05.09.2019 – Ich stehe unter Kommunismus-Verdacht


Ein Sauvignon Blanc mit leicht holziger Note sowie einer ausgewogenen Kombination aus belebender Säure und feinfruchtigen Aromen nach Stachel-, Johannisbeeren und etwas Limette. Kommt ungefähr hin. Früher hätte ich solche Etiketten etwas peinlich gefunden, in Zeiten wie diesen tätige ich bei sowas einen Soli-Kauf. Wenn das Zeug obendrein noch schmeckt, was es definitiv tut, umso erfreulicher. Das Gleiche gilt für Yarden Chardonnay, Wein aus Israel, von den Golan Höhen. Und hier werden unsere linken „Genossinnen“, die aber wegen ihres notorischen Antisemitismus schon lange keine mehr sind, aufheulend mit dem Palästinenser-Tuch wedeln und zetern, dass sei syrisches Gebiet und von den Zionisten besetzt.
Fakt ist: Von den Golanhöhen aus hatte syrische Artillerie früher auch in Friedenszeiten immer wieder Israel beschossen. Das Ziel der Araber war die Vernichtung Israels, so der große Vorsitzende Nasser kurz vor dem Sechstagekrieg, Zitat: „Unser grundlegendes Ziel ist die Vernichtung Israels.“
Israel wollte das verständlicherweise nicht abwarten, was ihm Antisemiten aller Welt ebenso übelnehmen wie den Holocaust, zerstörte innerhalb weniger Tage die gesamte arabische Militärmacht im Sechstage-Krieg und besetzte Teile der gegnerischen Territoriums wie die Golanhöhen. Die Syrer hatten ihre Rechnung ohne den Wirt gemacht und waren die Golanhöhen los. So ist das halt, wenn man anderen droht und dann einen auf die Fresse kriegt. Schlesien war auch mal deutsch, auch da ging die Geschichte drüber hinweg, und mich würde das Ganze nur noch interessieren, wenn da Wein angebaut würde.
Summa summarum, bei aller tiefen Abneigung gegen den Reaktionär Netanyahu, mit dem ich nicht sehr viel gemein habe, hebe ich nach wie vor das erste Glas Yarden immer auf das Wohl Israels und neben köstlich-kühlem Geschmack durchrieselt mich dann ein warmes Gefühl der Solidarität mit dem Staat Israel. Soli-Saufen ist echt ne geile Sache und um mein Links-Sein wegen proisraelischer Gesinnung muss ich mir schon lange keine Gedanken mehr machen. Links von mir ist nur noch die Wand und ich stehe mittlerweile unter Kommunismus Verdacht: Nach einer Talkrunde, in der ich aufzählte, was es für Instrumente zur Lösung der Wohnungsnot gibt, so u. a. die Möglichkeit der Enteignung von großen Wohnungskonzernen nach § 14 und 15 Grundgesetz, fragte ein Besorgter einen Freund von mir im Publikum: „Ist der Mann Kommunist?“
Wer heutzutage auf dem Grundgesetz insistiert, ist verdächtig. Kommunist oder so.
Es gibt üblere Nachreden. Aber ein Grund zum Saufen sind solche Geschichten allemal. Sie wissen ja jetzt, welche Tropfen da in Frage kommen, liebe Leserinnen. Prost!

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