09.02.2018 – Meine Papiere für die Auswanderung nach Norwegen sind soweit fertig

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Auf so wenigen Zeilen soviel gute Botschaft, Frohsinn und regelrecht ins Transzendente Lappendes wie der Name Elisabeth große Beilage, das schafft nur die HAZ. Natürlich unfreiwillig.
Der Übergang zu Siggi Pop, vulgo Sigmar Gabriel, fällt leicht, geht es in der Politik doch mitunter erbärmlicher zu als in einem Schweinekoben. Dem geneigten Notabiturienten fällt da sofort „Die Farm der Tiere“ von … „Na, sagen Sie es, Meyer II, wenn Sie glauben, Sie können Ihr gesammeltes Unwissen hinter dem Rücken Ihres Vordermannes verstecken, sind Sie bei mir auf jenem Holzweg, der für Sie der Gang nach Canossa wird!“
Der von mir unlängst als ungehobelter Parvenü skizzierte Gabriel überspringt die Messlatte an Schamlosigkeit spielend und aus dem Stand. Gabriel, ein Volkshochschullehrer, der das, was er geworden ist, nur durch seine Partei wurde, und ihr dann zum Dank mit unfassbar geheuchelter Naivität (Zitat Herr Pop: „Was bleibt, ist eigentlich nur das Bedauern darüber, wie respektlos bei uns in der SPD der Umgang miteinander geworden ist und wie wenig ein gegebenes Wort noch zählt“) bar jeder Solidarität in den Rücken fällt, das hat was ragend Ekliges. Ich werde jetzt meine Veranda aufsuchen, mit einem Glas Warre‘ Warrior Finest Reserve Port und den ganz unangenehmen Geschmack in meinem Mund langsam und genussvoll fortspülen. So wie die SPD vom ehernen Gang der Geschichte fortgespült werden wird. Was für eine Tragödie und wir sind ihre Augenzeugen. Trost, wer spendet Trost, Ihr Götter?
Na ja, zum Beispiel die Tatsache, dass die Rate der Schwanzbeißereien nur bei 2 bis 3 Prozent liegt. Anders wäre es auch kaum auszuhalten.
Draußen (wo sonst?) scheint die Sonne. Ich muss auf die Veranda, mit meinem Port, ich werde das Glas mit dem funkelnden Tropfen in die Sonne halten und aus tiefer Inbrunst intonieren:
Portwein zur Sonne zur Freiheit
Portwein zum Lichte empor
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Das bleibt am Ende des Tages.
Und der Dank an den Freund und Kollegen für die geneigte Zusendung des obigen Artikels, verbunden mit der Bitte an die geschätzten Leserinnen, mir ähnliches zwecks Verwurstung zuzuschicken. Es muss auch nicht immer so Schwanzzentriert sein.

07.02.2018 – Reichtum für Alle!

