Kategorie-Archiv: Schuppen aktuell

03.10.2025 – Über Eskapismus

Speisekarte Kreuzfahrt MS Berlin, 24.04.1986, Alexandria

Programm Kreuzfahrt MS Berlin, 25.04.2025, Haifa.

Aus dem Papier-Fotoalbum von W. Z. Eine faszinierende Individual-Geschichte des Bürgertums der BRD in Bildern, Postkarten, Listen und Kopien. Viel mehr über die Kulturgeschichte der BRD aussagend als zig Essays.

Ich sah mich selber schon, Cary Grant alike, beim Shuffleboard auf dem Promenadendeck, entrückt aller irdenen Schwere. Fakt ist immerhin: Ich werde demnächst, so die Drohnen in unserem Luftraum es wollen, an Ioniens Gestaden weilen. Die unverhüllte Rohheit und Dummheit des globalen Antisemitismus, sein Vernichtungsfuror, die fast flächendeckende antisemitische Durchseuchung hiesiger, früher fortschrittlich genannter Sektoren des UnGeistesleben ermatten zunehmend mein Gemüt. Einfach mal raus hier.

Der Sonne, dem Himmel, dem Nichts entgegen. Höchstens noch der nächsten Taverne entgegen, zwecks Verklappung notwendiger Atzung und diverser Feuchtgetränke.

Definition Eskapismus, auch Realitätsflucht, Wirklichkeitsflucht oder Weltflucht: Bezeichnet die Flucht aus oder vor der realen Welt und das Meiden derselben mit ihren Anforderungen zugunsten einer Scheinwirklichkeit, d. h. imaginären oder möglichen besseren Wirklichkeit.

Eine imaginäre andere, ob bessere, sei dahingestellt, Wirklichkeit ist die Vorstellung, dass der Russe käme, nachdem ein paar lächerliche Drohnen, Anschläge auf Pipelines und Zuginfrastruktur sowie Digitalattacken die komplette BRD lahmgelegt haben werden. Immerhin hatte die Bundesregierung es noch fertiggebracht, einen Koordinierungsausschuss zur Bündelung von Kompetenzen der Drohnenabwehr im Krisenfall zu installieren. Kurz nachdem dessen erste Arbeitsergebnisse einer dauer breiten Öffentlichkeit vorgestellt wurden, hatte der Russe den Atlantikwall erreicht, aber von hinten, und die Einnahme Dünkirchens vermeldet. Die Meldung davon erreichte mich im nächsten Frühjahr, in einer Taverne an Ioniens Gestaden. Der Kellner, ein russischer Gastarbeiter, wird mir daraufhin als einzigem Gast, es wird früh im Jahr sein, einen Ouzo nach dem anderen ausgegeben haben, so dass ich das Ende des Liedes unter dem Tisch liegend erleben werde.

Ich sollte wirklich etwas mehr Resilienz-Training machen. Das alles ist der erst der Anfang. Vom Ende. Beckenbodengymnastik ist ja ganz nett, aber nicht alles. Eigentlich wollte ich was zum  Einheiz-Tag schreiben. Die Tatsache, dass mir dazu nix mehr einfällt, wäre kein Hinderungsgrund. Das Nichtvorhandensein substantieller Gedanken muss ja kein Schreibhinderungsgrund sein. Aber alles dazu Gesagte und zu Sagende ist öd, fad, deshalb brechen wir hier

30.09.2025 – Den Possenreißern dieser Welt ist alles zuzutrauen

Haus der Kulturen der Welt, Berlin. Mein Lieblingsort, magische Terrassen-Konzerte in lauen Sommernächten, mit Blick auf die Spree und das Kanzleramt, ein Kultur- und Kunstangebot, das seinesgleichen sucht, die ikonische Architektur, und mit dem Klappi bin ich in 20 Minuten da, durch Tiergarten und Park Gleisdreieck, den irrsinnigen Verkehr umfahrend. Wenn es einen postmodernen Locus amoenus gibt, dann ist er hier.

Daher war ich erleichtert, dass Jan Böhmermann das Konzert dort im Rahmen seines Ausstellungsprojektes mit einem antisemitischen Rapper namens Chefket abgesagt hat. Sonst hätte ich dieses Projekt sicher nicht besucht. Ich habe nie viel von den Hofnarren des Betriebes von Harald Schmidt über Joko und Klaas bis Böhmermann gehalten. Aber bei dem Konzerttermin ist mir dann doch der Quark aus der Kanzel gefallen, ausgerechnet am Jahrestag des Terrorüberfalls der Hamas, am 7.10. Wie dumm und unprofessionell oder aber eben auch wahnhaft, also die Vernunft ausblendend, antisemitisch kann man sein, um zu glauben, dass das nicht wenigstens noch auf offizieller Ebene in Deutschland auf massiven Widerspruch stoßen würde. Also wird ihm der von mir überhaupt nicht geschätzte Kulturstaatsminister Weimer vollkommen zu Recht einen Einlauf verpasst haben, der sinngemäß so gelautet haben dürfte:

„Mein lieber Böhmermann, Sie können rumkaspern, wo und wie Sie wollen, aber bestimmt nicht mit derartigen antisemitischen Signalen in einer Institution, die dem deutschen Staat gehört. Wenn Sie das Konzert nicht absagen, ist der Chef des HKW die längste Zeit in seinem Amt gewesen. Und kommen Sie mir jetzt nicht mit Zensur. Antisemitismus hat nichts mit Kunst und Meinungsfreiheit zu tun, sondern ist bei uns ein Straftatbestand und wenn Sie glauben, Sie können sowas in staatlichen Institutionen durchziehen, dann haben Sie nicht alle Tassen im Schrank.“

Weimer wird es höflicher formuliert haben, als Angehöriger der bürgerlichen Eliten legt er sicher Wert auf Umgangsformen und Contenance.

