27.03.2019 – Marxismus und Donaldismus


Gips-Donald, weiß, und Gips-Donald, Rasta.
Ich lasse mir lieber einen Backenzahn ohne Betäubung ziehen als dass ich einen Baumarkt aufsuche. Ein Dandy – und diesen Archetyp in der Tradition eines Oscar Wilde zeitgenössisch zu revitalisieren sollte das Streben eines vernunftbegabten Mannes des 21. Jahrhunderts sein – beschäftigt sich niemals mit inferioren Tätigkeiten wie hämmern, bohren, sägen sondern widmet sich entweder dem Ordnen seines Äußeren vor dem Spiegel oder der Lektüre des „Tractatus logico-philosophicus“ von Ludwig Wittgenstein, dem „Kapital“ von Karl Marx oder den 529 Ausgaben der Donald Duck Taschenbücher. Letzteres ist keineswegs als Witz gemeint. Der Autor dieser Zeilen hat zwar die aktive Phase seines Donaldismus hinter sich, als er – jenseits der 40, also keineswegs im unreflektierten Wahn der Jugend! – die Welt mit eigenhändig gegossenen Donalden flutete (siehe oben), in der Hoffnung, sie im Sinne der Ente zu einem besseren Ort zu machen. Nämlich zu einem Ort, an dem Männer allein aus handwerklichem Ungeschick, schierer Tölpelhaftigkeit und überwältigendem Pech unfähig sind, Kriege zu führen. Oder können Sie sich Donald Duck als Feldwebel vorstellen, als islamistischen Terroristen oder auch nur als durchgeknallten Gelb-Westen-Chaoten? Das Chaos richtete die Ente nur bei sich und in der Familie an, immer cholerisch, immer vom Pech verfolgt, aber immer wieder widerstehend den Bürzel aufrichtend, den Wutschaum vom Schnabel putzend und sich den Imponderabilien des Lebens wappnend, nur überlebend durch die Hilfe seiner drei Neffen Tick, Trick und Track. Was für ein warmherziger Utopie-Entwurf, viel menschlicher als Karl Marx. Mich unterscheidet von Donald nur, dass ich wesentlich mehr Glück habe und nur zwei Neffen. Ansonsten bleibe ich bis zum Ende aller Tage Donaldist. Und Marxist.
Manchmal ist ein Baumarkt Besuch aber unumgänglich und das Bild, das sich neulich meinen Augen dort bot, war schwerst verstörend, brannte aber in dieser einen Sekunde der Wahrnehmung alle Schrecken des aktuellen Zustandes der Gesellschaft in mein Hirn und mein Herz. Ich sah einen Mann vor dem Werkzeug-Regal den Schaft eines Hammers, , reale (!) 30cm lang, streicheln mit einer Inbrunst und Zärtlichkeit, als ob es sein bestes Stück wäre. Also sein Auto.
Auf der Flucht aus dem Baumarkt räsonierte ich über die Welt, sowas hilft aus Verstörung. Baumärkte sind, wie die Welten des Fußballs, der Bundeswehr, der katholischen Kirche, Refugien schierer Männerbündelei, nur selten und zaghaft angekratzt durch das Prinzip „Frau“. Hier sind sie unter sich, die Herren der Schöpfung, fernab der Zumutungen der Anderen, der Weichen, Feuchten, Fließenden, die obendrein immer alles wissen wollen, über Gefühle. Als ob da viel wäre in diesen Männerbündischen Hohlköpfen außer Wut und Angst. Und dampfendes, unterdrücktes homoerotisches Begehren, das aber auf keinen Fall zugelassen werden darf, weswegen es mit maximaler Aggression abgetötet werden muss. Über dieser Welt der Männerbünde schwebt immer eine angsteinflößend dunkle Wolke von Gewalt, Zerstörung, Zorn.
Und weil das alles zutiefst pathologisch ist, fließt der Alkohol als Fluchtmittel in Strömen. Die klerikalen Kinderficker dürften zu ebenso hohen Prozentsätzen Alkoholiker sein wie Bundeswehrangehörige und Fußball-Schwachköpfe. Von den Schnapsdrosseln in Baumärkten ganz zu schweigen.
Da ist alles nicht neu, sollte aber im Hinterkopf behalten werden angesichts der Tatsache, dass diese Welt, die alles Andersartige, Lebendige, Bunte verabscheut, diejenige ist, die zur Zeit gewinnt.
Aber auf meinen nächsten Baumarkt Besuch freue ich mich jetzt. Dann nehme ich mir vor dem Regal für Werkzeuge eine Stunde Zeit und mache schwer verstörende Fotos von Männern mit Hämmern. Demnächst hier im Blog!

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