21.04.2019 – Wir werden alles anzünden, was nicht niet- und nagelfest ist



Die famoseste Ansammlung von Kasperköpfen in der Post-68er Zeit war sicherlich die KPD-ML, ein irrsinniger Haufen von Wichtigtuern, die ausschließlich damit beschäftigt waren, Abweichler von der wahren Linie zu bekämpfen und sich permanent zu spalten.
Gegen die KPD-ML ist die Monty-Python-Nummer über die judäische Volksfront ein Witz (allerdings ein guter).
Aber irgendwie bin ich fast stolz darauf, dass dieses Dokument der Weltgeschichte (irgendwann vor 1974 entstanden) seinen Ursprung in meinem Nachbarhaus fand, 2. Etg., links (!). Und schmunzeln muss ich über die zentrale Rolle der Arbeiterklasse in dem Flugi.
Über ein paar Strategen aus dem Umfeld dieser Kaspertruppe, mit denen ich leider auch ab und zu politisch zu tun hatte, schrieb nämlich irgendwann ein von deren völliger Unfähigkeit zu konstruktiver Arbeit zu Recht total Abgenervter im Internet :
„ … ihre einzige nennenswerte Leistung besteht darin, Zeit ihres Lebens geregelter Arbeit aus dem Weg zu gehen …“.

Auf die KPD-ML stieß ich, als ich recherchierte, wie viele 1. Mai Demos es denn heuer in Berlin gibt. Es sind mehr als 20. Das übertrifft meine Erwartungen bei weitem und ich bräuchte einen Hubschrauber, um alle auch nur einmal anzugucken.
Ich hatte, glaube ich, „1. Mai, Berlin, Mao“ gegoogelt. Nun ist es keineswegs so, dass diese Satire-Inszenierung der vormaligen KPD-ML mit den 70ern überwunden wäre. Mao bewahre. In Berlin gibt es eine Maoistentruppe namens „Jugendwiderstand“, die militant gegen andersdenkende Linke vorgeht. Überflüssig zu erwähnen, dass das gewaltbereite Antisemiten sind. Chef ist übrigens ein Kindergärtner.
Bis dato habe ich den Begriff „rotlackierte Faschisten“, den die SPD in der Weimarer Zeit gegen die Kommunisten benutzte, für einen semantischen (und politischen!) Fehlgriff der übelsten Kategorie gehalten, weil er eine Einheitsfront gegen die Nazis verhinderte. Auf diese Maoistentruppe allerdings passt er. Und so muss ich in hohem Alter noch erleben, dass ich dem Staatschutz mal die Daumen drücke. Nämlich bei seinen Ermittlungen gegen den Jugendwiderstand.
Ein bisschen übersichtlicher ist es nach meiner 1. Mai Recherche schon geworden. Auf das Myfest darf ich wohl nicht, weil da „abertausende Touris und Druffis zappeln und die Demo dadurch als eine Werbeeinlage für das supercoole Berlin erscheint, in dem es eben auch Demos gibt.“
Das sagen Organisator*innen der revolutionären 1. Mai Demo, die in Fuckhain startet. Wo ich schon seit Jahren nicht mehr abhänge, weil das eine einzige Partymeile für die Jugend dieser Welt geworden ist. Immerhin haben die Kids vom revolutionären 1. Mai die medialen Gesetze gut verstanden, denn, Zitat:
„… Schreib „Wir werden alles anzünden, was nicht niet- und nagelfest ist“ in die Überschrift, dann lesen das dreimal so viele Leute, wie wenn du “Wir wollen Kiezkommunen aufbauen und die Menschen gegen Verdrängung organisieren” schreibst….“
Die Kids werden ihren Weg machen, so wie der um 74 – siehe oben – Steine werfende Ex-Außenminister der Grünen, Joseph Fischer.
Also bisher gesetzt ist bei mir nur der DGB-Bonzen Umzug zum Brandenburger Tor. Aber da ist die After-Show-Party bestimmt langweilig. Egal, ich jedenfalls verspüre endlich mal wieder ein 1.Mai-Vorfreude-Kribbeln. Charmante Rest-Ostern, liebe Leserinnen.

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