26.12.2020 – Humanitätsduselnde Weihnachts-Rührungen im Knopfloch


Geruchsschulung: Rosmarin und getrocknete Zitronenverbene auf meinem Kühlschrank. In Nasenhöhe, so dass ich öfter eine nehmen kann, mitunter auch mit Thymian und Salbei aus dem Garten. Der Geruchssinn wird im Alter nicht besser (nur empfindlicher gegen menschliche Ausdünstungen, die mir mitunter ganze Sommertage verderben). Mit dem Geschmackssinn ist es ähnlich, also sollte man beides trainieren, wenn man ab und zu einen guten Tropfen oder ein facettenreiches Menü genießen möchte. Eine Horrorvorstellung für mich ist, als Folge einer Corona-Infektion auch nur kurzfristig in Geschmack und Geruch beeinträchtigt zu sein. Dann lieber gleich in die Kiste, wofür ich im Moment aber gar keine Zeit habe. Der Tod ist für mich aus terminlichen Gründen keine Option. Sie verstehen also, warum ich eine ausgeprägte und durchaus militante Antipathie gegen das Virus und seine Verbreiter*innen habe. Die mit Sicherheit nicht milder wird zu Beginn des neuen Jahres.
Wir kommen das erste Mal seit hundert Jahren aus einem kompletten Seuchenwinter, die Corona-Kacke fing ja erst Anfang März letzten Jahres an, richtig zu dampfen, und da war Brother Lenz schon ante portas. Wir können also z. B. nur schätzen, was für Auswirkungen potentielle Superspreading-Events wie Weihnachten und Sylvester auf das Infektionsgeschehen haben und wie brutal wir bei einer möglichen dritten Welle intervenieren müssen, das heißt Freiheitsrechte einschränken. Wogegen die am lautesten protestieren, denen solche Rechte am Arsch lang gehen, die Flüchtlinge nicht nur im Meer ersaufen lassen würden, sondern auch auf sie schießen lassen würden, so wie die AfD … Beatrix von Storch. Soviel zur Psychopathologie der Corona-Nazis.
Augen zu und auf den Frühling hoffen? Ist eine Maßnahme. Allerdings gingen die Fallzahlen im letzten Frühling erst im April wieder zurück und das von einem unvergleichlich viel niedrigerem Niveau als jetzt. Wir stehen also vor einem 1. Drama, 2. Desaster, 3. Katastrophe, 4. GAU (das können Sie je nach individueller Prägung ankreuzen), wenn wir nicht europaweit handeln, brutalstmöglicher Lockdown mit Kasernierung von Regelbrecher*innen (meine Prägung ruft nach Schießbefehl, aber zu Weihnachten krieg selbst ich humanitätsduselnde Rührungen im Knopfloch). So ein Lockdown ist natürlich politisch nicht durchsetzbar, also investieren Sie schon mal in Firmen, die mit Tod, Bestattungen, Trauerkleidung und Psychopharmaka zu tun haben. Das Geschäft wird boomen.
Bis dahin: FFP 2 Masken tragen, Kontakte meiden und öfter mal gurgeln, was ich für zielführender halte als Hände desinfizieren (mach ich aber auch, Psychohygiene). Wem der Geschmack von Dequonal eklig ist, der kann auch was aus der Liste der hochprozentigen Alkoholika hier nehmen. Alles was über 60 Prozent hat, knackt die Fetthülle des Virus und inaktiviert es damit. So wie Seife, schmeckt nur besser. Ob Sie, liebe Leserinnen, bei dem Zeug lieber schlucken oder spucken, bleibt Ihrer Neigung überlassen. Das ist ein freies Land.
Leider.

25.12.2020 – Wenn Sie diesen Blogeintrag zu Ende gelesen haben, sind weitere 60 Menschen in Deutschland mit Covid-19 infiziert.


