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05.03.2021 – Morpheus ist schuld.


Vom 05.03.2021.
Der Krankheitsverlauf bei diesem Subtyp der Vogelgrippe ist milde – bisher. Niemand weiß, wie viele Mutationen er von einem Verlauf wie beim Subtyp H5N1 er entfernt ist, der eine Mortalität von 50 Prozent besitzt. Eine Ansteckung damit ist zwar äußerst unwahrscheinlich – bisher. Anders sieht es allerdings aus, wenn sich das Vogelgrippevirus mit einem Erreger der Humangrippe kreuzt oder sich die Erbanlagen der Viren ändern. Dann ist laut Robert-Koch-Institut die Gefahr einer Pandemie real und das Risiko derzeit so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Bei mittelschwerer Virulenz dieses Erregers können ca. 30 Prozent der Bevölkerung an der Virusgrippe erkranken, laut RKI. Wenn man obige 50prozentige Mortalität zu Grunde legt, liegen wir dann rein rechnerisch bei ca. 12 Millionen Toten.
Ich kann nur hoffen, dass meine begrenzte Fähigkeit zu logischem Denken, meine mathematische Unfähigkeit und meine völlige Unkenntnis virologischer Zusammenhänge mich hier auf eine völlig falsche Fährte gesetzt hat.
Eins ist sicher: Meine zynische Hoffnung „Nach mir die Sintflut“ angesichts der sich – erst anbahnenden – menschengemachten Katastrophen, seien sie sozialer oder ökologischer Natur, wird zunehmend Makulatur. Ich bin mitten drin am Anfang vom Ende. Jetzt noch ein, zwei monströse Hitzesommer und ich wandere aus. Aber wohin? Lappland? Jede Menge Mücken, die dann auch da das Westnilvirus, Malaria und anderes übertragen. Das Leben jetzt genießen, solange es noch geht, in vollen Zügen? Wer will jetzt schon in vollen Zügen sitzen, und Restaurants haben immer noch alle zu. Da seh ich auch nicht rosig in die Zukunft angesichts wachsender Infektionen, immer nur paar Prozent, aber wer Wellen kennt, weiß, was da auflaufen kann.
Ich hatte heute Nacht einen Traum: Ich sollte in den Knast, Drogengeschichte, anderthalb Jahre. Ich war aber heiterer Dinge, zwar knapp in der Zeit wegen Uhrzeit Haftantritt und in Hektik (kenn ich vonne Maloche her), aber eigentlich recht gut gelaunt. Ich verstaute noch einen Riesenbeutel Grass (gelber Sack!?) im Keller (so blöd kann man auch nur im Traum sein) und wollte gerade los, als der Prozess des Aufwachens einsetzte.
In diesem kurzen Moment, wo der Traum das Ich an das Bewusstsein weiter reicht (Sie, liebe Leserinnen, kennen diese Momente, wo Sie im Aufwachen halb bewusst in einem verwehenden, wunderschönen Traum denken „Bitte nicht wach werden“), wurde mir klar:
„Ach Du Scheiße, Knast bedeutet ja, anderthalb Jahre nicht reisen können!“
Ich lag dann mehrere Sekunden wach und sondierte meinen Geist, in Panik, um sicherzugehen, dass der alte Drecksack Morpheus da seine Finger im Spiel hatte.
Die Seuche frisst sich mählich ins Zentrum des Denkens und in die Träume.

02.03.2021 – Minenhunde vor!


