
Gesehen auf der Einkaufsstraße in Hannover-Linden, eine eher unansehnliche Meile mit Backshops, Billigshops und Dönerläden. Dazwischen ein, zwei etwas ansehnlichere Einzelhandelsläden wie dieser mit Klamotten.
Das Graffiti soll vermutlich linke? Kritik an der durchaus hier stattfindenden Gentrifizierung sein. Das mit den Bonzen verstehe ich nicht. Kaufen in dem Laden Bonzen ein oder gehört der Bonzen und wenn ja, welchen Bonzen? Gewerkschaftsbonzen? Parteibonzen? Konzernbonzen?
Da stellt sich als erstes die Frage: Wer ist verantwortlich für Gentrifizierung, welche Strukturen und Institutionen sind der Adressat von berechtigter, legaler und illegaler, Kritik? Der Einzelhandel? Kleine Läden, die vermutlich auf Grund der Konkurrenz von Konzernen und Internet und hoher Mieten, Betriebskosten, Inflation sich am Existenzminimum entlang hangeln?
Oder sind für Gentrifizierung, nach etwas Überlegung und Einschaltung des noch nicht versoffenen und verkifften Restverstandes, vielleicht doch andere verantwortlich, bei denen die Kritik und das Spraygut abzuladen wäre? Die Politik vielleicht, die für den Niedergang des sozialen Wohnungsbaus verantwortlich ist? Immobilienkonzerne, die im Streben nach Profit die Mieten in unerschwingliche Höhen treiben? Gierige Vermieter, die den Hals nicht voll kriegen? Der kulturelle Wandel, der solche Viertel für Besserverdiener interessant macht? Dieser kulturelle Wandel wurde und wird unter anderem durch Akteure betrieben wie Künstlerinnen, Studierende, Politaktivisten, die überall Graffitis hinschmieren.
Die Adressaten von Kritik und Graffitis wären also: Politik, wie: Parteibüros, Bundestag, Landtag, Rathäuser. Konzernzentralen, Filialen, Villen von Vorstandsvorsitzenden. Gleiches gilt für Immobilienkonzerne. Und natürlich die Wohnungen von Künstlerinnen, Studierenden, Politaktivistinnen, die überall Graffitis hinschmieren. Vorschlag für Schriftzug: Ihr seid schuld!
Es ist nachgerade grotesk, dass Szeneviertel wie Linden, Kreuzberg, St. Pauli etc. zugeschmiert sind bis zur Unkenntlichkeit, während in den Villenviertel, auf den Prachtboulevards wie Kudamm, die mit Klamotten von Vuitton bis Prada im vier, fünfstelligen Bereich nur so gepflastert sind, an Konzernsitzen und Bankenfilialen nichts zu sehen ist.
Das ist das Resultat einer kommunizierenden Röhre, an deren einem Ende Dummheit, am anderen Feigheit hängt. Es wird immer anstrengender und deprimierender, Linker zu sein. Nicht nur versauen einem die pseudolinken Antisemitinnen die Perspektive, zunehmend tut es auch linke Kinderei, Kleinbürgerlichkeit . Und schiere Blödheit.
Was für einen Begriff von Utopie haben eigentlich die Graffitisten? Eine Welt ohne Konzerne und Parlamente, schön und gut. Aber ohne Einzelhandel? Soll sich in dieser Utopie jeder sein Fell selber gerben?
Oh Frau, lass Hirn vom Himmel regnen.