Auch dieses Jahr klebt mein traditioneller Weihnachtsbaum wieder am Kühlschrank, in sinnfreier Eintracht mit meinem ersten Covid-19 Test und dem Sauberkeitserinnerungsmagneten.
Die heutige Headline setzt bei statistisch erfassten ca. 30.000 Neuinfektionen pro Tag eine Lesegeschwindigkeit von ca. 3 Minuten für diesen Eintrag voraus. 21, 22, 23, zack, wieder jemand infiziert. So hat man mal einen Alltagsbegriff von der Verbreitungsgeschwindigkeit. Ob diese Konkretion des Abstrakten was bewirkt? Bei mir schon, ebenso wie die Vorstellung, dass ich mich in einem Wettlauf befinde mit der ansteckenderen Mutation des Virus. Wer ist zuerst im Ziel, meine Impfung oder meine Ansteckung? Die Geschwindigkeit dieses Wettlaufs hängt allerdings von sehr vielen Variablen ab (unabhängig vom zukünftigen Impfgeschehen!): Wie sehr ist die Ansteckungswahrscheinlichkeit reduziert durch eine Grippeschutzimpfung (ca. 20 oder 30 Prozent…?), durch eine gehabte Erkältung (ca. 5 oder 10 Prozent ….) , durch Immunstabilisierung via Sport und Ernährung, durch konsequente Anwendung der Hygienemaßnahmen, Reduzierung sozialer Kontakte etc. pp.
Das normale Ansteckungsrisiko liegt bei ca. 0,0003 Prozent pro Tag (30.000 Neuinfektionen geteilt durch ca. 80 Mio. BRD-Insassen). Laut unserer Modellrechnung mit den Variablen wird dieses Risiko nochmal um ca. 60 – 90 Prozent reduziert. Alles gut?
Da unterschätzen Sie mal nicht die Macht der Variablen, des exponentiellen Wachstums nach Weihnachten und Sylvester und meiner mathematischen Unfähigkeit. Und: Über 20 Millionen Menschen spielen Lotto, obwohl die Chancen für einen Sechser bei 1:15.000.000 liegen und selbst bei einem schlappen Fünfer mit Superzahl bei 1 : 540.000. Aber es gibt Leute, die sowas gewinnen. So wie es Seuchenloser gibt. Und der Nächste können Sie sein.
Letzteres hat im Gegensatz zu Lotto allerdings stärker mit Eigenverantwortung, Intelligenz und Empathie zu tun. Der Mangel an diesen Eigenschaften lässt sich unter anderem in den überquellenden Krematorien in Sachsen beobachten, wo Nazis und Idioten sich gerade selbst abschaffen. Ein heilsamer Prozess, möchte man meinen. Aber leider trifft es oft genug Falsche und Gerechte, während ebenso oft Richtige und Nazis verschont werden. Und deswegen verbietet die ethische Messlatte, die nicht nur eine morgendliche ist, weihnachtliches Frohlocken über die mähliche Auslöschung des Volksstammes der Sachsen. Lieber wäre mir die Lösung nach den Lorenzianern, einer Sekte in Sachsen, die daran glaubt, dass sie beim kurz bevorstehenden Weltuntergang von einem Raumschiff Gottes zum Nordpol abgeholt wird, woselbst der HERR sie drei Jahre lang kostenlos ernährt und sie dann die einzigen Überlebenden sind. Ersetzen wir mal Lorenzianer durch Quernazis und Corona-Leugner*innen, wäre es mehr als billig und recht, heilsam und ethisch, wenn der Rest sehnlichst auf das Eintreffen dieses Raumschiffes wartet. Dafür würde ich sogar vom Glauben an die Nichtexistenz göttlicher Wesen abfallen und beten:
Liebe Göttin, mach mich fromm
und lass das Raumschiff komm.

Euch aber, liebe Gemeinde, wünsche ich ein zauberhaftes Weihnachten, mögen alle Eure Wünsche in Erfüllung gehen und möget Ihr alle einen Fünfer mit Superzahl haben. Whatever it takes.
Amen.

19.12.2020 – Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich Polizeichef in Leipzig werde?


