16.05.2018 – Fest für die Sinne

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Fest für die Sinne.
Nachdem ich die morgendlichen Schlagzeilen gecheckt habe, strebt meine ohnehin geringe Wertschätzung der menschlichen Spezies regelmäßig gegen Null. Zur Erlangung der für den Spaß am Leben unerlässlichen Gleichgültigkeit gegenüber den Niederungen des Alltags trete ich dann gerne kurz auf die Veranda, was im Moment ein Fest für die Sinne ist. Gelbe Edelrosen sind so in voller Pracht erblüht, dass sie fast surreal blenden und wenn die Morgensonne auf den Blättertau scheint, strömt einem ein betörender Duft entgegen. Wer wollte danach niedere Gefühle hegen? Wie etwa Karl Lagerfeld, der unlängst Hass gegenüber Angela Merkel äußerte, weil sie durch ihre Flüchtlingspolitik den Einzug von „fast 100 Neonazis in den Bundestag“ ermöglicht habe. Lagerfeld bezieht sich auch auf die deutsche Verantwortung für migrantischen Antisemitismus in unserer Gesellschaft, vor dem Hintergrund des Holocaust. In vielen arabischen Ländern ist Antisemitismus eine identitäre Klammer und den legen Migrant*innen nicht einfach ab mit Erlangung einer Duldungserlaubnis.
Ich hasse niemanden und schon gar nicht Angela Merkel, deren Flüchtlingspolitik ich im Gegensatz zu Lagerfeld richtig fand. Ich finde zwar ihre Restpolitik ziemlich bescheuert und ihre Partei zu Teilen gruselig, aber im Vergleich zu ihrem Vorgänger Schröder ist sie für mich eine Sympathie-Riesin. SPD-Schröder rangiert, was das angeht, bei mir nur knapp vor Saddam Hussein und wenn er so weiter macht, geht’s in meinem internen Sympathieranking mit ihm noch weiter nach unten. Diese Existenz hat schon rein äußerlich etwas derartig Zuhälterhaftes an sich, dass es mich beim Anblick schier ekelt. Apropos: eben gerade las ich, dass der ehemalige SPD Pop-Beauftragte Sigmar Gabriel nach dem Ende seiner Politik-Karriere in den Verwaltungsrat von Siemens/Alstom wechselt. Als Bundeswirtschaftsminister hatte er sich für diese Fusion starkgemacht.
Also kein Hass à la Lagerfeld. Aber verstehen kann ich seine Position schon. Migrantischer Antisemitismus ist ein Riesenproblem, das mit aller rechtsstaatlichen Härte bekämpft werden muss und das heißt in letzter Konsequenz auch mit Abschiebung von straffällig gewordenen Antisemiten. Wenn’s nach mir geht, können sie die ganze AFD Besatzung im Bundestag dann gleich mitnehmen. Göttinseidank geht es nicht mach mir. In einem Staat, in dem es nach mir geht, möchte ich keine 5 Minuten leben.
Zur Kritik am Vorgehen Israels in Gaza, an der sich die ganze Palette des hiesigen rechten und erst recht linken Antisemitismus ablesen lässt:
Der israelische Staat kann es ebenso wenig wie jeder andere Staat zulassen, dass Gewalttäter und Terroristen wie die Hamas mit unfriedlicher Absicht auf sein Territorium gelangen. Man stelle sich analog vor, zehntausende Schlesier würden militant die polnische Westgrenze bedrohen mit der Forderung „Schlesien ist unser! Wir kommen um zu bleiben!“
Wie würden sich deutsches und polnisches Militär dann wohl gemeinsam verhalten?
Also teile ich den Kern der Bedenken von Lagerfeld, seine Kritik an Angela Merkel jedoch nicht und schätze ansonsten seine pointierten Formulierungen als da sind:
„Sehe ich aus wie jemand der kochen kann! Ich kann eine Dose Cola Light aufmachen und damit hat sich das.“
„Die Gleichgültigkeit ist an mir hochgewachsen wie Efeu. Nur gewöhnliche Leute ärgern sich.“
„Ich bin eigentlich sehr bodenständig. Ich stehe bloß nicht auf dem Boden dieser Welt.“
„Ich halte mich wirklich nicht für ein Genie. Ich finde sogar, unter uns gesagt, ich hätte viel mehr aus mir machen können.“

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