22.03.2019 – Runter vom Sofa, rein ins Vergnügen.


Bei mir umme. Natürlich ist der dazugehörige ca. 4 qm große Hafen eher ein Witz, so wie dieses Schild, dessen Humor irgendwie ins Transzendente lappt. Er schwebt über allen Wassern, ist aber nicht direkt greifbar. Kleidete ich ihn in Worte, raubte ich ihm die Wirkung. Insofern ist auch Wittgensteins Diktum „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“ von der Erkenntnis her: begrenzt. Es gibt noch eine Welt jenseits der Begriffe. Aber ich will hier kein Proseminar zu Zech-Buddhismus für Anfänger machen, hier geht’s um meinen Hafen, zwei autonome Steinwürfe von meiner Homebase entfernt. Den querte ich unlängst auf der Suche nach leeren Grundstücken. Hintergrund: Das Land Niedersachsen ist zur Zeit noch störrisch, was die Gründung einer von der Landesarmutskonferenz, dem DGB und Anderen geforderten Landeswohnungsbaugesellschaft angeht: Gemeinnützig, nicht profitorientiert, bezahlbarer Wohnraum für alle, ab 5 Euro pro qm, Größenordnung 40.000 Wohnungen über die Jahre. Die Argumente der Gegenseite: Reine Symbolpolitik, dauert zu lange, kostet zu viel, braucht Personal etc. pp. Das ist natürlich kompletter Unsinn, die Bayern haben es ruckzuck vorgemacht, und eine aus dem Boden gestampft. Waren ja auch Wahlen.
Es geht, man muss nur politisch wollen. Aber die hiesigen Akteure sind entweder träge oder wollen den Profitkuchen nicht mit Gemeinnützigen teilen. Es ist also seeehr sämig, dagegen anzukämpfen, und ich bin’s manchmal auch einfach leid. Ich will meine Ruhe, meinen Urlaub, meinen Sommer, Ende im Gelände. Dann sagt aber der Restrebell in mir: Runter vom Sofa, rein ins Vergnügen. Also gibt’s am 27.03 eine Aktion mit Aktivist*innen vor dem hiesigen Landtag. Der zuständige Bauminister Olaf Lies hat sein Kommen zugesagt, sinnigerweise für High Noon, was aber eine andere Bedeutung besitzt als ich sie gerne hätte, und wir werden ihm das erste Haus der dann zu gründenden symbolischen Landeswohnungsbaugesellschaft überreichen, siehe Medieneinladung Landesarmutskonferenz Einladung Medien Aktion Landtag 27.03.2019.
Runter vom Sofa musste ich auch wegen des Argumentes der Gegenseite: Keine Grundstücke. Auch das ist ausgemachter Blödsinn. Ich setzte mich auf mein Rad und fand nach 5 Minuten in direkter Hafennachbarschaft sofort eins, ca. 20.000 qm groß, früher mit Gartencenter, steht seit über 10 Jahren leer. Citynähe, perfekt erschlossen, braucht die Stadt (oder eine Landeswohnungsbaugesellschaft) nur zu kaufen und los geht’s.
Wenn der Eigentümer sich aus Spekulationsgründen renitent zeigt, wird enteignet, siehe § 15 Grundgesetz. Kein Problem, wenn man es politisch will. Das wird beim Bau von Autobahnen oder Stromtrassen ruckzuck angewendet.
Für Hannover, immerhin über 500.000 Einwohnerinnen, gibt es übrigens kein Leerstandskataster, wir haben also keinerlei Überblick, wie viele Wohnungen und Häuser leer stehen. In anderen niedersächsischen Großstädten das Gleiche.
Es ist aber alles sooo sämig. Zu dieser Grundstimmung passte meine Hafentour.

Ein paar hundert Meter Kaimauern, zwei Kräne und ein halbes Schiff, das im trüben Hafenbecken vor sich hindümpelte und trotzdem löste der Anblick diese typische Hafenstimmung in mir aus: eine Prise Fröhlichkeit ob des Freiheits- und Glücksversprechens, das Häfen innewohnt, mit einem Schuss Melancholie ob des Wissens, dass es hier und heute nicht eingelöst wird.
Dann eben woanders.
Schönes Wochenende, liebe Leserinnen.

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