine, ruckeln derzeit noch mit relativ commoder Geschwindigkeit talwärts und merken nicht, wie die sich peu à peu steigert, immer schneller, siehe Olympia. Und irgendwann sind wir an einem Punkt, wo nichts und niemand die Lawine mehr aufhalten kann. Abspringen?
Viel Spaß dabei, liebe Leserinnen.

16.07.2021 – Schmetterlingsflieder.


Wenn der erblüht ist, stelle ich mich ein paar Minuten davor und zähle die Schmetterlinge, die ihn früher in Wolken, zu Dutzenden umflatterten. Eine Handvoll sind es heuer noch, drei, vier Kohlweißlinge und Zitronenfalter und ein, zwei Pfauenaugen. Ich möchte nicht wissen, wie viele Kinder noch nie einen Schmetterling gesehen haben.
Artensterben. Nicht davon betroffen sind u. a. Tauben, Ratten, Kakerlaken und Homo sapiens.
Wobei das mit dem sapiens ein Witz ist. Hier in Hannover werden z. Zt. für ein paar Tage zwei, drei Straßen in der City gesperrt, um die Chancen von weniger Autoverkehr auszuloten. Wenn man Leserinnenbriefen des hiesigen Zentralorgans der Cerebralamputierten. der HAZ, Glauben schenken will, ist das nur noch vergleichbar mit Attilas Hunneneinfall in Europa. Der Untergang des Abendlandes: ante portas. (Der gemeine HAZ-Leser besitzt oft das Abitur und zeigt das auch gerne). Da wird dann schon mal von Ökoterrorismus und Diktatur deliriert, weil hier das vorgebliche Menschenrecht darauf verletzt wird, mit dem Auto zum Kauf von 100 Gramm Aufschnitt direkt vor der hiesigen Markthalle parken zu dürfen. Das ist alles so unfassbar Realitätsverdrängend und Dummheitsgetränkt, dass ich mich weigere zu glauben, die Schreiberlinge gehörten der gleichen Spezies an wie ich.
Für mich reduziert sich derzeit rapide das Verfallsdatum des Goldenen Zeitalters des Kapitalismus, in dessen Endphase wir uns befinden. Dieses Zeitalter hat einigen von uns, vor allem auf der Nordhalbkugel, in West- und Mitteleuropa, Wohlstand, Konsum, Reisen, Gutes Leben, Wachstum für nahezu ein halbes Jahrhundert beschert hat. Unser Motto, und gerade auch mein persönlich-zynisches, war: Nach uns die Sintflut. Und nun sind wir mitten drin und das Wasser steigt uns bis zum Hals.
Mir nicht, ich wohne am Fuß der Lindener Berge, 89 Meter über Normal-Null, was übrigens der Codename für Armin FLaschet ist. Mein Keller bleibt trocken, aber Kumpels von mir, die hangabwärts wohnen, sollten schon mal ihre Kisten im Keller hochstapeln, was übrigens der Codename für Markus Söder ist. Beim nächsten ortsfesten Regentief in unserer Region namens Klaus-Dieter, was übrigens mein Codename ist, mit Ausmaßen des aktuellen wird das hiesige Flüsschen über die Ufer treten und alte Pegelstände locker kippen.
Nach der Flut- bahnt sich die nächste menschengemachte Katastrophe an: Der Wahlkampf. Göttin steh uns bei.
Damit das hier nicht so düster endet, nun die Auflösung der schwanzrotgoldenen Farben im Bild oben, hinter dem Schmetterlingsflieder.

Es handelt sich um meine Garten-Installation „Deutschland minus 50 Prozent“. Das waren die Paraphenalia des teuren Vaterlandes nach dem Ausscheiden der Ostgoten bei der Fußball-EM noch wert: Minus 50 Prozent. Das hat, wie ich finde, in all dem Unrat derzeit was Tröstliches.

