Archiv für den Autor: admin

12.04.2021 – Ein Wort gab das andere, wir hatten uns nichts zu sagen.


Alles Gute kommt von oben.
Sollten Sie 2068, dem 100. Geburtstag des SCHUPEEN 68, zufällig auf der Erde sein, setzten Sie sich lieber einen Helm auf oder besuchen Sie Verwandte im All. Dann könnte der Asteroid Apophis auf dem Planeten einschlagen. Kein Drama, bereits 250 km vom Aufschlagpunkt entfernt ist die Wahrscheinlichkeit zu überleben nicht schlecht. Aber wenn der Klumpen mit einem Durchmesser von ca. 300 Meter z. B. in die Nordsee plumpst, dürfte selbst ich, ca. 200 km von der Nordsee entfernt, in 68 Meter Höhe über Normalnull, nasse Füße kriegen. Kurzfristig hatte eine mögliche Annäherung dieses Asteroiden 2029 an die Erde die Stufe 4 von 10 auf der Turiner Skala, was eine weitere Beobachtung durch Astronomen erforderlich machen würde und eine gewisse Einschlag-Wahrscheinlichkeit nicht ausschließt. Sollte der Brocken unterwegs mit jemandem anders kollidieren und aus der Bahn geworfen werden, was leicht passieren kann, wie manche Leser bestätigen können, erstelle ich neue Berechnungen der Kollisionswahrscheinlichkeit und lasse es Sie wissen.
Soviel zum Unsicherheitsereignis vom letzten Blogeintrag „Asteroideneinschlag“. Meine Küche sieht auch mitunter so aus, als ob ein Asteroid da eingeschlagen wäre, das ist aber nicht so leicht vorauszuberechnen und ein Helm nutzt da auch nichts. Globale Unsicherheitsereignisse sind eher punktueller Natur, kaum vorhersehbar und mit schwer zu kalkulierenden Folgen, wie der Fall der Mauer, Corona oder die Lehman Pleite. Meine Pleiten hingegen waren immer vorhersehbar und die Folgen eher nicht global sondern im Lokal.
Unsicherheitsereignisse sind strikt zu trennen von sozialen oder ökologischen Prozessen, die sich über Jahrzehnte abspielen, wie der Siegeszug des Neoliberalismus und in dessen Folge das Anwachsen von Nationalismen und faschistischen Tendenzen oder die Klimakatastrophe.
Die im Prinzip aber schon vorhergesehen wurde mit dem Einzug von Familie und Privateigentum in die Menschheitsgeschichte, also seit Adam und Eva. Bei solchen Konstruktionen kommt nie was Gutes bei raus. Und danach wird’s richtig finster. Bei Matthäus heißt es dazu: „ …. Direkt nach der Drangsal jener Tage wird sich die Sonne verfinstern, der Mond hört auf zu leuchten, die Sterne (siehe Apophis, d. A.!) fallen vom Himmel und die Kräfte des Himmels werden erschüttert….
Und am Ende heißt es, auch wieder bei Matthäus:Ein Wort gab das andere, wir hatten uns nichts zu sagen.„
Womit wir wieder bei Adam und Eva, Zweierbeziehungen und anderen Katastrophen wären.
Passen Sie auf sich auf, liebe Leserinnen, nicht immer kommt alles Gute von oben, siehe oben, und auf keinen Fall niemals Sand in den Kopf stecken (Vorsicht bei doppelter Verneinung!)

