05.05.2019 – Wo kauft Kevin Kühnert ein?


In diesem Laden in Kreuzberg ist Kevin Kühnert Stammkunde. Kaum hatte Kevin, der durchaus nicht allein Zuhause ist, mal was richtiges gesagt, sich stets auf dem Boden des Grundgesetzes in Form meiner Lieblingsparagrafen 14 und 15 bewegend, und darauf hingewiesen, dass die permanent leistungslose, obszöne Mehrung des Reichtums unter anderem der Familien Klatten und Quandt als BMW Mehrheitsbesitzerinnen nicht der Weisheit letzter Schluss sein könne, da ließ das Kapital seine zuverlässigsten Kettenhunde los, die sofort den Mond, den armen Kevin und alle, die es, so wie ich, nicht wissen wollten, ankläfften. Es handelte sich natürlich um die korrumpiertesten Gauner, die der Klassenkampf hervorbringt, um die Betriebsräte der doitschen Automobilindustrie, deren Gewerkschaft IG Metall ich das Missvergnügen und die Unehre habe, auch anzugehören. Der BMW-Betriebsrat Schoch kläffte also in die versammelten Mikrofone der abkommandierten Medien
„Für Arbeiter deutscher Unternehmen ist diese SPD nicht mehr wählbar“. Schoch vergaß die Wahlempfehlung für die AfD hinzuzufügen, aber das ist in seinen Kreisen vielleicht schon selbstverständlich.
Eins muss frau dem Kapital lassen: Blöd ist es nicht. Es hat gerade die Fraktion der früheren Arbeiterklasse mit der fettesten Kohle geschmiert, die immer noch die meisten Bataillone auf jenen Ort bringen können, wo Klassenkämpfe nun mal entschieden werden: auf die Straße. Facharbeiterinnen der doitschen Automobilindustrie verdienen mehr als der gemeine Stupidienrat, allein an Jahresprämien sind da regelmäßig mehrere tausend Euro fällig, und sie kommen im Regelfall in die Zone des beginnenden Spitzensteuersatzes, weshalb jede Partei, die über eine Erhöhung dieses Satzes auch nur diskutiert, die nächsten Wahlen vergessen kann. Betriebsratsvorsitzende wie der von VW verdienten per anno schon mal bis zu 750.000 Euro. Auch wenn das jetzt etwas weniger schamlos geregelt ist, wird das Kapital schon Wege finden, seine obersten Kettenhunde nicht darben zu lassen.
Ich ließ mich mit meinem fast juvenilen Elan des Klassenkämpfers von sowas nicht abhalten und hing auf der DGB Maiveranstaltung am Brandenburger Tor ab.

Rote Fahnen sieht man besser
Aber das Speise- und Getränke Angebot dort convenierte überhaupt nicht. Bin ich mit Herz, Kopf und Faust auch nah bei der Arbeiterklasse, gehören Gaumen und Magen eindeutig der Klasse der Unterdrücker.

Ich nahm also gen Mittag den Business-Lunch im Lanninger, wo es einen exzellenten Wegeler Riesling gab.
Derart gestärkt schwang ich mich auf mein Veloziped und strebte, unter bösartigem Hubschrauber-Geknatter, der revolutionären 1. Mai-Demo in Fuckhain entgegen. Allerdings waren gesamt Kreuzberg und Fuckhain derartig mit feierwütigem Partyvolk vom Myfest geflutet, in deren vollgekifften Augen nichts weniger glühte als revolutionärer Elan, weshalb ich leicht frustriert das vollzog, was der Fortschritt in letzter Zeit allgemein vollzieht: den Rückzug. Nächstes Jahr hänge ich mit Sicherheit bei der „Hedonistischen Internationalen Mai-Demo“ in Grunewald ab. Die einzigen Ismen, die ich schätze, sind nun mal Sozialismus und Hedonismus.

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