20.04.2019 – Geht doch nach drüben!


Berlin, Bahnhof Friedrichstr. In Berlin laufen so viele Verrückte rum, da kommt es auf einen mehr oder weniger nicht an? Aus pragmatischen Gründen kann man das so sehen, denn wie soll das verhindert werden? Wegsperren, Zwangsjacke, Sedieren? Aus gesellschaftlichen Gründen stellt sich die Situation etwas anders dar und für Linke durchaus nicht unkompliziert. Dieser Mann auf dem Bild ist ein offensichtlich hochgradig durchgeknallter antisemitischer Verschwörungstheoretiker, was de facto eine Tautologie ist, denn kratzt man an einem Verschwörungstheoretiker kommt mit tödlicher Sicherheit ein Antisemit zum Vorschein. Der Antisemitismus wächst ständig und wird immer brutaler und dreister, bis weit in die Mitte der Gesellschaft hinein.
Immer vorweg natürlich unsere „linken“ antisemitischen Genossinnen, denen das ständige Wedeln mit dem Palästinenser-Tuch den Durchblick vernebelt hat. Ihnen rufe ich aus tiefstem Herzen eine Phrase aus der Zeit des seligen Helmut Kohl zu, die krakeelenden 68er-Revolutionslaiendarstellerinnen galt und in Richtung ehemalige Ostzone zielte:
Geht doch nach drüben!
In meinem Fall ist damit der Gazastreifen gemeint, wo die hiesigen Palästinenser-Sympathisantinnen gerne mal eine Christopher-Street-Day-Demo organisieren dürfen, wo sie dann erleben können, welche zivilgesellschaftlichen Standards da drüben herrschen. Nämlich gar keine, und erleben würden sie es auch nicht, weil ein derartiges Unterfangen sofort tödlich endete. Dabei könnten die Saudis und ihre Öl-Spießgesellen mit einem Bruchteil ihres Reichtums aus dem Gazastreifen einen Ort des Wohlstandes machen, wo es Arbeit, Bildung, Krankenhäuser für alle gäbe. Und damit auch Frieden mit Israel. Bei der Umsetzung würden ihnen die Israelis gerne helfen, die wissen, wie man Wüsten zum Blühen bringt. Machen die Saudis aber nicht. Warum wohl?
Eher nicht, weil sie selber Zionisten, Juden, CIA, was auch immer, wären, wie unser Verschwörungsspinner in obigem Bild insinuiert. Das Gefährliche an solchen Leuten ist: Kein Mensch weiß, was für eine Zeitbombe in dem Manne – und es sind fast immer Männer – tickt und wann die wie und wo hochgeht. Eine – noch – offene Gesellschaft wie unsere muss das aushalten. Aber, und hier wird es für Linke spannend, wie weit muss sie es aushalten, dass ein großer Teil des hiesigen Antisemitismus migrantischen Hintergrund hat, dass viele dieser militanten, zornigen, jungen Männer aus dominant muslimisch geprägten Kulturkreisen kommen? Also mir ist es scheißegal, welcher Religion jemand angehört, Hautfarbe, Geschlecht etc. pp. besitzt, wer sich hier als Migrant an unsere durch jahrhundertelange Kämpfe erworbene Standards in der Tradition der Aufklärung nicht hält, wer in Sachen Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit, Homophobie gegen das Strafrecht verstößt, dem rufe ich zu:
Geht doch nach drüben.
Oder im Klartext: Ausweisung nach Maßgabe des Rechtstaates. Meine Utopie „Mit-Ausweisung der diesbezüglich auffällig gewordenen biodeutschen Kartoffeln“ lässt sich leider noch nicht realisieren.
Aber da kommt man als Linker schon mal in Schwulitäten.
Und wo bleibt das Positive? Solche Impulse kriegt man am laufenden Meter beim Flanieren durch Berlin, auch wenn sie erstmal Wut erzeugen. Nur sie, in realer, lebendiger Erfahrung, produzieren politische Erkenntnis mit Handlungsfähigkeit. Das ersetzt mir keine Zeitung und kein Buch. Ich lese tatsächlich kaum noch Bücher. Da hat der Altmeister mal wieder Recht gehabt:
Grau, teurer Freund, ist alle Theorie
und grün des Lebens gold‘ner Baum.

Goldene Bäume, die grün sind? Hat Goethe gekifft?!
Fazit: Berlin geht mitunter mächtig auf den Sack.
Aber was soll’s. Muss ja.

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