10.01.2026 – Kai aus der Kiste

Der Vorteil der heftigen Schneefälle der letzten Tage: Die Veranda ist ein idealer Kühlort für Sektflaschen.

Im letzten Blog hatte ich Kai Wegner als durchaus sympathisch beschrieben.

Hochdubioses Mitglied der Berliner Betonmafia und prinzipienloser Opportunist trifft es wohl eher. . Wenn wir uns auf eine Zeitreise in den Anfang der 2000er begeben, zeichnet sich das Bild einer Gesellschaft, gegen die sich die Clans der Cosa Nostra und ‘Ndrangheta wie Hütchenspieler ausnehmen, die mit Peanuts jonglieren. Reisen wir also in das Herz jener Bestie namens Kapitalismus und beginnen wir mit Kai, der zu dem Zeitpunkt aus der Kiste kam:

Kai Wegner arbeitete von 2001 bis 2002 in der Geschäftsführung der Macon Bau in Berlin, die 2002 pleiteging. Gleichzeitig war Wegner stellvertretender CDU-Landesvorsitzender in Berlin. Das Land Berlin bürgte mit einem einstelligen Millionen-Betrag für das Bau-Unternehmen, das offensichtlich seit Jahren unseriös in der Branche der Sanierung von Plattenbauten im Osten arbeitete .

Bis 2001 wurde das Land Berlin von der Wegner-CDU unter Eberhard Diepgen regiert, der wegen des Berliner Bankenskandals zurücktrat, in dem es um Milliarden veruntreuter Steuergelder zugunsten von Immobilieninvestoren ging. Reiche Berliner, und nicht nur die, kassierten ohne jedes Risiko aus ihrem Investment in Schrottimmobilien (Plattenbauten im Osten) Milliarden, für die das Land Berlin mit 21 Mrd. Euro bürgte. Dadurch musste 2002 der Senat die „extreme Haushaltsnotlage“ ausrufen, mit massiven Kürzungen in den Folgejahren in allen Haushaltsbereichen.

Die rechtliche Aufarbeitung des Skandals zog sich über Jahre hin und ging aus wie das Hornberger Schießen. Im Zentrum des Skandals stand die Aubis Gruppe, die diese Deals federführend abwickelte. Die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers testierten die Aubis noch Anfang der 2000er positiv, obwohl da längst klar war, dass die den Bach runtergehen würde. (Siehe auch Wirecard und die Wirtschaftsprüfer von EY ).  

2002 ermittelte die Staatsanwaltschaft in Dutzenden von Aubis-Fällen. Im Grunewald wurde daraufhin der EDV-Leiter von Aubis tot aufgefunden, die Behörden gingen von Selbstmord aus. Später wurde klar, dass der Mann mit dem Untersuchungsausschuss zusammengearbeitet hatte und dass die Aubis Einsicht in die vertraulichen Protokolle der Sitzungen hatte.

Ironie der Geschichte: Durch die enormen Wertsteigerungen der letzten Jahre selbst bei Schrottimmobilien bleibt am Ende vermutlich sogar ein kleines Plus für das Land Berlin übrig. Was zu Beginn niemand absehen konnte, räuberische Glücksfälle des Kapitalismus. Die jahrelangen Milliardenkürzungen im Berliner Haushalt mit allen unsozialen Folgen sind dadurch allerdings ebenso wenig ungeschehen, wie die Milliardengewinne der reichen Immobilieninvestoren. Die sitzen weiter wie Diepgen und andere Mitglieder der Berliner Betonmafia unbehelligt in ihren Villen im Berliner Südwesten und lassen die Sektkorken knallen. Unser braver Kai aus Spandau hat da zwar noch keine Villa. Aber das kommt noch.

Wobei ich mir nicht mehr so sicher bin, ob Wegner den aktuellen Skandal nicht einfach aussitzt. Der Mann muss Nerven wie Drahtseile haben in diesem Mafiamilieu.

Das Ganze hat Tradition: Herausragendes Beispiel aus den Siebzigern ist die SPD-Steglitzer Kreisel Affäre. Die Sozis waren und sind natürlich seit Jahrzehnten Teil dieses mafiösen Sumpfes.

Und das Ganze hat Perspektive: Im Park Gleisdreieck, direkt bei mir vor der Haustür, sind sieben riesige Bürohochhäuser geplant. Ohne Wohnungen. Ein unfassbarer Irrsinn, kein Mensch braucht mehr Bürohochhäuser. Natürlich ist der zuständige linksgrünversiffte Bezirk Kreuzberg dagegen.

Und jetzt raten Sie mal, liebe Leserinnen, was der für Betonmafiaangelegenheiten zuständige Berliner CDU/SPD-Senat gemacht hat? Er hat das Bebauungsverfahren an sich gezogen.

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