Ob Böhmermann „eingeknickt“ ist, wie sich die linksliberalen Quarkblättchen in völligem Missverständnis von Freiheit der Kunst in ihre Morgenschlagzeilen erbrechen, entzieht sich meiner Kenntnis. Ist mir auch jene Wurst, die Böhmermann als Logo über seinem sonst interessanten Projekt prangen hat.

Fakt ist, dass mir schon wieder der Morgen angedorben ist, was die Vorstufe von verdorben ist. Ich habe eigentlich keine Lust mehr, mich mit diesem Scheißthema Antisemitismus zu befassen. Es verfinstert mein Gemüt. Aber Schweigen heißt die Dinge so akzeptieren, wie sie nun mal laufen, auch wider bessere Einsicht. Das wäre Feigheit vor dem Feinde und da Deutschsein stark sein heißt, mutig und allzeit breit, ist Schweigen keine Option.

Das ist jetzt schon mehr als Zynismus ….

Beim Anblick der vermutlich 100.000 Demonstrierenden bei der Gazademo neulich in Berlin habe ich mal die Demos der letzten Jahre in Berlin Revue passieren lassen. Es gibt so viele Themen von existentieller Bedeutung für die Mehrheit im Lande: Armut, prekäre Beschäftigung, mies bezahlte Arbeit, Arbeitslosigkeit, Mietenwahnsinn, keine Kitaplätze, miserable Pflegebedingungen, Alterselend, Wohnungslosigkeit, schlechte Gesundheitsversorgung etc. pp. Von Kleinigkeiten wie Klimakatastrophe und aufkommendem Faschismus im Lande ganz zu schweigen. Also alles Themen, die aus direkter eigener Betroffenheit und moralischer Notwendigkeit permanent Hunderttausende, Millionen auf die Straßen trieben müssten.

Was aber den kleinsten gemeinsamen Ideologie-Nenner bildet und die größte Zahl der letzten Jahre auf die Straße treibt, ist Antisemitismus.

Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode.

Was mir gerade einfällt: Kann natürlich auch sein, dass Böhmermann diesen Skandal bewusst provoziert hat. Den Possenreißern dieser Welt ist alles zuzutrauen.

29.09.2025 – Deutscher Herbst

Schlachtfeld Deutschland. Katharina Sieverking. 1977. Neue Nationalgalerie, Berlin. Ausstellung „Zerreißprobe“.

Ein düsterer Blick aus dem RAF-geprägten Deutschen Herbst 1977 . Der Deutsche Herbst gilt als eine der schwersten Krisen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Er war mit seinem „nicht-erklärten Ausnahmezustand“ der endgültige Schlussstrich unter den demokratischen Aufbruch in der BRD und ging in die bleiernen 80er über. Ab den 90ern kam mit dem Wegfall der sozialistischen Systemkonkurrenz und dem Siegeszug des Neoliberalismus derart frischer Wind in die Bude, dass uns im Rückblick der Deutsche Herbst im Vergleich zu Heute wie ein strahlend-heller Frühling erscheint. Wuchs sich doch der frische Wind in der Realität zu einem orkanartigen Sturm aus, der die Demokratien der Welt eine nach der anderen um – und wegblies. Der Kapitalismus befreit sich von seiner lästigen Schwester, der Demokratie. Beide waren ungefähr zur gleichen Zeit groß geworden, was manche Schlichtdenker zu dem Trugschluss verleitete, dass der eine ohne die andere nicht überlebensfähig sei. Kapitalismus und Wohlstand funktioniere nur in einer Demokratie.

 Werch ein Illtum. Die Erzählung vom Wohlstand für alle im Kapitalismus – wenigstens im globalen Norden, also auf Kosten vom Rest der Welt – war von Anfang eine derartig dummdreiste Lüge, dass sie von den helleren Köpfen nie geglaubt wurde. Mittlerweile müssen selbst bei uns so viele Menschen im Dreck wühlen, um zu überleben, dass auch die Dümmsten und vor allem die Ärmsten die Lüge vom Wohlstand für alle nicht mehr glauben und sich dann folgerichtig sagen: Wenn der Kapitalismus sein Versprechen nicht hält, warum sollen wir uns dann weiter mit seiner Zwillingsschwester, der Demokratie, rumärgern, die uns nur volllügt?

Wohlstand für alle.

Herr Dr. Wehrenkamp (Ukon Verlag) überreicht Dr. Ludwig Erhard sein Buch „Wohlstand für Alle“

Wohlstand für alle, Ludwig Erhard, 1957. (Quelle: Bundesarchiv, B 145 Bild-F004204-0003 / Adrian, Doris / CC-BY-SA 3.0)

Buch-Neuauflage 2020. Allerdings nicht als Satireshow, sondern real bei der Ludwig-Erhard-Stiftung

Der dummdreiste Zynismus solcher Veranstaltungen sei nicht zu überbieten? Von wegen. Das schafft die SPD aus dem Stand: Es sei nicht mehr zeitgemäß, das Retten weggeworfener Lebensmittel zu kriminalisieren, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Limbacher der „Rheinischen Post“. Das Containern sei ein wertvoller Beitrag zur Ressourcenschonung und zur sozialen Gerechtigkeit. Bisher ist das Containern, also das Wühlen im Müll von Großmärkten nach Lebensmitteln, um überleben zu können, strafbar. Wühlen im Müll als Beitrag zur Ressourcenschonung und sozialen Gerechtigkeit?

