
Das Biotop für Gammler, Terroristen und Haschsüchtige, die alles bestreiten, nur nicht ihren eigenen Lebensunterhalt. Wieso gehen die nicht nach drüben, wenn es ihnen hier nicht passt. Mit Sicherheit sitzen die gesuchten Garweg und Staub jeden Abend im „Goldenen Hahn“, der wohl legendärsten Kneipe in SO 36, wo wirklich die schrägsten Vögel dieses Biotops sitzen.
Eine negative Kollateralwirkung des ganzen Terrorrummels: Jetzt kommen noch mehr vergnügungssüchtige Dorfdeppen nach Kreuzberg auf der Suche nach irgendeinem Kick („Vielleicht treffen wir ja einen Terroristen“) und scheißen den Eingeborenen nach ihren Partyexzessen die Hauseingänge zu. Die mit Abstand größten Terroristen in Kreuzberg sind die Touristen.
Der Spruch in der Überschrift ist mir als Klospruch einer Szenekneipe erinnerlich. Mit dem Aufkommen von Graffiti in Deutschland ab den Siebzigern hielten auch mit Edding geschmierte Sprüche auf den Klos von Szenekneipen Einzug. Erst politisch, dann Nonsens, Scherz und dummes Zeug. Die Phantasie war an der Macht. Und von da leider nicht mehr zu vertreiben. Die Post68er waren die Zeit des Terrors, des Rock ‘n Roll, der entfesselten Kreativkräfte und der subversiven Intelligenz. Davon hatten die ersten beiden Generationen der RAF weniger, sie agierten teilweise kriminaltechnisch unterkomplex und hinterließen Spuren bei ihren Taten wie ein Hamster im Kornspeicher. Ihre Ideologie, ihr Leben, alles war offen wie ein Buch und lieferte Stoff für Bücher, Filme, Bilder, Mythen. Dass eine derart begrenzte Zahl von Menschen einen derart breiten und tiefen Strom sowohl im kollektiven Unterbewusstsein als auch in der realen Rechts- und Geistesgeschichte der BRD hinterließ, dürfte einmalig in der Nachkriegszeit sein.
Vollkommen anders dagegen die „Dritte Generation“. Über sie ist praktisch nichts bekannt. Interneteinträge über sie zeichnen sich durch eins aus: Formulierungen, die mit der Stange in der Nebel stochern wie: „vermutlich“, „liegt nahe“ , „ führen zur Annahme“ , „unzureichende Erkenntnisse“, „ gehen davon aus“ ziehen sich wie ein roter Faden durch die komplette Geschichte der Dritten Generation. Kurzes Beispiel der dürre Eintrag über Daniela Klette . Der über Ulrike Meinhof ist dagegen zehnmal so lang, ein detailliertes Buch. Ich bin mal gespannt auf den Prozess gegen Klette, wie viele urteilsfeste individuelle Tatbeteiligungen ihr da nachgewiesen werden können.
Als ich die Bilder in der rbb Abendschau gesehen habe, wie da kiloweise Kriegswaffen und so viel Munition aus ihrer Wohnung in SO 36 abtransportiert wurden, dass man damit die BuWe-Fregatte im Roten Meer ausstatten könnte, bin ich vor Lachen aus dem Bett gefallen. Diese Frau ist ja offensichtlich ein kriminaltechnisches Genie über Jahrzehnte gewesen. Unsichtbar, wie ein Phantom, ach, was sag ich, wie ein Elektron im Universum ist sie 30 Jahre dem Fahndungsdruck des bestausgerüsteten Polizeiapparates der Welt entkommen, die intelligentesten Profiler des Universums kamen ihr nie nahe, an jeder Mülltonne klebte ihr Gesicht auf Fahndungsplakaten. Aber erst Facebook Fotos machten ihr den Garaus, als also im Prinzip die ganze Welt wissen konnte, wer und wo sie war. Und dieser Ausbund an Intelligenz, krimineller Energie, Kreativität bunkert tonnenweise Kriegswaffen in der eigenen Wohnung? Wo schon die Deppen der Ersten Generation für sowas Erdbunker in Wäldern hatten?
Sie, liebe Leserinnen, werden verstehen, dass ich heute Morgen noch Bauchschmerzen von Lachkrämpfen gestern auf dem Fußboden hatte, als eigener Bettvorleger.
Im § 243 der Zivilprozessordnung ist der sogenannte gerichtsfeste Plausibilitätsbeweis geregelt, Zitat:
„ …. Der Plausibilitätsbeweis ist eine Alternative zu Beweisen im engeren Sinne. Er gibt keine Gewissheit, sondern besagt lediglich, dass eine bestimmte Aussage hinsichtlich einer bestimmten Tatsache plausibel ist.“ Und zur Verurteilung führt. Der Plausibilitätsbeweis wird z. b. in Vergewaltigungsprozessen angeführt. Die meisten Vergewaltigungen finden in Beziehungen statt, wo es keine Zeugen gibt. Hier greift die Plausibilität.
Hausaufgabe für nächste Woche: Die Anwendung der Plausibilität auf die Causa Klette, unter der besonderen Berücksichtigung der Funde von Kriegswaffen in ihrer Wohnung.
Darüber schreiben wir eine Klassenkampfarbeit, die Eingang in Ihre Noten findet!