27.07.2019 – Vegetieren von A nach B


Der Narziss, Caravaggio, Potsdam Barberini Museum. In der dortigen Ausstellung mit Meisterwerken des Barock wird klar, warum Caravaggio ein Ausnahmemaler war. Keins der anderen Bilder hat eine derart fast beklemmende Sogwirkung, allein auf Grund der Komposition. Caravaggio verzichtet völlig auf schmückende, Symbolbehaftete Zierrat. Nur Narziss, ganz nah, sofort und ausschliesslich im Thema. Aber die gesamte Ausstellung lohnt. Ein Bild: „Der Künstler bei der Arbeit“. Eine tolle Selbstreflexion der eigenen Arbeit und des eigenen Mediums,revolutionär zur damaligen Zeit, und auf der Darstellungsebene eine spannende Abwechslung zum Dauerklerikalen Gedöns der Renaissance.
Museen sind unverzichtbar, Orte der Bildung, der ästhetischen Erziehung und der Kontemplation. Nicht zu vergessen: der Kühlung. Was für eine Labsal bei diesen äquatorialen Temperaturen. Es war interessant zu registrieren, wie beim Flanieren mit jedem Grad mehr sich die Schrittfrequenz meiner Begleitung und mir reduzierte, die Wörter fielen immer seltener aus unseren Mündern und versiegten bald völlig. Alles reduziert, wir vegetierten quasi von A nach B. Aber garnicht einmal unfroh. Es war ein amöbenhaftes auf sich selbst Geworfensein. Eine faszinierende Grenzerfahrung.
Das kann ja noch heiter werden, mit dem Klima. Gut, dass es Museen gibt.

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