08.07.2019 – Aus der Konkursmasse der Deutschen Bank


Psychodelisches Rock-Poster aus der Ausstellung „Summer of Love 1967“ im PalaisPopulaire, Berlin. Der PalaisPopulaire ist ein Kunsttempel, den sich die Deutsche Bank aus Imagegründen zulegte, als es ihr noch besser ging und ihr Image noch zu retten war. Weder ist ihr Image noch die Deutsche Bank selber zu retten und es ist eine Frage der Zeit, bis der PalaisPopulaire aus der Konkursmasse der Bank zu Facebook, Google oder Apple wechselt, wobei ich bei ersteren vorsichtig wäre. Früher oder später wird der Ami da mit dem Anti-Trust Hammer dazwischenhauen, wenn es um den Wettbewerb geht, kennt der Ami nix. Blöd ist er ja nicht, der Ami. Hier eine wenig bekannte Liste, wo Monopole auf Basis des Sherman-AntiTrust-Acts gnadenlos zerschlagen wurden, unter anderem die Ölindustrie im vorigen Jahrhundert und das Hollywood-Studio System. Ob die Welt dadurch besser wurde, mag man bezweifeln, aber die Beispiele zeigen, dass es kein alternativloses Agieren auf dem Markt gibt. Die Politik kann handeln, wenn sie denn will. Enteignungen sind machbar, Herr Nachbar. Es gibt immer eine Alternative. Wären es zwei, wären es auch keine Alternativen, sondern Varianten.
Die Ausstellung ist für alle, die den Begriff „Hippie“ richtig buchstabieren können, empfehlenswert. Für VW also nicht.

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Aus meiner Heimatstadt Hannover, wo man zwar Hochdeutsch spricht, aber ansonsten genauso dumm ist wie der Rest der Republik. Ignoranz hat allerdings das Kapital noch nie davon abgehalten, Mordsgeschäfte zu machen. Natürlich waren die Urhippies beim VW-Management genauso verhasst wie beim Rest der Spießer, siehe hier , aber Geschäft ist Geschäft und konsequenterweise benannte VW wenige Jahre später eine komplette Modellreihe nach Santana, einem der Headliner von Woodstock, wo der Niedergang des Hippiegedöns sich allerdings schon abzeichnete.
Und so widmet sich eine der letzten kulturellen Zuckungen der Deutschen Bank vor ihrer Agonie dem Summer of Love 1967. Was für eine Volte der Geschichte.
Ich besuchte die Ausstellung am heißesten Tag des Jahrtausends. Berlin war wie leergefegt, der Betonmoloch lag mit gefühlten 45 Grad unter einer Watteglocke versengender Hitze, man ging wie durch eine Nebelwand. Plätze waren leergefegt, förmlich verschreckt duckten sich die wenigen Resttouristen im spärlichen Gebäudeschatten an den Platzrändern. Es war eine körperlich und emotional faszinierende, seltene Erfahrung, Bilder aus dem Film „12 Uhr mittags“ schwirrten durch mein Sonnengedörrtes Hirn.
In der Ausstellung waren psychodelische Filmzuckungen zu sehen und Kiffermusik von Grateful Dead zu hören, ich war stoned, ohne einen Zug gemacht zu haben. Um es im schwammig-unpräzisen Betroffenheitsjargon zu formulieren: Solche Tage machen etwas mit einem.
Die Frage dabei ist immer nur, was. Was dabei hinten rauskommt, respektive oben ankommt.
Wo erweitert sich mein Wissen, mein Horizont? Erfahrungen sammeln kann jede, das allein macht noch keinen anderen, geschweige denn besseren Menschen. Erst die Reflexion darüber schafft Prozesse von Veränderung.
Soweit das Wort zum Montag.
Interessant auch die Erklärungen zu den Exponaten. Bei der Herstellung der psychodelischen Rockplakate (die flackerten immer so, ähnlich wie Wackelbilder) waren mindestens fünf verschiedene Berufsgruppen nötig, neben dem Künstler der Offsetlithografiedrucker, Reprofotografinnen, Druckvorlagenherstellerinnen etc. pp.
Und dann kam der Computer …

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