SCHUPPEN 68 Intervention zu Wahlen. Irgendwann in den 90ern. Der arme Donald musste zur Unterstützung herhalten. Das mit den Wahlen sehe ich heute anders. Die Zeiten haben sich geändert und da der Kopf aus dem Grund rund ist, damit die Gedanken auch mal ihre Richtung ändern können, sehe ich Wahlen heute als notwendiges Übel, um weiteres Abgleiten in präfaschistische Zustände zu verhindern. Das Foto fiel mir bei einer Archivrecherche zum letzten Auftritt des verdienten Kollektivs SCHUPPEN 68 in den Neunzigern in die Hände. Es ist undatiert, was bei mir selten vorkommt, und erzählt mindestens noch eine zweite Geschichte, nämlich die des Veranstaltungszentrums BAD in Hannover, einem ehemaligen Freibad, woselbst ich noch im Planschbecken erste Wasserkontakte pflegte.
Das BAD Plakat auf dem des S 68 weist daraufhin: Wir sind alternativ. Ich habe dort mit fünf Zuschauern Helge Schneider erlebt, und eines meiner Top 10 Konzerte ever, mit Townes Van Zandt vor doppelt so viel Leuten. Immerhin 100 waren wohl bei Nirwana, was aber nicht mein Ding war.
Der Shutdown ermöglicht solche Reisen in die Vergangenheit, alles ist entschleunigt und die Jahresendzeit tut ihr übrigens. Die Gedanken kreiseln: welches sind vorherrschende Empfindungen in Krisenzeiten. Bei mir ist es unter anderem Dankbarkeit: ich mache Homeoffice, muss mich nicht im verseuchten ÖPNV rumdrängeln, muss mir nicht in irgendeinem blöden Büro-Bunker mit Kolleginnen oder Mitarbeitern die Aerosolhaltige Luft teilen, nicht den Lebensunterhalt mit Auftritten im SCHUPPEN 68 ergaunern, etc. pp. Und ich bin dankbar dafür, dass ich nicht Polizeichef in Leipzig bin, wo vermutlich jede Menge Quernazis heute die Öffentlichkeit kontaminieren, natürlich ohne Masken. Das stellt eine unmittelbare Bedrohung an Leib und Leben für die Öffentlichkeit dar und eine Bedrohung der öffentlichen Sicherheit, was unbestreitbar ist angesichts des Infektionsgeschehens und der Tatsache, dass eine Covid-19-Erkrankung drei Mal so tödlich wie eine Grippe ist.
Also würde ich als Polizeichef nach – natürlich erfolgloser – Aufforderung zur Räumung im Rahmen der Gefahrenabwehr Schießbefehl erteilen. Das Bohei am nächsten Tag in der Presse würde ich ungern über mich ergehen lassen. Also auch hier Dankbarkeit. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich jemals Polizeichef in Leipzig werde, eher gering.
Um in Sachsen Polizeichef zu werden, muss man sicher mindestens Halbnazi sein.

17.12.2020 – Jacken aus Eichhörnchen-Fell


Gestern auf meiner Veranda. Hier sagen sich auch Hase und Igel Gute Nacht, der mächtige Bussard zieht seine Kreise und im Morgengrauen bricht mitunter ein Wisent aus dem Unterholz. Beim Anblick dieses üppig gedeckten Tisches der Natur kam mir wieder eine meiner genialen Start-up Ideen. Die müssen folgende Kriterien erfüllen, damit sie Aufnahme in den Öko World Rock ‘n‘ Roll Fonds finden können, der eine Jahresperformance von über 11 Prozent plus hat: Ökologisch, nachhaltig, regional, sozial. Diese Kriterien würden von der Produktion von Jacken aus Eichhörnchen Fell-erfüllt. Ich würde mit Pfeil und Bogen jagen, auf die Distanz treffe sogar ich, die Vergiftung durch Bleischrot fällt damit flach, die Tiere und ich, wir kommen beide aus der Region, ich beschäftige keine Wanderarbeiter*innen zu Dumpingpreisen, die Jacken sind reines Naturprodukt, kein Kunststoff und halten extrem lange. Grausamer als die Natur ist das auch nicht. Wer wie ich schon mal gesehen hat, wie ein Bussard ein Eichhörnchen metzelt, dem vergeht jeder Naturromantizismus. Jetzt suche ich nur noch eine Kürschnerin und dann kann’s losgehen. Die Jacken werden der Hit auf der nächsten Fashion Week in Berlin. Dann wieder live.
Wenn sich alle an die Corona-Regeln halten und impfen lassen. Und da bin ich skeptisch. Corona-Leugner sind nicht durch die normative Kraft des Faktischen zu fassen. Denen können Sie zehnmal erzählen, dass die Übersterblichkeit steigt, die Intensivstationen überlaufen, wir schon über Triage diskutieren (praktizieren?) und dass Krankenhaus-Patient*innen mit Covid-19 ein fast fünf mal höheres Risiko zu sterben haben als Grippe-Infizierte, die im Krankenhaus liegen. Außerdem müssen Corona-Patienten deutlich öfter beatmet werden, landen deutlich öfter auf der Intensivstation und haben mehr Komplikationen. Wenn sie die Krankheit überleben, leiden sie zudem öfter unter Langzeitfolgen – zum Beispiel unter Diabetes.
Selbst wenn die Corona-Dummbatzen an der Krankheit verrecken würden, was statistisch gesehen oft genug vorkommt, wäre ihr letzter Gedanke, bevor sie im Dämmer des Beatmungskoma versinken: Die Echsen Merkel und Gates haben mich mit 5G Strahlen vergiftet.
Die Welt der Vernunft erreicht solche Wesen nicht mehr.
Was bleibt uns, dem Rest?
Die Arbeit an Vorschlägen wie dem des Sachsenführers Kretschmer, Orte in Sachsen abzuriegeln.
Ich sage: Keine halben Sachen bei Corona Bekämpfung, also ganz Sachsen und den Rest der Ostzone abriegeln, mit einer Mauer, fünf Meter hoch. Das fordere ich schon seit Jahren, gut dass die Politik anfängt, auf mich zu hören. Wie überhaupt grundsätzlich festzuhalten ist:
In Sachen Corona einfach auf Angela und mich hören.

