25.04.2019 – Intimes aus meinem WG-Leben


Bohlen Dieter. Gesehen im Baumarkt, wo ich unlängst weilte. Baumärkte sind Orte, die ein Dandy auf jeden Fall zu meiden hat, so wie PC-Läden oder Automessen. Weilen hingegen darf der Dandy an Orten wie Spielbanken, allerdings niemals an solchen, wo es wie in Berlin keinen Dresscode gibt, auf Pferderennbahnen und Portweinverkostungen. Entsprechend war ich extrem schlecht gelaunt, als ich vom Baumarkt nach Hause kam. Dort allerdings verbesserte sich meine Laune schlagartig, als ich die Scheidungspapiere meiner Kreuzberger WG erhielt.
Mit WG-Beziehungen ist es wie mit jenen der Liebe: sie werden oft im Himmel geschmiedet und in der Hölle geschieden. Das Leben ist echt kein Ponyhof.
Ich zitiere wörtlich aus dem mir zugestellten Scheidungsurteil meines WG-Hauptmieters, das Original ist noch 10x so lang („Du“ bin in dem Fall immer ich):
„….. Aber es gibt auch andere Sachen, die mir übel aufgestoßen sind. …..: Wie kommst du denn dazu, meine Zyperngrass einfach auf den Boden in mein Wohnzimmer zu stellen? Das Zyperngrass muss in der Küche stehen, nirgendwo sonst.
Dass du mein Pink-Floyd-Poster abgenommen bzw. den Plastikgrasstrauß in mein Wohnzimmer verfrachtet hast, gut. Aber wieso stellst du die große Pflanze einfach auf den Boden. Sie muss auf dem Hocker stehen wegen Licht. Deshalb gibt es diesen Hocker.
Schon aus diesen Gründen hätten wir uns trennen müssen. Geht ja gar.
Interessant auch deine Nachricht! Sie hatte sich auf meiner Tischplatte so durchgefärbt, dass ich lange gebraucht habe, um die Reste abzuwischen. Blumenreste, Feuchtigkeit und mittenmang diese Nachricht.
Klausi, mach et jut.“

Dieser letzte, fast zärtliche Nachruf „Klausi“ macht mich allerdings nachdenklich: Geht da noch was? Glimmt da Glut der Liebe unter der Schlacke des Hasses? Soll ich Beziehungsarbeit leisten und versuchen zu retten, was zu retten ist? Sind Wohngemeinschaftsbeziehungen eher wie Sauerkraut und werden besser, wenn man sie aufwärmt? Oder eher wie Pilzgerichte, wo man das Kotzen kriegt, wenn man die aufwärmt?
Außerdem habe ich schon eine Neue. Und offene WG-Dreierbeziehungen? Ich weiß ja nicht … Da fährt doch nur der Satan Eifersucht seine Krallen aus und ich, mittenmang, krieg den ganzen Ärger von Beiden ab, die verbünden sich hinterher gegen mich und ich stehe am Ende auf der Straße.
Ein Gutes hat die Sache auf jeden Fall: Ich arbeite an einem neuen Kabarettprogramm, Arbeitstitel: Szenen einer WG. Bühnenbild: ein WG-Zimmer, mit Zyperngrass, Pink-Floyd-Poster und Plastikgrassstrauß. Ich sitze im Schneidersitz auf meiner am Boden liegenden Matratze und rauche eine monströs große Tüte. Da klingelt mein Handy, mein WG-Hauptmieter ruft an, aus Griechenland, vom Strand aus, wo er im Schneidersitz hockt und eine monströs große Tüte raucht. Das Ganze wird per Video-Einspieler visualisiert. Der Dialog geht ungefähr so los:
Er: „Ey, Digga, was macht eigentlich mein Zyperngrass?“
Ich, ziemlich stoned: „Ey, Alder, krass, gut, dass Du fragst, wir sollten da unbedingt drüber reden, aber locker, ohne Stress, mehr so angstfrei und offen, es ist nämlich so, das rauch ich gerade …“
Alea jacta est! Ich steig wieder ein ins Kabarettgeschäft. Beachten Sie, liebe Leserinnen, bitte die Tournee Ankündigung auf dieser Seite!

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