29.11.2019 – Es wird kälter


Blick auf die Veranda: bevor die Fröste kommen, schnell noch Restblüten eingesammelt. Wobei die Rose noch wunderbar duftet und unermüdlich ist, die produziert auch zu Weihnachten noch Blüten. Ein Blick in die Politik zeigt, dass sich manche Blütenträume auf das Schönste verwirklicht haben, wie die Geschichte vom grünen EU-Parlamentarier Reinhard Bütikofer zeigt. Der beklagt völlig zu Recht in der HAZ vom 28.11.2019 die „Bösartigkeit des Regimes“ im kommunistischen China, das massenhaft Uiguren interniert, Zitat: „Wer solche Dokumente (die die Bösartigkeit des Regimes belegen sollen, kdg) an die Öffentlichkeit gebracht hat, empfindet vielleicht so etwas wie Scham, dass der altehrwürdigen Kulturnation China solche totalitären Praktiken aufgezwungen werden. Da werden Professoren in Lager gesteckt, und in den Dokumenten heißt es, man müsse den Lagerinsassen beibringen, wie man sich anständig anzieht. Das ist zynisch.“
Welcher aufrechte Demokrat wollte solch wackeren Sätze nicht unterschreiben. Bütikofer ist Experte.
Laut Wikipedia war er in den 70ern Mitglied der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft (GDCF) und des maoistischen Kommunistischen Bund Westdeutschland KBW. .
Was bei Wikipedia nicht steht, kann man hier in einem Artikel des „Neuen Deutschland“ von 2008 nachlesen, und es beschreibt die Gesinnung und Phantasien dieser Parteikader präzise:
„In einer Schrift des KBW hieß es etwa über Daniel Cohn-Bendit, damals Mitstreiter der Frankfurter Sponti-Gruppe »Revolutionärer Kampf«, aus der auch Joschka Fischer kam: »Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder er wird von der Arbeiterklasse eine nützliche Arbeit zugewiesen bekommen, etwa in einer Fischmehlfabrik in Cuxhaven, oder er wird während der Revolution durch die Massen an den nächsten Baum befördert.«
Pack schlägt sich, Pack verträgt sich, später trafen sich die Schmähenden und Geschmähten schiedlich-friedlich bei den Grünen, einem Abklingbecken für Pseudorevoluzzer*innen (ein paar Frauen waren auch beim KBW dabei, aber wenige. Solche kranken Machtphantasien von Zwangsarbeit und Aufhängen sind Männerdomäne.)
Der Autor dieser Zeilen ist der Letzte, der Faulenzern und Studienabbrechern wie Bütikofer die Karriere nicht gönnen würde. Und jede*r hat das Recht auf Entwicklung und Veränderung. Nichts ist so schrecklich wie der bar jeder Veränderung durch sein trostloses Dasein stapfende Spießer. Und geläuterte Sünder wie Bütikofer oder den ex-Steinewerfenden ex-Außenminister Joseph Fischer liebt die Gesellschaft, viel mehr als diesen immer schon alt gewesenen Sauerland Rocker Friedrich Merz, der mit seinen Ansichten geboren wurde.
Was mich an der Sache so stört, ist dieses synchrone, flächendeckende, immer dem Zeitgeist angepasste Verhalten, dieser gnadenlose Opportunismus, koste es, was es wolle. Sie haben alle unten links angefangen und enden alle oben rechts. Nicht einer, der antizyklisch agieren würde, lebendig halt, und gerade jetzt, wo es darauf ankäme, linkes, radikales Denken reaktiviert. Kein Wunder, dass sie alle (na ja, fast, Fischer und Bütikofer zumindest) fett und hässlich sind, in einen Fettkokon gepanzert gegen das Leben, und die Scham. Die dann doch, siehe oben, bei Bütikofer, ihren unbewussten Ausbruch hatte. (Es gibt auch Sympathische und Engagierte bei den Grünen, die weder Verstand noch Moral an der Garderobe der Institutionen abgegeben haben. Um die geht es hier nicht, hier geht’s um Kritik, immer.)
Eine feine Gesellschaft.
Es wird kälter. Trotzdem schönes Wochenende, liebe Leserinnen.

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