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Das Interview können Sie hier sehen.
Der in diesem Blog mehrfach zitierte Dandy, der sich ja eher durch eine innere Haltung denn durch äußere Signale auszeichnet, achtet dennoch unter allen Umständen auf seine Erscheinung, selbst wenn er nackt auf einer einsamen Insel gestrandet ist. Jemand, zu dessen Job Öffentlichkeitsarbeit gehört, sollte wenigstens vor der Kamera auf sein Äußeres achten, auch wenn es sich „nur“ um das Bürgerfernsehen handelt. Insofern unterlag mein Erscheinen unlängst bei h1 einem beklagenswerten Mangel an Achtsamkeit. Ich sah am Kopf aus wie ein Kamel um die Eier, das Hemd passte absolut nicht zum Hoodie und bei dem kann ich nur beten, dass niemand auf dessen Marke geachtet hat. Ich laufe weder 24 Stunden am Tag im Smoking rum noch wie ein Geck dauernd im feinsten Zwirn, besitze aber schon ein paar Klamotten, die nicht vom Grabbeltisch bei H & M stammen.
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Wie dieser Hoodie vom Label „Better Rich“. Nomen est omen und ausserdem est pecunia.
Da erhebt sich schon die Frage, ob ich sowas tragen sollte, wenn ich öffentlich als Geschäftsführer der Landesarmutskonferenz fungiere. Das könnte als Zynismus ausgelegt werden, bestenfalls als unprofessionell.
Nun kann man eher einen Pudding an die Decke nageln als mich fest und ich würde als gewiefter Dialektiker sofort kontern:
„Genossinnen und Genossen, es geht nicht darum, den Reichtum einer Minderheit anzuprangern und abzuschaffen, es geht um die Forderung, und sie gut, weil sie richtig ist: Reichtum für alle! Und auf nichts anderes weist mein Hoodie hin.“
Aber, liebe Leserinnen, seien wir ehrlich: Sie schätzen solche rhetorischen Finessen, ich schätze sie. Aber der Rest der Welt?
Was hat mich am Tag der TV Aufzeichnung also geritten? Unterbewusstes Spiel mit dem Feuer? Meine Adrenalinsucht? Tiefer hängen, ich war einfach verpeilt. Die Moderatorin der Sendung empfand ich übrigens als angenehm interessiert am Thema und präzise in der Fragenstellung, was mir in den wenigen Minuten des Interviews eine fokussierte Einlassung erlaubte. Ganz anders als unlängst beim NDR TV, wo ich angesichts des vollkommen themenverpeilten Moderators fast die Fassung verlor und den Eindruck hatte, den hätten sie nur zum Jacket-Auslüften ins Studio gestellt.
Hat auch sein Gutes. So wird mir nie langweilig. Hier noch ein Haushaltstipp:
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Blumen halten länger, wenn Sie sie bei minus 7 Grad ins Freie stellen.

06.02.2018 – Eine Massenversammlung schwuler Kiffer.

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Nietzsche hatte recht: Gott ist tot. Er hat ein biblisches Alter erreicht. Und sein Name war Günter.
Bei der Aufzählung des engsten Familienkreises vermisse ich allerdings Jesus, Maria und Joseph, die wahrscheinlich aber auf Wohnungssuche waren und somit entschuldigt sind. Heutzutage würde Jesus die Massen übrigens nicht mehr mit der wundersamen Brotvermehrung beeindrucken – auch wenn irgendwelche verpeilten Gewerkschaftsbonzen immer noch jeden 1. Mai im Vollsuff was von „Wir müssen die Menschen wieder in Lohn und Brot bringen“ krakeelen – sondern mit einer wundersamen Wohnraumvermehrung, in, sagen wir mal, Kreuzberg.
Im Johannesevangelium heißt es zur Brotvermehrung:
Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer.“
Aha. Nicht eine Frau dabei und jede Menge Marihuana, also eine Massenversammlung schwuler Kiffer. Der Typ zog ja auch mit einer Apostelgang durchs Land. Das möchte ich mir lieber nicht vorstellen, meine Phantasien sind da eher bei Maria Magdalena, einer biblischen Sünderin, also jemand, die es ordentlich krachen ließ.
Was mich aber in tiefe Besorgnis bei obiger Anzeige stürzte, ist die Tatsache, dass sich Satanas in die Familie Gottes eingeschlichen hat: Carolin Schlange. Die Schlange ist das Böse, ist Satan. Das wissen wir seit der Geschichte mit dem Paradies, es war die Schlange, die Adam und Eva überredete, vom verbotenen Baum der Erkenntnis zu essen, woraufhin Eva prompt rallig wurde, Adam verführte und den Rest kennen wir: Sie wurden aus dem Paradies vertrieben und mussten im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot verdienen. So kam die Arbeit in der Welt und die Klasse der prekären Selbstständigen. Vom Kapital ist da nämlich nirgendwo die Rede und es fragt sich aus christlicher Sinn, was soll der heutige Blödsinn mit Unternehmern, Kapital und Ausbeutung.
Die teuflische Carolin Schlange wurde übrigens von Lou Reed in seinem kranken Meisterwerk „Berlin“ mit dem Song „Caroline“ gewürdigt, er nannte sie „she’s my Germanic Queen“, was ich frei übersetzen würde mit „sie ist mein doitscher Satansbraten“. Das Lied können Sie hier hören. Achten Sie nicht auf die Texte des Albums, da kommen Sie ganz übel drauf. Achten Sie auf den schwer muskulös-maskulinen Bass von Jack Bruce. Der ist bar jeder Funk-Phrasen (ich stehe auf Funk, aber nicht in einem Song, der einem jeden Gedanken an die Himmelsmacht der Liebe austreibt) einfach göttlich.
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Weniger göttlich ist die Tatsache, dass ich angesichts übler Nachtfröste im Garten den Christo, ohne Jeso, geben und meinen Korfu-Olivenbaum verhüllen musste.
Oh Frau, lass Frühling werden.
Jetzt wissen Sie, liebe Leserinnen, was in einem Blog rauskommt, wenn jemand vor seinem Bildschirm sitzt und absolut keinen Bock auf Arbeit hat.

