
Entwicklung Drogennutzung. Quelle: Destatis. Krise knallt gut.
Das Bemerkenswerteste an der Berliner Koalition ist die Tatsache, dass sie überhaupt noch existiert. Eine Ursache für das katastrophale Erscheinungsbild ist natürlich die handwerkliche Unfähigkeit der Agierenden. Eine Vollversammlung von Minderleistern, Unterkomplexlingen und Charakternullen. Es ist aber nicht nur individuelle, subjektive Beschränktheit, die da wie Mehltau über Berlin-Mitte liegt. Die Konflikte spitzen sich objektiv zu nach Jahrzehnten voller Formelkompromisse und Deals. Die Verteilungskämpfe können immer seltener mit Geld zugeschüttet werden, immer öfter stellt sich immer brutaler die Frage: Wer hat die Macht im Staate und bestimmt, wer die Kohle kriegt. Die Geschichte der Bundesrepublik ist eben auch eine Geschichte des Klassenkampfes, der mühselig über Jahrzehnte verdeckt war. Quasi zugekleistert mit bunten Wahlplakaten. Jetzt tritt zutage, wer ihn gewonnen hat, von Anfang an gewonnen hat. Jetzt wird der Mob abkassiert, bis in die Mitte der Facharbeiterschaft hinein, da kann die ehemalige Arbeiterpartei SPD lamentieren, wie sie will. Mit uns keine neue Agenda 2010 mehr, so die zwei übriggebliebenen SPD-Restlinken. Das können sie haben. Mit einer nagelneuen Agenda 2030.
Jede Entwicklung kommt an ihr Ende, so auch das erfolgreiche BRD-Nachkriegsmodell, geprägt von einer sozialpartnerschaftlichen Konsens-Variante des Kapitalismus. Die immerhin mehrere Jahrzehnte mit mehr Wohlstand für viele ganz ordentlich funktionierte. Im jahrhundertelangen Siegeszug des Kapitalismus ist das aber nur eine kurze Spanne, begrenzt nur bei „uns“ durchführbar, gekoppelt an ein Sondermodell des Kapitalismus mit begrenzter Haltbarkeit, das Auslaufmodell Demokratie. Wir können auch anders.
Die Zustände spitzen sich zu, die Zuständigkeiten wechseln. Zuständig für Proletariat und Prekariat ist jetzt die AfD. Die SPD kann ihren Mantel der Geschichte an der Garderobe abgeben.
Wir befinden uns in einer Phase des Übergangs, niemand weiß, was am „Ende des Tages“ bei der aktuellen Entwicklung rauskommt. Diese Unsicherheit macht krank. Im wahren Sinne des Worte.

Entwicklung Psychopharmakaverbrauch. Quelle: Destatis
Alkohol- und Zigarettenkonsum nimmt seit Jahren ab. Dem Zeug haftet mittlerweile das Proll-Odium an, völlig uncool in Zeiten von Fitness als neuer Religion. Koks und Kiffen dagegen ist eher cool. Jede Krise hat ihre eigenen Drogen. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung für das gesellschaftliche Klima sind die Teuerungsraten bei Genussgiften wie Alkohol, Zigaretten, Kaffee. Letztere sind im Preis regelrecht explodiert, auch aus ordnungspolitischen Gründen, um den Mob gesund zu halten. Kriegsverwendungsfähig zum Beispiel und lange, bis weit jenseits der 70, einsetzbar an der Arbeitsfront.
Dass das verheerende Folgen in der Etappe hat, wenn sich der kleine Mann auf der Straße, womit aber auch Basketballerinnen in Hallen jenseits der Eins Neunzig gemeint sind, den täglichen Kaffee zur Zigarette kaum noch leisten kann, darüber macht sich ein an Gesetzen und Erlassen mitfeilender Ministerialdirigent in Berlin-Mitte der Besoldungsgruppe B6 mit 11.000 Euro brutto im Monat vermutlich kaum Gedanken. Kann aber sein, dass diese Gedanken irgendwann an ihn herangetragen werden. Wenn marodierender Mob aus der Peripherie der Großwohnsilos schicke kleine Wochenmärkte mit Crémant und Austern heimsucht.
Wie den am Südstern in Kreuzberg, wo ich gerne am Samstag mal ein Gläschen nehme. Ein paar Meter weiter in dieser gentrifizierten Ecke Berlins, der Gneisenaustr., befindet sich der Spritzenbaum, ein Druckraum im Grünen: Annähernd 50 Spritzen stecken da in der Rinde eines Baumes auf dem Mittelstreifen.
Manchmal frage ich mich, worüber ich hier wohl in fünf Jahren schreiben werde.
Sonnigen Start in eine zauberhafte Restsommer-Woche wünsche ich allen Leserinnen.