Hallo Niedersachsen, NDR-TV Regionalnachrichten 19.30 Uhr. Mit meiner Lieblingsmoderatorin Christina von Sass nach einem Live Interview.
Normalerweise ist die HAZ für mich keine Referenz für irgendwas. Hier aber Zitierenswertes im Artikel „Populistische Lachnummer?“ (Für semantische Feinschmeckerinnen: Printausgabe: Lachnummer. Online: Luftnummer.), über eine Initiative der CDU-Mittelstandsunion zur Verschmelzung von ARD und ZDF zu einem Sender:
„ … Warum braucht das Land zwei öffentlich-rechtliche Systeme? …. Die Antwort lautet: Weil ein unabhängiger, von der breiten Gesellschaft kontrollierter, keiner politischen Richtung verpflichteter, möglichst pluralistischer und solidarisch finanzierter Rundfunk eine heilsame Wirkung auf das öffentliche Leben einer Demokratie hat…“
Auf den Punkt gebracht. Wie eine Gesellschaft aussieht, in der ein öffentlich-rechtliches Rundfunksystem nur eine Spendenfinanzierte Nischenexistenz führt, ist den USA zu besichtigen, wo über 70 Millionen Menschen das Produkt des Commercial-TV, einen quartalsirren, notorischen Lügner, Rassisten und homophoben Frauenhasser notfalls mittels Bürgerkrieg als Präsidenten haben wollen.
Um zu testen, wie in Deutschland derartige Verhältnisse via Medienlandschaft durchzusetzen sind, schickt das Kapital in unregelmäßigen Abständen Minenhunde, wie heuer die CDU-Mittelstandsunion, ins politische Terrain. Das ist ein von allen politischen Parteien praktiziertes Ritual: Wenn zu viele Minen explodieren, werden die Hunde wieder an die Kette gelegt. Bis zum nächsten Mal.
In Deutschland funktionierte das im Rahmen der geistig-moralischen Wende unter Helmut Kohl in den Achtzigern schon prima mit der Einführung des Privat-TV. Mitinitiator war der damalige niedersächsische MP Ernst Albrecht, der den Bürger*innen keine Dauerindoktrination nach Feierabend mit Themen über Homosexuelle und Atomkraft durch den Rotfunk NDR zumuten wollte. Hört sich wie Satire an, aber so lief die Diskussion damals, und sie war erfolgreich.
Der NDR war und ist natürlich kein Rotfunk, die Leitungsposten werden schiedlich-friedlich zwischen CDU und SPD, zunehmend auch Grüne, aufgeteilt. Der NDR kommt nur umfassender als z. B. die HAZ der Chronistenpflicht nach und berichtet auch schon mal kritisch über die Spaltung der Gesellschaft, Armut, Wohnungsnot, immer mit regionalem Bezug. Er ist ein Heimatsender im positiven Sinn, so der Begriff Heimat überhaupt eine positive Konnotation haben kann.
Das alles würde auf dem Altar des Profits durch kommerzielle Medien geopfert, wenn die Minenhunde das nächste Mal Erfolg haben. Brot und Spiele für den Mob und US-Verhältnisse in der BRD.
Ich aber würde jederzeit für den Erhalt von ARD, ZDF und vor allem der regionalen Vielfalt, wie NDR, mit der Waffel in der Hand auf die Straße gehen, allein schon deshalb, weil Letzterer mich in schöner Regelmäßigkeit in sein Studio einlädt.

01.03.2021 – Über das Phänomen der vermissten Krankheit


Onkel Olli, die Kiosk Legende. Ich liebe solche Orte, jenseits der Normativität des Alltags. Jedes Mal lese ich: Der Rest übergibt sich. Passt sicher auch. Vor über 10 Jahren war Onkel Olli schon Ziel einer Soli-Sauf-Aktion des SCHUPPEN 68, was Sie hier im relativ sinn- und formfreien Video bewundern können. Manchmal stelle ich mir schon die Frage, ob meine Aktivitäten nicht etwas zielgerichteter auf Ruhm, Ehre, Erfolg und Reichtum ausgerichtet sein hätten können (ausgerichtet hätten sein können?) …
Aber begraben wollen wir die Vergangenheit, nicht preisen oder klagen wider sie.
Ähnlich und auch nicht schlecht hat das Shakespeare seinen Antonius am Grabe Cäsars (nein, nicht des Hasen!) sagen lassen:
Mitbürger! Freunde! Römer! Hört mich an:
Begraben will ich Cäsar, nicht ihn preisen.
Was Menschen Übles tun, das überlebt sie;
das Gute wird mit ihnen oft begraben.