13.07.2021 – Minenhund


Bild für trübe Novembertage und kalte Januare
Es gibt im öffentlichen politischen Raum die Figur des sogenannten Minenhundes. Das ist jemand, der in das Minenfeld der medialen Öffentlichkeit vorprescht oder vorgeschickt wird mit einer pointierteren Forderung oder Position, um am Echo darauf deren Durchsetzbarkeit zu testen. Ist das Echo negativ, wird es seitens seiner Kumpels heißen: Das war eine Einzelmeinung, die sich nicht mit der (Partei-)Linie deckt. Dann war der „Minenhund“ auf eine getreten und in die Luft geflogen, was seiner Karriere aber keineswegs schadete, im Gegenteil, denn alle waren ja am Spiel beteiligt.
War es erfolgversprechend, kommen die Entscheidungsträger aus der Deckung und machen Druck im Kessel. Beispiel aus der Vergangenheit, an dem ich dann immer (Öffentlichkeits- und Überzeugungs-)Arbeit hatte: Die quartalsmäßigen Forderungen nach mehr Zwangsarbeit für Hartz-IV-Bezieher*innen oder die nach Absenkung der Hartz-IV-Regelsätze. Solche Positionen sind im Moment nicht en vogue, kommen aber wieder so sicher wie das Amen in der Kirche, wenn es darum geht, wer die Krisenkosten bezahlen soll. Die Leute mit Kohle werden es sicher nicht sein.
Aktuelles Beispiel ist die Impfpflicht. Gestern hatte ein Mitglied des Ethikrats die Impfpflicht gefordert für Lehrkräfte und Kitapersonal. Und schwupps, schon brodelt es auf allen Kanälen, in der hiesigen Schnarchsack-Postille HAZ fordert ein Virologe in einem Interview über Impfungen für Kinder in einem Nebensatz Impfpflicht für alle Kinder, von wo aus es nur ein Schritt ist zur Pflicht für alle.
Ich hatte das an dieser Stelle u. a. im Januar gefordert: Impfpflicht für alle sowie Flächendeckende FFP 2 Pflicht, drakonische Strafen bei Verstößen gegen Versammlungsverbot und gegen Hygiene Maßnahmen, Homeoffice Pflicht, Total Lockdown für drei Wochen.
Ich erneure hier mein Angebot, bei der Durchsetzung der Impfpflicht im Ehrenamt mir bekannte Personen aufzusuchen, die Impfverweigerer sind und auch sonst ne Meise haben und sie durch Einsatz des staatlichen Gewaltmonopols zu überzeugen, ihren Staatsbürgerinnenpflichten nachzukommen. Ich hätte gerne eine schmucke Uniform, einen Elektroschocker, einen Taser, Pfefferspray und Gummiknüppel. Ehrenamt soll ja auch Spaß machen.
Zu hart? Warten wir mal die trüben Novembertage und kalte Januare ab …

12.07.2021 – Braungesprenkelte Flatterbänder


Die Krönung der sprichwörtlich einsamen Bucht ist die einsame Doppelbucht und zwar Rücken an Rücken, wie hier, und nicht einfach nebeneinander, was keine Kunst ist. Einsame Buchten, einsame Hütten im Wald, einsame Irgendwas-am-Arsch-der-Welt, wer liebt sowas nicht?
Oder haben Sie schon jemals eine Klage gehört wie „Also der letzte Urlaub war schrecklich, ich war an einer einsamen Bucht“? Nein, ein Kronjuwel der distinktionsorientierten Mitteleuropäerin mit Geschmack und Geld ist die beiläufige Erwähnung, dass die Bucht, in der sie in der Abendsonne immer schwimmen ging, aber sowas von einsam war. Wenn sie einen entsprechenden Hau hat, gerne in Verbindung mit Stanzen wie: „Ich war mir und der Natur so nahe wie selten.“
Einsame Strandbuchten von landläufiger Schönheit können natürlich nur jene sein, die mit dem Auto nicht erreichbar sind, am besten nur durch ganz beschwerliche Auf- und Abstiege zu erreichen. Da fallen Kleinkindfamilien und Senior*innen, also alles, was einem die Laune und den Anblick vermiest, schon mal weg. Herrlich, dachte ich also, als ich kurz nach Tau und Tag in obiger ankam, der Abstieg für mich kein Problem, nicht umsonst nennt man mich den Reinhold Messner der einsamen Buchten.
Aber ich hatte die Rechnung ohne Helios, den Gott der Mobilität, gemacht. Der hat den Menschen das göttliche Geschenk des Motorbootes gemacht und so setzten jene magischen Gefährten des Öttel-Öttel-Stink-Stink alsbald einiges an Völkchen im Doppelbucht-Paradies ab, was noch halbwegs über die Reling an Land fallen konnte.
Es war immer noch übersichtlich und herrlich, mich aber zog es weiter, hinauf auf einen angrenzenden steilen Hügel mit Gipfelkreuz und Kapelle. Nicht dass mich derlei Aberglauben-Gedöns besonders antörnt – auch wenn einem solchen Ensemble durchaus eine Aura der Transzendenz innewohnt – aber es war klar, dass da oben sowohl ein herrlicher Blick als auch kein Schwein vorhanden sein würde. Und so war es dann auch.
Aber ach, auf dem schmalen Pfad dorthin kränzten alsbald weiße, braungesprenkelte Flatterbänder in Form von Toilettenpapier das Unterholz und die eine oder andere Geruchsprise umwölkte meine Nase. Es erinerte mich an mein heimisches Eichsfeld im Frühjahr, woselbst ich als Waldbauernbub noch das Plumpsklo erklomm, und der Heimatdichter folgende unvergesslichen Zeilen zu Papier (sic!) brachte, angesichts der Postwinters auftauenden braunen Massen:
„Wenn es stinkt auf den Aborten,
Wird es Frühling aller Orten“
Die einfallenden Familien blieben offensichtlich den ganzen Tag mit Sack und Pack, Getränken und Verpflegung vor Ort, wo es Definitionsgemäß („Einsame Bucht“) kein Klo gab. Und wenn sie ein menschliches Rühren überfiel, nahmen sie die scheinbar einzig verbliebene Lösung:
Sie schissen den Weg zum Gipfelkreuz gnadenlos zu.
Einsame Buchten? Am Arsch.
Ich weiß es ja seit Jahrhunderten, dass dieses zivilisationsmüde Geschwafel von einsamen Buchten und Hütten im Wald die naive Kitsch-Ausgeburt des vom Leben und der eigenen Existenz überforderten distinktionsorientierten Mitteleuropäers ist. Falle aber trotzdem hin und wieder selber drauf rein.

