16.11.2019 – November Elegie


Wenn ich zur Strasse rausgucke, kriege ich Herbstblues und Fernweh, der Blick in den Garten ist erfreulicher. Das, was da noch blüht, hält sich bei dem nasskalten Wetter ewig. Dieses rote Gewächs kann ich nur empfehlen, heisst Dipladenie, blüht von Mai bis zum ersten dicken Frost in üppigster Pracht. Soll von irgendwo aus dem Dschungel kommen. Auf dem Markt verschwinden die regionalen Erzeugerinnen langsam, der Tomatenstand ist nicht mehr da, die Pflaumen sind auch überständig. Wer jetzt noch keine Rumtopf hat, den bestraft das Leben. Bei diesem Wetter hab ich mitunter sogar Zeit für Erinnerungen. Neulich, grad ne Woche her, Veranstaltung in meiner alten Heimat, im Eichsfeld. Bei Moderationen, Vorträgen etc. pp. bin ich normalerweise nicht mehr nervös. Irgendwann stellt sich da mitunter einschläfernde Routine ein, und wer mal Strassenperformances gemacht hat, mit all den schrägen Vögeln, die da draussen rumlaufen, wen sollte da eine gesittete Ansammlung von wissbegierigem Fachpublikum irritieren.
Von wegen.

Eichsfelder Tagblatt vom 08.11.2019. Ich merkte vor Beginn wachsende Nervosität. Irrsinnige Gedanken wie: Ich darf die Highmat nicht enttäuschen. Zu Beginn war sogar mein Mund trocken. Und weit und breit kein Sauvignon.
Muss man erst so alt werden um so was zu erleben? Ansonsten kann mich der Begriff Heimat mal. Und der November auch. Ich geh packen.
Süden, Meer, Sie wissen schon, liebe Leserinnen

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