
Glock, Pistole mit Schalldämpfer.
Nach dem vermeintlich von linken Vulkanologen verursachten Berliner Blackout, womit nicht der unsägliche Bürgermeister Wegner sondern der Strom gemeint ist, meldet sich der zuständige Innenminister Dobrindt, CSU, zu Wort: „Wir schlagen zurück.“ Von der Tonalität her erinnert das an die Kriegsberichterstattung von der Ukrainefront. Es geht gegen links, da darf es gerne schon mal militärisch werden.
Ein Schelm, wer jetzt an den Deutschen Herbst 1977 denkt . Nach diversen Terroranschlagen der RAF reagierte der Staat mit zunehmender Repression gegen alles, was nach links roch, es grenzte an einen nichterklärten Ausnahmezustand. Alte Stahlhelmträger wagten sich wieder aus ihren Schützengräben hervor und plädierten für „Rübe ab“. Der damalige CSU-Vorsitzende Franz-Josef Strauß plädierte für die Erschießung von RAF-Häftlingen, falls deren Genossen draußen weitere Politiker oder Elitenangehörige ermorden würden. (Ich erinnere mich an damalige Sponti Sprüche wie: „Buback, Ponto, Schleyer, das war ein flotter Dreier.“ Womit die von der RAF ermordeten Generalbundesanwalt Buback, Dresdner-Bank Vorstand Ponto und Arbeitgeberpräsident Schleyer gemeint waren). Die RAF-Häftlinge seien ja schließlich Geiseln. Der frühere deutsche Paradehistoriker Golo Mann, Sohn von Thomas Mann: „Wir befinden uns im Krieg.“ Deshalb sei der Rahmen des geltenden Rechts nicht mehr zu halten. Meint: Einführung des Kriegsrechtes, was die Erschießung von Geiseln erlaubt. Der Generalbundesanwalt zu der Zeit, Rebmann, NSDAP-Mitglied, plädierte für die Wiedereinführung der Todesstrafe, bei abgekürztem Verfahren. Also Standrecht, direkt nach Urteilsverkündung Erschießung. Ein im Krieg zigtausendfach durchgeführtes Verfahren.
Der Deutsche Herbst markierte das endgültige Aus für die Reformära der Post-68er Phase und den Übergang in eine Zeit der bleiernen Stagnation. Natürlich hatte das auch ökonomische Hintergründe. Wer die bei politischen Krisen nicht mitdenkt, wird bei der Analyse des Ganzen und einer Perspektiveinschätzung immer im Dunkeln tappen, wie Barthel, wenn er den Most holt. 1974/75 herrschte in der BRD die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte. Die Zahl der Arbeitslosen überstieg erstmals die Millionengrenze.
Aktuell haben wir seit drei Jahren Rezession und drei Millionen Arbeitslose. Wir sind also weiter.
Es lebe der Fortschritt. Wir machen keine halben Sachen. Statt faschistoider Anwandlungen und Erschießungsphantasien wie bei den nicht ganz lupenreinen Demokraten Strauß, Mann und Rebmann ernten jetzt lupenreine Faschisten von der AfD das damalige Gedankengut realpolitisch ab. Man braucht nicht viel Phantasie, sich vorzustellen, welche Töne eine Innenministerin (Beatrix von Storch, die schon mal auf Flüchtlinge an der EU-Grenze schießen lassen wollte?) einer zukünftigen CDU/AfD-Koalition anschlägt und welche Rechtspraxis daraus erwächst. Erst in den Ländern, dann im Bund.
Nein, wir haben keinen Deutschen Herbst. Für diese Analogie fehlt schon die Voraussetzung von 1977, nämlich ein weit verbreitetes linkes gesellschaftliches Klima, bis weit in Medien, Kultur, Bildungssektor hinein, das radikale bis extreme linke Veränderungen mindestens solidarisch unterstützte. Siehe die klammheimliche linke Sympathie für RAF-Morde . Was wir 2026 statt 1977 und linkem Klima haben, ist weit verbreitetes offen faschistisches Klima, abgestuft von Ost, wo Nazis bereits jetzt die kulturelle Hegemonie haben, bis hinein in westdeutsche soziale Brennpunkte, wo die AfD die höchsten Wahlanteile erzielt.
Zentraler Bestandteil von Dobrindts Strategie des „Zurückschlagens“ soll KI werden. Also die digitale Rasterfahndung. Das kann ja heiter werden. Eine der großen Schwächen von KI in Bezug auf Texte besteht im Umgang mit Satire und Ironie. Das zu Erkennen oder zu produzieren, fällt ihr schwer. Wenn ich hier im Blog also grundsätzliche, radikale, linke Kritik am Kapitalismus übe, unsre Gesellschaft im Übergang zum Faschismus sehe und radikale Formen der Gegenwehr nicht a priori und grundsätzlich verurteile, solange sie nicht so schwachsinnig und kontraproduktiv sind wie die der Berliner Vulkanologen, und in diesem Zusammenhang einfach, kommentarlos, eine Glock wie oben abbilde oder mal von Bomben-Stimmung schreibe, frage ich mich natürlich, ob ich nicht irgendwann staatlichen Besuch kriege. Und bin ich dann jetzt schon so eine Art Widerstandskämpfer?
Da muss ich jetzt mal drüber sinnieren. Bis demnächst, liebe Leserinnen, passen Sie auf sich auf, es ist glatt draußen.