05.02.2018 – Doppelkegelbahn, Nelken und Rumtopf

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Doppelkegelbahn. Beim Thailänder.
Gentrifizierung ist wie ein Krebsgeschwür, dieser Prozess frisst sich Stück für Stück wie bösartig wuchernde Metastasen in umliegendes Gewebe. In einem meiner Nachbarviertel ist das gut zu beobachten, wie sich dieser Prozess von hier aus langsam da reinfrisst. Früher war das ein subproletarischer Schmuddelkiez, mit dreckigen Ecken, schäbigen windschiefen Häusern, rottigen Kneipen und einer soliden Trinkerszene, die im Umfeld ihrer Kioske ihr Quantum Trost in Form von Oettinger und Flachmännern verklappt. Dort gab es den einzigen Blumenladen der westlichen Hemisphäre, in dem ich meine roten Nelken für den 1. Mai kriegte. Da bin ich beinharter Traditionalist, ein 1. Mai ohne die Blume der Arbeiterbewegung? Da kann ich auch gleich den 30. April begehen. Das ist der Tag des Lärms, der Tag für gewaltfreie Erziehung und der Welttag der Frisuren. An dem Tag würde ich laut brüllend mit einer Vokuhila Perücke umhervagabundieren und plärrende Blagen in den Arsch treten.
Mach ich aber nicht. Ich mach 1. Mai.
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Den Blumenladen gibt es nicht mehr. Dicht. Er lag in der Nähe eines Neubaugebietes namens „Wasserstadt“ und wer eine Ahnung von den Gesetzen des Immobilienmarktes hat, weiß, dass sich alles Bewohnbare in der Nähe von Wasser verkauft wie Cannabis nach der Freigabe. Mit vorab Ausstrahlung auf das Umfeld. So ist ein paar Meter weiter vorab ein Gymnasium entstanden, ein putziges Eigenheimidyll, eine Konzertlocation für klassische Musik, das eine oder andere Latte-Macchiato Etablissement etc. pp. Ich denke, das reicht an Beschreibung. Und so radle ich mit wachsender Wehmut auf meiner Kopf-Durchpusten-Tour durch dieses Viertel und zittere vor dem Moment, wo der Thailänder mit der Doppelkegelbahn dichtgemacht, verdrängt wird.
Doppelkegelbahn, dass muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Sie, liebe Leserinnen, wissen definitiv nicht, wo sich Ihre nächste einfache Kegelbahn befindet. Geschweige denn eine Doppelkegelbahn. Und dann noch bei einem Thailänder, wo die Wantan Suppe schlappe 2,80 Euro kostet.
Das ist ein kosmisches Gefühl der Entrücktheit, wenn ich da vorbeiradle. Ein tiefes melancholisches Sehnen, die Welt anhalten und zurückdrehen zu können, schnürt mir mitunter den Atem ein.
Umso schlimmer, als ich ja selber Teil des Problems von Gentrifizierung bin. Wenn in der Konzertlocation das nächste Mal wieder das Nomos-Quartett mit seiner Mischung aus Mozartstreichquartetten und moderner Musik auftritt, bin ich sicher wieder dabei und werde in der Pause einen feinen Weißburgunder verklappen. Nix von wegen Oettinger.
Was bleibt, ist die eigene Flucht nach vorne in die Avantgarde mit den Mitteln der Vergangenheit.
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Rumtopf.
Nachdem ich nur noch TDK 90er Cassetten höre (Vinyl ist innerhalb der Avantgarde schon megaout), bin ich letztes Jahr dazu übergegangen, Rumtopf anzusetzen. Beachten Sie das Original 70er Jahre Design. Und das Zeug ist so geil, nach 6 Monaten Reifung schlabbere ich das löffelweise weg. Seit dem Anbruch im Dezember ist der erste Topf halb leer. Der sollte bis zum Sommer reichen!
Rumtopf ist das nächste Big Thing der Avantgarde! Setzen Sie, liebe Leserinnen, gleich einen an. Alles rein, was lecker ist. Super ist Ananas und Mango. Nix von wegen nur doitsche Früchte im Wechsel der Jahreszeiten. 5 Pullen 54%er Rum drauf, 6 Monate ziehen lassen und Sie kriegen die Finger nicht mehr aus dem Topf.

