
Ein Tag, der so im Garten beginnt, kann nicht ganz schlecht werden.
Schlecht werden hingegen kann einem vom gestrigen Wahlergebnis. Das Fazit der diesjährigen Wahlen: Es gibt nur noch eine Volkspartei, die AfD. Eine faschistische Volkspartei, die in großen Teilen des Landes die kulturelle Hegemonie besitzt und immer mehr zu einer Bewegung wird. Selbst in Berlin sind queere Menschen nicht mehr sicher, Jüd*innen schon lange nicht mehr, der Mob fühlt sich seiner Sache immer sicherer und greift alles, was ihm nicht passt, immer öfter immer radikaler an. Und wie verhält sich die bürgerliche Gesellschaft dazu?
Ein Medienbeispiel, die dümmste Zeitung des Universums, die Neue Osnabrücker Zeitung, kommentiert den Wahlausgang vom Sonntag wie folgt: „Rechte Radikale sind die großen Gewinner der Wahl in Schwerin, linke Radikale sind es in Berlin. „
Die rechten „Radikalen“ sind nicht radikal, sondern extremistisch, faschistisch. Die linken Radikalen sind eine demokratische Partei. Sie ist die einzige Partei, die die AfD als das bezeichnet, was sie ist, nämlich faschistisch, und die demzufolge als einzige den Begriff „Antifaschismus“ in ihrem Programm und ihrer Praxis beherbergt. Ein Begriff, der solange von der bürgerlichen Gesellschaft diskriminiert und diskreditiert wurde, dass es in dem Moment zu spät war, als er dringend als bürgerlicher Konsens gebraucht worden wäre, nämlich jetzt.
Wenn die dümmste Zeitung des Universums schon auf der begrifflichen Ebene noch nicht einmal Standards der Erkenntnis pflegen kann, ist es nicht verwunderlich, wenn sie mit der Rechts-Links Totalitarismus Ideologie aus dem Kalten Krieg des vorigen Jahrhunderts hausieren geht. Bei soviel Dummheit und Niedertracht zeichnet sich jetzt schon ab, wer neuen Machthabern als erstes in den braunen Arsch kriechen wird. So würde ich dem Artikelschreiberling, hätte ich sein Pamphlet gedruckt vor mir, mit den Worten von Max Reger schreiben :“ Ich sitze hier im kleinsten Raum meines Hauses und lese Ihre Kritik. Noch habe ich sie vor mir ….“
Gelogen. Dafür ist mir mein Arsch zu schade.
Meine kindischen Wünsche im Blogeintrag von gestern, was das Wahlergebnis angeht, sind bis auf die SPD, die nochmal knapp zweistellig in Berlin landete, in Erfüllung gegangen: FDP zersplittert, BSW draußen, CDU in MV. Genugtuung kann im Ernst niemand darüber verspüren, wenn bürgerliche, demokratische Parteien langsam im Sumpf der Geschichte versinken. Wir haben nichts anderes als die derzeitige bürgerliche Demokratie, mit all ihren Mängeln, die radikal zu kritisieren sind. Aber wenn die bürgerliche Demokratie erodiert, scheint am Horizont Faschismus auf.
Auch nächstes Jahr finden Landtagswahlen statt und die Erosion der Demokratie wird sich beschleunigen, da sich am Treibstoff für Faschismus, nämlich Angst im Kapitalismus, nichts ändern wird. Allein die Mietensituation nicht nur in Ballungsräumen reicht aus, um nackte Existenzangst zu erzeugen. Die Angebotsmieten werden bis 2030 in exponierten Lagen bis zu 8 Prozent jährlich steigen, die Inflation zieht weiter an, die Arbeitgeber drohen durch Einführung einer 40 Stunden-Woche ohne Lohnausgleich mit Reallohnverlusten, was KI mit ordentlich bezahlten Arbeitsplätzen im Wissenssektor macht, kann sich jeder Wissen-schaftler selbst hochrechnen usw. usf.
Was glauben Sie, liebe Leserinnen, vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen, wie das Wahlergebnis bei der Bundestagswahl 2029 für die AfD aussehen wird. Und wenn es 2029 noch nicht für eine demokratisch legitimierte Machtübernahme durch die Faschisten reicht, dann 2034. Und es gilt der Satz: Demokraten müssen bei Wahlen immer wieder gewinnen. Faschisten nur einmal….
Ein Blick in den Rückspiegel: Die NSDAP trat 1924 erstmals zu einer Wahl im Reich an, Machtübernahme war 15 Jahre später. Die AfD trat 2013 erstmals zur Wahl im Reich, äh, im Bund, an. 2029 sind es 16 Jahre später….
Aber keine Panik, liebe Leserinnen, nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich, der Prophet gilt nichts im eigenen Land und Unken sind hierzulande sowieso demnächst ausgestorben.
Alles weiter entnehmen Sie bitte der Neuen Osnabrücker Zeitung.