Wenn Sie, liebe Leserinnen, ab und zu Reden halten müssen, Ansprachen, die den Mob erreichen sollen, grooven Sie sich in diesen Monolog von Antonius rein, er ist ein ragendes Beispiel mitreißender Rhetorik.
Welche Reden werden wir dereinst über die Seuche halten? Wie wird das Fazit ausfallen?
Dankbarkeit, dass es vorbei ist, verbunden mit dunklen Mahnungen über die Zukunft (um den Mob im Zaum zu halten)?
Ein sinistrer Seiteneffekt: Es wird Menschen geben, die die Seuche vermissen werden. Nicht weil sie Krisengewinnler wären. Das ist normal-pervers, siehe Amazon und die anderen zahlreichen Bereicherer, die nicht so blöd waren wie Nüßlein, sich zu erwischen lassen. Es geht um anderes.
Es gibt nicht wenige Menschen, die nach erfolgter Heilung eine Krankheit vermissen. Dafür gibt’s sicher einen Namen, aber zum Googlen bin ich zu faul. In extremer pathologischer Spitze lassen sich Menschen nach Verlust transplantierte Glieder wieder amputieren. Die vertraute Versehrtheit ist ihnen näher als die irritierende Veränderung zu vermeintlicher Normativität. Veränderung überfordert. So bedrohlich die Seuche auch ist, für Leben, Gesundheit, Existenz, sie nimmt ja auch Verantwortung ab, die Pflicht zur Entscheidung, die Qual der Wahl. Es ist ein gleichförmiges Dahin-Leben, eingeschränkt, bedrohlich, aber eine ideale Variante der eigenen Existenz, um Fehlentwicklungen, Scheitern, Misserfolge auf etwas Externes zu schieben: Die Seuche ist schuld. Wie entlastend.
Wie viele Menschen werden postpandemisch sagen, mit einem Seufzer des Vermissens:
Es war nicht alles schlecht in der Seuche?
Schaun mer mal.

28.02.2021 – Die höchste und edelste Form der Kommunikation: Die sieben Varianten des Nichtgrüßens.


Zigeunersauce, eingerahmt. Gibt’s nicht mehr, heißt jetzt Paprikasauce ungarische Art. Dürfte in 30 Jahren Millionen wert sein, weil keiner sowas aufhebt und ich dann das einzige Exemplar seiner Art besitzen werde. Ob die Flasche dann wie geplant der Sicherung meines Lebensstandards im Alter dient, hängt davon ab, was für einen Standard ich dann haben werde – mein Aktionsradius wird dann vermutlich etwas reduzierter sein – und was Millionen bis dahin noch wert sind. Das drohende Gespenst der Inflation erhebt ja zur Zeit sein Haupt.
Was die Zigeuner angeht (es geht übrigens nicht darum, dass sich Sinti und Roma mitunter selbst so beschreiben, sondern um den allgemeinen, alltäglichen Sprachgebrauch und der ist bei Zigeuner fast immer denunziatorisch, niemand, der „Du Zigeuner“ sagt, meint das liebevoll), habe ich nach meiner Intervention in der Sache bei der Fa. Knorr gesucht, Jahre her. Ich bin noch nicht mal bei den verdienstvollen Kollegen unseres Stadtteilmagazins Punkt Linden fündig geworden, die die beste externeAufstellung der SCHUPPEN 68-Aktivitäten besitzen, die ich kenne. Mit einer Lücke allerdings zwischen 2014 und 2020. Trotzdem an dieser Stelle ein Dankeschön an die Kollegen, da sind so viele Perlen dabei, von denen ich keine Ahnung mehr hatte. In meinem Blog würde ich mich da dumm und dämlich suchen.
Zu dem ich unlängst ein schönes Kompliment bekam von einer mir zufällig über den Weg laufenden sehr geschätzten Kollegin: Es sei gerade in Zeiten der Seuche beim Lesen so, als ob frau sich mit jemandem unterhielte. Das hat mich erfreut, weil genau das die Absicht ist. Die zufälligen Treffs auf der Strasse sind ein soziales Highlight in diesen düsteren Kontaktreduzierten Zeiten, wenn auch nicht immer so erfreulich wie eben geschildert. Auf die Liste derer, die ich nicht mehr grüße, hat es der folgende Zeitgenosse geschafft, der mich unlängst auf der Straße abpasste und ohne Vorrede mir die Frage ans Ohr hängte: „Und, lässt Du Dich impfen?“ Über gelungenes kommunikatives Verhalten lässt sich streiten, zumal ich bis dato mit dem eher unsympathischen Manne noch nicht in der Gosse gepaddelt hatte.
Ich: „Ja, natürlich, wer denn nicht?!“ Er: „Ich.“ Ich: „Ach. Und wieso das?“ Er. „Ich nehme lieber das Original.“ Also eine Infektion.
Dem Manne, Phänotyp alter Sack Risikogruppe über 70, ist die Erfüllung seines Wunsches zu gönnen. Bei derartig asozialem Gesindel hält sich meine Empathie in Grenzen. Jetzt muss ich es nur noch hinkriegen, dass ich diesen Troglodyten so nicht grüße, dass er es merkt. Das ist die übrigens die höchste und edelste Form der Kommunikation: die sieben Varianten des Nichtgrüßens, von einfach die Straßenseite wechseln bis nachvollziehbar absichtsvolles Nichtgrüßen.