Ein Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit wäre es z. B., die Krisen-Übergewinne der Lebensmittelkonzerne durch Steuern abzuschöpfen und das Bürgergeld und die Mindestlöhne so zu erhöhen, dass die Menschen in einem der reichsten Länder der Welt nicht gezwungen sind, im Müll zu wühlen, um zu überleben.

Bisher habe ich gehofft, dass die SPD doch irgendwie röchelnd überlebt, weil sie noch Teile der Facharbeiterschaft bindet und vom Wechsel zur AfD abhält. Aber einer Partei der Arbeiterbewegung, die mittlerweile derartig zynisch redet, rufe ich fröhlich winkend hinterher im Absturz: Fahr zur Hölle.

Ich arbeite derweil weiter an meinem Bilderzyklus: Deutscher Winter.

28.09.2025 – Über meine Fähigkeit, Glühlampen zu wechseln.

Ort der deutschen Teilung. Friedrichstr., Tränenpalast. Ich komme da öfter vorbei und vergieße jedes Mal Tränen. Weil es die Teilung nicht mehr gibt.

So weit, so witzig. Wesentlich weniger witzig ging es ein paar Meter weiter bei der Gaza Demo am Wochenende zu, bei der sich die Linke zu nützlichen Idioten der Antisemiten hatte machen lassen. Linken-Chefin Schwerdtner wird bei ihrer Rede zu Beginn abgedrängt von einer Gruppe arabisch sprechender Frauen. Sie rufen »Kindermörder Israel« und »Tod Israel«. Es verbreitet sich das Gerücht, Schwerdtner sei Israelin. Es dauert Minuten, bis Sicherheitskräfte es schaffen, der Linken-Vorsitzenden den Weg zu bahnen. . Sonst haben Frauen in der arabischen Community nichts zu melden, „dürfen“ meist getrennt im Block hintendrein marschieren. Aber wenn es passt, werden sie, Behinderte in Rollstühlen und Kinder nach vorne geschoben. Eines der ekelhafttesten Bilder habe ich bei einer Demo auf dem Mehringdamm in Kreuzberg erlebt, wo ein arabischstämmiger Pöks von vielleicht 10,11 Jahren auf den Schultern eines Demonstranten an der Spitze des Zuges hysterische Hassparolen in ein Megafon skandierte. Diese „Kultur“ des nicht integrierbaren Neuköllner Mobs wird kritiklos von den zehntausenden Demonstrantinnen vom Wochenende legitimiert und stabilisiert.

Falls Sie, liebe Leserinnen sich wundern, warum ich hier nicht die Politik Israels und seiner rechtsextremen Regierung des Gauners und Rassisten Netanyahu kritisiere: Das entnehmen Sie bitte dem gesamten hiesigen Blätterwald von links über liberal bis Mitte und rechts. Ich muss hier ganz bestimmt nicht Eulen nach Athen tragen und mit redundantem Zeug Ihre und vor allem meine Zeit vergeuden. Mainstream und Selbstverständliches gibt’s an jenen Kiosken, die mangels Relevanz und auf Grund anschwellender Mob-Verblödung immer seltener Gedrucktes verhökern. Was ich hier mache, ist der verzweifelte (ok, das ist jetzt ein bisschen dicke, verzweifelt bin ich im Leben nur, wenn ich eine Glühlampe wechseln muss) Versuch, ein bisschen origineller als der Rest auf die Welt zu gucken, nicht im Chor der antisemitischen Schafe mit zu blöken.

Hysterisierung, Hass, Erregung ist sicher die derzeit vorherrschende psychische Stimmung, die mit Urgewalt die Demokratien von der politischen Landschaft schwemmt. Faschismus lebt von der der Dauererregung der Massen. Da er kein Ziel, keine Utopie, kein konsistentes Programm – außer Ausschluss und Vernichtung – hat, muss er seine Anhänger in ständiger Erregung mobilisieren und seine Gegner mit permanenter Angst überrollen. Und diese Prozesse müssen, um Abstumpfung, Gewöhnung zu vermeiden und Wirkung zu zeigen, ständig die Dosis erhöhen. Das werden die geneigten Alkis und sonstige Drogenabhängige unter Ihnen sicher kennen. Irgendwann fängt man schon morgens an zu saufen und nicht mehr nur ein Likörchen, hicks.

Man muss ja dem Ami regelrecht dankbar sein, dass er den faschistischen Marsch in eine Theokratie gerade wie aus dem Lehrbuch durchexerziert, für spätere, bessere Zeiten. Wenn es die nochmal gibt. Ständig neue Feinde, neuer Hass, neue Gewaltphantasien, die mit Gott vor Nichts zurückschrecken, und jeden Tag an immer mehr Minderheiten in die Praxis umgesetzt werden. Es fing harmlos an mit dem Buch des schrägen Gotteskrieger Pete Hegseth, US-Verteidigungsminister:  »Unser amerikanischer Kreuzzug findet nicht mit tatsächlichen Schwertern statt, und unser Kampf ist keiner mit Schusswaffen. Noch nicht.«