10.04.2021 – Muntermacher zum Wochenende


Eigenheime, bei mir umme Ecke. Erinnern in ihrer eigenwillig faszinierenden Ästhetik an Bunker. Gewappnet sein für alle Fälle. Aber welche? Setzen wir die Liste der großen, globalen Unsicherheiten vom gestrigen Blogeintrag fort:
Ein elektromagnetischer Impuls, der alle elektrischen Geräte (inclusive Handys!) lahmlegt. Zitat:“ Die Schutzkommission beim Bundesminister des Innern schreibt 2011: Der EMP kann alle elektronisch gestützten Maschinen vom Flugzeug bis zum Herzschrittmacher stören oder zerstören, er gefährdet die zentralen Systeme von Rundfunk, Rettungswesen, Krankenhäusern, Energieversorgung und Bahntransport – mit entsprechender Gefahr für das Warnwesen, die Patientenversorgung und Evakuierungen.“
Ein Virus, das die Steuerung aller Kraftwerke (inclusive Kernkraftwerke!) außer Betrieb setzt.
Kriegerische Konflikte mit Atomwaffen, die Gefahr dafür ist so hoch wie nie .
Ein Asteroideneinschlag.
Am schlimmsten ist aber jene Unsicherheit, für die wir heute weder Namen noch Vorstellung haben, die sich für manch begabte Seherinnen vielleicht in Schemen am Horizont der Geschichte abzeichnet. Wofür sie heute aber noch verlacht würden.
Es gibt für globale Unsicherheiten keine allgemeingültige Norm. Das, was manche als kollektives Unsicherheitsereignis bezeichnen, sehen andere als Fortschritt der Geschichte. Beispiel: Das größte globale Unsicherheitsereignis in meiner Wahrnehmung zu meinen Lebzeiten war der Fall der Mauer und der Zusammenbruch des Wettkampfs de Systeme 1990 ff. Das sehen mit Sicherheit 90 Prozent der BRD-Insassen anders.
Beschränken wir uns hier mal klassisch eurozentristisch auf die Folgen für Europa: Kriege wurden nach dem Fall der Mauer(n) wieder zum Mittel der Politik. Weit über 100.000 Tote allein in den Jugoslawienkriegen nach 1990, davon 5.000 in Folge des völkerrechtswidrigen Nato-Angriffs auf Serbien. Im Konflikt in der Ostukraine 13.000 Tote. Krieg zwischen Armenien und Aserbeidschan über 6.000 Tote. In der Folge der Kriege jeweils ethnische Säuberungen mit hunderttausenden Flüchtlingen.
What’s left?
Die Beuteländer aus dem Osten wurden zum großen Teil Mitglieder der EU und liefern „uns“ seitdem zuverlässig billige Arbeitssklaven für unsere Schlachthöfe und Spargelfelder. Bis auf die baltischen Staaten würde ich sie als failed democracies bezeichnen. Von Polen über Ungarn bis Bulgarien herrschen dort nationalistische, halbfaschistische Autokarten, Arturo Uis in (noch) Westentaschenformat. Korruption, Vetternwirtschaft, mangelnde Rechtsstaatlichkeit sind an der Tagesordnung. Diese Staaten delegitimieren die EU nachhaltig und die Frage nach einer Weiterexistenz der EU stellt sich so zwingend wie nie. Man kann von der EU halten, was man will, aber sie hat in Mitteleuropa für die längste Friedensperiode gesorgt, seit es sowas wie „Nationbuilding“ gibt. Wenn es die EU nicht mehr gibt, was sollte Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Slowakei, etc. pp. davon abhalten, territoriale Ansprüche untereinander mit Waffengewalt durchzusetzen? Und haben „wir“ im Osten nicht auch noch alte Rechnungen offen, oder mit dem Franzmann?
Ach ja, das – übrigens sehr tanzbare – Zitat zum Foto oben hab ich noch vergessen:
Down in their bunkers under the sea.
Men pressing buttons don’t care about me.

(Fischer Z, Red skies over Paradise)
Unsicherheiten soweit man sehen kann. Und noch weit darüber hinaus.
Nur eins ist sicher: Die nächste Seuche ist immer die schwerste. Fröhliches Wochenende, liebe Leserinnen.

09.04.2021 – Blüten und Schnee.