14.12.2020 – Geniale Start-up Idee


Stillleben mit Quittenlikör und Birnen-Quitten. Es gibt auch Apfelquitten, aber die sind nicht so toll, Birnenquitte geht zur Not sogar roh und ist aromatischer. Mein Lebensinhalt ist die Suche nach dem heiligen Gral aller Obstbrände, dem Quittenbrand. Vor Jahrzehnten hatte ich eine diesbezügliche Epiphanie, als ich in einem unscheinbaren Dorfgasthaus einen Quittenbrand verklappte, der in seiner strahlenden Reinheit und Klarheit mit seiner komplex süß-säuerlichen Honig-Zitronennote alle Brände dieser Welt als fuselige Randnotiz erscheinen ließ. Nichts dergleichen fand ich seitdem wieder und irre nun wie einst Parsifal, der reine Tor, auf meiner Suche nach Erlösung durch die Welt der Obstbrände. Alle Quittenbrände, die ich seitdem auch in edleren Etablissements verkostete, waren schlicht Mist, wie überhaupt gute Obstbrände jenseits dieses Schladerer Massenschrotts selten sind. Eine Annäherung an den Gral brachte jener Quittenlikör im Bild oben, der mich dazu veranlasst, Ihnen, liebe Leserinnen, einen exclusiven Einblick in meine Experimentalküche zu geben.
Ereignisreduzierte Tage in Zeiten der Seuche lassen Raum für Experimente und so wandte ich mich dem Quittenbasierten Fruchttopf zu: Quitten mit einem Anteil von 34 Prozent Rohrzucker eine Stunde ziehen lassen, jeweils mit Gin, Wodka und Rum bedecken und mindestens sechs Monate ziehen lassen.

Quitte mit Wodka.
Wenn mein Plan in Erfüllung geht, Fruchttöpfe mit Alkoholansatz zum nächsten heißen Scheiß in Nobelrestaurants zu machen, bin ich ein gemachter Mann, weil ich einfach mindestens 6 Monate Vorsprung vor der Konkurrenz habe. Die Gourmetszene ist immer auf der Suche nach Neuem, gerne regional, öko, nachhaltig, blabla, kann gerne auch was aus Omas Küche sein, kein Schwein kocht mehr molekular. Und Omas guter alter Rumtopf – oder Quitte mit Wodka etc. pp., ich habe dutzende Ansätze im Labor – macht sich doch sensationell auf der Karte eines Sternerestaurants, zwischen Dessert und Digestif.
Meine Kalkulation: Die verscherbeln 0,05 von dem Zeug für 14 Euro, macht pro Liter 280 Euro. Restaurants kalkulieren mit Faktor 4 bei sowas, also kaufen die den Stoff für 70 Euro pro Liter bei mir. Ich kalkuliere mit maximal 20 Euro Kosten pro Liter für Material wie Obst, Alkohol, Zucker, Gläser, bleiben 50 Ocken für meine Arbeit, was beim ersten Ansatz von 1.000 Litern 50.000 Euro vor Steuern entspricht. Die Idee ist ebenso grandios wie mein Witze-Verleih. Und wenn die den Bach runtergeht, hab ich mein Leben lang genug Fruchttöpfe, um mir die Alkoholbasierte Frustkante zu geben. Das unterscheidet mein Start-up von allen anderen. Scheitern als Chance in Reinkultur!
Abschließend der Leih-Witz zum Thema (bitte nach Gebrauch an mich zurück faxen):
„Zwei Äpfel hängen zusammen ab und gucken, was so geht. Sagt der eine:“ Mann, hat die dicke Quitten.“
Zugegeben, etwas Quittenfeindlich der Witz. Aber was soll man von Äpfeln anderes erwarten. Letztlich sind alle Äpfel Schweine.
Ich schreibe dies für Sie, liebe Leserinnen, damit Sie sich von diesem neuerlichen und sicher nicht letzten Lock-down nicht niederdrücken lassen, sondern sehen, was mit ein wenig Kreativität auch in Zeiten der Seuche alles möglich ist. Sie müssen nur an sich glauben! Chakka!

