24.11.2019 – Ich hab’s ja gleich gesagt!


„No pasarán – Sie kommen nicht durch“. Gestern auf der Anti-NPD Demo in Hannover.
Am 19. Juli 1936 rief Dolores Ibárruri über Radio Madrid zur Verteidigung der Demokratie auf. In Spanien hatte gerade das Militär gegen die Zweite Spanische Republik geputscht. Der grausame spanische Bürgerkrieg hatte begonnen.
Seitdem ist „No pasarán“ ein Schlachtruf der Linken in aller Welt, wenn die Demokratie bedroht wird. Dass das auch bis FFF Uelzen gilt, hat mich einerseits erfreut, andererseits entbehrt es auf Grund der Fallhöhe zwischen dem weltgeschichtlichen Ursprung im spanischen Bürgerkrieg und seiner tagesaktuellen Anwendung in Uelzen nicht einer gewissen Komik. Ein Grundgesetz der Komik lautet: Fallhöhe herstellen. Dazu später mehr.
Lustig war auf jeden Fall die Tatsache, dass ich zur Demo mit einem Taxi anreiste, vermutlich als einziger von ca. 8.000 Demonstrierenden. Ich war leicht matt bis platt und mir ward nach angemessener Bequemlichkeit. Die Geschichte sorgte für erstaunte, aber nicht überraschte Heiterkeit. Mit Taxi zur Demo, das hat man in linken Kreisen eher nicht, selbst wenn man zum Urlaub nach Neuseeland fliegt und ein Fachwerkhaus sein Eigen nennt.
Als bekennender Dandy bin ich in linken Kreisen nicht unbedingt mehrheitsfähig. Aber in Kreisen, in denen ich mehrheitsfähig bin, möchte ich auch nicht verkehren. Insofern war alles gut.
Na ja, fast. Wenn man liest, wie sich die Polizei wieder mal verhalten hat, möchte man am Zustand des Staates verzweifeln. Wenn man nicht eh wüsste, dass die Angehörigen des Repressionsapparates überwiegend rechten, autoritären bis faschistoiden Ideologien anhängen, seit Weimarer Zeiten. Auf linken Demos werden alle, die sich dem Vermummungsverbot widersetzen, in Kesseln umzingelt, rausgegriffen und Knüppelmässig behandelt. So ist unter anderem die Gewalt beim G20 Gipfel in Hamburg mit entstanden.
In Hannover ließ sich die Polizei von NPD Demonstranten erklären, warum die sich vermummten. Das war’s. Freifahrtschein für Nazis. Unsere Demokratie wird von vielen Seiten bedroht, das Verhalten staatlicher Organe ist nicht die geringste Ursache für den Legitimationsverlust unserer Demokratie.
Am Ende des Nachmittages gingen 8.000 meist gut gelaunte bürgerliche Antifaschistinnen mit dem zufriedenen Gefühl nach Hause, es den Nazis aber mal wieder so richtig gezeigt zu haben, während ca. 150.000 Duckmäuse, Spießer und Lifestyle-Optimierer*innen in der City shoppen gingen und mir auf die Eier. Blödes unpolitisches Pack, aber hinterher die Fresse aufreißen, wenn sie selber wegen irgendwelcher Abweichungen von der Norm in Lager gesperrt werden, sei es falsche sexuelle Orientierung, falscher Glauben, falsche Vergangenheit oder mangelhaftes Sozialscoring.
Mir egal, ich sitz dann auf meiner Hazienda auf Korfu und schreib meine Memoiren mit dem Titel: „Ich hab’s ja gleich gesagt!“
Die Tatsache, dass über Jahrzehnte linker politischer Antifaschismus und grundsätzlich alles Linke (damit meine ich natürlich nicht SPD, Grüne etc.) diffamiert wurde, meist von Leuten, deren IQ ich noch im Koma um ein Vielfaches toppe, fällt uns jetzt böse auf die Füße. Zumindest auf den Linken.
Einen fröhlichen Start ins Wochenende, liebe Leserinnen.

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