Und endet noch lange nicht auf der Müllhalde der Zivilisation. Der Journalist Jesse Watter vom rechten und Trump-nahen Fernsehsender Fox News in seinen Kommentar nach dem Besuch von US-Präsident Donald Trump am Dienstag im Uno-Gebäude am New Yorker East, als dort seine Rolltreppe stehen blieb:

»Das ist ein Aufstand, und wir müssen entweder die Uno verlassen oder sie bombardieren. Aber sie ist in New York, oder? Vielleicht gibt es da Kollateralschäden. Vielleicht vergasen?«

26.09.2025 – Kostenlose Anlageberatung

Goldener Herbst auf der Veranda. Wer es goldig-handfester mag: Der reale Goldpreis steht aktuell bei 3.744 $ pro Unze. Der Anstieg im zurückliegenden Jahr beträgt 40 Prozent. Es gibt Experten, die einen Anstieg bis 2030 auf über 7.000 Euro prognostizieren. Experten wie die der Landesbank Baden-Württemberg LBBW z. B.

Oh, glückliches Baden-Württemberg, Du Heimat von Porsche und Mercedes Benz, Du Hort von Wohlstand und Seriosität, von Ingenieuren und Experten, über allem waltet und wacht die LBBW. Wer wollte diesem Ausbund an Gediegenheit nicht vertrauen. Baden-Württemberg wirbt für sich mit dem Slogan: Wir können alles, nur kein Hochdeutsch.

Nun ja. Die LBBW hat am 13.12.2024 folgende Prognose für den Goldpreis Ende 2025 abgegeben: „Eine ganze Reihe von Faktoren spricht dafür, dass die Gold-Hausse im kommenden Jahr auslaufen wird: Insbesondere der hohe Angebotsüberschuss am Goldmarkt, das voraussichtliche Stocken bei den Zinssenkungen der Fed und eine wahrscheinliche Aufwertung des US-Dollars. Auch von den Gold-ETCs sind keine Impulse zu erwarten. Sobald also die Spekulanten ihre immer noch sehr hohen Wetten auf weiter steigende Goldpreise auflösen, dürfte die Gold-Rally Geschichte sein. Wir rechnen für Ende 2025 mit Preisen von 2.400 USD pro Feinunze Gold.“

Wir sind Stand heute noch nicht einmal im letzten Quartal 2025 und der Goldpreis liegt bereits jetzt über 50 Prozent über diesem unfassbar dummen Geschwafel, von dem nicht ein einziges Wort auch nur in die Nähe von Realität gekommen ist.

Ich gebe Ihnen, liebe Lesende, jetzt einen kostenlosen Anlage-Rat: Vertrauen Sie niemals Expert*innen aus einem Land, bei dessen Ministerpräsident man das Gefühl hat, sein tatteriges Greisenhaupt fiele jeden Moment vom Hals, ein Land, in dem die Kehrwoche ein heiliges Sakrament ist und ein Land, aus dem Gesöffe wie Trollinger und Lemberger kommen. Das wäre jetzt aber keine seriöse Einschätzung, höre ich da?

Das mag sein, aber bei der LBBW steht die Messlatte auch nicht allzu hoch und mein Rat war sowohl kostenlos als auch vermutlich umsonst.

Wer tatsächlich Gold kaufen will, möge bedenken: An dessen Förderung klebt Blut und Quecksilber. Die Goldförderung ist in großen Teilen ein soziales und ökologisches Desaster.

Kaufen Sie recyceltes Gold, ist auch nicht viel teurer. Bitte, gern geschehen.

Nun aber wieder normal und handfest. Folgendes ist zur Bekämpfung von Kinderarmut umzusetzen:

– die Einführung einer einkommensabhängigen Kindergrundsicherung mit eigenständigem Anspruch für jedes Kind,

– transparente und unbürokratische Leistungen, die direkt bei den betroffenen Kindern ankommen

– Abschaffung des bisherigen Bildungs- und Teilhabepakets zugunsten besserer individueller Förderung,

– Ausbau des sozialen Wohnungsbaus, insbesondere von bezahlbaren Familienwohnungen wie etwa Drei-Zimmer-Wohnungen und große Wohnungen mit fünf oder mehr Zimmern. Dieser Wohnraum muss gezielt erhöht werden inkl. gezielter Förderung für Alleinerziehende und kinderreiche Familien,

– Ausbau von Kitaplätzen und kostenlose Ganztagsbetreuung zur Entlastung armutsbetroffener Familien

– Lernmittelfreiheit, die kostenfreie Möglichkeit an Bildungs-, Kultur- und Sportangeboten teilzunehmen und eine kostenlose warme Mahlzeit in Schulen und Kitas,

– Ausbau armutssensibler Infrastruktur und Beteiligungsmöglichkeiten für betroffene Kinder und Jugendliche vor Ort.

Die Finanzierung soll auf Basis einer zweiprozentigen Vermögensabgabe bei Superreichen mit einem Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen US-Dollar erfolgen. In Deutschland gibt es davon rund 3.900 Menschen – sogenannte Superreiche. Sie machen 0,004 % der Gesamtbevölkerung aus und besitzen zusammen etwa 27 % des gesamten Finanzvermögens in Deutschland.

Bestehende Vermögen selbst werden seit 1997 nicht mehr besteuert. Das ist verfassungswidrig. Das BVG hat diese Steuer damals lediglich ausgesetzt, nicht abgeschafft.

25.09.2025 – Ich muss mich korrigieren.

