
Fiel mir beim Ausmisten in die Hände. Bei der Lektüre musste ich lachen, ein Lichtblick in düsteren Zeiten. Aber leider nur, was die überaus freundliche Vorstellung meiner Person angeht. Was den Inhalt, speziell die Forderungen angeht, ist die Causa eher zum Heulen. Hier wäre ein Anfang, um mit sozialpolitischen und ökonomischen Mitteln dem Erstarken des Faschismus in der Gesellschaft etwas entgegenzusetzen. Und leicht zu finanzieren. Beispiel dauerhaftes 9-Euro Ticket. Eine Entlastung für Menschen mit wenig Geld, würde für Mobilität auch in ländlichen Regionen sorgen und den CO 2 Ausstoß minimieren. Natürlich müsste parallel der ÖPNV ausgebaut werden. Das 9-Euro Ticket hat im Sommer 2022 rund 2,5 Mrd. Steuermittel gekostet. Raten Sie mal, was dieser vollkommen kontraproduktive Tankrabatt, diese irrsinnige Reichen-Subventionierung von Sechsliter BMW-Verbrennern, die Steuerzahlerin kostet? Bingo! 2,5 Mrd.
Eine Erhöhung der Grundsicherungssätze würde ca. 15 Mrd. kosten.
Eine zweiprozentige Vermögensabgabe ab 20 Millionen Vermögen – also keinesfalls beim Millionärsprekariat! – würde ca. 15 Mrd. Mehreinnahmen generieren.
Das Vermögen von Lidl-Schwarz hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als versechsfacht, auf über 50 Mrd. Euro. Wobei die realen Zahlen wie bei fast allen Superreichen mangels Daten chronisch unterschätzt werden.
Die Vermögen der Superreichen sind grundsätzlich explodiert, 2024 gab es in Deutschland noch 3.900 mit einem Vermögen von mehr als 100 Mio. US-Dollar, jetzt sind es über 5.000. Die Vermögen der oberen Hälfte der Bevölkerung haben sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Die untere Hälfte hat keins. Respektive stagniert das.
Die Reallöhne sind im gleichen Zeitraum um ca. 15 Prozent gestiegen. Im letzten Jahr sind sie um 1,9 % gestiegen, was in der Bürgerpresse als Riesenerfolg bejubelt wurde. Da hatten wir 2,2 % Inflation. Im letzten Monat hatten wir 3,3 %. Die Herbst-Erholung am Arbeitsmarkt bleibt aus.
Was diese Entwicklungen in der Gesellschaft anrichten, auch abzulesen an den Wahlerfolgen der AfD, könnte sich Klein-Fritzchen (das hab ich lange nicht mehr gelesen, Klein Fritzchen… hört sich super an) am Finger einer Hand ausrechnen. Aber da es sich bei unserem Klein-Fritzchen, vulgo Friedrich, um den Sauerland-Pinocchio handelt, können wir auf Verstand und Rechnen nicht hoffen. Hier geht es nach Interessen. Denen der Superreichen.
Diesen Ausflug in die Nationalökonomie mit angeschlossenem Schlenker in die Psychodynamik des anschwellenden Faschismus hab ich nur deshalb unternommen, um mich vor dem Hinweis auf die nahenden Jahrestage zu drücken, die bei mir im Kalender und Gemüt mit tiefschwarzem Trauerrand versehen sind: Morgen, am 3. Oktober, ist Reichseinheitstag. Und noch düsterer liegt mir der 7. Oktober im Gemüt, der Jahrestag des faschistischen Terrorüberfalls der Hamas auf Israel. In Berlin sind schon wieder diverse Demonstrationen zur Feier dieses Massakers angemeldet. Linke sind natürlich auch dabei, federführend. Bei einer derartigen Gefühlsverrohung und Niedertracht, gemeinsam mit Neuköllner Schwulenhassern, Frauenverächtern und Clankriminellen zu marschieren, also mit Männern, die für alles Mögliche stehen, aber nicht für Demokratie, Zivilisation, Fortschritt, linke Werte, kann ich nur hoffen, dass sich die Erde auftut und diese Satansbrut vom Erdboden vertilgt.
Das sage ich als Künstler und Satiriker, sachlich und unterhaltsam, und als Autor des kapitalismuskritischen Krisenblogs www.schuppen68.de .
Ich muss unbedingt das Walsroder Plakat aus dem Altpapier holen. Was bleibt mir denn angesichts des nahenden Herbstes, der gesellschaftlichen Perspektiven und meines zunehmenden Verfalls außer derartig herzerwärmender Lektüre.