Blüten und Schnee. Das ist nicht der Titel einer Unterweltsaga über Falschgeld und Koks, das war unlängst der morgendliche Blick in meinen Garten. Naturromantiker mögen darob feuchte Hände vor Entzücken kriegen, ich fand’s überwiegend zum Kotzen. Nach Ostern so ein Wetter und dann noch Seuchenbedingt an diese nasskalten Breitengrade gekettet wie Prometheus an den Kaukasus, da möchte man am frühen Morgen schon wieder für den Rest des Tages die Bubumaschine aufsuchen.
Ich sinnierte im Blick nach draußen über die Vulnerabilität meines Gartens und menschlicher Existenz schlechthin. Im Garten die Corfu-Olive erfroren, trotz Christo-Ummantelungen, zwei Rosen und der Rosmarin, der lediglich winterfest, aber nicht winterhart war. Dass es diesen Unterschied gibt, wusste ich bis zum Tod des Rosmarins auch nicht. Kein Verlust, kein Mensch braucht so viel Zeug wie an einem jahrealten Strauch wächst.
Aber nix von wegen Klimakatastrophe, warme Winter und so, der Letzte hatte Bitterkaltes im Gepäck. Was aber kein Vergleich ist zu dem, was uns erwartet bei einem Ausbruch der Phlegräischen Felder, deren Bestandteil der Vesuv ist. Der letzte große Ausbruch dieses Supervulkans vor ca. 40.000 Jahren war erheblich stärker als der stärkste Ausbruch bisher der Zivilisationsgeschichte, der des Tambora. Er hatte 1816 ein Jahr ohne Sommer zur Folge, mit Seuchen, Hungersnöten, erheblich erhöhter Mortalität und verstärkten Migrationsbewegungen im Gefolge. Weil der ganze Globus verfinstert war ob der Aschewolken, entstanden prachtvolle nahezu surreale Gemälde von Turner oder Caspar David Friedrich. Der Ausbruch dürfte ähnliche Folgen für den Gang der Zivilisationsgeschichte gehabt haben wie die napoleonischen Kriege.
Das letzte Mal rummste das geologische Gebiet der Phlegräischen Felder 2017, tödlich auf der zauberhaften Insel Ischia, beim vorletzten Erdbeben 1883 gab es 2.000 Tote. Kein Mensch weiß, wann dieser Supervulkan in die Luft fliegt, ob in 40.000 Jahren oder nächstes Jahr, wenn ich meine morschen Knochen in den Thermalbädern von Ischia pflegen will. Wenn es soweit ist, werden wir uns die Seuche zurückwünschen und ich nehme solche bisher von mir vernachlässigten Naturgewalten in die Liste der großen Unsicherheiten der Zukunft auf. Und zwar meiner theoretisch noch erlebbaren, das macht sie so düster wie ein Turner Gemälde. Als da wären: Die nächste Seuche nach Corona, Hitze- und Dürrekatastrophen mit Wassermangel (ohne Wasser kein Bier!), Banken- und Börsencrash und, neu: Ausbruch der Phlegräischen Felder. (Hier bietet mir meine Rechtschreibkorrektur an: Pflegerische Felder. Hahaha.) Also von meinem Mantra: „Nach mir die Sintflut“, bin ich immer mehr wech.

Fast erscheint mir mein erfrorener Rosmarin wie ein Menetekel. Vielleicht sollte ich sicherheitshalber wieder gläubig werden. Ich halte Sie, liebe Leserinnen, auf dem Laufenden.