12.02.2020 – Kleine Fluchten oder: Von den Sarotti-Höfen bis weit hinter Neuseeland.


Advent ohne Kalender ist wie Sarotti ohne Mohr. Dieser eher sinnfreie Spruch ging mir neulich beim Öffnen des morgendlichen Kästchens durch den Kopf. In Seuchen-Zeiten bleibt eben auch Zeit für sowas. Realiter wurde der Mohr durch den Sarotti-Magier ersetzt. An den Sarotti-Höfen kam ich auf dem Weg von meiner Kreuzberger Homebase zum zweiten Frühstück in der Marheineke Markthalle vorbei. Muss ein anderes Leben gewesen sein. Die Konturen der Erinnerung verwischen sich in diesen Zeiten schneller als ohnehin, als ob ein Filter über die Erinnerungsblende gelegt ist. Es ist schwieriger geworden, kleine Fluchten im Kopf herzustellen.
Was unter anderem zur Folge hat, dass die Sehnsucht nach einem früheren Leben stärker wird. Beim Anblick der Sarotti-Höfe wünschte ich mich auf eine Insel im Süden, nein, nicht voller Mohren, sondern voller Sand, Sonne und Meer, wo man nicht dauernd von Nachrichten verfolgt wird über neueste Infektionsrekorde. Fromme Lüge, Inseln ohne Handy Empfang kenne ich zumindest nicht und so rollt man sich doch in regelmäßigen Abständen auch am Strand aus der Matte und checkt sein Smartphone und sei es, um den Wanderweg für den nächsten Tag zu checken. Und wenn man schon mal dabei ist, liegt der Blick auf Spiegel-online nahe und die nächste Whatsapp will auch beantwortet werden … komm ich mit klar, das Letzte, was ich sein möchte, wäre ein romantischer Zivilisationsflüchtling auf eine einsame Insel, ohne Strandbar, gekühltes Bier und Arztpraxis in der Nähe.
Der aktuelle Blick auf Spiegel online bestätigt meine seit Monaten gepflegte Haltung als militanter Befürworter eines sofortigen wochenlangen brutalstmöglichen Lockdowns. In mehreren Städten sind heute Quernazi-Demos mit zehntausenden TN geplant. Gegen Viren helfen Abstand, Masken, Impfstoffe. Was hilft gegen solche Leute? Deren Verhalten nehme ich persönlich, weil es mein individuelles Infektionsrisiko erhöht. Sie sind Gefährder und da plädiere ich für eine nachhaltige Gefährder-Erstansprache. In Form von Gummigeschossen. Wenig tröstlich ist die Tatsache, dass einer der Quernazi-Verantwortlichen unlängst wegen Corona auf der Intensiv intubiert werden musste. Wenn der verreckt, werden ihm seine darwinistisch aufgestellten Kumpane nachrufen: Schwacher Mann, musste aussortiert werden.
Und von dem Gesindel hat niemand den Anstand, sich nach überlebter Intensivstation hinzustellen, zu entschuldigen und vor dem Virus zu warnen. Das Komische an diesen Nazis ist, dass sie ein reales Virus verleugnen, in ihren Ideologien aber die Virusmetaphorik eine zentrale Rolle spielt: Heimtückische fremdländischen Viren – von MultiKulti, Genderwahn etc. – verseuchen den doitschen Volkskörper. Diese Metaphorik halten sie natürlich etwas flach im Moment, aber gucken Sie mal bei den Original-Nazis nach, liebe Leserinnen.
Was mir sogar die kleinen Fluchten vermieste, war die Rechnung, wie lang der Schlange derjenigen ist, die – zu Recht – vor mir geimpft werden, bei Corona-Abstand von 1,5 Metern:
Sie reicht von den Sarotti-Höfen bis weit hinter Neuseeland.
Oh Göttin, lass Frühling werden oder einen 10 km großen Meteoriten dem Ganzen hier ein Ende bereiten

