27.01.2026 – Der Tag erwischte mich mit einem Leberhaken.

Mein Desktophintergrund. Nicht gerade sehr intelligent, sich sowas auf den Laptop zu legen, bei diesem grauenhaften Winter ohne Ende. Natürlich kommt da sofort Fernweh auf. Im Hintergrund sind dort die Diapontischen Inseln im Bild, die nordwestlichste griechische Inselgruppe. Die linke Insel ist Mathraki. Abgesehen davon, dass ich bei der letzten Überfahrt fast vom Deck der Fähre gespült worden wäre, ein kleines Paradies.

Zwei Weiler mit einer Taverne

Ein paar Höfe

Alles grün. Und ausgeschildert.

Als Kontrastprogramm dazu schaltete ich heute Morgen wie üblich den DLF ein und wurde vom Tag mit einem Leberhaken erwischt. Heute ist der 27. Januar, was ich nicht auf dem Schirm hatte. Wozu auch, schließlich wartet gerade kein Flieger in den Süden auf mich, kein OP Termin, die eigene Beerdigung auch nicht, wozu muss ich da das Datum wissen.

Heute ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust . An diesem Tag befreite die Rote Armee 1945 das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Nachdem ich nüchterne und sachliche Schilderungen ihrer Wahrnehmungen und Empfindungen von mehreren Jüd*innen gehört hatte, die teils seit vielen Jahren in Berlin leben, schaltete ich den Sender aus. Ich merkte, wie Wut und Traurigkeit mein Gemüt verfinsterten. Seit dem 7. Oktober, dem Überfall der faschistischen Hamas auf Israel, ist für sie und viele andere Jüd*innen hier nichts mehr normal im Land der Täter. Fanatischer migrantischer Antisemitismus auf den Straßen nicht nur von Neukölln und Kreuzberg, mit massiver Unterstützung aus der Linken und seitens der hiesigen Kulturbolschewisten. Das ist keine diffuse Bedrohungslage, das ist der Alltag, in dem man und frau immer öfter über die Schulter guckt, reale alltägliche antisemitische Gewalt schwebt über Berlin und dem Rest der Republik. Die Jüd*innen hierzulande lernen hebräisch und sitzen auf gepackten Koffern. Insignien ihres Jüdisch-Seins wie Kippa, Davidstern etc. tragen sie schon lange nicht mehr in der Öffentlichkeit.

Ich könnte mir jetzt Sand in den Kopf stecken, Koffer packen, ab in den Süden, irgendwie komme ich schon nach Mathraki, und die drei Affen machen, nichts sehen, nichts hören, nicht sagen. Eine weise Strategie, wollen die drei sprichwörtlichen japanischen Primaten doch damit das Böse von sich fernhalten und sich auf das Gute konzentrieren. Aber was ist nach der Rückkehr und wo ist das Gute? In meinem Weinkeller vielleicht, aber sonst… ?

Ich könnte der Wut nachgeben und hier im Blog verbal rumtoben. Hilft als therapeutischer Akt der Katharsis durchaus kurzfristig und irgendwann ist ja auch 28. Januar.

Konstruktiver für das Gemüt ist wahrscheinlich das Einschalten von Vernunft, Ratio und die Suche nach Argumenten, wie umgehen mit der Situation. Also dem migrantischen, linken, kulturellen Antisemitismus. Den offen faschistischen lassen wir mal außen vor, weil die Strategien hier offensichtlicher sind, repressiver, radikaler, militanter sein müssen.

Das Fiese ist ja immer der Feind in den eigenen Reihen. Als solches hätte ich zumindest das linke und kulturelle Milieu früher bezeichnet.

Fangen wir mal mit dem migrantischen Antisemitismus an, der überwiegend ein importiertes Problem aus dem islamischen Kulturkreis ist, also den Herkunftsländern von Nordafrika über den Nahen und Mittleren Osten bis zur Türkei. Eins dürfte klar sein: Aufklärungs- und Informationskampagnen sind hier fehl am Platz. Antisemitismus ist ein Wahn, der damit weder erreicht, geschweige denn „therapiert“ werden kann.

Soll man also Einwandernde aus diesem Kulturkreis auf Antisemitismus überprüfen? Das, was Linke früher „Gesinnungsschnüffelei“ nannten? Wie misst man Antisemitismus objektiv? Wer misst das, wer ist dafür geschult? Inwieweit verschärft das antimuslimischen Rassismus? Soll man eingebürgerten Antisemiten nach antisemitischen Straftaten die Staatsangehörigkeit wieder aberkennen, um sie dann ausweisen zu können, und wenn ja, wohin dann? Hochkomplex, weil das dem Artikel 16 GG widerspricht. Eine Lehre aus dem Nationalsozialismus, weil damals deutsche Jüd*innen ausgebürgert wurden.

Ein nur kleiner erster Einstieg in diese Materie zeigt, wo da konkret Probleme, Fallstricke, Gefahren liegen. Ein Gutes hat so ein Einstieg allerdings: Die Wut ist erstmals verraucht, der Kopf musste ja arbeiten. Und außerdem kommt gerade, um 11.24 Uhr, die Sonne kurz durch. Das ist ja mal ein Anfang.

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