Es geht nichts über eine funktionierende Infrastruktur mit Tavernen, Sonnenschirmen und Kackbalken.

07.07.2021 – Ohne Worte


Ohne Worte.
Diese oft getroffene Aussage besteht immerhin aus zwei Wörtern. Auch wenn aus diversen Wörtern nicht immer große Worte werden, bestehen große Worte doch immer aus diversen Wörtern. So gab ein Wort das andere und schon war der heutige Blog am Ende. Oder um auch hier wieder den zukünftigen DFB Vorsitzenden Loddar Matthäus zitieren: „Ein Wort gab das andere, wir hatten uns nichts mehr zu sagen.“

02.07.2021 – Nachgetreten


Kürbisblüte. Hohe Keimfähigkeit bei den Tütensamen, der Kürbis ist teilweise hübsch anzuschauen, mehr zu Deko-Zwecken und zum Hinlegen, irgendwann unansehnlich, zu nichts mehr zu gebrauchen außer zu Kompost. Feministinnen früherer Zeiten, als noch alles besser war, hätten gelästert: Der Kürbis trägt sein Genus zu Recht.
Eine bedauernswerte Keimfähigkeit besaßen auch die Erzeuger von Lothar Effenberg und Mario Basler. Bei dem, was die Beiden von sich geben, wünscht man sich innigst, das Erzeuger-Zeug wäre damals in der Tüte geblieben. Fast überflüssig zu erwähnen: Beide kommen aus dem Dunstkreis Fußball. Sie haben jetzt, kein Witz, bitte festhalten, Lothar Matthäus als DFB-Präsident vorgeschlagen.
Der DFB (Deutscher Folltrottel Bund) hat irgendwas mit Fußball zu tun und ist eine Mischung aus Klapsmühle und Zuchthaus. Effenberg, Basler und Matthäus sind dumm, roh, ungebildet und aufgeblasen und leider der Jugend ein Vorbild, wie man mit diesen Eigenschaften viel Geld verdienen und medial dauerpräsent sein kann. Sie verkörpern alles, für das der Fußball steht, in Reinkultur. Trotzdem habe ich für Sie, liebe Leserinnen, weder Kosten noch Mühe gescheut und ein Exclusiv-Interview mit dem künftigen DFB-Präsidenten Matthäus geführt.
Frage:
„Herr Matthäus, welche Eigenschaft brauchen wir bei der Neuausrichtung des DFB vorrangig nach dem EM-Debakel?“
Matthäus:
„Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken.“
Frage:
„Es wird immer wieder über Intrigen gemunkelt, wie steht es mit der Integration aller Beteiligten beim DFB?“
M:
„Wir sind eine gut intrigierte Truppe.“
Frage:
„Der Frauenfußball wird seitens des DFB nach wie vor stiefväterlich behandelt. Was sagen Sie den Millionen Fußballspielerinnen im Lande?“
M:
“Ey, Mädels, unser Schwarzer hat den Längsten!“
Frage:
„Noch ein Tipp aus Ihrer Praxis für Nachwuchskicker.“
M.:
„Die Schuhe müssen immer zum Gürtel passen!“
Frage:
„English is the Lingua franca of the international Soccer-Scene. What about your English?“
M:
„‚Sis‘ are different exercises. Not only bumm!“
Frage:
„Herr Matthäus, wenn ich das, was Sie so von sich geben, Ravioli passieren lasse, muss ich feststellen, dass Sie von allen Fußball-Folltrotteln die dümmste Nuss der Kompanie sind. Wäre es nicht besser, wenn Sie einfach mal die Fresse halten?“
M:
„“Wäre, wäre, Fahrradkette.“
Alle Antworten O-Ton Matthäus
Kennen Sie dieses Gefühl, liebe Leserinnen, wenn Sie einfach nur müde, so müde vom Zustand der Welt sind und weg wollen, einfach nur weg…?

