06.01.2018 – Der Staat

hochwasser 1
Bankenkrise. Überschwemmung der Ihme in Hannover.
Vielen erscheint der Staat als Leviathan, ein alles beherrschender bedrohlicher Moloch. Das eint Neoliberale und Kommunisten, der Wunsch nach einem allmählichen Absterben des Staates.
Ein zentrales Werk sozialistischer Theorie ist die Untersuchung von Friedrich Engels aus dem Jahr 1884 „Der Ursprung der Familie, des Privateigenthums und des Staats“. Um Zivilisation zur Entfaltung zu bringen, war die Entstehung der monogamen Kleinfamilie, von Privateigentum in den Händen von Wenigen und ein Staat mit seinem Gewaltmonopol notwendig. Ein oft blutiger Entwicklungs-Prozess im Laufe von Jahrtausenden. Um diesen Prozess zu überwinden, um den Menschen letzten Endes frei zu machen, von der Herrschaft des Menschen über den Menschen zu befreien, ist nach marxistischer Vorstellung ein langsames Absterben des Staates notwendig.
Die Neoliberalen wollen immer weniger Staat, weil sie sich in räuberischer Absicht alles unter den Nagel reißen, was von der Gemeinschaft geschaffen wurde. Beispiele gibt’s zigfach: Privatisierung von Wohnungsbaugesellschaften zum Beispiel, die oft für sozialen Wohnungsbau sorgten. In den Achtzigern hatten wir noch 3,5 Mio. Sozialwohnungen in der kleineren BRD, heute, mit der annektierten Ostzone, haben wir noch 1,4 Mio.
Ich mag den Staat. Er gibt uns Brot, ÖPNV, StGB, die AApoO und Schilder. Ohne Schilder keine Zivilisation. Alle Veranstaltungen und Aktionen des SCHUPPEN 68 fanden unter dem Diktum statt: Es ist ausgeschildert! Schilder geben unserem Leben Ziel, Sinn und Struktur.
Schilder gibt uns der nährende Staat. Wie das hier:
hochwasser
Schild, auf dem steht: Hochwasser.
Wenn dieses Schild nicht wäre, kämen Wanderer vorbei und würden sich fragen:
„Potz Donner! Was ist denn hier los? Ein Erdbeben, ein Vulkanausbruch, ein Tsunami? Ich weiß gar nicht, was hier los ist. Es steht ja auch kein Schild da, auf dem mir erklärt wird, was hier los ist. Gibt es denn keinen Staat hier an der Ihme?!“
Ahnungsloses junges Volk würde mit dem Smartphone vor dem Gesicht ins Wasser flanieren und ertrinken und hinterher zu Recht sagen:
„Ich wusste doch nicht, dass das Hochwasser war. Der Staat hatte kein Schild aufgestellt, wo darauf hingewiesen wurde, dass hier Hochwasser ist.“
Wer solche Zustände will, der will die FDP an der Macht.
Ich will das nicht. Ich mag den Staat.
Einen schwachen Staat können sich nur Starke leisten, die Schwachen gehen darin unter.
Trotzdem: Eines meiner Lieblings-Graffitis ist nach wie vor „Macht aus dem Staat Gurkensalat“. Stand früher an den unwirtlichen Mauern des oben abgebildeten Ihme-Zentrums.
Und um das noch zu erklären:
AApoO heißt „Approbationsordnung für Apotheker“.

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