09.12.2020 – Der Flügelmann im ersten Glied


Es ist ausgeschildert! SCHUPPEN 68 Plakat zur Silke Arp Veranstaltung 1995. Das wollte ich denn doch noch gerne für die Ewigkeit in der Cloud archivieren. Alle Macht den Archivaren, sonst wird die Nachwelt Nichts erfahren!

Keine Tapete an der Wand, aber Marshall Boxen – SCHUPPEN 68 Geschäftsführer und Pedder Popstar bringen klassisches Liedgut zu Gehör

Der kunstsinnige BRD-Teil des Avantgarde-Publikums war erfreut, im Gegensatz zum Ostzonenmob. Die Spaltung zwischen Ost und West besteht immer noch. Arbeiten wir daran, sie zu vertiefen. Hier die letzte Strophe des Hymnus an die NVA:
Der Flügelmann im ersten Glied
Mit Stahlhelm und MPi
Als Melker der Genossenschaft
Betreute er das Vieh.
Gute Freunde, gute Freunde,
Gute Freunde in der Volksarmee.
Sie schützen unsre Heimat
Zu Land, zur Luft und auf der See,
Sie schützen unsre Heimat
Zu Land, zur Luft und auf der See.

08.12.2020 – Launig, apokalyptisch und handfest.


Auftritt des verdienten Künstlerkollektivs SCHUPPEN 68 bei „Silke Arp bricht“, Hannover, 1995, anlässlich des 46. Geburtstages der DDR. Silke Arp machte 1995 das, was heute Avantgarde ist, und war laut Zeit „ … die einzig wirklich großstädtische Lokalität, die es so auch durchaus in Berlin hätte geben können …“. Das Foto zeigt rechts unseren damaligen Hauptdarsteller, den Liebling der Massen Pedder Popstar, bei seiner Performance zur Rede Stalins über die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft in der damaligen SU. Das war genauso jenseits allen guten Geschmacks und aller Konventionen wie meine folgende Ode an Erich Mielke in Hexametern, und demzufolge flippte der Ostzonenmob, der sich in den Schuppen (sic!) verlaufen hatte, weil er eine Art rührseliger DDR-Nostalgie a la „Ein Kessel Buntes“ erwartet hatte, völlig aus und wollte uns von der Bühne prügeln.
Es war ein ganz, ganz großer Abend, ragend und unvergesslich in künstlerischer, gesellschaftlicher und menschlicher Bedeutung für alle Beteiligten und den Erdkreis. Es war durch Nichts mehr zu steigern. Demzufolge war nach diesem Abend vom verdienten Künstlerkollektiv SCHUPPEN 68 für die nächsten 12 Jahre Nichts mehr zu hören. Die damaligen SCHUPPEN Protagonist*innen gingen ihrer Wege: Ehe, Kinder, Kloster, Friedhof.
Ich schreibe das auch, damit Sie, liebe Leserinnen, eine diesem Blog innewohnende gewisse Radikalität nachvollziehen können. Wer derartige Auftritte wie den Geschilderten relativ unbeschadet durchgestanden hat, was sollte den noch erschüttern und was sollte ihn abhalten, den Dingen bis zur Wurzel (lat. Radix) auf den Grund zu gehen und die bestehenden Verhältnisse einer radikalen Kritik der Vernunft zu unterziehen?
Insofern wird es Sie nicht überraschen, dass ich Hier und Heute, an diesem Ort und aus gegebenem Anlass, meine Forderung nach einem brutalstmöglichen Lockdown wiederhole, drei Wochen Alle Zuhause, Kontrolle durch Einsatz der Bundeswehr, maximale Repression gegen Regelverletzer*innen, gerne Zwangspsychatrisierung von Verschwörungsspinnerinnen und Querdenker-Nazis, Zwangsimpfung, etc. pp. Das volle Programm.
Die Details entnehmen Sie bitte den Referentinnen-Entwürfen aus den Schubladen der zuständigen Ministerien, die dort der nächsten Mega-Pandemie harren, welche so sicher wie das Amen in der Kirche kommt.
Wir (auch so eine Unsitte, die Verwendung des Pluralis Majestatis. Wird überwiegend von Feuilleton-Schreiberlingen mit mangelhafter Ich-Stärke verwendet) haben mit Launigem angefangen, entfalteten im Mittelteil etwas Apokalypse und wollen mit Handfestem enden: dem Börsentipp der Woche. Die Sparquote in der BRD hat unter Corona Rekordhöhen erreicht, über 20 Prozent, zusätzliche 100 Mrd. Euro liegen Negativverzinst irgendwo rum. Nur bei uns (Ok, nicht bei Allen)! Und harren der Ausgabe in Postcorona-Zeiten. Konsum! Weltweit. Was liegt also näher als die Anschaffung eines Consumerbasierten, weltweit gestreuten ETF. Das wäre jetzt aber zynisch, höre ich da?
Thema der nächsten Vorlesung ist die Abgrenzung von Realität zu Wahn und Zynismus in Abhängigkeit von gesellschaftlichen Paradigmenwechseln.

