22.11.2019 – Für sowas sollte eigentlich die Straßenreinigung zuständig sein


Gut Böse.
Vor dem Krieg oder zwischen den Kriegen, ich weiß es nicht mehr, es ist sehr lange her und ich war noch ein Waldbauernbub, las ich begeistert das „Reader’s Digest“. Reader’s Digest war eine reaktionäre US-Kampfpostille, die mit allerlei Rührgeschichten kleine Pimpfe wie mich, aber auch Erwachsene, subkutan mit dem American Way of Life indoktrinierte, Kirche, Küche, Kapitalismus und Kommunismus igitt. Das Mistblatt ist mittlerweile pleite, wird nicht mehr gebraucht, Auftrag ausgeführt, der Kapitalismus hat auf ganzer Linie gesiegt. Besonders gerne las ich die Reihe „Ein Mensch, den man nicht vergisst“, wo dann z. B. ein heldenhafter Baptistenprediger im roten China vorgestellt wurde, der unter Lebensgefahr die Heiden missionierte und dort die Stellung hielt, also eine Missionarsstellung. So Zeug halt.
Jetzt wissen Sie, wie Friedrich Merz zu dem wurde, was er ist. Bei der Lektüre ….
Auch wenn ich es heute, Äonen später, anders formulieren würde, zwei, drei Leute sind mir im Lauf der Jahre schon untergekommen, die ich unter diese Rubrik fassen würde. Einer kam mir vorgestern unter die Augen, als ich von der Erwerbsfron völlig ermattet nur noch vor dem TV abhängen konnte, mich langsam in Morpheus Arme wiegen lassen wollte und dabei auf ein Interview mit Prof. Dr. Gerhard Trabert stieß, eine Ikone auf dem Gebiet Armut & Gesundheit. Ich hab mehrmals mit ihm zusammen gearbeitet und habe selten, eigentlich noch nie, jemanden getroffen, der einen derartig beeindruckenden Lebenslauf besitzt, so engagiert, kompetent und dezidiert politisch ist und dabei völlig unprätentiös, liebenswürdig und zugewandt ist. Im Gegensatz zu einer erklecklichen Anzahl von Leuten, bei denen ich nach getaner Arbeit froh bin, wenn ich deren Rücken sehe, hab ich mich bei Trabert immer schon Tage vorher auf die Zusammenarbeit gefreut. So wie ich mich darüber freue, dass es in den Tiefen des Netzes Fotos davon gibt, wie hier unter der zauberhaften Überschrift „Das Zahnmobil auf der Landesarmutskonferenz“
Hat was von der Sendung mit der Maus.
Auch aus Gründen der politischen Hygiene sind solche Erinnerungen für mich im Moment wie Licht am Tunnel, Fackeln in der Dusternis oder ein Hauch „Sauvage“ von Dior in einer schweißstinkenden Berliner Feierabend-U-Bahn im Hochsommer. Das trifft’s wohl am besten, wenn ich daran denke, dass sich für Morgen hier eine Rotte Faschisten angesagt hat, um mit einem Marsch gegen missliebige Journalisten zu hetzen.
Für sowas sollte eigentlich die Straßenreinigung zuständig sein…Hoffentlich ist morgen ein breites Bündnis dagegen auf den Beinen. Und hoffentlich ist es nicht so nasskalt und eklig wie die letzten Tage.
Wir sehen uns um 13.30 Uhr auf dem Stephansplatz in Hannover. Gegen die Kälte von innen und aussen habe ich einen Flachmann mit einem excellenten 10 Jahre alten Matusalem Rum aus Kuba dabei, Soli-Schluck. Ich geb dann einen aus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.