28.05.2019 – Ich bin kein Mann des Glaubens, aber ….


Gesehen auf der Demonstration gegen Antisemitismus am 27.05.2019 in Hannover, aus Anlass eines Brandanschlags auf ein jüdisches Ehepaar in Hannover . Im Hintergrund zwei Plakate der faschistischen Partei „Die Rechte“, eins mit der Aufschrift „Israel boykottieren“, die zeitgemäße Übersetzung des nationalsozialistischen „Kauft nicht bei Juden“. Die hiesige Staatsanwaltschaft hat es nach Wochen immer noch nicht geschafft, die Abhängung dieser volksverhetzenden Machwerke anzuordnen. Dummheit, Faulheit, Niedertracht oder Komplizenschaft?
Ich musste mich zu dieser Demo regelrecht aufraffen, das war aus der Neigung geborene Pflicht zur Solidarität. Ich hab’s aber natürlich nicht bereut.
Das Wetter war angenehm, freundliche Menschen und der Lerneffekt ist bei solchen öffentlichen Veranstaltungen immer größer als.. jeder Blick in ein Buch oder eine Zeitung. Mit dem Blick ins Buch, in die Zeitung oder gar ins TV verstellt man sich im Zweifel sowohl den in das Leben als auch sich selbst vor dem Leben. Interessant fand ich bei den Ansprachen, wie sich in kurzer Zeit flächendeckend zumindest bei Offiziellen die Gendersprache auch in der gesprochenen Form durchgesetzt hat, also die kurze, wahrnehmbare Pause bei beispielsweise „Politiker*innen“ zwischen „Politiker“ und „innen“. Was eben auch im Bedeutungsgehalt etwas anderes ist als die von mir in diesem Blog oft gepflegte rein weibliche Form, das wäre, im Beispiel bleibend, das durchgesprochene: „Politikerinnen“.
Es geht also und bedeutet nicht den Untergang des Abendlandes, wie weiße, alte Dudenmänner in ihrem hysterisierenden Gebell gegen den Genderismus behaupten. Besagte weiße, alte Dudenmänner können Sie, liebe Leserinnen, übrigens mit einer einzigen Frage aushebeln: „Warum benutzen Sie nicht konsequent die rein weibliche Form zur Abwechslung für die nächsten 10 Jahre, als Ausgleich für die rein Männliche der letzten 200 Jahre? Das lässt Ihr so heißgeliebter Duden doch zu…“
Sie werden auf die Frage nur Gebrabbel erhalten, bei denen sind Argumente sinnlos, da sie sich Angstgesteuert, überfordert und Ressentimentgeladen verhalten. Insofern ähneln sie strukturell den Fahnenschwenkern auf der Demo.

Iranische Fahnenschwenker auf der Antisemitismus-Demo.
Diese aus Niedertracht, Empathielosigkeit und Steindummheit geborene Provokation, der Iran steht wie kein anderer Staat für Israelhass, wurde von den Demonstrierenden mit Gelassenheit ignoriert. Auch bei solchen fahnenschwenkenden Idioten reichte, ginge es nach Verstand und Sinn, eine einzige Frage, um die hasserfüllte Verbohrtheit ihrer Position zu verdeutlichen: „Was würde passieren, wenn auf der nächsten Al Quds Demo in Berlin jemand eine Israel-Flagge schwenken würde?“
Der al-Quds-Tag oder ‚Internationaler Jerusalemtag‘ ist im Iran ein gesetzlicher Feiertag. Er wird alljährlich zu staatlich organisierten Massendemonstrationen gegen Israel genutzt, bei denen die „Befreiung Jerusalems von den zionistischen Besatzern“ und immer wieder die Vernichtung Israels gefordert wird. Auch in Berlin versammeln sich dazu regelmäßig rechte und linke Antisemiten, wie am 1. Juni wieder zu beobachten sein wird. Wer dort eine Israel-Flagge zeigt, begibt sich in Lebensgefahr.
In Hannover zeigten auch Vertreter der liberalen muslimischen Gemeinde Hannovers Solidarität gegen Antisemitismus und hoben sich dadurch wohltuend von abwesenden Vertreterinnen der Partei „Die Linke“ ab, die laut Aussage eines anwesenden, durchaus frustrierten Parteimitgliedes und Freundes in der Israelfrage „ambivalent“ ist. Dafür werden sicher wieder Parteigenossinnen auf dem Al-Quds-Tag dabei sein.
Ich bin kein Mann des Glaubens, aber an diesem Tag waren mir die Gottes- und Allah-Anbeterinnen, siehe auch Bild 1, dann doch die Angenehmeren.
So stromerte ich am Ende des Tages völlig platt, aber durchaus mit neuen Ein- und Ansichten in Richtung Homebase.

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