06.12.2020 – Weil man uns die Freiheit klaut


Verschwörungsspinner, irgendwo in Deutschland am Wochenende.
Ob die Zahl der Infizierten zurzeit nur stagniert oder grundsätzlich wieder zunimmt, wie heute, muss sich ebenso erweisen wie die Ursachen dafür. Das zu ergründen, ist kein Hexenwerk, sondern eine Frage von Verstand, Wissenschaft und Statistik.
Was die Leichen und die Toten angeht: Wir haben eine Übersterblichkeit von 5 Prozent seit Oktober, Tendenz steigend, die Intensivstationen kommen an ihre Kapazitätsgrenzen und in Pflegeheimen (Zitat) „wütet das Virus“. Mit der Konsequenz, dass die Todeszahlen absehbar deutlich steigen werden. Den Umgang mit den zu hohen Todesraten nennt Markus Söder zu Recht eine „ethische Kapitulation“. Unter den möglichen Kanzlerkandidat*innen aller Parteien ragt der Mann heraus wie ein Vintage-Port unter Eierlikören, um mal in der Abteilung Flaschen zu bleiben.
Ich schreibe das hier nicht, um gegen die Verschwörungsnazis zu argumentieren. Bei denen hilft nur Gummiknüppel, Wasserwerfer und die Hoffnung, dass denen tatsächlich jemand die Freiheit klaut – und den Schlüssel dafür irgendwo im Meer versenkt, ganz weit draußen. Aber wir leben ja in freiem Land. Was ich von Tag zu Tag mehr bereue.
Ich schreibe das hier zur Selbstvergewisserung, um Dinge für andere Diskussionen für mich auf den Punkt zu bringen. Es gibt ja unterhalb der Schwelle der Coronaleugner durchaus unterschiedliche diskussionswürdige Sichtweisen auf die Seuche: Die Verdränger (Mich trifft’s nicht und wenn, wird’s schon nicht so schlimm), die Verharmloser (Ja, Corona gibt es, ist aber harmloser als Grippe), die Freiheitsfetischisten (Es ist eine Seuche, aber die gefährlichere Seuche ist der Verlust gesellschaftlicher und meiner individuellen Freiheit) etc. pp. Es überrascht mich immer wieder, wer unter diese Rubriken fällt. Früher waren die Frontverläufe klar wie Doppelkorn: Da die Nazis, Rassisten und hier „Wir“ (wie auch immer ausdifferenziert), wobei man die „Anderen“ persönlich gar nicht kannte. Das ist heute anders, die Fronten sind unübersichtlich, verlaufen quer.
Was mich am meisten auf die Palme bringt, ist der fetischisierte, bürgerliche Freiheitsbegriff, der Freiheit zu einem absoluten Kampfbegriff stilisiert: „Weil man uns die Freiheit klaut“.
Freiheit zu was? Zum Kauf all des Mülls, den uns die Werbung ins Hirn prügelt? Jetzt auf den Kanaren eine Kreuzfahrt anzutreten?
Gegenfrage: Welche Freiheit hat der Obdachlose unter einer Brücke bei Minusgraden? Welche Reise-Freiheit hat die Migrantin im kaputten Schlauchboot vor Lanzarote?