07.04.2021 – Leckt mich doch am Arsch


Vorgarten oder Vorhölle – Anzeichen eines Peter-Pan-Syndroms?
Um diese Jahreszeit ist Aufräumen angesagt, innerlich, aber auch in Schubladen. Dabei fiel mir ein Karton mit alten bedruckten T-Shirts in die Hände. Bis weit in die Achtziger war es schwer in Mode, seine politischen Überzeugungen und, schlimmer noch, seine vermeintliche Originalität mittels Auto-Aufkleber, Buttons oder bedrucken T-Shirts öffentlich zu Markte zu tragen. Das Ganze erinnerte irgendwie an aufgeregte, fingerschnipsende Quintaner: „Herr Lehrer, ich weiß was! Auf dem Scheißhaus hat jemand das Licht angelassen. Und ich hab’s wieder ausgemacht!“ Also ein leicht wichtigtuerisches Gehabe, mit dem Bemühen, hervorzustechen, irgendwie anders zu sein, aber bloß nicht zu sehr, doch lieber aufgehoben in Massenkompatibilität, und das alles in Verbindung mit der unstillbaren Sehnsucht nach Anerkennung, Liebe. Nehmt mich wahr und lasst mich mitspielen. Meistens gepflegt von Männern.
Auch wenn dieses Posen normalerweise mit dem Erreichen des magischen 30. Geburtstags ausklingt und in den 90ern noch schrecklicheren Attitüden wie dem Körperwahn in Fitnessstudios wich, fällt es doch unter die Kategorie: Peinlich wie ein Furz im Fahrstuhl.
Umso schlimmer, als ich offensichtlich Teil dieser Bewegung war. Natürlich nicht mit Politparolen, davor hielt meine Stilsicherheit mich denn doch ab. Aber zumindest mit einem Donald Button. Bis weit jenseits der 30 trug ich sowas stolz wie ein Indianer seinen Beute-Skalp. Kreisch Brüll Jammer jaul.
Genug der klebrigen Jugendsündenbekenntnisse. Heutzutage werden Buttons nur noch bedruckt an Wahlständen von Parteien und Info-Tischen von Wohlfart-Verbänden (das ist kein Schreibfehler, darauf können Sie Einen lassen!) und Motiv-T-Shirts können in größerer Anzahl überwiegend besichtigt werden an Strandpromenaden auf Malle und ähnlichen Orten. Die allerdings sprengen so sehr jedes Schamgefühl, dass ich vor Jahren, nach meiner großen Foto-Serie „Menschen im Süden mit Sackkarren“, eine begann mit Motiv-T-Shirts. Auslöser war eins mit „Gleichberechtigung ist, wenn die Weiber auch mal einen ausgeben“. Sicher, AfD Humor, bevor es die Partei gab, aber im Umfeld von Schädel-Sprengern wie „Bier und Mett formten diesen Körper“ mit abgebildeten Bierhumpen und Mettklumpen, über monströsen Männerplautzen, doch von so hervorstechender Eloquenz, dass es den Impuls für eine Foto-Serie gab.
Liegen im hier Geschilderte Symptome des Peter-Pan-Syndroms? Und was wäre schlimm daran, sich dem Erwachsenwerden zu verweigern, abgesehen von einer gewissen Würdelosigkeit, Flucht vor Verantwortung und pathologischer Sucht nach Anerkennung und Liebe?
Unter anderem Lieder wie „Forever young“ von Bob Dylan, ein unfassbarer Müll aus Kitsch, Pathos und reaktionärem Gegreine.
Das darf man als 16jähriger verliebter Pennäler putzig finden, aber bestimmt nicht als Erwachsener. Also, Jugend der Welt, hergehört: Ab 21 lautet das Motto: „Growing older in dignity“!
Nichts ist übrigens einzuwenden gegen Werbe-T-Shirts für eigene Projekte. Ich schreibe gerade an einem Ratgeber mit dem Titel: „Leckt mich doch am Arsch – 99 Wege zu mehr Gelassenheit in Krisenzeiten!“ Wenn der auf dem Markt ist, trage ich selbstverständlich ein T-Shirt zu jeder Gelegenheit mit dem Aufdruck:
Leckt mich doch am Arsch!

05.04.2021 – Dresscode autonomes Schwarz


Schwarzgekleidet I. Angehörige des Repressionsapparates bei Demo gegen Wohnungslosigkeit und Gentrifizierung am 27.03.2021.

Schwarzgekleidet II. Autonome bei der gleichen Demo ein paar Meter nebenan.

