28.07.2020 – Genießen Sie den Sommer, den Wein und den Gesang.


Die Tage werden kürzer, mein Wein dunkler. In jedem Höhepunkt liegt der Abgesang. Mit einem Unterschied zu früher: da schossen die Reisepläne im anschwellenden Abgesang auf das Jahr aus der Phantasie wie Pilze nach einem warmen Regen. Jetzt ist fahle Ödnis bis zum Horizont, mangels Impfstoff. Selten habe ich so wie heuer auf die dynamische Kreativität des Kapitalismus gesetzt, wenn Profit winkt. Bei einem Corona-Impfstoff winkt Milliarden-Profit, mehr noch als bei einem HIV-Impfstoff. Diese Seuche war und ist begrenzbar und bedrohte zumindest die entwickelten Volkswirtschaften nicht in ihrem Kern, anders als Corona. Also los, Labore aller Konzerne, haut mal einen Schlag ran! Es locken auch jede Menge Nobelpreise…
Wo die dynamische Kreativität des Kapitalismus mit Sicherheit greifen wird, ist z. b. beim Massen-Metzger Tönnies. Das moralische Blabla Jammer Jammer der Gutmenschen über die armen gemetzelten Schweine, die man vor dem Killen doch lieber nochmal mit einem ökologisch einwandfreien Striegel bürsten und dabei Mozart spielen sollte, sitzt dieser Lump locker aus. Das gibt sich spätestens beim nächsten Rinderwahnskandal, dann kennt keine mehr Tönnies. Aber die Verteuerung der Ware Arbeitskraft durch Reduzierung von Werkverträgen, Einschränkung des Subunternehmertums und Störung der Ausbeutung durch verschärfte Kontrollen wird ihn das zeitnah realisieren lassen, was eh schon als Blaupause (ähnlich zeitgemäßer Begriff wie Fax) in den Schubladen der Rationalisierer liegt, nämlich der Ersatz der menschlichen Arbeitskraft in den Schlachthöfen durch Roboter. Was sollte ein Rechnergesteuerter Greif- und Schneidarm auf Scannerbasis nicht 10x besser, schneller, zuverlässiger und profitabler hinkriegen als osteuropäische Arbeitssklaven.
Ein Roboter arbeitet 24 Stunden am Tag, ohne Urlaub, wird nicht krank oder schwanger, streikt nicht, kostet einmal teuer in der Anschaffung und ansonsten bisschen Öl im Unterhalt.
Und so ergibt sich die tragödische Situation, dass als Folge der Corona-Pandemie bei „uns“ hunderttausende Wanderarbeiter*innen und Arbeitssklaven von einem Elend ins nächste gestürzt werden: Vom Elend der krankmachenden Ausbeutung durch Arbeit ins existentielle Elend durch Verlust von Arbeit. Die politische Entwicklung in ihren osteuropäischen Heimatländern mit nichtexistierenden sozialen Sicherungssystemen, in die sie dann abgeschoben werden (an dem EU Status, der freien Zugang EU-weit ermöglicht, lässt sich jederzeit schrauben), möchte ich mir lieber nicht ausmalen. In Polen, Ungarn, Slowakei etc. pp. hampeln doch jetzt schon jede Menge vollkorrupter Viertel- bis Vollfaschisten in der Regierung rum. Vielleicht wird ja dann, wenn ein Vorhang von Dunkelheit über die Restzivilisation in Osteuropa fällt, meine Vision und mein Sehnen seit nunmehr 30 Jahren auf zynische Art und Weise Realität: Raus aus der EU mit dem Pack und lasst den Eisernen Vorhang wieder runter! (Das muss man wohl für die Generation der unter 40jährigen verlinken: Eiserner Vorhang)
Ob den Arbeitsmigrant*innen allerdings damit gedient ist?
Es gibt in der Geschichte mitunter nur die Wahl zwischen Scylla und Charybdis.
Mein gesellschaftlicher Pessimismus wird offensichtlich immer mehr wie mein Humor: Grenzenlos.
Lassen Sie, liebe Leserinnen, sich dadurch die Laune nicht verderben. Genießen Sie den Sommer, den Wein und den Gesang.
Versöhnliches zum Schluss, Impression aus Scilla, siehe oben, einem bezaubernden kalabrischen Dorf am Meer. Ein Kriegerdenkmal zur Erinnerung an die versuchte Eroberung Afrikas durch die italienischen Faschisten.

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Wie die Sache ausging, ist bekannt.
Wenn ich jetzt losradelte, wäre ich in ca. 2 Monaten gegen 13 Uhr in Scilla … Hm.

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