27.02.2021 – Deutsche Philatelisten – Mörder und Faschisten?


Endgültig dicht. Die vorletzte noch existierende Arbeiterkneipe im hiesigen ehemaligen Arbeiterviertel, mit Festsaal und Doppelkegelbahn. So verschwinden sang- und klanglos Reste einer untergehenden Kultur im Orkus der Geschichte. Allein die Speisekarte wäre eine Reise in eine Vergangenheit, Schnitzel mit Bratkartoffeln, Jägertoast, Filettopf, die Weine in zwei Versionen: Rot und Weiß. Eine Flasche Domestos wäre im Vergleich zu denen ein Genuss.

Singstunde jeden Dienstag. Untrennbarer, identitätsstiftender Bestandteil der Arbeiterkultur war der Gesang. Und ein historischer Ort war die Schank- und Speisewirtschaft auch, erfolgte hier doch die Gründung des Bundes Deutscher Philatelisten e. V. durch Richard Renner, Namensgeber der gleichnamigen Medaille, am 26. Oktober 1946. An dieser Stelle verdrückt der Freund des kleingezackten bunten Papieres eine stille Zähre des Gedenkens.
Früher hätte mich die Schließung der Schank- und Speisewirtschaft, diese letzte Strophe eines Schwanengesangs auf die verschwundene Arbeiterbewegung, noch leicht melancholisch gestimmt. Heute sehe ich das eher pragmatisch. Die Arbeiterklasse hat ihre historische Chance eines Aufbruchs in eine bessere, emanzipatorische Welt verbockt. Korrumpiert bis auf die Knochen ist sie erst in der Facharbeiter-Vorhölle von Kleinfamillije, Eigenheim und VW Golf gelandet, um von hier aus den Marsch in die Hölle des Dienstleistungs-Prekariats anzutreten. Identität stiftet nicht mehr die dienstägliche Singstunde eines DGB-Chors, sondern das Gegröhle eines enthemmten AfD-Mobs.
Die Nachfolge der Schank- und Speisewirtschaft wird vermutlich eine jener zahlreichen subkulturellen Kiez-Saufstuben antreten, in denen sich dutzende Vollbesoffskis gröhlend Fussballmeisterschaften wie die WM in Katar, wo tausende Zwangsarbeiter ihr Leben bei Bauarbeiten ließen, anglotzen. Ich bin kein Pazifist und gegen einen zielgenauen Einsatz von Drohnen hätte ich nichts einzuwenden, der diese Orte männerbündlerischen Grauens, gegen die die ähnlich strukturierte katholische Kirche ein Hort der Intellektualität ist, vom Erdboden tilgt.
Nichtsdestotrotz werde ich auch dann wieder hohe Wetten gegen die Ostgoten platzieren in der Hoffnung auf Finanzierung des einen oder anderen Urlaubs, der den Vorteil hat, der hiesigen Hölle zu entrinnen. Und damit sind wir wieder beim Thema: Urlaub, Fliegen, Seuche. Es ist zum Mäusemelken: Ich kann den Faden aufnehmen, wo auch immer, ich lande immer wieder bei der Seuche.