Später kam die Sonne durch. Zu spät, ich war durchgefroren und genervt, hatte ich doch meine goldene Regel für alle Demos gegen Unterdrückung und Not auf dieser Welt gebrochen: Ich hatte meinen Rucksack nicht mit, in dem sich für solche Fälle immer ein Flachmann mit den edelsten Tropfen befindet. Wie anders soll man das Elend der Welt sonst aushalten. Hier wäre das ein 16 Jahre alter Hudson Manhattan Rye Whiskey gewesen, mit jahreszeitlich angemessenen 46 % Alk.
Mich heiterte ein wenig die Tatsache auf, dass ich neben vier, fünf anderen unter ca. 200 Demonstrant*innen der einzige Vertreter der Generation Best-Ager war. Der Rest war U 30, dazwischen altersmäßig eine Lücke von mehreren Popgenerationen, die zählen, anders als biologische, in 5-10er Jahres-Schritten. Logisch, einen 25jährigen trennen von einem 35jährigen Welten. Ein Dandy sollte sich immer antizyklisch verhalten, keinesfalls das tun, was alle (in seinem Alter) tun, und das spielte mir auf besagter Demo eindeutig in die Karten.
Als dann auf der Demo auch noch eine Soli-Botschaft aus der Rigaer 94 verlesen wurde, die vor Militanz nur so strotzte, fühlte ich ein Prickeln jenes Stoffes in meinen Adern, das ich in der Pandemie je länger, desto schmerzlicher vermisse: Leben.
Das Prickeln wich aber schnell der kriechenden Kälte in meinen langsam vor sich hin modernden Knochen, das jähe revolutionäre Flackern in meinem Gemüt und der geballten linken Faust in der Tasche wich einem Fluchtreflex. Ich schüttelte die Nässe der Wallstatt von meinen Schuhen, wandte mich meiner 5 Minuten entfernten Homebase zu, holte dort den Hudson Manhattan nach und ward für den Rest des Tages nicht mehr von der Heizung zu holen. Soll die Jugend der Welt mal machen.
Was sie dann auch auf einem Marsch durch den Kiez tat, mit einer Gedenkveranstaltung an den vor zwei Jahren hier auf der Straße gestorbenen Genossen „Bauer“, der unverschuldet zwangsgeräumt wurde und dadurch auf eine tödliche Rutsche ins Elend geriet.
Nachzulesen hier im anrührenden und doch hochpolitischen Demo-Redebeitrag meines Freundes Jürgen Otte, der mit Bauer in der „Korn“ und anderen linken Zusammenhängen groß geworden ist: 210327Jürgen Otte Redebeitrag

Wandgemälde in der Fröbelstr. 5 in Hannover.

04.04.2021 – Alter verschwindet, Jugend hört nicht mehr auf.


Mein erster selbstgemachter Schnelltest. Eine Schnapsidee, das Ding zur seligen Seuchenerinnerung an der Kühlschrank-Pinnwand ausgerechnet mit einem Portwein-Magneten zu fixieren, aus der Stadt des Portweins, welche nicht Porto, sondern das am gegenüberliegenden Douro-Flussufer befindliche Vila Nova da Gaia ist. Natürlich tauchen sofort wermütige Erinnerungen auf, von leicht beschwingten Märschen aus der Altstadt von Porto über die spektakuläre Douro-Brücke hin zu den Portweinkellern von Vila Nova. Der Rückweg wird dann auch irgendwie stattgefunden haben. Das Alles ist so weit weg im Moment wie der Mars.
Diese Schnelltests sind ja eine feine Sache und tragen sicher zur Seuchenkontrolle bei. Sie werden bestimmt zentraler Bestandteil im mählichen Öffnungsprozess, bei Besuch von Einzelhandel, Konzerten, Restaurants etc.. Wobei ich bei Letzteren etwas skeptisch bin. Das Schnelltest-Procedere ist einfach, es ist nicht schmerzhaft, aber schon etwas unangenehm. Es hat mich zumindest zu diversen Niesreizen veranlasst, in deren Folge mir alles Mögliche aus den Gesichtsöffnungen mitunter regelrecht explodierte. Nun ist ein sorgfältig aufgetragenes Make-up nicht die conditio sine qua non eines Restaurantbesuches, aber förderlich ist das Farbschichtenzerstörungsdesaster für empfindsame Gemüter sicher nicht. Bei mir hat es, auch ohne Make-up, eine Weile gedauert, ehe meine Sinnesorgane wieder voll auf Empfang wären für den irritationsfreien Genuss eines Aperitifs in Form eines edlen Ports.
Das sind zugegeben Luxusgedanken, ich würd’s auch nicht Problem nennen. Aber der Alltag besteht nun mal aus einer Menge von Kleinigkeiten, die in Summe die Qualität unseres Lebens ausmachen, und denen man durchaus mal feinfühlig und scharfsinnig nachspüren kann. Wenn man, so wie ich, gerade keine Lust hat, allfällige dreckige Gartenräumaktionen oder den Abwasch zu machen.
Und dieses Sinnieren regt ja auch Gedanken über die Zukunft an. Was ist, wenn permanente Mutationen über die Wirksamkeit von Vakzinen hinwegwuchern, und Reisen zu einem unabschätzbaren Risiko machen? Wirkt z. B. meine Impfung von letztem Monat überhaupt noch am Douro?
Wie lädt man sein Leben dann nach dem Sinn- und Sinnes-Verlust durch Reiseerfahrungen auf? Meine Option z. Zt.: Ich werde Best-Ager Influencer. Ein Widerspruch in sich? Peinlich? Von wegen. Es gibt einen ehernen Satz in der aktuellen Generationen-Soziologie: Alter verschwindet, Jugend hört nicht mehr auf. Die peinlichen Auswüchse sind auf allen Fitness-Parcours dieser Welt zu beobachten. Mein Blog demnächst: Gutes Leben für Silberrücken – Ratschläge, Weisheiten, Anlagetipps.
Vom Rollator zum Rock’n’Rollator. Da liegt ne Menge Kohle in der Luft.
Und schon bin ich wieder hoffnungsfroh und gut drauf. Ich liebe meinen Blog. Ihnen, liebe Leserinnen, entspannte Eiertage.

