19.09.2019 – Disco Pam Pam.


Was für ein schöner Name. Gesehen auf Korfu. Über dem Bild liegt ein Schleier von Elegie, nicht nur wegen der Wolke, die ich in dem Moment genoss auf einer Wanderung, die ansonsten von leuchtender Sonne geprägt war. Das Licht produzierte Bilder voller gleißender Intensität.

Allein die verschiedenen Blautöne des Meeres lohnten die Reise. Was braucht’s den großen Blaumacher Yves Klein, wenn es so ein Meer gibt. Aus obiger Disco dringen schon lange keine Pam Pam Geräusche mehr, wofür ich dankbar war. Auf den Wanderungen hielt ich oft inne allein wegen der Stille. Mitunter hörte man nur ab und an das Zirpen einer Grille, Zwitschern eines Vogels oder Geschnarre von Zikaden, und dann minutenlang wieder Nichts. Ein ganz seltenes Erleben, bei dem ich tief genießend durchatmete. Sonst hat der Gott des Lärms überall seine Folterinstrumente inszeniert, kommt man in eine Taverne, tönt Bouzouki-Geplärre von der Konserve, liegt man Strand, dröhnt aus einer Bar Disco Pam Pam, es ist wie Kaufhaus mitunter, nur mit besserer Luft, Sonne, Meer und Licht. Es ist, als ob das Universum des Konsums uns im Dauerwürgegriff an den Ohren hätte, um uns niemals zur Besinnung kommen zu lassen. Das ist altbekannt, wird allerdings immer schlimmer. Ich will aber mitunter einfach mal nur die schönste vorstellbare Symphonie hören mit dem Titel: Nichts. Stille. Hier eine 4:33 Version davon.
Ich wohne an einer Straße mit zigtausenden durchbrausenden Autos pro Tag, hab mich dran gewöhnt, aber das ist auf jeden Fall gesundheitsschädlich, auch was Lärm angeht. Dürfte mich 1,3 Jahre meines Lebens kosten. Das ist eben der Preis, wenn man Großstadt will. Also lag ich mitunter eine Stunde auf meinen Wanderungen in einem Olivenhain und genoss Nichts. Eine spektakulär meditative Erfahrung.
War aber genauso froh und dankbar über solch skurrile Bilder wie Disco Pam Pam am Wegesrand. Die Summe dieser wie ermattet in einem Grauschleier selbst in Sonne sich addierenden Bilder führte mir deutlich vor Augen, was für eine andere Struktur in Griechenland herrscht, mitunter „Drittwelt“-Anmutungen, anders als in Spanien oder Italien, um mal am Mittelmeer zu bleiben. Durch das Authentische, Pittoreske schimmert in Griechenland immer auch der Kern der Überforderung durch. Dieses Land hätte niemals in die EU aufgenommen dürfen. Den Konkurrenzdruck konnte es, ähnlich wie die vormalige Ostzone nach der Annexion, niemals unbeschadet durchstehen. Wie denn konkurrieren gegen Aldi, Lidl, Siemens, VW? Das alles ist bekannt. Wenn man es als in Bilder geronnene Erfahrung lebensecht vor Augen geführt bekommt, hat es aber eine andere Wirkung als ein noch so schlaues Buch. Es setzt sich viel tiefer ab, als quasi politisches Sediment im Bewusstsein.
Und hier gibt’s erste Bodenfröste. Ich lass den Trolley am besten gleich draußen. Vorab aber sonniges Wochenende, liebe Leserinnen.

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