04.02.2018 – Einfach mal die Fresse halten und zuhören.

160201Lindenspiegel - Verhüllungsaktion Rohani Besuch
Aus Lindenspiegel 02/2016.
Eigentlich wollte ich mich zur #MeToo Debatte nicht äußern. Es gibt zu viele Männer, die entsetzlich dummes Zeug dazu absondern, und eine kluge Frau hat in dem Zusammenhang mal gesagt: Einfach mal die Fresse halten und zuhören. Und das mach dann ich dann mal.
Außerdem bin ich auf dem Gebiet des Geschlechterverhältnisses nicht so der Experte wie beispielsweise in Sachen Politik und Kultur oder gar in der Schnittmenge der Beiden. Darunter fällt allerdings die Diskussion um die vorübergehende Abhängung des Bildes „Hylas und die Nymphen“ in der Manchester Art Gallery durch die Kuratorin Clare Gannaway.
Und da sach ich dann doch mal was zu.
Ziel der temporären Abhängung: eine Diskussion anzuregen über unser „Frauenbild“, das auch durch Präsentation in Museen geprägt wird. Kein Bild steht nur für sich, der Sinngehalt von Bildern wird immer auch geprägt durch den Zusammenhang, in dem es steht, oder auch hängt. Nichts schärft den Blick, und damit den Verstand, mehr als das irritierte Betrachten einer Leerstelle, wo vorher Gewohntes war.
Insofern ist diese Aktion auf mehreren Ebenen eine überaus gelungene, intelligente und nach Maßgabe professioneller Öffentlichkeitsarbeit außerordentlich erfolgreiche künstlerische Intervention. Details dazu hier.
Wenn aber eine intelligente Frau erfolgreich ist, können 99 Volltrottel vor lauter Erregung die Tinte nicht halten, respektive das Maul, und sondern so viel Schrott ab, dass man vor lauter Peinlichkeit sich stante pede einer Geschlechtsumwandlung unterziehen möchte.
Den Höhepunkt bildet und hatte vermutlich auch ein gewisser Rupert Maas, Galerist aus London, dessen Zensur-Erregung sich dahingehend ergoss:
„Das ist der neue Faschismus“.
Auf den Restmüll, den der famose Galerist absondert, gehe ich nicht näher ein, der Mann ist einfach nicht satisfaktionsfähig.
Man darf nun gespannt sein auf den neuen Faschismus, der von Manchester ausgeht, ins Leben gerufen von den FEFAPA, der Feminin-Faschistischen Partei um die neue Adolfine Hitler Britanniens, Clare Gannaway. Wann werden in Manchester die ersten Künstler verfolgt, gefoltert, in Konzentrationslager verschleppt und umgebracht? Erst holen sie die Künstler ab.
Und dann die Galeristen. (Ja, bitte!)
Es ist seit Jahrtausenden die immer gleiche Leier: Wenn einem die Argumente ausgehen, holt man die Faschismus-Keule raus und prügelt auf alles ein, was bei drei nicht auf dem Bürger-Baum ist.
Und die Kommentare zum Tagesschau-Artikel oben sind auch eher zum Weinen. Kant hat gesagt:
Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen.
Warum hält sich in der Kommentarrubrik keiner daran?
Beispielhaft dagegen für einen reflektierten Umgang mit dem Begriff „Zensur“ steht die famose SCHUPPEN 68 Aktion, die oben geschildert ist.
Das musste mal gesagt werden. Ab jetzt gilt auch wieder für mich:
Einfach mal die Fresse halten und zuhören.