30.06.2021 – Der Kane war ihr Schicksal


Wiederauflage eines Klassikers. Ging gestern viral, ich fand’s lustig, auch wenn es nicht mehr originell ist. Dass die Ostgoten gestern rausflogen, beglückte mich aus ganz vielen Gründen. Die üble Saat flächendeckend die Umwelt verpestender Nationalflaggen wurde damit im Keim erstickt, und Profifußball, vergleichbar mit Hämorrhoiden und Diarrhöe, erhält einen weiteren Nackenschlag, verkommt zusehends zu einem Nischenrefugium für den Mob. Mittlerweile raunt ja sogar das doitsche Feuilleton, was eher zum dümmsten der Welt gehört, darüber, dass der Lack am Fußball ab sei. Was ne Erkenntnis im Jahre 2021.
Am allerwichtigsten am gestrigen Tag ist die Tatsache, dass meine 6:1 Wette auf das Ausscheiden der BRD im Achtelfinale aufging. Zur Jogitruppe (bei solchen Formulierungen hänge ich schon über der Kloschüssel) lässt sich sagen, in Abwandlung eines Bogey-Klassikers: Der Kane war ihr Schicksal (für die vielen Fußball-Desinteressierten und -Desinfizierten hier im Blog: Harry Kane war der Schütze zum entscheidenden Tor der Engländer gestern). Ein echter Brüller für Cineasten.
Was für Glücksgefühle aber waren es, die mich da gestern durchströmten? Der Geldsegen, immerhin ein (sehr) kleiner Urlaub? Das grundsätzliche Gefühl des Spielers beim Spiel, wenn die Roulette-Kugel auf seine Zahl fäll? Dass die Ostgoten endlich mal wieder in den Staub geduckt wurden? Von allem sicher etwas, aber auch das befreiende Gefühl von Rechthaberei: ICH habe es mal wieder allen gezeigt, von Anfang an gewusst, und wie üblich besser gewusst, ich bin der Wettgott, und keiner sonst.
Rechthaberei ist eine männliche Domäne. Der klassische Rechthaber (oft Lehrer o. ä. von Beruf) hat nicht nur immer, sondern auch überall Recht. Wenn er nicht Anflüge von Selbstironie und Humor hat, ist er ein arger Kotzbrocken, den seine Umwelt am liebsten von hinten oder lieber gleich tot sieht. Seiner Frau (Rechthaber sind überwiegend Heteros) geht er so auf die Nerven, dass sie Mordgedanken hegt, wenn sie ihn nicht schon lange verlassen hat. Rechthaberei ist eine Sucht, auch bei Einsicht in ihr Vorhandensein kann der Betroffene nicht von ihr lassen, im Gegenteil, er muss die Dosis erhöhen, wieder und wieder. Glauben Sie’s mir, liebe Leserinnen, ich hab Recht.
Schön auch am Tage 29 im Wonnemonat Juno die Tatsache, dass mit dem Heimflug der Jogitruppe die männerbündischen Fußballglotz-Zusammenrottungen in Biergärten, Kneipen etc. zertrampelt wurden wie eine Mimose unter den Knobelbechern deutscher Landser. Nirgendwo hält sich der deutsche Mobster lieber auf als mit seinen Kumpeltz und Strömen von Bier beim Fußballgucken. Nirgendwo ist er seiner latenten Homosexualität so nahe wie dort. Echte Kerle, wie sie im Baumarkt gefräst werden, die alle Male lieber unter ihrem Auto als unter ihrer Gattin liegen. Solche Burschen werden eher durch einen Fingerhut Menstruationsblut in die Flucht getrieben als von der Vorstellung eines neuen Ostfeldzuges. Männer wie wir ….
Ok, diese Theorie in Fortführung von Theweleits Männerphantasien ist noch nicht ganz ausgereift. Wir arbeiten dran.
Das Traurige am gestrigen Tag: das war meine letzte Fußball Wette. Die Fußball WM in Katarrh 2022 ist so weit jenseits aller ethischen Standards, dass sich eine Involvierung damit, und sei es auch nur durch Wetten, für Menschen mit Verstand und Anstand verbietet.
Mist. Ich hätte so gerne wieder Recht gehabt.
Dann wette ich eben auf Synchronschwimmen bei Olympia.