Imbiss vor der Haustür, Yorckstr., Berlin. Intern Hades genannt. Abendliche Bilder vom Hades erinnern mich an Gemälde von Edward Hopper. Bilder auf dem Berliner Flughafen BER dürften derzeit eher an die Qualen eines Hieronymus Bosch erinnern. Ein Hackerangriff hat den – und andere – fast lahmgelegt, mehrere Tage, alles geht nur noch analog. Eine konzertierte Aktion, die alle großen Flughäfen und Bahnlinien der Republik lahmlegt, kostet nicht viel. Ein paar Hacker und Zündler bezahlen, mit ein paar zehntausend Euro hebelt man so Milliardenverluste für eine Volkswirtschaft. Ist so ähnlich wie mit Drohnen im realen Krieg, kosten fast nix, aber richten riesige Schäden an, und sie vom Himmel zu holen, kostet zehnmal so viel wie die ganze Drohne.

Deutschland stünde nach einer derartigen Lahmlegung still, der Verkehr auf Autobahnen als Ausweiche würde binnen Stunden zusammenbrechen. Der ohnehin schon am Limit zeternde Mob würde hyperventilieren und die AfD, die bereits jetzt in allen Umfragen vor der CDU liegt, noch ein paar Prozente zulegen.

Das dürfte einer der schwer einschätzbaren Kollateralschäden von derartigen Destabilisierungskampagnen sein. Auch deshalb, weil niemand einschätzen kann, wie sich unterschiedliche Krisenphänomene überlagern und gegenseitig verstärken. Wie also Kriege, Klimaveränderungen, Migrationsbewegungen, Arbeitslosigkeit, Verelendung, Seuchen eine wechselseitige Dynamik erzeugen, die alle Prognosen über den Haufen wirft.

Korrigieren muss ich daher meine Einschätzung aus dem letzten Blogeintrag: „Wenn die Entwicklung so weitergeht, werden wir Ende des Jahrhunderts laut Expertinnen bei einer Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur von 2,9 Grad landen.“

Das kann laut Stellungnahme von Heute der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft, gemeinsam mit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, anlässlich eines Extremwetterkongresses in Hamburg wesentlich früher eintreten, und zwar 2050.

Durchschnittlich global bedeutet: In Europa deutlich höher und früher, weil dieser Prozess in unseren Breitengraden schneller abläuft. Und durchschnittlich heißt natürlich auch, dass es erhebliche Ausreißer nach unten geben kann. Aber auch nach oben. Dass es also Monate, Perioden geben kann (!), in denen die Durchschnittstemperatur in Berlin z. B. im August statt 24 Grad 30 Grad betragen kann, mit Spitzen von über 45 Grad. 2050. Zu Ihren Lebzeiten eventuell, liebe Leserinnen.

Daher muss ich auch meine Kalkulation von früher deutlich revidieren, nach der die Ostzone auf Grund des demographischen Prozesses ca. 2250 komplett entvölkert sein wird. Das tritt vermutlich schon 2100 ein. Warum? Ab 40 Grad Außentemperatur verlieren viele Proteine ihre Funktion im Körper, ab 45 Grad beginnen sie zu denaturieren, irreversibel zu verklumpen. (Können Sie in der Küche beim Eierkochen beobachten, wenn bei steigenden Temperaturen das Eiweiß verklumpt und letztlich hart wird.). Die betroffenen, nicht isolierten Individuen legen dann haufenweise infolge Hitzschlages final den Eier-Löffel weg und wir können nun davon ausgehen, dass das Problem Ostzone sich eher schon zwischen 2050 und 2100 ad acta gelegt hat.

Interessant: Die Dynamik des Anstiegs der sogenannten Fieberkurve als Krisenindiz unseres Planeten korreliert ungefähr (etwas phasenverschoben) mit der des Anstiegs des Goldwertes. Der Goldpreis ist seit dem Beginn des Krisenjahrtausends um ca. 1200 Prozent gestiegen. Im letzten Jahr ist die Anstiegsdynamik mit 40 Prozent förmlich „explodiert“. Das ist aus zwei Gründen interessant: Einmal für die Glücklichen, die vor ein paar Jahren mal ein paar Krügerrand geerbt haben oder gar weise vorausschauend ihr Portfolio mit Barren aufgepeppt haben. Und andererseits für den grübelnden Rest, der gerne wissen möchte, wie schlimm denn nun wirklich all die Krisen unserer Welt im Vergleich zu früher einzuschätzen sind. Schauen Sie sich die Goldkurve an. Das ist die durch keinerlei Emotionen getrübte Einschätzung des Marktes, nüchtern, sachlich, von Millionen von Marktteilnehmenden, nicht nur verschreckten Individuen. Sondern auch von den allmächtigen Algorithmen der KI von Fonds, Banken, Versicherungen, Zentralbanken etc. pp. Die nüchterne Interpretation des so Geschilderten: So schlimm war es noch nie. Und da der Markt immer auf die Zukunft schaut: Es wird schlimmer. Was bleibt als Hoffnung? Vielleicht ist ja das Eiweiß in meinem Gehirn schon verklumpt und ich schreibe irre. Machen Sie sich halt Ihre eigenen Gedanken.