03.02.2018 – Widerwärtiger und gemeiner noch als der Tourist ist nur einer: der Einheimische.

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Jäger 90/Olivgrün
Schönes Zitat aus der „Jungle World“ vom 16.08.2012 zur Gentrifizierungsdebatte in Berlin, bedingt auch durch wachsende Touristenströme dorthin (z. B. via AirBnB):
„ Der Schriftsteller David Foster Wallace hat dazu schon alles gesagt: Als Tourist mag man ökonomisch bedeutsam sein, doch aus existentieller Sicht verwandelt man sich in eine widerwärtige Schmeißfliege auf einem Kadaver. Widerwärtiger und gemeiner noch als der Tourist ist nur einer: der Einheimische. Denn er bleibt hier und geht nicht wie der weg.“
Der subkulturelle Widerstand gegen Touristenströme (auch in anderen Metropolen wie Barcelona), die die Eingeborenen verdrängen, ist notwendig, nimmt aber da reaktionäre Züge an, wo er dem Fremden, dem Schwaben nur ein „Spätzle, go home“ entgegenhält, ausschließlich auf Ruhe im eigenen Kiez insistiert und grundsätzlich jede Veränderung ablehnt. Jede Mülltonne soll da bleiben, wo sie ist. Sozialer Wohnungsbau auf der Naturfläche Tempelhofer Flughafen? Bloß nicht. Wenn sich der berechtigte Widerstand gegen Verdrängung nur auf „Touris raus“ beschränkt und sich nicht erweitert um die Forderung für ein gutes Leben und Wohnen für alle und überall, eben auch für Hartz IV Bezieher*innen vielleicht im schicken Prenzlauer Berg, dann ist das schlichte reaktionäre Modernisierungsverweigerung.
Wobei ich Hartz IV Bezieher*innen ein Leben in Prenzlauer Berg nicht zumuten möchte. Ein Vegetieren dort ist machbar, aber sinnlos.
Ich bin mittlerweile auch ideologisch gewappnet für mein Sabbatical in Berlin. Ich bin dabei, mir ein Stammlokal dort auszugucken, wo ich dann mein Morgengetränk in der Vormittagssonne zu mir nehme. Natürlich keinen Latte Macchiato. Sondern einen weißen Port, wenn möglich 10 Jahre alt, das ist aber kein Muss. Kann auch 5 Jahre sein.
Das Lokal darf auch nicht annähernd an Szene erinnern, es muss eine Hardcore Proll-Butze sein. Der Wirt kriegt jede Woche die Flasche Port von mir geschenkt und kann mir den dann immer glasweise verkaufen. Dann mache ich mir Notizen für meinen Roman, an dem ich gerade schreibe. Natürlich nicht auf einem Apple. Handschriftlich, mit einem Füller.
Ich trage dann ein schwarzes T-Shirt, auf dem vorne steht: „Touris? No pasaran!“
Und hinten steht: „Ein Gespenst geht um in Europa.“
Alle Männer wollen dann bei mir sein und alle Frauen wollen dann so sein wie ich.
Für ein Sabbatical bedarf es der Kohle. Gut, wer da ein Näschen für Anlagestrategien hat. Ethisch einwandfrei versteht sich. Wie zum Beispiel die Deutsche Cannabis AG. Einwandfreier geht’s nun wirklich nicht. Die dümpelten jahrelang als Pennystock bei 50 Cent rum und „explodierten“ in dem Moment, als Hanf zu medizinischen Zwecken zugelassen wurde. Auf 3,50 Euro. Da werden selbst die 300 Prozent Profit zuschanden, bei denen laut Marx das Kapital zu jedem Verbrechen fähig wird, bei Gefahr des eigenen Galgens. Wohl dem, der bei der Cannabis AG das Näschen hatte, um mal in der Sphäre der Drogen zu verbleiben…
Und wer an eine Bitcoin-Blase glaubt, der hat null kapiert. Sagt wer? Der hier. Und woher hat der Mann seinen Fachverstand, was hat er im Job gelernt? Zitat über den Autor:
Er begann seine journalistische Laufbahn als freier Sportreporter und Musikkritiker.
Kein Wunder, dass der Bitcoin Kurs seit dem Artikel von vor ein paar Tagen um 25 Prozent abgekackt ist.