25.02.2021 – „Astra, Alter, hast Du Astra?“


Der Wolf soll bleiben! Demo vor niedersächsischem Landtag. In dem Moment, wo ich mit dem Radl an dem Transpi vorbeisauste, setzte in meiner inneren Audiothek der Song „Will the wolf survive“ der famosen Texmex-Kapelle Los Lobos ein. Synästhesie, die Kopplung zweier physisch getrennter Modalitäten der Wahrnehmung, Töne sehen eben. Und wo ein innerer Prozess in Gang kommt, ist der Nächste nicht fern, und so kam ich nach dem Ende des Songs ins Sinnieren. Los Lobos, die Wölfe aus East-Los Angeles, hab ich nie live erlebt, was umso bedauerlicher ist, als sich das vermutlich nicht nachholen lässt, die Jungs werden nicht jünger und ich auch nicht.. Für März 22 ist zwar ein Konzert im legendären Paradiso in Amsterdam avisiert.
Aber wer weiß, wie man selber bis dahin zu Indoor Konzerten steht, was dann mit der Seuchensituation ist und meine Lust, mich mit einer Milliarde bekloppter Touris, von denen ich dann einer bin, in Amsterdam rumzudrängeln, hält sich ebenso in Grenzen, wie die an der Auffrischung von Jugenderinnerungen an diesen verkifften Hippietempel Paradiso. Die nachhaltigste Erinnerung ist das Ungeziefer, das ich mir in einem Youthhostel damals eingefangen habe…Tolle Bilanz von Hippiezeiten.
Vielleicht kommt die Combo ja irgendwann in die Spandauer Zitadelle, in einer lauen Sommernacht da draußen die sehr tanzbaren Klänge des verdienten Töne-Kollektivs der mexikanischen Arbeiterklasse zu hören wäre eine Aussicht, die mich auch bis 2022 noch durchhalten lässt, zumal das 21er Programm der Zitadelle mit dem Schnulzenfuzzi Lionel Ritchie oder Scooter mich nicht gerade vom Hocker haut.
Und so drehen sich nach wie vor und weiter viele Aspekte des Alltags um die Seuche, die nach wie vor nicht alltäglich wird. Das an einem Tag, wo einiges dafürspricht, dass sich das Infektionsgeschehen endgültig dreht in Richtung Mutanten, 10 Prozent mehr Infektionen als letzten Donnerstag und die positiven Testergebnisse mehren sich, was auf eine erhöhte Dunkelziffer schließen lässt. Ob die Lockerungsübungen der Politik sich da mal nicht als üble Rohrkrepierer erweisen… Wenn die Öffnung der Frisöre wieder rückgängig gemacht werden muss, bricht doch hier eine Revolution aus. Dritte Welle, scheißegal, Hauptsache Dauerwelle. Man (frau auch, da bin ich großzügig) darf gespannt sein auf die Wahlen dieses Jahr, wenn sich Infektionszahlen und Seuchenfrust gegenseitig verstärken.
Ich hab manchmal Visionen, in denen ich mich mit hochgeklapptem Mantelkragen auf dem Impfstoff-Schwarzmarkt rumdrücken sehe, verzweifelt, ungeimpft, mit einem Flugticket nach Malle in der Tasche, und vorbeihuschenden finsteren Gesellen entgegenflüstern höre:
„Astra, Alter, hast Du Astra? Ich nehm auch Bio oder Mod!“