23.09.2025 – Lautzenhausen im Rhein-Hunsrück-Kreis in Rheinland-Pfalz war im Jahr 2024 die jüngste Gemeinde Deutschlands

Dämmerung über der Schwangeren Auster. Götterdämmerung. Untergang der uns bekannten Welt. Wir wissen nicht, was nach der derzeitigen Phase der Transition kommt. Die utopische Hoffnung, da sei irgendwas Positives dabei, kann nur haben, wer Kinder hat und das demzufolge einfach hoffen muss. Dass die Besitzerinnen von Kindern trotzdem mehrheitlich unverantwortlich handeln nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“ und somit ihrer Brut die schlechtestmögliche aller Welten hinterlassen, ist nicht mein Thema. Mit Geisteskrankheiten kenne ich mich nicht so aus. Auch die Tatsache, dass „wir“ selbst das Zwei-Grad-Ziel, also die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius bis zum Jahr 2100 gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen, nicht einhalten können, geht mir am Südpol lang.

Was mich umtreibt, ist das 3. Buch Mose/Levitikus: „Aaron soll seine beiden Hände auf den Kopf des lebenden Bockes legen und über ihm alle Sünden der Israeliten, alle ihre Frevel und alle ihre Fehler bekennen. Nachdem er sie so auf den Kopf des Bockes geladen hat, soll er ihn durch einen bereitstehenden Mann in die Wüste treiben lassen und der Bock soll alle ihre Sünden mit sich in die Einöde tragen.“

Dieser Bibel-Text ist 3.400 Jahre alt und beschreibt das Prinzip des Sündenbocks. Der Sündenbock als Person oder Gruppe, der die Schuld anderer angelastet wird und der dafür von den so Anlastenden in die Wüste gejagt wird. Also in den Tod. Mit diesem vermeintlich reinigenden Akt in Krisenzeiten wird die Identität der so handelnden Gruppe rituell hergestellt und es herrscht innerhalb der Gruppe Friede, Freude, Eierkuchen, während der arme Ziegenbock in der Wüste verreckt. Friede, Freude, Eierkuchen hält allerdings nicht lange an und daher findet das Ritual regelmäßig statt. Laut Bibel einmal im Jahr, am sogenannten Jom Kippur, dem höchsten Feiertag der Juden.

Dieses jahrtausendealte Gesellschaftsmuster wird paradigmatisch, wie aus einem Lehrbuch, derzeit global exekutiert. Sündenbock ist der Jude, egal, ob gläubig oder nicht, ob Israeli oder in Grönland wohnend. Die Krisen der Welt, immer rasender, gewaltiger, überwältigender, überfordern den globalen Mob offensichtlich derart vollkommen, dass er sich innerhalb kurzer Zeit auf einen Sündenbock geeinigt hat, den Juden. Unfähig, seine individuellen Probleme zu lösen, sich um die drängenden, wahren Probleme in seiner Region zu kümmern, das Heft des emanzipatorischen Handelns in die eigenen Hände zu nehmen, entfesselt er auf der Welt Auf- und Umstände, die nichts weiter sind als düstere Vorboten von Pogromen. Jeden Tag Meldungen über gewalttätige antisemitische Demonstrationen auf der ganzen Welt, teilweise zehntausende, anschwellend. Die Solidarität, die die Welt, vor allem die Linke, Jüdinnen und Juden, dem Staat Israel nach dem 7. Oktober 2023, in Empathielosigkeit verweigert hat, erfährt jetzt ihre Wiedergeburt als hässliche Fratze eines globalen Antisemitismus. Am Wochenende in Düsseldorf eine Demo mit vermutlich Zehntausenden. Aus Berlin, woher sonst, dazu der Aufruf nach Geschlechtertrennung bei der Demo.

Wenn die Entwicklung so weitergeht, werden wir Ende des Jahrhunderts laut Expertinnen bei einer Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur von 2,9 Grad landen. Schade, dass es nicht schon so weit ist. Nach mir die Sintflut? Von mir aus gleich her damit.

Wir wollen aber versöhnlich enden und schicken daher unsere Glückwunsche nach Lautzenhausen im Rhein-Hunsrück-Kreis in Rheinland-Pfalz. Lautzenhausen im Rhein-Hunsrück-Kreis in Rheinland-Pfalz war im Jahr 2024 die jüngste Gemeinde Deutschlands. Das Durchschnittsalter der 1.122 Einwohnerinnen und Einwohner lag bei 33,7 Jahren, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt. Von Lautzenhausen lernen heißt siegen lernen.

21.09.2025 – Das Wort zum Sonntag

Antisemiten-Demo, neulich am Brandenburger Tor. Zum Denkmal für die ermordeten Juden Europas 200 m. Solche Bilder kann man sich nicht ausdenken.

Die Appelle auf derartigen Demos an Israel, auch und gerade von der gutmeinenden Mehrheit der friedensbewegten Demonstrantinnen dort, laufen auf eines hinaus: Auf eine Aufforderung an die Juden Israels, sich wehrlos ins Meer treiben zu lassen. Oder glaubt irgendjemand allen Ernstes, die Faschisten von der Hamas würden sich an irgendeine Verhandlungslösung halten? Es gab mal einen linken Konsens: Mit Faschisten verhandelt man nicht. Keinen Fußbreit für die. No pasaran. Das gilt offensichtlich im Fall Israel und Hamas nicht.

Bei Demos in Berlin kommt es zu grotesken Szenen, wo die Veranstalter Geschlechtertrennung durchsetzen, Frauen an den Schluss. Zu jeder Gelegenheit würden Feministinnen aufheulen und zu Recht Gegendemos organisieren. Das gilt offensichtlich im Fall Israel und Hamas nicht. Da sieht man, also ich in dem Fall, bei den notorischen Demos junge Frauen aus den hiesigen Szenen mitlaufen, mit Bierflaschen in der Hand, die in der Nacht vorher vielleicht noch in queeren Clubs in Kreuzberg abgehangen haben, mit Drogen hantierend, deren Namen ich noch nicht mal kenne. Wer wissen möchte, was mit ihnen unter Hamas-ähnlichen Zuständen hierzulande mit ihnen passieren wird, kann sich gerne in einschlägigen Statistiken zu Hinrichtungen und Folter in Saudi-Arabien und Iran kundig machen.

