07.05.2020 – Kotzen, Pissen, Prügeln.


Corona-Abstandshalter.
Da ich nur Phantasien, aber keine Ahnung habe, wie es mit der Corona-Krise weitergeht, muss ich mich mit meinem Alltagsverhalten natürlich dauernd darauf ein- und umstellen. So sieht eine der raren Arbeitssitzungen bei mir unter den Bedingungen von Home-Office in Zeiten von Corona aus. Als Corona-Abstandshalter fungiert ein auf 2 Meter ausgeklappter Zollimann.
Eins ist sicher: Die Krise regt den wichtigsten, aber auch zu Tode zitierten und gerittenen menschlichen Rohstoff an: Die Phantasie. Vor deren Zitierung ich spätestens seit dem Gruselgraffiti der glorreichen 70er an allen Wänden der Städte: Phantasie an die Macht! Reißaus nehme. Bei den Phantasien, die in unserer Gesellschaft vagabundieren, würde ich zum Mond auswandern, wenn die an die Macht käme.
Kleine, behinderte Geschwister der Phantasie sind zwei Pestbeulen der Moderne: Religion & Fußball. Wer sonst im Leben nix hat, hat sowas. Religion & Fußball füllen in der Existenz des offensichtlich von den Anforderungen der Moderne heillos Überforderten eine Leerstelle aus. Vermutlich die unstillbare Sehnsucht nach Liebe & Anerkennung, wer weiß das schon so genau. Solche Leerstellen werden normalerweise mit Alkohol und Drogen aufgefüllt, oder auch Arbeit.
Von letzterem ist abzuraten. Wenn ich die Wahl zwischen einem Puligny-Montrachet und einer Vierstunden-Konferenz mit einer Horde Grenzdebiler hätte, wüsste ich, wofür ich mich entscheide. Den Religions- und Fußball-Abhängigen sind solche Gedanken wumpe, die Regierenden wollen sich mit derart Gestrickten lieber nicht anlegen und gestatten ihnen, demnächst wieder ihre satanischen Kulte auszuüben. Dem Religionsausübenden sei zu Gute gehalten, dass er zwar falsche, aber wenigsten überhaupt Moralvorstellungen hat, und er übt seinen Kult überwiegend still, auf sich bezogen und unter Zuhilfenahme nur geringer Mengen Alkohol, dem Messwein, aus. Beim Verlassen seiner Kultstäte fällt er kaum auf.
Der Fußballabhängige ahnt tief im Inneren, dass sein moralischer Kompass völlig verstellt oder schon auf dem Müll gelandet ist. Sowas ist natürlich kaum zu ertragen und deswegen knallt er sich die Rübe bis ins Koma voll. Was man beim Verlassen seiner Kultstätte, dem Stadion oder der Fußballkneipe merkt: hier greift der öffentliche Dumpfmeister-Dreikampf Kotzen, Pissen, Prügeln.
Und darauf setzt meine Hoffnung angesichts der Wiederaufnahme der Fußball-Bundesliga ab 15.05: Dass sich tausende Vollidioten ohne Masken, im Torjubel eng umschlungen (in Fußball-Ritualen wird so viel latente Homosexualität „ausgelebt“ wie kaum irgendwo) vor den Stadien versammeln und Bilder liefern, die den Humanisten wünschen lassen, ein Meteorit fahre gen Erde und mache aller Menschheit ein Ende. Und am nächsten Tage werden alle Geisterspiele verboten bis in alle Ewigkeit, Amen, und der Profifußball geht dahin, wo er hingehört, in die Pleite.
Überhaupt Geisterspiele, was für eine wundervoll vieldeutige Bezeichnung.
Diese Suada wider die unheiligen Geschwister Religion & Fußball hält mich natürlich nicht davon ab, mir beim nächsten Fußball-Großereignis mittels meines geballten Sachverstandes durch eine gutplatzierte Wette gegen die Ostgoten einen kleinen Urlaub zu verdienen.
Und im nächsten Urlaub im Süden bei einer Wanderung in einem kleinen Bergdorf in der Ortskirche auf eine Bank zu sinken und der Kontemplation zu frönen. Ist ja auch schön kühl und still da.
Wohin einen die Phantasie so treibt. Das hätte ich beim Beginnen des heutigen Eintrages nicht gedacht, dass ich am Ende in einem kleinen Bergdorf lande.

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