25.06.2021 – Chlor, Arsen, Nikotin, Morphin, Thallium, Strychnin, Salz-, Blau- und Oxalsäure, Insulin, Digitalis.


Morgendliche Bildermeditation im Garten.
Danach Zahlen: Die bulgarische Pflegekraft, die eine Seniorin in Berlin rund um die Uhr für einen Stundenlohn von 0,76 Euro betreute, hat sich vor dem BAG einen Anspruch auf Mindestlohn erstritten. Der liegt bei 9,50 Euro, 12,5x so hoch. Bei geschätzt 300.000 ausländischen Pflegekräften in deutschen Privathaushalten reden wir hier von zusätzlichen Kosten von ca. 4 Milliarden Euro. Wenn es „sauber“ zugehen soll, sind für eine Rundum-Hausbetreuung bis zu 3 Vollzeitkräfte nötig, billig geschätzt 3000 Euro pro Job. Das ist für 80 Prozent der betroffenen Haushalte nicht bezahlbar. Das ist, Phrasenwerfer ein, „sozialer Sprengstoff“ und auf die Reaktion nicht nur der Politik bin ich gespannt.
Wie will die in der Kürze der Zeit einen Paradigmenwechsel zu bezahlbarer häuslicher Pflege hinkriegen? Oder sollen die alle ins Heim? Wie reagieren die Pflegekräfte? Fordern die ihre Rechte ein? Wer macht da auf dieser Basis welche Geschäfte mit denen (mafiose Abmahnvereine)? Wie reagieren die Angehörigen, angesichts der Tatsache, dass das Erbe des zu Pflegenden jetzt dahinschmilzt wie Butter in der Sonne, wenn überhaupt vorhanden?
Mein Tipp an die Hausärztinnen: Gucken Sie sich zukünftig die Todesursachen von häuslich Gepflegten mal genauer an. Sind Sie Diagnosesicher, was Vergiftungen mit Chlor, Arsen, Nikotin, Morphin, Thallium, Strychnin, Salz-, Blau- und Oxalsäure, Insulin, Digitalis angeht? Wenn in dem Haushalt irgendwo ein Buch von Agatha Christie rumliegt, sollten bei Ihnen alle Alarmglocken klingeln.
Das ist keine zynische Schwarzmalerei von mir. Es gilt nach wie vor das Diktum eines Rechtsmediziners, der mal sinngemäß gesagt hat: Wenn auf dem Grab eines jeden unentdeckten innerfamiliären Totschlags ein Licht flackern würde, wären unsere Friedhöfe ein Lichtermeer. Stattdessen: Todesursache Herzversagen.
Und hier, liebe Gemeinde, haben wir auch den Grund, warum die mafiosen Anti-Demokratien des Ostens von Bulgarien über Rumänien bis Ungarn nicht aus der „Wertegemeinschaft“ EU rausgeschmissen werden, was schon längst der Fall hätte sein müssen: Unser Wohlstand (der von ca. 30 Prozent im Ländle) basiert u. a. auf der Ausbeutung der Knochen dieses Millionenheers von Arbeitskräften.
EU = freier Verkehr von Waren, Kapital und Dienstleistungen, was zusätzlich bedeutet, dass wir billig deren Infrastruktur aufkaufen und sie mit unseren Waren fluten. Außerdem halten die uns erstmal den Russen vom Hals.
Von daher ist dieses lächerliche Getue des Bürger-Feuilletons und der angeschlossenen grün-alternativen Kiezcliquen wegen „Viktor Orban und das nicht erleuchtete Münchener Stadion“ nichts als Wolfsgeheul der Heuchelei. Genauso folgenlos wie der hilflose bürgerliche Lichterketten-Antifaschismus, dessen einziger Effekt ist, dass die Beteiligten sich mit dem beruhigten Gefühl zur Nacht betten, sie hätten was getan, sich engagiert, Widerstand geleistet gar.
Die Karawane aber zieht unbeirrt weiter. Business as usual. Ich gehe jetzt wieder in meinen Garten, Fingerhut gießen, sieht wunderhübsch aus….