09.01.2018 – Sex auf dem Mischpult

ndr hallo niedersachsen 7.1.18
Blogautor bei der Arbeit. Interview zum Thema Altersarmut, NDR, Hallo Niedersachsen, 07.01.2018.
Öffentlichkeitsarbeit gehört zu meinem Job, besonders in Zeiten aktueller Armutsentwicklungen. Ich halte es für sinnvoller, eine möglichst breite Öffentlichkeit für das Thema „Armut“ zu sensibilisieren als ellenlange Konzepte, Broschüren, Papiere vollzuschreiben, die eh keiner liest, wenn sie länger als zwei Seiten sind und keine Comics enthalten. Ich werde unter anderem dafür bezahlt, meine Nase in die Öffentlichkeit zu halten, seien es Marktplätze, Mikros oder Kameras. Das gelingt nicht immer perfekt, ist mitunter stressig, hat aber manchmal auch unterhaltsame Seiten.
Im besagten NDR Beitrag behauptet der Moderator im ersten Satz, dass in Niedersachsen 50.000 Menschen von Altersarmut betroffen sind. Bei diesem ersten Satz stand ich sofort unter Strom. Die Zahl ist falsch. Es sind annährend 250.000. Aber wenn das öffentlich-rechtliche Fernsehen was behauptet, denkst Du ja im ersten Moment: Wird schon stimmen. Ich bin schließlich kein Fake News Kasper. Im zweiten Moment fing ich an zu zweifeln, versicherte mich meiner eigenen Zahlen im Hinterkopf, rechnete sie noch mal nach und suchte krampfhaft nach einem Moment, wo ich sie locker einflechten könnte. Und nebenbei musste ich noch die bescheuerten Fragen des Moderators beantworten, ob Menschen nicht selber schuld an Altersarmut seien, weil sie in jungen Jahren in Saus und Braus und wilder Ehe gelebt hätten. Soweit sind wir also wieder, dass vorehelicher Coitus Schuld ist an allem Elend dieser Welt. Normalerweise habe ich für solche Hanswurstiaden immer eine Sahnetorte im Gepäck, aber platzieren Sie die mal richtig, wenn Sie gerade eine Differentialgleichung vierter Ordnung im Kopf ausrechnen. Mir brach der Schweiß aus, während ich rechnete, antwortete und nebenbei mir selber mantramässig predigte: Locka bleiben, Alder, immer locka. In dem Moment, wo ich die richtige Zahl locka einflechten wollte, endete der Moderator mit: Vielen Dank für das Gespräch…..
Das Radiointerview vorher war entspannender. Per Telefon. Wenn es losgeht, wird man über das Mischpult auf Sendung geschaltet. Die Moderatoren sagen dann immer: „Ich leg Sie jetzt auf das Pult.“ Medienschnack halt. In dem Fall war es eine Moderatorin mit einer unfassbar erotisch-lasziven Stimme. Als sie zu mir sagte: „Ich lege Sie jetzt auf das Pult“ ……
Keine Ahnung, wie ich das Ende des Interviews erreichte. Solche Phantasien lässt der Herrgott/die Fraugott/das Fagott nicht ungestraft. Als ich in die Küche kam, war der Abfluss verstopft. Ich war den Rest des Tages mit Pümpeln beschäftigt.
pümpel
Auf und nieder. Hinterher tat mir mein rechter Arm weh.
Und wissen Sie, was am Ende des Tages für einen persönlich bleibt, jenseits der Frage nach der politischen Wirkmächtigkeit des eigenen Handelns? Die Frage, wer die beschissenen Falten in meinen Hals da oben montiert hat, per Photoshop. Das ist nicht mein Hals!!
Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen, eine Halsfaltenfreie Zukunft.

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