30.03.2021 – Osterbescherung HEUCHEL-EI für CDU/CSU-Fraktion


HEUCHEL-EI.
Die Bundesfraktion CDU/CSU erhält eine schöne Bescherung zu Ostern: Aus Anlass der seit Jahren zunehmenden Korrumpierung ihrer Mitglieder überreicht das Satirekollektiv SCHUPPEN 68 dem CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Ralph Brinkhaus stellvertretend das HEUCHEL-Ei. Zur Begründung im Folgenden das Anschreiben an Ralph Brinkhaus in der PM: PM SCHUPPEN 68 Osterbescherung HEUCHEL-EI für CDU-CSU-Fraktion

Das ehemalige CDU/CSU-Gangmitglied Jürgen Hodentöter hat dazu ein Enthüllungsbuch herausgebracht, das bei Thalia erhältlich ist
Völlig legal, aber genauso zum Kotzen wie die CDU/CSU Masken-Mafia: Stanislav Tillich (CDU), ehemaliger Ministerpräsident von Sachsen, war einer der vier Vorsitzenden der sogenannten Kohlekommission der Bundesregierung. Die handelte den sehr fragwürdigen Kohlekompromiss aus, demzufolge in Deutschland noch bis 2038 Kohle verfeuert werden darf. Die Branche war mit dem Ergebnis offenbar zufrieden. Seit 2019 ist Tillich der Aufsichtsratsvorsitzende des Braunkohlekonzerns Mibrag.
Ca. 3.100 vorzeitige Todesfälle gehen jährlich auf das Konto deutscher Kohlekraftwerke. Deutsche Aufsichtsräte verdienen im Durchschnitt ca. 350.000 p. a.
Tillich ist also mitverantwortlich für den Tod von zehntausenden zusätzlichen Todesfällen durch deutsche Kohlekraftwerke und profitiert mit Millionen davon. Im Vergleich dazu ist die Mafia eine Pfadfindervereinigung.
Wie hält Angela Merkel es bloß mit solchen Leuten aus. Beruhigend zu wissen, dass die Geschichte den Stab über diese Gauner und Lumpen bricht. Angela Merkel hingegen wird als Bundeskanzlerin, die alles richtig gemacht hat, ins Retiro gehen. Was sich gerade jetzt wieder erweist, wo all die Öffnungsfetischisten wie dieser Saarland-Kasper und Armin „The Kittel“ FLaschet zur grandiosen Bruchlandung ansetzen.
Sie sind alle so unfassbar medioker.

26.03.2021 – Tagespflege an der Leine.