29.01.2018 – Ein Volk gibt Gas

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Das visuelle Gegenstück zu Sprachlosigkeit.
Der 27. Januar ist der internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, er bezieht sich auf den 27.01.1945, als die Rote Armee Auschwitz befreite.
Am 28. Januar wurde bekannt, dass die „Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor“ (EUGT), gegründet von Daimler, VW, BMW und Bosch, im Rahmen von Tests Menschen mit Stickstoffdioxid begast hat. Das waren keine medizinischen Experimente zur Entwicklung neuer Wirkstoffe, die menschliches Leiden lindern könnten, das war ein Projekt zur Profitmaximierung der hier zitierten Konzerne im Rahmen des Dieselskandals. Ich habe eben ein Interview im DLF gehört, bei dem die Moderatorin einen ehemaligen BMW Manager fragte, wie vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte Manager für derartige Test verantwortlich zeichnen können. Sinngemäße Antwort: „Ich weiß es nicht.“
Dem Manne kann geholfen werden. Die Antwort ist nicht von mir, sie lautet so und ich zitiere sie nicht zum ersten Mal in diesem Blog:
„Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.“ Aus: Karl Marx, Das Kapital, Band I, S. 801, Dietz-Verlag Berlin, 1961.
Das ethische Update 2018 der Analyse von Karl Marx ist, dass wir im Rahmen des tendenziellen Falls der Profitrate nicht mehr von 100 Prozent Profit reden, sondern von lächerlichen 8,6 Prozent, die VW pro Dreckschleuder im Jahr 2016 erzielte.
Was bei Marx mitunter zu kurz kommt, ist die Frage der Mentalitäten. Mit der reinen Lehre der Ökonomie lässt sich nicht alles erklären. Friedrich Hölderlin über die Deutschen:
„ …. Barbaren von alters her, durch Fleiß und Wissenschaft und selbst durch Religion barbarischer geworden, tiefunfähig jedes göttlichen Gefühls, verdorben bis ins Mark zum Glück der heiligen Grazien, in jedem Grad der Übertreibung und der Ärmlichkeit beleidigend für jede gutgeartete Seele, dumpf und harmonielos, wie die Scherben eines weggeworfenen Gefäßes …“ (Aus: Hyperion, 1797).
Auf den Punkt bringt es die Geschichte des Bauern, der seinem rumänischen Erntehelfer (6 Euro Stundenlohn) in hochsommerlicher Hitze offensichtlich Getränke und Pausen verweigerte, worauf der Erntehelfer einen tödlichen Hitzschlag erlitt. Der Bauer wird per anno auch nicht mehr als 15 Prozent Gewinn auf das eingesetzte Kapital machen. Aber der Rumäne war ja schon damals an der Ostfront ein unzuverlässiger Drückeberger.
Und natürlich muss die Mafia auch ihren Gas-Senf dazu geben, sie fordert rückhaltlose Aufklärung und personelle Konsequenzen. So Bernd Osterloh, Betriebsratsvorsitzender VW von der IG Metall, die bei VW eine mafiaähnliche Komplizenschaft mit dem Konzern entwickelt hat. Ich weiß, wovon ich rede, ich bin IG Metall Delegierter.
Die Welt ist nicht der Fall, die Welt ist zum Kotzen.
Was mache ich jetzt? Lege ich mich wieder ins Bett, ziehe mir die Depressions-Decke über den Kopf und lasse die liebe Göttin eine gute Frau sein oder gehe ich auf Toilette, eine Runde Kotzen? Letzteres hätte den Vorteil, ich könnte danach wieder arbeiten.
Sie wissen schon, der Fleiss, der Deutsche und der Hölderlin …
Und die Antwort auf die Frage, warum Ansgar Brinkmann das Dschungelcamp verlassen hat, finden Sie, liebe Leserinnen, hier.