20.02.2021 – Heinz Erhardt, Fips Asmussen, Mario Barth und Dieter Nuhr


Wer Visionen hat, sollte den Drogenkonsum reduzieren. Gegen Utopien hingegen ist nichts einzuwenden, gerade weil wir in einem dystopischen Zeitalter leben. Kurz vor der Postapokalypse. Lustig sind auch die Groucho Letters, Briefe von und an Groucho Marx, den Godfather des Humors.
Den Folgenden schrieb er an den Kollegen Eddie Cantor auf dessen Frage nach seinen größten Lachern. Das erwähnte Varietéstück dürfte aus den Dreißigern sein, einer Zeit, in der in Deutschland die Humormesslatte bei Heinz Rühmann lag, also extrem niedrig. Die Nazis trieben dann Deutschland all das aus, was Groucho und andere in den USA ausmachte: jüdischer Witz, geistreich, anarchisch, absurd, präzise.
„Wir“ hatten dann Heinz Erhardt, Fips Asmussen, Mario Barth und Dieter Nuhr. Vae victis.
Hier der Brief, die erwähnten Zeppo und Chico waren Brüder von Groucho:
„Lieber Eddie,
In Kürze (und schnell), die zwei größten Lacher, an die ich mich erinnern kann (außer meinen drei Heiraten), waren in einem Varietestück mit dem Titel »Wieder zu Hause«.
Bei dem einen kam Zeppo aus den Kulissen und verkündete: »Dad, der Müllmann ist da.« Ich antwortete: „Sag ihm, wir brauchen nichts.«
Bei dem anderen schüttelte Chico mir die Hand und sagte: »Ich würde Ihrer Frau gerne auf Wiedersehen sagen«
Und ich sagte: »Wer nicht?«
Paß auf Dich auf.
Grüße,
Groucho Marx“

18.02.2021 – 100 Tipps für Gesundheit und Geldbörse


Urea ist nichts weiter als Harnstoff, mit medizinischer Wirkung. Gibt’s für 2 Euro fummsich im 250 ml Gebinde garantiert vegan im Drogeriemarkt Ihrer Wahl außer Rossmann und wirkt gegen unspezifische winterliche Hautreizungen und Entzündungen als Folge trockener Luft und Sonnenmangel besser als alle teuren Kosmetikprodukte oder Apothekencremes, bei denen die Werbung als Kostentreiber dient. Sobald’s juckt, spröde und rot wird, paar Tage drauf, zieht schnell ein und gut ist. Ich muss nicht alles selber machen und Harnstoff schon gar nicht. Sie können sich natürlich im Rahmen der Behandlung mit Eigenurin, was eine Zeitlang mal sehr in Mode war, auch in der Direktanwendung selbst verarzten, aber da sind die Leserinnen eindeutig im Nachteil, und selbst mir fällt die Behandlung am Schulterblatt auf dem direkten Weg schwer. Ich überlege, von diesem procedere ein Youtube Video zu erstellen und halte Sie auf dem Laufenden.
Von der Gesundheit zur Börse, was eng zusammenhängt. Sollten Sie Anfang Dezember meine Kaufempfehlungen umgesetzt haben, was AstraZeneca, Biontech, Moderna und den ETF Ökoworld RocknRoll angeht, ist die Bilanz nach nicht einmal drei Monaten so: Biontech und AstraZeneca auf gleichem Level, Moderna plus 45 Prozent, Ökoworld plus 12 Prozent. Keine schlechte Bilanz angesichts wachsender Negativzinsen auf Giro, Tagesgeld etc Konten.
Wenn Sie Ihr Geld, so Sie welches haben, 5 Jahre auf einem Tagesgeld Konto verschimmeln lassen, sind sie demnächst bei 2 Prozent Realverlust. Dazu kommt die anziehende Inflation. Da sollten Sie sich schon fragen, wenn Sie derartig strategisch vorgehen, ob Sie die eine Hälfte Ihrer Kohle nicht lieber versaufen, verkoksen und auf den Kopf hauen und die andere Hälfte einfach sinnlos verprassen.
Die „Sorgen“ haben 40 Prozent der Bevölkerung nicht, die haben entweder Schulden, gar nichts oder so wenig Rücklagen, dass sie selbst eine Notstrecke von ein paar Wochen nicht überbrücken können. Die Politik richtet sich allerdings konsequent, nein, nicht an den restlichen 60 Prozent, da wär sie ja blöd, nein, sie richtet sich konsequent an den 10 bis 20 Prozent aus, die wohlhabend bis reich sind, Geld anlegen können.
Und den Ton bestimmen, das heißt, via Bewusstseinsindustrie dem Mob klar machen, was er zu denken hat.
Sehr schön auch folgender Tipp, der für viel Gesprächsstoff in nächster Zeit sorgen wird. Wenn Sie wissen wollen, was Ihre Immobilie wert ist oder die Ihres Ex-Mannes oder Ihrer Erbtante oder von wem auch immer, hier klicken , Adresse eingeben und Freude aufkommen lassen.
Viel Freude dabei, liebe Leserinnen. Und nur kein Neid. Es ist alles gut so, wie es ist. Nur nicht dran rütteln.
Seien Sie Sie auch nächstes Mal wieder dabei, wenn es heißt: 100 Tipps für Gesundheit und Geldbörse!

