20.05.2021 – Ausländer raus.


Demo gegen Antisemitismus am hannöverschen Holocaust-Denkmal. Nach teilweise militanten propalästinensischen Ausschreitungen nicht nur hierzulande inklusive Angriffe auf Synagogen zeigte die Zivilgesellschaft Flagge. Ein bisschen wenigstens. Leider ist bei solchen Demos immer irgendein verpeilter Naivling, der die Deutschland Fahne schwenkt. Durchaus guten Willens in Sachen Solidarität mit Israel, aber unfähig zu begreifen, dass die Wurzel von Übeln wie Rassismus und Antisemitismus auch im Nationalismus liegt, dessen Beginn immer markiert wird vom Anfang einer Fahnenstange, und zwar der der eigenen Nationalfahne. Vom Ruf „Deutschland!“ ist es nur ein kleiner Schritt zu „Deutschland über alles!“
Natürlich war auch wieder der notorische, wahnhafte Antisemit dabei, der von außen ein paar wirre Parolen reinbrüllte wie „Freiheit für Jerusalem“, womit er im Zweifel meint „Raus mit den Juden“. Und dafür bleibt nach Lage der Geografie nur das Mittelmeer.

Dankbar stürzte sich die Presse auf den Wirrkopf, dem man die Durchgeknalltheit schon an Habitus, Gestus und Sprachduktus anmerkte. Ich überlegte kurz, ihm 50 Euro anzubieten für eine Intervention bei der gleichzeitig stattfindenden Pro-Palästina-Demo nebenan, bei der er einfach reinbrüllen sollte: „Hamas verbieten! Solidarität mit Israel“. Aber selbst mein Zynismus kennt Grenzen. Bei der Pro-Palästina-Demo bildete sich übrigens ein Zug zur Kundgebung am Holocaust Denkmal, der nur durch Polizei Einsatz aufgehalten werden konnte. Was dabei angesichts dieser Unterstützer der faschistischen Terrororganisation Hamas herausgekommen wäre, ist auf diesen Bildern des Spiegel TV-Beitrags über Demos in Berlin (47 an einem Tag! Allein dafür liebe ich Berlin) abzulesen.
Gegen Ende des Beitrags sind militante Pro-Hamas Unterstützer zu sehen, mit Israel-Vernichtungs-Phantasien, Pressebedrohung inklusive. Neukölln, Sonnenallee. Berlin ist meine zweite Homebase, ich flaniere nach wie vor gerne durch Neukölln, wenn es denn die Seuche erlaubt, auch über die Sonnenallee. Ein anderer Kosmos, dessen Existenz man sich schon durch physische Präsenz annähern sollte, um zu verstehen, was das heißt: Parallelgesellschaft. Diese Gerüche, Bilder, der Lärm, all das vermittelt kein Zeit-Artikel.
Aber meiner Toleranz geht es wie meinem Zynismus. Hat Grenzen. Militante Antisemiten gehören nicht in unsere Gesellschaft, dieser wahnhafte Antisemitismus ist auch mit der Repression des Strafrechts nicht zu „heilen“, ergo zu bekämpfen. Mit dem satirischen „Ausländer raus“ im Anreißer oben ist das natürlich nicht getan, denn das sind oft Menschen mit Migrationshintergrund in der dritten Generation hier. Jugendliche mit deutschem Pass.
Da wir natürlich nach wie vor rechten – wachsenden – Antisemitismus haben, der bis weit in die Mitte der Gesellschaft reicht, und unausrottbar auch „linken“ Antisemitismus (was der mit „links“ zu tun haben soll, erschließt sich mir nach wie vor nicht), erweitere ich meine Forderung also wie folgt: Ausländer und Inländer raus!
Aber wohin damit? Wem will man denn dieses Volk zumuten? Und wird es dann hier nicht sehr übersichtlich, einsam?
Die Ökos würd’s ja freuen, weniger CO-zwo Output.

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