06.09.2019 – Der Rest ist Schweigen


Sonnenblume Goldener Neger, ca. 3 Meter hoch. Als ich heute Morgen Kleidungsreduziert wie Sommers üblich den Garten durchmaß, fasste mich ein Frösteln an. Einstellige Temperaturen ließen den eisigen Griff von Marschall Winter ahnen. Der Goldene Neger, der mittlerweile nicht mehr so heißt, lächelte aus luftiger Höhe auf das bibbernde Rührstück und schüttelte im Wind sachte sein goldiges Haupt. Vor ein paar Tagen war ich noch in Moabit von sengender Hitze gegrillt worden,

direktemang vor der „Traube“, aus der ein Bierbrodem schlug um 11 Uhr vormittags, dass man heftigst einen kühlen Wermut mit einem Dash Limette herbeisehnte. Die Zweizeiler erfreuten, denn ist es auch nicht Shakespeare, so hat es doch Klang. Alles, was jenseits von System-Gastronomie, Hipster-Läden und Szenegedöns-Schuppen liegt, erringt mein Wohlgefallen. Ist es auch ein anderer Begriff von ihr, so ist es doch Kultur. Und dann fiel mir noch dieses Bild von Subkultur in die Hände:

Bam Bam Club im hannöverschen Rotlichtviertel. Wäre ich Rassist, würde ich mir den Scherz erlauben: Ist das der Clubinhaber, der da abgebildet ist? Szene und Rotlicht hat sich schon lange vermischt. Ob das dem Niveau zuträglich ist, wage ich zu bezweifeln.
Bis hierher haben mich die Worte getragen. Der Rest ist Schweigen.
Oh, ich sterbe, Horatio!
Das starke Gift bewältigt meinen Geist;
Ich kann von England nicht die Kunde hören,
Doch prophezei ich: die Erwählung fällt
Auf Fortinbras; er hat mein sterbend Wort;
Das sagt ihm, samt den Fügungen des Zufalls,
Die es dahin gebracht –
Der Rest ist Schweigen.

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