16.02.2021 – Die Hölle, das ist immer der Alltag oder: 100 Tipps, wie Sie gesünder durch den Winter kommen


Korfu, irgendwo an der Westküste.
Im Winter sinkt die relative Luftfeuchtigkeit in der Wohnung schon mal unter 40 Prozent, was ungesund ist. Der Alltagseffekt sind mindestens trockene Haut, gereizte Augen, ausgedörrte Schleimhäute. Draußen kalte, trockene Luft (daher trocknet Wäsche draußen im Winter auch schneller), drinnen powert die Heizung, ruckzuck leidet das der Wildnis entwöhnte Zivilisationsweichei. Wasserbehälter auf die Heizkörper bringt nicht so viel, wie man denkt, elektrische Luftbefeuchter kosten Kohle, blasen Bakterien und Schimmelpilze in die Gegend und verbraten Strom. Da hilft das alte Hausmittel Nasenspülung mit Salzwasser. Die Nasenschleimhaut wird von Schmutzpartikeln und Krankheitserregern gereinigt und schonend befeuchtet. Auch dafür braucht man natürlich keine teuren Gerätschaften, einfach einen knappen Teelöffel Salz in einem bis Kante mit lauwarmem Wasser gefüllten Becher auflösen, den alten Riechkolben reintunken, ein Nasenloch zuhalten, Wasser ansaugen und los geht’s. Hinterher fühlen Sie sich erfrischt und gehen Ihren Alltagsgeschäften in dem beruhigenden Gefühl nach, kostengünstig, nachhaltig und naturgemäß was für Ihre Gesundheit getan zu haben. Ich fühle mich hinterher immer drei Monate jünger, mindestens. Aber keine Anwendung ohne Nebenwirkungen.
Heute Morgen hatte ich dabei urplötzlich einen Urlaubsflash. Salzwasser ist Salzwasser, ob im Nasenspülungsbecher oder im Mittelmeer, und so umflorten via Nase Urlaubsbilder und Erinnerungen mein Gemüt, eine einsame Bucht an Korfus westcoast mit einem kleinen Strandrestaurant, glasklares Wasser, herrliche Luft, ohne Befeuchter, geschwängert mit einer Note von Pinien und gegrilltem Fisch. Siehe oben.
Der Blick aus dem Fenster holte mich auf den Boden der Realität. Kotz würg.
Der Tag hatte schon nicht gut begonnen. Um die mähliche Kompostierung meines Körpers wenn schon nicht zu bremsen so doch wenigstens zu mildern gibt es mittlerweile keinen Quadratzentimeter an mir, den ich nicht mit irgendwas salbe, öle, creme oder lotioniere. Alles Routine normalerweise, aber kurz aus dem Takt gekommen stand ich heute vor der Batterie von Flaschen, Tuben, Dosen etc. pp und hatte keinen Plan mehr, was in welcher Reihenfolge wohin kommt. Nicht ganz unwichtig, wenn da Wärmecreme für die Muskeln dabei ist. Die möchten Sie eher nicht in der erwähnten Nase haben. Von anderen Stellen ganz zu schweigen. Da denkt man schon mal, jetzt sucht einen St. Dementia heim. Die Hölle, das ist immer der Alltag.
Versöhnlich-praktisches zum Schluss: Zur Not reicht es, wenn Sie, liebe Leserinnen, die Allzweckwaffe Rosmarin-Olivenöl für den Body nehmen. Ein, zwei Hände voll Rosmarinzweige zerschnippeln, eventuell mörsern, und in einem Liter Olivenöl ein paar Monate im Dunkeln ziehen lassen, auspressen, abseihen und filtern. Olivenöl ist entzündungshemmend, desinfiziert und fördert Wundheilung, Rosmarin entspannt und ist eines der ältesten antibakteriellen Hausmittel überhaupt. Für ne Bodylotion von Shiseido z. B. zahlen Sie locker das Zwanzigfache. Und Konservierungsstoffe sind da auch drin.
Wenn das hier kein Service ist, was dann. Rutschfreien Tag.

