06.06.2019 – Bei der SPD geht’s zu wie im Führerbunker


Thermometer-Vollausschlag 50 Grad, gestern auf Veranda.
Heute wieder besseres Wetter zum Nachdenken, was ich dankend, aber nicht überschwänglich zur Kenntnis nehme. Vom vielen Denken kriegt man eh nur Schwielen am Hirn. Zu einem Teil meines öffentlichen Denkens benutze ich diesen Blog hier, Schreiben ist das präzisere und auch radikalere Denken. Man ist gezwungen, Zustände auf den Begriff zu bringen. Es heißt ja nicht umsonst präzis-ephemer: Mir gehen Gedanken durch den Kopf. Was eben auch heißt, dass sie durch ihn hindurchgehen, keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Flüchtige Gesellen, die Gedanken dieser Art, anders als jene der Geschriebenen. Wer schreibt, der bleibt. Bei meinen Gedanken der letzten Zeit, beispielsweise zur SPD, zu Fußball, Gendersprache, Öko, ist mir aufgefallen, dass die Beurteilung und Wertung der genannten Gegenstände im Blog, im Schreiben, radikaler ausgefallen ist, als wenn ich drauf angesprochen worden wäre.
Da hätte ich wohl gesagt: SPD, Fußball, Gendersprache, na ja, was soll’s, pillepalle, alles nicht so wichtig, SPD und Fußball peinlich, ist was für Nulltypen und arme Würste, Gendersprache kann man (!!) machen, ist aber Nebenkriegsschauplatz dritter Ordnung.
Geschrieben las sich das hier anders, ausführlicher und im Urteil radikaler.
Schreiben macht ehrlicher; der flüchtige Schwindel, die mäandernde Ausflucht sind eher mündliche Dinger.
Ich war davon ausgegangen, dass die genannten Themen bei mir durch seien. Ich neige eh zur Redundanz und Weitschweifigkeit. Aber so einfach ist die Welt da draußen nicht gestrickt als dass sie dem eigenen Willen freien Lauf lässt.

Ich radelte unlängst an der Berliner SPD-Parteizentrale vorbei, dem Willy-Brandt-Haus, und dachte mir meinen Teil angesichts des Würfels aus Rost, dem Stoff, der wie kaum einer vom Zerfall spricht. Und der auf der Kippe steht, bereit, jederzeit zu fallen – Symbolik, Dein Vorname ist platt. Und kaum war dies gedacht, kam ich eine Minute später an der Wilhelmstr. vorbei, wo an der Gedenkstätte „Topographie des Terrors“ ein Hinweisschild auf den ehemaligen Führerbunker steht.
Diese beiden Orte verknüpften sich in meinem Schädel zu einem Gedanken: In der SPD-Parteizentrale geht’s zu wie im Führerbunker in den letzten Tagen des Krieges. Das dem Untergang geweihte Führungspersonal eines zusammenbrechenden Reiches verschanzt sich fernab jeder Realität in einem monströsen Bau und diskutiert irrsinnige (Er-)Lösungsmöglichkeiten.
Im Fall des Dritten Reiches war es der von den Bunkerinsassen herbeidelirierte Einsatz der Armee Wenck, die den Führerbunker vor der Roten Armee schützen sollte. Genauso gut hätte man auf den Einsatz der Avengers gegen die Bolschewisten wetten können.
Im Fall der SPD war es der von den Bunkerinsassen diskutierte Einsatz von Olaf Scholz als Parteivorsitzender, der die SPD vor dem Zerfall retten sollte. Genauso gut hätte man auf den Einsatz von Willy Brandt als SPD-Retter wetten können.
Man zieht ehrfürchtig vor dem Leben den Hut, schweigt und vermeldet abschließend folgende Fußnote der Geschichte:
Die Wilhelmstr. hieß früher Otto-Grotewohl-Str., benannt nach dem ersten Ministerpräsidenten der ehemaligen DDR. Grotewohl war SPD Politiker und hatte unter den Nazis mehrfach im Knast gesessen. Das schützte die Otto-Grotewohl-Str. nach der Annexion der Ostzone nicht vor der Umbenennung.
Wir wollten lieber unseren alten Kaiser Wilhelm wiederhaben.

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