10.05.2019 – Drogenhölle und Schwänzchen in die Höh‘!


Drogenhölle Görlitzer Park. Wir fassen uns alle virtuell an den Händen und rufen dreimal laut: „Herrjemine, wie furchtbar!“
Ein Parkmanager im Görlitzer Park hat einen Versuch gestartet, mit dem Drogenhandel dort umzugehen und mit Farbe Zonen markiert, in denen sich die Dealer aufhalten sollen. Umgehend setzte in den Medien und weiten Teilen der Politik nahezu bundesweit und unisono ein vollkommen hysterisches Geheule mit dem Tenor ein: Das linksgrünversiffte Berlin kapituliert vor den Drogendealern und gibt den Rechtsstaat preis.
Man kann in der Tat den Park kaum betreten, ohne Drogen angeboten zu kriegen, das ist sicher lästig, vor allem, wenn man eigenes Grass dabei hat, aber wesentlich bedrohlicher empfinde ich z. B. das Radfahren in Berlin. Das ist meine subjektive Wahrnehmung, andere nehmen das anders wahr. Wichtiger als die subjektive Wahrnehmung sollte bei der Beurteilung gesellschaftlicher Zustände der Verstand sein und wenn man den einschaltet, weiß man, dass es eine Gesellschaft ohne Drogen nicht gibt, dass der beste Umgang mit diesem Problem die Legalisierung von Drogen ist, bei allen Bauchschmerzen, und dass das wahre Problem im Lande der Alkohol ist. Ein kurzer Blick die Alkohol-Abgründe in und vor den Stadien und Kneipen dieser Republik mit all den Fußball-Troglodyten lässt den Wunsch aufkommen, dass das Artensterben auf der Erde umgehend und flächendeckend die Spezies Mensch mit einschließt.
Ein paar Stunden später setzte das nächste hysterische Gejaule ein: Bodo Ramelow hatte den Vorschlag gemacht, eine neue Nationalhymne einzuführen. Die BLÖD, das Zentralorgan aller Quartalsirren im Lande, bezeichnete in klassisch-pathologischer Projektion der eigenen Beklopptheit auf das Gegenüber das Vorgehen von Ramelow als „Irre“ und von ähnlicher Qualität war der Rest der Kommentare. Nicht einer kam auf die naheliegende Idee die Abschaffung der Nationalhymne zu fordern, als ein Zeichen gegen ausufernden Nationalismus, gerade vor der Europawahl. Warum erheben wir uns nicht bei feierlichen Anlässen und singen:
Alle meine Entchen
schwimmen auf dem See,
Köpfchen in das Wasser,
Schwänzchen in die Höh‘.

Jeder kennt Text und Melodie, anders als bei der Nationalhymne, und das Lied drückt doch ein tiefes Sehnen aus. Hand auf’s Herz, meine Herren (und Damen?), resp. ganz woanders hin: ist es nicht das, was wir alle mitunter innig wünschen „Schwänzchen in die Höh‘“!?
Aber auf mich hört ja wieder kein Schwein.
Kommt mir das nur so vor oder kennzeichnet unsere aktuelle Gesellschaft ein permanenter Zustand von Empörung und Hysterie auch und gerade bei Lächerlichkeiten? Vermutlich um angesichts realer Probleme wie Spaltung der Gesellschaft, Klimawandel, Wohnungsnot etc. pp. nicht von Angst überwältigt zu werden? Denn Verstand als Voraussetzung für Lösungsversuche von Problemen ist ja offensichtlich ein verschwindender Rohstoff.
Außer bei mir natürlich.
Und wo bleibt das Positive? Hier mit meiner Lieblingsfundsache bei der Berliner Maidemo:

Wütender Mob.

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