17.11.2018 – *


Der männliche Blick. Reisekatalog von 1968. Frauen zur Objekt-Pose erstarrt, dekorativ, sie scheinen auf irgendetwas zu warten (im Zweifel natürlich auf Männe mit zwei Cocktails in der Hand). Über dem Bild liegt ein Schleier von Erstarrung, von Panzerung, fast wie ein Szenenfoto aus einem Alienfilm, bei dem außerirdische Wesen die Menschen in geisterhafte Zombies verwandelt haben. Das Foto hätte genauso gut 1958 aufgenommen sein können, aber hier, 1968, ist das Bild ein letztes verzweifeltes Verharren in Verhältnissen, die nicht mehr so sind, wie sie scheinen. 3 Jahre später würde ein Reisekatalog vollkommen anders bebildert sein, Frauen und Männer würden bunt durcheinander gewürfelt zusammen an einer Bar abhängen und gemeinsam dem Afri-Cola Rausch frönen. Wenn 68 ff. in etwas die Verhältnisse zum Tanzen gebracht hat, dann im Nachdenken über das Geschlechterverhältnis. Grundlegende Veränderungen, was etwas anderes ist als das Nachdenken darüber, hat 68 sicher in der Aufzucht der Brut bewirkt. Autoritäre, gewaltförmige Kindererziehung ist heutzutage ein stigmatisiertes Außenseiter-Phänomen. Ansonsten hat 68 noch die Pest der grenzenlosen Subjektivität eines „Ich, Ich, Ich“ hervorgebracht und ist als Ansatz der Befreiung von Herrschaft nicht nur gescheitert, sondern dabei, in sein autoritäres Gegenteil umzuschlagen. Wie schön, dass es da Nebelkerzen gibt, die das Ganze mit einem grandiosen diskursiven Geschwafel übertünchen (Nebelkerzen, die übertünchen? Da bin ich auf der Metaphern-Allee mal wieder voll aus der Kurve geflogen). Die heutige Nebelkerze ist der Rat für deutsche Rechtschreibung, der gendergerechtes Schreiben noch in der Erprobungsphase sieht. Man werde daher nicht vorweggreifen und eine Empfehlung aussprechen. Im Zweifel für das „*“, denn da geht die Entwicklung hin.
Ich benutze das „*“ seit längerem im offiziellen Verkehr, aus pragmatischen Gründen, weil mir schon lange klar war, wo die Entwicklung hingeht. In diesem Blog hier, also privat, benutze ich überwiegend die rein weibliche Form. In den letzten 200 Jahren wurde immer die männliche Form benutzt, warum also nicht mal 200 Jahre weiblich.
Die Fronten gehen in der Diskussion quer, Alt-Feministinnen insistieren auf dem femininen Binnenmajuskel „I“, alte, weiße Männer, egal ob Sozialisten oder AfD, sind komplett gegen eine Veränderung. Logisch, hat ja mit Machtverlust zu tun. Die AfD hat insofern recht, als eine Veränderung ideologisch („linksgrüngenderversifft“) begründet ist. Sprache bildet Herrschaft ab und befördert sie, ihre Veränderung hat mit Macht zu tun und Macht ist immer ideologisch. Nur wer Macht hat, kann verändern.
Was sich nicht ändert, ist die ungleiche Bezahlung von Frauen, die Gender Pay Gap, die ungleiche Besetzung von Führungspositionen durch Frauen und die strukturelle Gewalt gegen Frauen. Insofern ist das hysterische Gekeife um das „*“, ein regelrechter Kulturkampf, eine wundervolle Nebelkerze, die an der realen gesellschaftlichen Macht nichts ändert. Du böse, böse übertünchende Nebelkerze.
Sie, liebe Leserinnen, wissen also, was zu tun ist. Schönes Wochenende und möge Ihnen Männe einen köstlichen Cocktail kredenzen.

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