Schnappschuss Lanzarote 2005. So ein Foto hat heute einen völlig anderen Subkontext ….
Einen fröhlichen 2. Advent wünsche ich allen Leserinnen.

04.12.2020 – Die beiden größten derzeit existierenden Seuchen


Die Hetzkampagne des Shampoo-industriellen Komplexes gegen den VEB Satirekombinat SCHUPPEN 68 nimmt langsam unerträgliche Formen an. Dahinter steckt die Echsenclique um Angela Merkel und Bill Gates mit ihrer Corona- Diktatur, die in jedes Shampoo Mikropartikel platzieren, die unser Bewusstsein verändern.
Ach, wenn es mal so wäre. Dann würde Weihnachten wieder zu dem, was es nie war: Eine heitere Zeit stiller Besinnlichkeit und Konzentration auf die wahren Dinge des Lebens statt auf die Waren Dinge. Solch ideologiekritische Dutzendware durchpfiff tatsächlich kurz meinen Shampoo-geschäumten Schädel, als mich die Bitte des Chefs vom Zentralorgan des hiesigen Kiezorgans Lindenspiegel um einen weihnachtlichen Text ereilte. Zum Fest der Liebe sollte selbst der gröbste Zyniker seine Giftspritze zügeln und Versöhnliches, Verbindendes von sich geben. Ich verband also die beiden größten derzeit existierenden Seuchen miteinander, Corona und die Kleinfamilie, und der Text ergab sich quasi von selbst:

Made in Linden. Diesen Zusatz hat der Herausgeber angefügt, wohl in der löblichen Absicht, sowohl dem Text als auch dem VEB Satirekombinat durch die Anmutung an das Qualitätssiegel „Made in Germany“ eben das zu verleihen, nämlich Qualität.
Was bei mir auf Missfallen stieß, ist doch das Letzte, was ich seit Jahrzehnten anstrebe, eine Verortung als Kiezkünstler. Ich kriege regelmäßig Hassanfälle, wenn die Medien mich einordnen als „Lindener Kiezkünstler“ oder ähnliches (das ist strukturell übertragbar auf z. B. Neukölln oder St. Pauli, um bekanntere Kieze zu nehmen).
Bin ich einer jener Alternativ-Schnarchsäcke, deren Horizont noch vor der eigenen Kiezmauer an der eigenen Mülltonne endet und die ihren Kiez seit Jahrzehnten für den Nabel der Welt halten, wo er doch lediglich ein Furunkel am Arsch des Weltgeschehens ist? Veränderungsunwillig bis zur Hirnlähmung ist der Alternativ-Schnarcksack in rotgrün nur das, was sein halbbrauner Antipode von Stammtisch ist: Ein Spießer. Wesensmerkmal des Spießers ist die Unfähigkeit zur Veränderung, dem Denken eine Richtungsänderung zu geben. Schöne Beispiele sind der asoziale Volksentscheid der Neuköllner Szenemafia gegen eine Teil-Wohnbebauung des Tempelhofer Feldes und das bei dem Wohnungsmangel n Berlin. Vergleichbar in Linden die Aktion einiger Hanswurste, die sich offensichtlich das Resthirn weggekifft hatten: Sie ketteten sich an ein paar Bäume, um deren Fällung zu verhindern im Rahmen eines Flutschutzprogramms des hiesigen Flusses, wodurch dann auch Nachbarstadteile geschützt sind.
Mein Freund, der Baum. Wer solche Freunde hat, braucht sich um den Klassenfeind nicht zu sorgen.
Heute ist das Areal übrigens ein richtiges kleines Park-Schmuckstück, in dem sich nicht nur die Jugend der Welt zu Müßiggang, Kunst und Drogengenuss versammelt.
Sie verstehen also meinen Grimm, liebe Leserinnen.