 Die Liste der Nachweise von der Wahnhaftigkeit der Ideologie des Antisemitismus ließe sich fortsetzten. Bleibt die Frage, warum die Hamas angesichts der furchtbaren Konsequenzen des schrecklichen Krieges für die Zivilbevölkerung in Gaza nicht kapituliert. Die deutschen Faschisten kapitulierten nach dem Tod Hitlers, ihrer messianischen Erlöser-Gestalt. Die japanischen Faschisten kapitulierten nach den zwei Atombomben. Hat die Tatsache, dass der Hamas das Leid der eigenen Bevölkerung egal ist und sie nicht kapituliert, mit ihrer klerikalen Ausrichtung zu tun? Die Belohnung wartet auf alle im Paradies? Religiöse Motive im politischen Handeln sind eine schreckliche, unausrottbare Seuche. Das ist die reine Wahrheit, so wahr mir Gott helfe. Halleluja. Der Name des Herrn sei gepriesen. Amen. Soweit mein Wort zum Sonntag.

Wir fahren mit dem Radl vom Brandenburger Tor 10 Minuten weiter in Richtung Asien, zum Roten Rathaus, dem Sitz des Berliner Senates. Nächstes Jahr sind hier Wahlen. In der neuesten Umfrage ist die SPD nur noch auf Platz 5, mit 13 Prozent. Früher stellte sie jahrzehntelang lang den Regierungschef hier und hatte in der Spitze über 60 %. Der aktuelle Fall ist logisch: Berlin ist zweitjüngstes Bundesland vom Durchschnittsalter her und wer unter 100 ist, wählt keine SPD mehr. Die ältesten Bundesländer befinden sich übrigens alle in Ostelbien und sind weiter auf dem Weg der Entvölkerung. Um mal eine positive Botschaft zu vermelden.

Auch positiv: Wenn sich die FDP weiter so in Umfragen entwickelt, wird sie nur noch unter „Sonstige“ auftauchen.

Ansonsten setzt gerade der Regen ein, der Herbst beißt zu. Der Fall ist tief, nach Tagen voller Wärme und Nächten, die man gerne umarmt und festgehalten hätte. Corfu nächste Woche 28 Grad und Sonne pur ….

18.09.2025 – Ich hol mal meinen Koffer raus.

Schloß Sacrow bei Potsdam. Ausstellung EXIT PARADISE. Exit Paradise , inspiriert vom biblischen Motiv der Vertreibung aus dem Paradies, thematisiert das Spannungsfeld zwischen Erotik und Revolte, Körperlichkeit und Entfremdung, Naturerfahrung und Naturverlust.

Ich hatte das Schloss, den Park und den See fast für mich alleine, ein Gefühl von transzendentaler Tiefe. Körperlichkeit und Naturerfahrung.

Elina Brotherus. Wanderlust. 2020. (Beachten Sie bitte das Motiv auf der Tasche).

Die Fahrt nach Sacrow gestaltete sich Dank des BRD-Ticket kostengünstig. Ich kann nur hoffen, dass das ähnlich günstig weiterläuft im nächsten Jahr. Die Verhandlungen laufen gerade. ÖPNV müsste eigentlich kostenfrei für alle sein. Das würde ca. 12 Mrd. Euro kosten. Womit finanzieren? Zum Beispiel mit der Streichung des Dienstwagenprivilegs. Diese staatliche Verbrenner-Subventionierung für überwiegend Besserverdienende kostet die Steuerzahlerin jedes Jahr …. Kleine Kunstpause … ca. 14 Mrd. Euro.

Tusch. Narhalla Marsch.

Es wäre alles so einfach, wenn Vernunft statt ökonomischer Interessen regieren würde. Aber eher fällt der Apfel nach oben. Um die Herbststimmung weiter zu verdüstern, stehen noch zwei finstere Gedenktage vor der Tür. Der 3. Oktober, der Tag der doitschen Einheit, und der 7. Oktober, der Terror-Überfall der faschistischen Hamas auf Israel. Die allgemeine Stimmung zum 3. Oktober ist von einem nationalistisch-euphorischen Gejubele und Gejuchze zu einem eher düster-pessimistischen Mollton gewechselt, über den ganzen Kladderadatsch, der sich da logischerweise eingestellt hat. Das Ende der (Konflikt-)Geschichte, dass sich nach dem Wegfall der Systemkonkurrenz im Osten einstellen sollte, scheint eher ein Ende von Zivilisation zu werden. Mein Gefühl dabei: Fröhliche Rechthaberei eines „Ich hab’s doch von Anfang gesagt.“

Ganz anders meine Gefühlslage zum Jahrestag des Überfalls der Hamas. Angesichts des Tsunamis von Antisemitismus, der seitdem über den Globus rollt, alles an Anstand und Empathie mit sich reißend, möchte ich diesen Tag angesichts der zu erwartenden Rohheiten auf allen Kanälen von allen Nachrichten befreit an irgendeinem Strand der Welt verbringen, wahlweise besoffen oder bekifft, gerne auch beides.

