21.05.2019 – Parteien zur Europawahl. Teil 1: „Wahlen ändern nichts. Es gibt Regeln.“


Performance, Umzug oder Sperrmüll? Fröhliches Haustreffen unter meinem Fenster, irgendwann im vorigen Jahrtausend, als wir noch relativ jung und mittelmäßig rebellisch waren. Der feministisch grundierte Schriftzug „Männergewalt“ bezog sich nicht auf mich, das müssen Sie, liebe Leserinnen, mir jetzt einfach mal so glauben. Es ging um interne Konflikte in Sachen „strukturelle Männergewalt“ in der radikalen Linken. Die wurden gerne mit harten Bandagen ausgetragen, bis hin zu persönlichen Diffamierungen an öffentlichen Wänden. Es wäre ja auch wesentlich anstrengender gewesen, sich auf den realen Klassenfeind zu konzentrieren.
Das Graffiti ist mittlerweile verblasst. Wie so vieles.
Wer ist das eigentlich: Der Klassenfeind? Vielleicht Leute, die sowas von sich geben:
„Man kann nicht zulassen, dass Wahlen die Wirtschaftspolitik beeinflussen.“ Wer hat’s gesagt? Hitler? Honecker? Ex-Deutsche-Bank-Chef Ackermann?
Wolfgang Schäuble war’s. Guckst du ebenso hier wie hier der wunderschöne Satz
„Wahlen ändern nichts. Es gibt Regeln.“
Da ich heute milde gestimmt bin, würde ich Wolfgang Schäuble als maximal funktionalen Demokraten bezeichnen. Oder Tacheles: Schäuble ist ein struktureller Antidemokrat, und damit ist er nicht allein in der Funktionselite unserer Gesellschaft. Er ist letztlich, um eine Synekdoche zu benutzen, ein Arsch pro toto.
Und was bedeutet das nun für die Europawahl?
Keine Ahnung. Bin ich Jesus und kann übers Wasser wandeln? Ich weiß nur, dass sich die Zeiten geändert haben, wo ich der Luxuseinstellung frönen konnte:
Wahlen ändern eh nichts, das kleinere Übel will ich nicht wählen, da wird mir übel, und außerdem hab ich einen Kater, was soll ich da im Wahllokal, da such ich lieber ein richtiges Lokal auf und verklappe diverse Konterbiere.
Tempi passati. So traurig die unsoziale Verfasstheit eines Europa des Kapitals auch ist: Jede nicht abgegebene Stimme entzieht Europa die Legitimation und ist eine für die Chauvinisten und Halb- und Vollfaschisten, die ihr (Sieg-) Heil im „Zurück zur Nation“ sehen. Selbst ein Blick in ein nur zweiseitiges Geschichtsbuch zeigt, wo das endet.
Also wählen gehen, damit Europa nicht endgültig den Bach runter geht. Die Alternative wäre gruselig. Und wir gehen ja kein Risiko ein, es ändert sich ja durch Wahlen eh nichts, siehe Schäuble und seine Gang. Also ist es auch egal, was Sie, liebe Leserinnen, wählen, außer AfD und ähnlichen Gaunerbanden natürlich.
Ich weiß es selber auch nicht, was wählen. Auf die diesbezügl. Frage eines Freundes antwortete ich: „Aus Gewohnheit und mit Bauchschmerzen die Linke, es gibt für jede Stimme Staatsknete, und damit können die sinnvolle Einrichtungen wie die Rosa-Luxemburg-Stiftung finanzieren.“
Besagter Freund, ähnlich tickend wie ich, erwiderte: „Nee, diesmal nicht, die müssen mal bestraft werden. Ich wähle „Demokratie in Europa“, die Liste mit Yanis Varoufakis.“
Ich hab mal ein bisschen quer gelesen und bin jetzt selber am Überlegen.
Hinweis dazu: Für die Europawahl gilt die 5 % Klausel nicht. Entscheidend bleibt die Kernfrage: Was ist Ihr Interesse, liebe Leserinnen?
Also dieses Mal im Wahllokal.

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