28.06.2019 – Der rechte Arm ist zum Gruß erhoben


Nan Goldin bei Preisverleihung im Sprengelmuseum Hannover am 27.06.2019. Nan Goldin ist eine der bedeutendsten Fotografinnen weltweit. Themen ihrer Fotografien waren Sex, Drogen, Aids, Tod und spiegelten eindringlich, emphatisch und persönlich grundiert die Folgekosten des unaufhaltsamen Aufstiegs eines mörderischen Turbokapitalismus in den Achtzigern, mit dessen zerstörerischen Konsequenzen wir heute konfrontiert werden
Bei der Preisverleihung schwebte ein riesiger, weißer Elefant durch den ehrwürdigen Bürgermusentempel, auf dem in grellbraunen Lettern der Name „Leni Riefenstahl“ gedruckt war. Der Elefant kam wie folgt da hin:
Der Preis wurde überreicht durch den Stifter, einen unsäglichen Fatzke namens Alexander Baumgarte, dessen Gelaber für mich den Tatbestand der schweren Körperverletzung darstellte. Eitelkeit, Größenwahn und Dummheit fanden in dieser Kreatur einen Nährboden wie Salami in der Sonne für Schimmelpilze. Besagter Fatzke hatte auf der Homepage seiner Galerie bis vor ein paar Tagen Fotos von Leni Riefenstahl, die er für eine große Künstlerin hält. Wenn es eine prototypische faschistische Ästhetik gibt, dann in den Bildern von Leni Riefenstahl. Für faschistische Ästhetik gilt aber das Diktum: Faschismus ist keine Meinung und auch keine Kunst, sondern ein Verbrechen.
Nan Goldin wusste von der Riefenstahl Causa nichts. Nan Goldin ist Jüdin. Nan Goldin was not amused und überlegte laut „Spiegel“, ob sie den Preis annehmen sollte. Was beim Sprengel-Direktor Spieler auf Unverständnis stieß. Der Mann sitzt im Stiftungsrat des Fatzkes und dürfte dafür nicht zu knapp Kohle kassieren. Die ganze Angelegenheit stinkt also wie braune Hundekacke zum Himmel und ich war gespannt, ob irgendwer von den Labernden bei der Feierlichkeit die Angelegenheit wenigstens mit einem einzigen Nebensatz erwähnen würde. Was von Souveränität und Ehrbarkeit gezeugt hätte.
Kein Wort.
Und so schwebt da immer noch dieser riesige, weiße Elefant durch den ehrwürdigen Bürgermusentempel und auf dem Fußboden liegt ein großer, unsichtbarer Teppich, unter den nach alter Bürgermanier jeder Dreck gekehrt wird, bis es zum Himmel stinkt.

Nan Goldin wirkte leicht stoned aber sympathisch, mit einer Stimme wie Marianne Faithfull. Es gab Häppchen, Wein und leichte Gespräche.
Mein Blick fiel aus dem Fenster des Sprengelmuseums auf das gegenüberliegende Denkmal „Der Fackelträger“.

Fuck-elträger, 1936. Das Hakenkreuz wurde nach dem Krieg aus dem Sockel entfernt. Der rechte Arm ist zum Gruß erhoben und auch sonst lässt einiges grüßen.
Man darf auf die Presseberichterstattung zu dem Fall gespannt sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.