28.01.2018 – Rechts von mir ist nur die Wand

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Neonwerbung SCHUPPEN 68. Kommt an die Wand der Berliner Dependance des SCHUPPEN 68, die demnächst eröffnet.
„Rechts von mir ist nur noch die Wand“ ist ein Franz-Josef Strauss zugeschriebener Ausspruch. Heute würde der ehemalige bayrische CSU-Ministerpräsident als lupenreiner Demokrat der rechten Mitte gelten. Seine aktuelle CSU setzt zum Rechtsüberholen der AfD an, die FDP ist mittlerweile so rechts, dass ihr die AfD als erster Partei ein Angebot zur Mitarbeit unterbreitet hat, die Wagenknecht-Linke besinnt sich auf die Nation und deren Schutzbedürfnis, wenn das kein Rechtsruck ist, was dann…, dass die Grünen nicht mehr linke Mitte sind, sondern wie eine Lawine donnernd nach rechts zu Tal gehen, hat nach ihrem Parteitag sogar die Bürgerpresse gemerkt, und das will wirklich was heißen. Zur CDU fällt mir nichts mehr ein. Hab ich wen vergessen? Ach ja, die SPD. Stimmt, die kann man vergessen.
Vor so viel Rechtsruckerei gerät natürlich die AfD unter Zugzwang und rückt nach ganz Rechtsaußen, sie ist nicht mehr nur für Neonazis zuständig, sondern für lupenreine Nazis.
Man darf auf ein rechtes Update des Geschichtsrevisionismus gespannt sein, der diesen Rechtsruck natürlich mitmachen muss, um weiter legitimiert zu sein. Relativierte er bisher die deutsche Schuld am 2. Weltkrieg, wird er sie zukünftig Israel in die Schuhe schieben. Hauptverantwortlich für den 2. Weltkrieg werden dann 68er Juden, Kommunisten und Freimaurer wie Angela Merkel und Helmut Kohl sein. Und wo früher Adolf Hitler von den Revisionisten relativiert wurde („Es war nicht alles schlecht damals – nur das mit den Autobahnen, das hätte er sein lassen sollen“), wird demnächst dann doch alles schlecht an ihm sein: „Der Mann war einfach zu weich für den Endsieg, der hätte härter durchgreifen müssen“.
Jetzt hat nur noch eine ein Problem: Die Wand, siehe oben. Die muss ja jetzt nach rechts versetzt werden, bei der ganzen Drängelei. Wenn das eine tragende Wand ist, könnte das ein Problem für das Haus geben. Ich hoffe, ich bin dann gerade im Urlaub, wenn das einstürzt. Auf Korfu z. B sind heute 16 Grad, 10 Stunden Sonne, Wasser 15 Grad, was mir als ausgebildetem Kampfschwimmer schon fast zu warm ist und auf der Insel würden mich zu dieser Jahreszeit keine Ostgoten stören.
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Blick vom Kloster Moni Paleokastritsa auf das Meer.
Ich könnte dort an meinem Mythos als Widerstandskämpfer feilen, durch intensives Vollkritzeln dieses Blogs.