Der Pflegenotstand produziert immer schillerndere Sumpfblüten. Es ist sicher schwierig, orientierungslose Demente oder Alzheimerinnen zu beaufsichtigen, aber an der Leine?
Da sich Blogs tunlichst des Köchelns im eigenen Kiezsaft enthalten sollten, das Internet ist qua Struktur ein globales Medium, muss hier der Hinweis erfolgen: Dieses Werbeschild wurde in Hannover gesichtet und Hannover liegt nicht an der Elbe. Leider.
Unlängst kam mir ein Jahre alter Blog-Beitrag unter die Augen und ich wusste nicht mehr: Hatte ich den satirisch gemeint? War die Geschichte wirklich so passiert? Was wollte ich damit sagen? Reine Ironie?
Ironie ist ein beliebtes Stilmittel. Mit Ironie schafft man Distanz, oft aus Schwäche und Konfliktscheu heraus. Wer Angst hat, Position zu beziehen, Haltung zu zeigen, sich der Mühe der Analyse zu unterziehen, zieht sich auf Ironie zurück. Dann kann man im Zweifel hinterher immer sagen: War doch gar nicht so gemeint.
Man. Ironie ist eine Männerdomäne.
Jetzt aber erstmal Wochend und Sonnenschein. Comedian Harmonists. Funkeln nach bald 100 Jahren noch wie strahlende Diamanten. Und jetzt’s wird knifflig: Welche Stilmittel nutzt der Text des Liedes?
….
Tief im Wald nur ich und du
Der Herrgott drückt ein Auge zu
Denn er schenkt uns ja zum Glücklichsein
Wochenend und Sonnenschein.

….
Viel Spaß bei der Analyse. Das wird beim nächsten Extemporale abgefragt!

24.03.2021 – Was soll ich da noch zur öffentlichen Kakophonie beitragen.


WTF. Ich dachte im ersten Moment, das stünde für World Traded Fund als Ableitung eines ETF und sei so etwas wie ein weltweit diversifizierter Anlage-Fonds. An der Sprache scheiden sich die Geister, wobei ein Teilgeist von mir durchaus bei den Genossinnen vom Plakat weilt.
Zum aktuellen Stand der Seuche hier erstmal Nichts. So viel gedacht, gesagt, geschrieben, gesendet. Was soll ich da noch zur öffentlichen Kakophonie beitragen. Meine Sicht habe ich vor Monaten bekundet, mit der Forderung eines brutalstmöglichen mindestens dreiwöchigen Komplett-Lockdown, unter Einsatz der Bundeswehr zur Kontrolle und Versorgung. Wer Regeln bricht, frisst Gummi(geschosse), Corona-Leugner und Querdenkerinnen werden sofort ohne Anruf von der Straße gekärchert, ihnen wird die Seuche an der Hals und alsbaldiges Ableben zur Schonung der Gesundheits- und Rentenkassen sowie zur Aufrechterhaltung der Seuchen- und Psychohygiene in der Gesellschaft gewünscht.
Argumentative Detailvertiefung entnehmen Sie Zero covid.
Nichtsdestotrotz sickert die Seuche in Gedanken, Wahrnehmung, Handeln. Der Kopf ist rund, damit die Gedanken auch mal ihre Richtung ändern können, soweit so Binse. Nicht viel origineller ist die Einsicht, dass die Gedanken dann allerdings im hermetischen System Kopf nach einem Rundlauf irgendwann an ihren Ursprung zurückkehren. Wir drehen uns im Kreis.
Es sei denn, externe Einflüsse geben Anstöße, damit die Gedanken aus ihrer Bahn gestoßen werden und am Ende an einer ganz anderen Stelle als dem Ursprung im Kopf landen. Vom Hippocampus zur Amygdala meinetwegen, das wäre eine wünschenswerte Reise.
Das Blöde im Moment ist, es gibt wenig externe Anstöße: Museen, Theater, Konzerte, fremde Länder, andere Städte, all das, was Perspektiven verändern kann, fällt flach. Man schmurgelt im eigenen Gedankensaft und das ist à la longue der Tod der Kreativität. Dann folgt nur noch Reproduktion der eigenen Klischees. Das senkt auch die Entscheidungsfreudigkeit – wenn man es denn merkt. Ich habe z. B. zurzeit einige Projekte in der Pipeline, kulturell-kreativer Natur, zögere aber, sie auf die mediale öffentliche Weide zu lassen. Hm. Was tun…
Das Dilemma zu beschreiben, ist ein erster Schritt.

