16.05.2021 – Das Meer ist zugeschissen – Teil 2 der Chronik


Klettertiere auf dem Weg zum Bungalow.
Hier Teil zwei unserer Chronik (nach wie vor immer dieselbe Unterkunft und Rechtschreibung im Original).
Wie war die Erreichbarkeit der Unterkunft?
„ …. Bungalows für Gemsen und Klettertiere geeignet …“
„ …. Zimmer am Berghang man braucht fast eine bergsteigerausrüstung …“

Und sonst so?
…. die darauf befindlichen Ladegeräte für`s Handy und für die Digicam standen unter Wasser. Das TV-Gerät, das extra im Prospekt angepriesen wurde, war ein 37 cm Röhrenfernsehr, der mehr tief als breit war und lediglich auf der Wandhalterung mit einer vergammelten Schnur gesichert war (über dem Stockbett = Kinderbett !). Empfangbare Programme gab es 3 – nämlich die gleichen. Das Bild flimmerte und sprang – dafür war es in türkischer Sprache mit griechischen Untertitel. …
Wie hielt der Pfeffer am Finger?
„ …. Gewürze stehen in Müslischalen zur Verwendung einfach Finger rein und gut, wenn mann ihn anleckt hält der Pfeffer besser ….“
Immerhin hatte der Oberkellner seinen Humor nicht verloren:
„ …. Der Oberkellner rannte den Gästen permanent hinein und gab den Gästen die Schuld ….“
Und wer ist schuld an allem?
„ …. Vorwiegend sind dort Tschechen und Slowaken vorherschend! …“
Wenn es wenigstens Böhmen und Mähren gewesen wären.
Natürlich habe ich mich über die teils eigenwillige Ausdrucksweise und Orthografie amüsiert. Womit ich in die Ideologiefalle der Sprachkritik getappt bin, deren oberste Maxime lauten sollte: Die herrschende Sprachnorm ist immer die Sprachnorm der Herrschenden. Also des universitär geprägten gehobenen Bürgertums, dem kläffenden Kettenhund des Kapitals, das sich nicht nur über die mangelnde Ausdrucksfähigkeit des bildungsfernen (wofür das Bürgertum verantwortlich zeichnet, das BRD-Bildungssystem verhindert soziale Mobilität wie kaum ein anderes) „Mobs“ mokiert, sondern ihn qua Sprachauslese gleich da hin duckt, wo er nach Meinung des gemeinen Bürgers hingehört, nämlich nach unten. Reine Sprachkritik ohne Berücksichtigung der Klassenverhältnisse ist immer reaktionär und wird zumeist, und allein das sollte misstrauisch machen, von weißen alten Männern geübt („Geübt“ heißt: Sie können es eben nicht). Sie haben Angst vor der Lebendigkeit von Sprache, ihrem Veränderungspotential (siehe Gendersprache, die hier kein Thema mehr ist. Irgendwann ist der Argumentations-Drops gelutscht und die Veränderung wird per Machtfrage entschieden)
Was tut man aus Angst? Man zieht sich auf Regeln und Normen zurück, die letzte Bastion, die man noch hat.
Sie, liebe Leserinnen, werden also vielleicht verstehen, warum ich vor Jahren sofort auf die Idee kam, aus dem Literatur-Potential von Tourismus-Bewertungen eine Lesung zu machen. Materialsichtung war sehr einfach: bei ohnehin schlecht bewerteten Unterkünften sortierte ich die schlimmsten Bewertungen nach vorne und hatte so eine mitunter endlos tragikomische Suada von Klagen, Beschwerden, Flüchen, Verwünschungen, Beleidigungen, eben von allem Übel dieser Erde, was da lautet: Urlaub, endlich Urlaub.

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