11.01.2018 – Ein schmales Brett: Der Pfad der Visionäre

090601Auf dem Pfad der Visionäre
Berlin, Mehring Platz. Der Mehring Platz ist ein sozialer Brennpunkt. Ich finde ihn städtebaulich faszinierend auf Grund seiner Historie, die sich in der kreisrunden Struktur widerspiegelt. Natürlich ist er nicht „schön“, aber wenn ich mich an Schönheit im Sine von Harmonie, Wohlklang, Rausch für die Sinne beglücken will, höre ich Mozart. Dafür muss ich nicht am Mehring abhängen. Das Bild ist ein Schnappschuss während eines Karnevals der Kulturen, dessen zentraler Festplatz sich direkt an den Mehringplatz anschließt. Wer wissen will, was sich in ein paar Jahren flächendeckend im alternativen Mainstream seines Kiezes durchsetzen wird, sollte über den Festplatz flanieren. Das Labor für die Zukunft befindet sich hier. Es gibt dort seit Jahren eine eigene Meile für vegane Streetfood in allen Varianten, sicherlich auch mittlerweile geröstete Heuschrecken und so Zeug. Mich treibt’s da nicht mehr hin. Viel zu voll, die Sinne werden regelrecht betäubt.
Ich hab überlegt, ob ich das Bild oben veröffentlichen soll. Da hört man doch schon den völkischen Mob toben:
„Genau, so sehen sie aus, die linksgrün versifften Visionen. Das ist Doitschlands Zukunft, der Schleier und die Islamisierung.“
Ich seh mich schon als Nominierten in der Sparte Fotografie für den Kulturpreis 2018 der AfD.
Aber eine Selbstzensur findet nicht statt. Das Bild ist ein schöner Schnappschuss. Und steht, wenn man seine ästhetische Kategorie zu einem politischen Ende denkt, natürlich für ein aktuelles linkes Dilemma: Wie positioniere ich mich zu Zuwanderung, zu Islam, zu Integration, zu migrantischem Antisemitismus? Ich werde das hier nicht durchdeklinieren, das kann man in linken Blogs und Medien nachlesen. Manchmal geht es auch nur darum, Position zu beziehen, durchaus auch mal begründungsreduziert. Also: Antisemitismus geht gar nicht, egal aus welcher Ecke. Da wird auch nicht die alte rotgrüne Sozialarbeiter-Verständnis Masche der Betreuungskultur gestrickt. Da hat der Repressionsapparat des bürgerlichen Staates zu greifen und da, wo es rechtlich zulässig ist, werden migrantische Antisemiten im Sinne des Strafrechts ausgewiesen.
Ich bin ja glühender Quoten-Verfechter, was in dem Fall hieße: Für jeden migrantischen Antisemiten wird ein völkisch-rassistischer Eingeborener mit ausgewiesen, in ein Land nach meiner Wahl.
Aber das Foto ist schön, es wird auch von einer melancholischen Nachfeier-Stimmung durchweht, Now the party is over, I’m so tired

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.