Natürlich ist der Krieg in Gaza grauenhaft und herzzerreißend. Die Bilder sind nicht zu ertragen. Das ist aber keine spezifisch israelische (oder gar jüdische, etwas, was die Antisemiten dieser Welt immer wieder vermischen in ihrem Wahn) Eigenschaft, die dort obwaltet. Das liegt am Abgrund der Zivilisation überhaupt, am Krieg. Wer anderes unterstellt und verbreitet, ist ebenso ein Antisemit, wie jene, die bei den tausenden Veranstaltungen, Konzerten, Demonstrationen zum Gaza-Krieg mit keinem Wort die Opfer der Hamas erwähnen und die Mitglieder dieser Terrororganisation nicht als das bezeichnen, was sie sind: Faschisten.

Ich wette, in fünf Jahren glaubt die Mehrheit, dass am 7. Oktober das faschistische Judenregime in Israel die wehrlosen, demokratischen Pazifisten der Hamas im Schlaf überfallen hat.

Ich hol mal meinen Koffer raus.

17.09.2025 – Der Seniorenteller lebt doch noch!

Und zwar in Berlin, Pichelsdorf, im Stara Kuća.

Ein Jugoslawe. Nennt sich zwar Kroate, aber diesen völkischen Quatsch mache ich natürlich nicht mit. Hinterher gab’s einen Sliwowitz, aufs Haus, ordentlich eingeschenkt. Fröhlich schwankend machte ich mich über die Haveldüne auf den Weg nach Kreuzberg, lauter putzige Bilder im Kopf. Die SPD beispielsweise. Erinnerte mich nach dem NRW-Wahlergebnis an ein geköpftes Huhn. Kopflose Hühner flattern mitunter noch längere Zeit über den Hühnerhof, nachdem der Bauer sie enthauptet hat, auch wenn das Gehirn schon ausgeschaltet ist. Reine Reflexsache. Ich komme vom Eichsfeld, hab das selber gesehen als kleiner Pöks und fand es, Asche auf mein verrohtes Haupt, einfach nur lustig.

Wie sich die SPD dieses desaströse Wahlergebnis schön schweigt, ist an Verdrängung des eigenen Kadaverzustandes kaum zu überbieten. Es sind nicht so sehr die reinen Prozentzahlen, die so erschreckend sind. Es sind der Prozess und die Mentalitäten, die dahinterstecken. Eine Halbierung der Wahlergebnisse in wenigen Jahren und vollständige Vergreisung des eigenen Wählerpotentials. Die SPD hatte in den Achtzigern hier die absolute Mehrheit im Lande und bis zu ihrem Genickbruch, der Agenda 2010, noch locker über 40 Prozent. Jetzt wählen nur noch die halbsenilen über 100jährigen Taubenzüchter und altersstarrsinnige AWO-Senioren diese Partei. In einem DLF-Interview zur NRW-Wahl röchelte doch tatsächlich ein führender NRW-Sozi ins Mikro, die AfD sei eine Protestpartei. Der gute Mann glaubt wahrscheinlich auch, Willy Brandt sei Bundeskanzler und August Bebel SPD-Hauptkassierer.

Genauso schlimm, schlimmer noch, weil ja nur halbverkalkt, die Bürgermedien, die die frohe Botschaft verkündeten, immerhin hätten ja fast 85 Prozent die AfD nicht gewählt und somit sei alles gut im Lande und Biedermann könnte weiter Hand in Hand mit den Brandstiftern beim Jugoslawen einen bechern gehen.

Diese Prozentfixierung ist typischer Medienquark, breitgetreten zwar, aber nicht stark. Entscheidend sind die Mentalitäten, die psychosozialen Dispositionen, die den Mob an die Urne treiben, egal, wo er sein Kreuz macht. Und was für eine rohe Realpolitik von der bürgerlichen Mitte exekutiert wird, surfend auf dieser Mentalität, sich immer weiter von der eigenen Bürgerlichkeit entfernend. Ein Bild aus einer surrealen Tragikomödie: Die Armen ausplündern, den Reichen die Taschen vollstopfen. Und der Pöbel schreit dazu: Kreuzige ihn. Womit er mal die Ausländer meint, im Zweifel immer die Juden, und dümmstenfalls sich selbst.

Was da an den Urnen sich abspielt, ist nachrangig für gesellschaftliche Prozesse. Die werden woanders gemacht und haben jenseits der Sphäre der Politik ihre Ausprägungen, bevor sie auf diese rückwirken.

Entscheidend ist eben, was hinten rauskommt.

Früher war die SPD an Rhein und Ruhr eine Macht. Heute zitieren wir mal als Intro die Feuerzangenbowle, abgewandelt, und fragen, was ist denn überhaupt die Ruhr: „Da stelle mehr uns janz dumm. Und da sage mer so: Die Ruhr ist eine Krankheit, die zu blutigem Durchfall führt.“

Der Rest wird sich demnächst auch noch von der SPD verabschieden. Jeden Tag Schlagzeilen über Arbeitsplatzabbau in der Industrie. Heute Ford und Bosch, morgen VW und Mercedes. Die so verunsicherten Facharbeiter laufen in hellen (braunen) Scharen zur AfD über. Der Amok laufende Kleinbürger, das hatten wir schon mal.

Und auf dem Hühnerhof der Demokratie flattert die kopflose SPD noch mit beiden Flügeln, hat aber keine Stimme mehr.

Zum Abschluss ein Bild, das mehr als 1000 Worte sagt, aus der phänomenalen Ausstellung „Global fascisms“ in der Schwangeren Auster in Berlin.