12.02.2021 – Darth Vader im Garten.


Wenn ich im Halbtran zur Morgentoilette torkele, kriege ich im morgendlichen Dunkel mitunter immer noch einen Herzinfarkt, falls mein unbebrillter Blick auf diese an Darth Vader gemahnende Skulptur im Garten fällt. Es ist aber bloß die Korfu-Olive, die einen zweiten Überzieher bekommen hat angesichts der sibirischen Fröste. Da die erste Schutzschicht zu einer Isolierung verleihenden beinharten Eisdecke gefroren ist, bin ich zuversichtlich, dass das Teil auch heuer wieder durch den Winter kommt. In südlichen Regionen werden die Blüten von Zitrusfrüchten beim selten aber doch mitunter nahendem Frost künstlich vorab beregnet, was sie im Einfrieren durch die dabei freiwerdende Kristallisationswärme vor tieferen, tödlichen Temperaturen schützt. Reisen bildet. Sowas wäre eine prima Frage für ein TV Quiz: Wie werden die Blüten von Zitrusfrüchten in südlichen Ländern vor dem Erfrieren bewahrt? 1. Durch Heizpilze 2. Durch Decken 3. Durch Wärme von Schafherden 4. Durch Kristallisationswärme. Da tippen 90 Prozent auf Heizpilze, jede Wette. Aber ich sehe es schon kommen, dass die entscheidende Frage beim nächste TV Quiz lautet: Wer hat den Käse zum Bahnhof gerollt? 1. Prinz Frederick 2. Prinz August 3. Prinzessin Viktoria 4. Königin Sommerlatte. Letztere konnte ich mir merken, weiß auch nicht wieso.
Dem zusammenhanglosen Gefasel hier merkt man sicher an, dass ich schwer am prokrastinieren bin, müsste dringend Terminarbeit erledigen, schwankte stattdessen noch zwischen Staubsaugen und Abwasch. Dabei rausgekommen ist das hier. Auf solche Gedanken kommt man nur im Homeoffice. Sinnvoller wäre es, auch und vor allem für mich selber, eine aktuelle Seucheneinschätzung abzugeben. Aber dafür können Sie, liebe Leserinnen, auch einfach das nachlesen, was Angela Merkel dazu sagt. Das deckt sich mit meiner Sicht. Sie sagt es in höflich. Ich sage es in ehrlich: Die Ministerpräsident*innen der Länder sind eine Bande von Idioten, Opportunisten und Versagerinnen.
Uneingeschränkt positiv hingegen finde ich die beschlossene Öffnung der Frisöre, auf der Basis des Grundgesetzes Artikel 2:
„Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit und eine gutsitzende Frisur.“