27.08.2019 – Der Goldene Neger oder: Die ewige Wiederkunft des Gleichen


Sonnenblume Goldener Neger in meinem Garten. Seit Jahren ziehe ich den Goldenen Neger groß, jahrelang habe ich unbeirrt im antifaschistischen Kampf meine Kunst als Waffe eingesetzt, um diesem Anachronismus ein Ende zu setzen.
Und nachdem mich heute Morgen beim Spaziergang im Garten ein Glücksgefühl durchströmte, als ich des frisch erblühten Goldenen Negers ansichtig wurde, recherchierte ich sofort den aktuellen Stand der Dinge. Und siehe, ein zweiter Glücksstrom, mächtiger und intensiver als der Erste, ließ mein Glieder, jedenfalls die meisten, erbeben. Der Goldene Neger heißt jetzt Henry Wilde, (Bruder von Oscar?) im Kleingedruckten weiter unten steht: Ehemaliger Sortenname: Goldener Neger. Was für mich wie Fanfarenstoß in meinem Inneren klang.
Sommer und Herbst ohne Goldener Neger sind machbar aber nicht wünschenswert. Das gehört zu meinen festen Ritualen im Rhythmus des Jahres. Ich brauche Dinge, die in den ständigen Malströmen und Springfluten der Veränderungen meiner Existenz Ordnung, Ruhe und Überschaubarkeit als Korsettstangen einziehen. Dinge, die sich im kosmologischen Seinsgeschehen ständig wiederholen, als Urgrund menschlicher Existenz, sind ja auch der zentrale Anker in Nietzsches Postulat der ewigen Wiederkunft des Gleichen. Ich kann daher auch Konservative verstehen, die ständigen Veränderungen widerstreben. Wahrer Konservatismus, so er denn kein ideologischer verbrämter Reaktionärismus ist, wehrt sich deshalb gegen die Veränderungen, den Fortschritt, nicht, weil er grundsätzlich dagegen ist, sondern weil er im Aufbewahren der Dinge, im Festhalten daran, ihre Werthaltigkeit geprüft sehen will. Nicht alles was neu auf den Markt der Waren und Gedanken kommt, ist auch Fortschritt.
Ich persönlich bin da allerdings anders. Mehr so in Richtung Avantgarde, natürlich entkleidet ihres mitunter faschistischem Gehalt.
Der Rest ist Sommer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.