27.01.2018 – Meine Rolle als Unternehmer

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FA. SK-SACKKARRENSERVICE, der Witze-Verleih und die Privatisierung des Landtages. Start-Ups und Geschäftsideen. Daran mangelt es mir nie. Nur wer mit der Zeit geht, wird von ihr nicht übergangen. Die bereits im letzten Blogeintrag erwähnte FA. SK-SACKKARRENSERVICE ist meine älteste Firmengründung. Nach Unstimmigkeiten in der alten Geschäftsführung, im Rahmen derer ich den Mitfirmengründer leider entlassen musste, trug sich die Firma jahrelang nur deshalb, weil sämtliche Wirtschaftsgüter voll abgeschrieben waren und Steuerverlustvorträge erfolgreich genutzt werden konnten. 2014 kam es in neuer Besetzung zu einem kompletten Relaunch, siehe HAZ Artikel oben. Das alte Geschäftsmodell wurde von der klassischen Hardware-Leasing-Struktur hinoptimiert zu einem Dienstleistungs-Service, der sich den Bedingungen des Marktes anpasste. Neue Kundensegmente, Customerorientierte Service-Module, Digitalisierung, Industrie 4.0, gesellschaftlicher Wandel, das sind nur wenige aber zentrale Parameter, an denen sich die Neu-Ausrichtung der FA. SK-SACKKARRENSERVICE orientiert.
Nach wie vor legt die FA. SK-SACKKARRENSERVICE Wert auf eine Mitarbeiter*innenfokussierte Firmenkultur: Vereinbarkeit von Beruf und Arbeit ist für uns keine leere Floskel! Zufriedene Mitarbeiter*innen sind gute Mitarbeiter*innen. Nur sie sind in der Lage und bereit, ihr Bestes zu geben und nur so kann die FA. SK-SACKKARRENSERVICE im ständigen Wettbewerb bestehen. Flache Hierarchien und offener Dialog sind für die FA. SK-SACKKARRENSERVICE selbstverständlich. Wir arbeiten vertrauensvoll mit dem Betriebsrat und der zuständigen Gewerkschaft NGG Nahrung-Genuss-Gaststätten zusammen.
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Die anstehenden Betriebsratswahlen 2018 unterstützen wir. Im Bild unser Neujahrsempfang.
Sicher und vertrauensvoll in eine gemeinsame Zukunft – das ist das Motto der FA. SK-SACKKARRENSERVICE. Damit sind wir für das 22. Jahrhundert gut aufgestellt.
Allen Leser*innen ein charmantes Wochenende und mir ist beim Schreiben des Blogs eine Episode aus meinem früheren Leben eingefallen: Bei einer Feier kam ich mit einem Unternehmensberater ins Gespräch, der mir im Laufe des Abends anbot, bei ihm einzusteigen: „Ich brauche Querdenker“.
Ich hätte damals die Kohle ganz gut brauchen können, und das ist der Euphemismus der Woche. Hab’s abgelehnt, obwohl ich mich hätte dumm und dämlich verdienen können.
Aber wer will schon gerne dumm und dämlich sein….

26.01.2018 – Das Herz schlägt links, das Portemonnaie sitzt rechts

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Endlich geht die Arbeit aus.
Gesehen bei einer 1. Mai Demo in Hannover (in den 90ern?). Eins meiner 43 undatierten Papierfotos. Das liegt bei insgesamt über 12.000 im Toleranzbereich. Im Zeitalter der digitalen Fotografie sind Bilder nicht mehr zu zählen. Die Anzahl steigt exponentiell.
Anders als die Entwicklung des Arbeitsvolumen. Das entwickelt sich nicht exponentiell, also dramatisch, nach unten. Das ist ein früher und heute viel diskutierter Mythos, auch in der Linken, basierend auf einem bedauernswerten Mangel an und Verständnis von nationalökonomischen Fakten.
Seit 1991 nimmt die Zahl der Erwerbstätigen deutlich zu, das Arbeitsvolumen leicht ab, aber es kann keine Rede davon sein, dass es drastisch abkackt. Bedenklich an dieser Entwicklung ist die logische Zunahme von Armut trotz Arbeit und von prekären Beschäftigungsverhältnissen.
Bedenklich Teil 2: Bei aller guten persönlichen Laune, ich würde mich eine tendenziell begnadete Frohnatur nennen, habe ich in diesem Blog zunehmend keinen Hehl aus meiner pessimistischen Sicht des Ganges der Zivilisation gemacht. Wenn jetzt aber selbst ein prototypischer Kapitalist wie George Soros auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vor dem Untergang der Zivilisation warnt, bin ich wohl noch zu optimistisch gewesen. Wobei Davos eine gerade auch von Linken völlig überschätzte reine Schwatzveranstaltung ist, ohne jede Auswirkung auf den Gang der Dinge, die die Welt verändern. Wer glaubt, dass die Mächtigen der Erde in Davos bestimmen, wo es lang geht, der glaubt auch an die Bilderberg-Verschwörung. So funktioniert Kapitalismus eben nicht.
Ich weiß, wie der funktioniert und deshalb habe ich frühzeitig schon diverse Unternehmen gegründet, getreu dem Motto: Das Herz schlägt links, das Portemonnaie sitzt rechts. Wie die legendäre FA. SK-SACKKARRENVERLEIH.
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Werbebanner FA. SK-SACKKARRENVERLEIH, am Strand Meia Praia an der Algarve. Eine Aufnahme vom 13.12.2013. Zu dieser Jahreszeit teilt man sich den 6 km langen Strand da mit ca. 4 Personen.