16.06.2020 – Das Leben ist eine Bühne, aber das Stück ist schlecht besetzt.


Mais, Melonen, Johannisbeeren, Malve. Teil des Seuchen-Survival-Bereichs in meinem Garten, weiter sind da noch Tomaten, Paprika, Kohlrabi, Chili, Salate, Himbeeren, Wein sowieso etc. pp. Natürlich betreibe ich das nicht ernsthaft, wie ich überhaupt wenig bis Nichts im Leben ernsthaft betreibe, das Leben selbst eher als unernste Angelegenheit betrachte. Sieht man von der eigenen Geburt mal ab, für die man Nichts kann. Aber ab da unterliegt es zu gewissen Teilen der eigenen Verantwortung, ob man eine bürgerliche Tragödie oder eine gelungene Sitcom draus macht.
O.k., im Sudan, Syrien und Jemen sind die Voraussetzungen dafür eher schlecht, in sozialen Brennpunkten hierzulande auch und wenn man bekloppte Eltern hat …Also die Auswahl zum Start in das Rennen um die beste Lebensaufführung ist zugegeben begrenzt, aber grundsätzlich hat der unvergleichliche Oscar Wilde recht, wenn er sagt: Das Leben ist eine Bühne, aber das Stück ist schlecht besetzt.
Das Leben ist also eine Inszenierung, zumindest in Dandy-Kreisen, und demzufolge ist selbst eine Seuche wie Corona auch unter dem Gesichtspunkt der bestmöglichen Inszenierung zu sehen, um Oscar zu falsifizieren. Daher galoppierte irgendwann in der Aufzucht- und Vegetationsphase meine coronöse Phantasie mit mir durch, ich stellte mir eine postapokalyptische Welt vor, in der staatliche Ordnung zusammengebrochen war, marodierender Mob durch die Straßen zog und selbst Aldi zu hatte.
Um den Genossen Lenin zu zitieren: Was tun?
Wie als Selbstversorger überleben in finstren Zeiten? Mich wappnend gegen eine See von Plagen, sattelte ich meinen Mustang, ritt zum nächsten Markt und versorgte mich mit Setzlingen sonder Zahl und aller Art.
Und siehe, es ward wohlgeraten. Das Erntedankfest wird ein Festschmaus mit erlesensten Getränken. Natürlich Nichts aus meinem Garten. Bei den Schadstoffen, die hier an der dreckigsten Straße des Universums rumfliegen, setze ich das Zeug höchstens Gästen vor.
Ich betreibe diesen Anbau natürlich nicht ansatzweise ernsthaft, siehe oben. Ich bin ja kein Prepper oder Seuchenparanoid. Macht einfach Spaß, dem Zeug beim Wachsen zuzusehen und man kann gut damit rumprahlen: „Also ich bau nur noch selber an, da weiß man, was man hat.“
Öko-Geschwafel halt, was aber in heutigen Zeiten des allgemeinen Sittenverfalls höchsten Distinktionswert hat. Erzählen Sie mal in froher Runde, Sie hätten sich einen 400 PS Camaro gekauft, da werden Sie aber schnell erleben, wie sehr der Distinktionswert von PS zusehends gegen Null strebt. Außerdem fallen bei Eigenanbau immer gute Geschichten, das Salz in der Suppe des Lebens, an.
Ich erzählte davon unlängst in einem Berliner Biergarten und räsonierte darüber, dass der Anbau von Marihuana betriebswirtschaftlich wesentlich sinnvoller sei, da man mit dem Ertrag einer einzigen Pflanze im Tauschverfahren in postapokalyptischen Zeiten ein zigfaches des Gemüse-Ertrages auf ähnlicher Fläche erzielen könne. Der an unserem Corona-Abstands-Tisch herumwieselnde flinke und helle Kellner intervenierte sofort:
“Bring det Zeug vorbei, wa, und ick vakoof det hier portionsweise, is ne jute Jejend dafür.“
Berliner Kellner haben offensichtlich einen gewissen Härte-Grad, der durch Corona durchaus gestählt wird.
Mein Trinkgeld fiel generös aus. Wir schieden als Kumpels und ich sitze jetzt hier und bin am kalkulieren …. Ich halte Sie auf dem Laufenden, liebe Leserinnen.
Corona Zeiten ….

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