
Dry aged, 28 Tage. 99,50 Euro. Nicht der ganze Ochse, sondern ein Kilo. Gesehen in der hannöverschen Markthalle, wo ich ab und zu mal Grillwürstl einkaufe. Ungeachtet der Tatsache, dass Tierhaltung klimaschädlich ist.
Aber da Bundeskranzler Pinocchio nur drei Prioritäten in seiner Politik kennt, nämlich Wachstum und Wachstum , muss ich mir um das Wetter keine Sorgen machen. Regnet doch sowieso gerade. Was die Leute immer mit ihrem Klima haben. Gut, neulich war es mal wieder warm, aber warm war es früher auch. Als ich noch jung war…
Ich kriege gerade die erste Verspätungsmeldung für DB nach Berlin. Früher, siehe oben, habe ich die Bahn immer verteidigt. Mittlerweile bleibt mir angesichts des chronischen Desasters nur noch der Griff in meine mobile Witzothek :
„Fahrkartenkontrolle in der Regionalbahn. Opa zeigt dem Kontrolleur sein Ticket.
Der sagt: „Das ist ja ein Kinderfahrschein.”
Opa: „Da sehen Sie mal, wie lange ich auf die Bahn warten musste!”
Ein echter Brüller. Nichts für Pendler*innen.
In Vorbereitung auf Berlin war ich am Wochenende in der hannöverschen City. Ein Riesenpolizeiaufgebot. Kein Vorkriegszustand wie Fussball, sondern Wahlkampf

AfD. KfZ-Kennzeichen H-XS 127.

FDP. Ich griff mir einen Kochlöffel da ab, bei den demokratischen Parteien nehme ich alles mit, was ich kriegen kann. Kochlöffel eignet sich gut zum Versohlen. Der Kandidat, dick und hässlich, salbaderte mich getragen voll: „Wählen mit Verstand.“ Ich: “Ja. Deswegen wählt Euch ja auch keiner mehr.“ In das perplexe Schweigen der gelbliberalen Schranzen am Stand griff ich mir noch einen Kuli und verzog mich zum Stand eines hiesigen Wohlfahrtsverbandes, wo mein Übermut gedeckelt wurde. Den Verein kenne ich noch aus meiner aktiven Zeit und so scherzte ich mit der Geschäftsführerin. Kurz. Ihr Lächeln erlosch, sie schaute über meine Schulter, strahle nun wie ein AKW im Notfall, tirilierte in den höchsten Tönen:
“ Ach, da ist ja der zauberhafte Herr von der Ohe“, drehte mir den Rücken zu und beachtete mich von da mit weniger Interesse als einen Kuhfladen. Herr von der Ohe ist der hiesige SPD-Oberbürgermeisterkandidat, von dem man nach dessen Desaster nach der hiesigen Kommunalwahl nie wieder hören wird, der sich aber nichtsdestotrotz an alle wehrlosen zivilgesellschaftlichen Infostände in der City ranwanzt. Der Mann hat soviel Charisma wie ein Rechenschieber und seine Mitbonzen sind hier in Hannover in einen unglaublichen Korruptionsskandal verwickelt, der ihnen wie Kuhscheisse am Hacken klebt.
Nachdem mir mein Marktwert derart deutlich vor Augen geführt wurde, brauchte ich Alkohol.

Um die Ecke fand ein Weinfest statt, wo es gute Winzersekte zu verklappen gibt. Es war noch heller Nachmittag, aber über dem Setting waberte eine Wolke von Trunkenheit, Bürgertum und Brunft. Ich bahnte mir einen Weg zum nächsten Chardonnaysekt, da stellte sich mir eine noch halbwegs (?) nüchterne Dame (?) mittleren (?) Alters in den Weg und adressierte mich: „Na, Du Saxophonist?“ Ich bin schon schlagfertig, aber darauf konnte selbst ich nur röcheln: „Das muss eine Verwechslung sein.“ Und suchte und fand das Weite, aber nicht meine Ruhe. What the fuck meint das, Saxophonist? Ist das eine Codierung für Eingeweihte? Eine welterfahrene Freundin vermutete, dass es was mit Blasen zu tun hat.
Nachdem ich danach leicht angeschickert vergeblich ein Paar Sneakers kaufen wollte, hatte ich am Ende des Tages Blasen. An den Füßen. Ich hasse die City. Das Personal im Schuhladen wollte mir allen Ernstes erzählen, sie würden im „System“ Schuhe nur nach Artikelnummer führen, nicht nach Bezeichnung. Echt was für meinen Witze-Verleih….
Scheißsystem, sag ich doch immer. Kapitalismus.