21.03.2021 – Die Teppichstange als Hyperlink


Teppichstangen, überall Teppichstangen. Mittlerweile bin ich von „meiner“ kleinen Siedlung regelrecht besessen, gestern habe ich sogar einen Schlenker abseits meiner üblichen Walk-Runde da gemacht. Ich werde akribisch dokumentieren, ob meine Wahrnehmung stimmt, dass sich nie jemand in den Teppichstangen-Arealen aufhält. Und ansonsten mal die hiesigen Grünen auf die Idee von Anwohnerinnen-Gärten in Verbindung mit ökologischen Co2-Speicherinseln hetzen. In der Siedlung ist dann vielleicht der Teufel los, die Grünen haben hier keine Zeit mehr für Politik, was auch besser so ist, da kommt nur Mist bei denen raus (abgesehen von Berlin), und ich kann hinterher behaupten, das ist als Kunstintervention im Sinne einer sozialen Plastik mein Werk. Vielleicht muss ich mir dann ne andere Route aussuchen, aber wenn das Werk Bestandteil der nächsten Documenta wird, ist es mir die Sache wert. Die ganze Siedlung mit allen sozialen Konflikten in die Kasseler Aue gebaut, das toppt Beuys Eichen um Längen.
Was garantiert nicht mehr an den Teppichstangen waltet, sind Teppichklopfer. Im Zeitalter von Staubsaugern und Teppichschäumen mit garantiert porentiefer Wirkung sind die Dinger schon seit Jahrzehnten obsolet. Was bleibt, ist die Erinnerung zumindest in Teilen meiner Generation an Teppichklopfer als Erziehungsinstrument. Und die Erinnerung an derartig gewaltförmige Erziehungsmethoden ist keineswegs so putzig, wie sich „Teppichklopfer“ anhört. Die Generation der Eltern, die aus dem Krieg kam und zu Scham und Trauer unfähig war, hatte die zurückliegende Brutalität im Umgang mit Menschen teilweise nahtlos auf Erziehung übertragen, Gewalt, Misshandlungen waren an der Tagesordnung. Niemand kam auf die Idee, sich über prügelnde Lehrer bei den Eltern zu beschweren, man hätte sich sofort eine zusätzliche Tracht eingefangen, nach dem Motto: „Wer sein Kind liebt, der schlägt es.“
Wenn ‘68 ff. auf einem Gebiet doch emanzipatorische Wirkung entfaltet hat, dann auf dem der Kindererziehung (vielleicht auch noch auf dem der Geschlechtergerechtigkeit, aber das wird ja gerade erfolgreich zurück abgewickelt). Gewalt als Erziehungsprinzip wird sicher noch praktiziert, ist aber weitgehend ein Tabu. Heutige Zustände, wo Eltern tendenziell zu Freunden ihrer Kinder werden und gemeinsame Freizeitaktivitäten wie Konzertbesuche unternehmen, wären von meiner Generation als absurd bis nahezu pervers beurteilt worden.
Über die Abarbeitung an der Elterngeneration damals gibt es Buchregale von hunderten Kilometer und ganze Therapeutengenerationen haben sich an der Aufarbeitung diesbezügl. Traumata ihr Domizil in der Toskana verdient. Mit dem heutigen elterlichen Liebesentzug und mangelnder Wertschätzung infolge der ausbleibenden Playstation zu Weihnachten lässt sich nach meiner Kenntnis auf dem Büchermarkt kein Lorbeer gewinnen.
Womit ich keineswegs die aktuelle Notsituation von Kindern in sozialen Brennpunkten geringschätzen will. Gerade in Zeiten der Seuche ist es ein deprimierender Startnachteil ins spätere Leben, sich mit zwei Geschwistern in einer 60 qm Wohnung am Küchentisch den einzigen PC im Haushalt für den Online-Schulbetrieb zu teilen.
So kamen wir heute von Hölzchen auf Stöckchen oder hangelten uns von Teppichstange zu Teppichstange, was Nichts weiter ist als das Prinzip der Hyperlinks.
Ihnen, liebe Leserinnen, einen guten Start in den Lockdown Nr. 3.